20. Allerlei Übel.

[24] IV, 9.


1. Du Retterin des Lebenden, komm her, Kleinod (?) des Berges du,

Von allen Göttern uns geschenkt zur Schirmung unsres Lebens, traun!

2. Den Menschen dienest du als Schutz, Schutzmittel bist du für das Vieh,

Dem Ross, dem edlen Renner, auch zum Schutze stehest du bereit.

3. Ein Schutz auch gegen Zaubervolk bist, Salbe! du, du bringst es um.

Dem Amṛita bist du vertraut, den Lebenden ein Hochgenuss,

für Gelbsucht eine Arzenei.[24]

4. Wer über Glieder und Gelenk, o Salbe! dich hingleiten lässt,

Aus dem treibst ein die Krankheit aus, dem Starken gleich, der schlichten kann.

5. Den trifft kein ausgestossner Fluch, kein Zauberspruch und keine Pein,

Den kommt nicht das Viṣkandha an, der dich, o Salbe! an sich trägt.

6. Vor Lügenrede, bösem Traum, vor Unthat und Befleckendem,

Vor unheilvollem, bösem Blick beschütze du, o Salbe, uns!

7. Nach bestem Wissen, wahrheitstreu red ich, o Salbe! ohne Falsch,

Mög ich erlangen Ross und Rind und deinen Lebensgeist, o Duft!

8. Drei Sclven bändigt diese Salb: Takman, die Schwindsucht und die Schlang;

Der Berge höchster Gipfel ist dein Vater, er heisst Trikakud.

9. Die Salbe, die vom Trikakud, vom Schneegebirge ward erzeugt,

Die reibe alle Zaubrer auf und bringe alle Hexen um.

10. Ob du dem Trikakud entstammst, ob nach der Yamunā du heisst;

Mit beiden Ehrennamen sei, o Salbe, meines Lebens Schutz!


IV, 10.


1. Vom Wind gezeuget und der Luft, des Blitzes Feuerglanz entstammt,

Schütz diese goldne Muschel hier, die perlenhaltge, uns vor Noth!

2. Die du vor allem Schimmernden vom Meer, o Muschel! wardst erzeugt,

Du tödtest uns die Raxasen und unterwirfst die Atrin uns.

3. Du wendest Plag und Armut ab, vertreibest die Sadānuās,

Die Perlenmuschel schütze uns, die alles heilende, vor Noth.

4. Des Himmels Tochter und des Meers, gewonnen auch in Stromes Bett,

Die Muschel mit dem goldnen Glanz ist uns ein Schatz und Lebenshort.

5. Der Schatz, der aus dem Meer erstund, wie aus der Wetterwolk die Sonn,

Der schütz uns vor dem Wurfgeschoss der Götter und der Asuras.

6. Kein Goldschmuck kommt dir, Muschel! gleich, aus Somasatt entstundest da.

Am Wagen schimmerst du als Schmuck, des Köchers Zierrat bildest du, [verlängere das Leben uns].


7. Aus Götterknochen ist Perlmutter worden;

es ward lebendig, und es wohnt im Wasser.

Ich häng dir's an zu deines Lebens Stärkung,

damit du hundert Herbste zählst hienieden.


IV, 17.


1. Dich Herrin der Heilmittel all, Siegreiche, dich ergreifen wir;

Als tausendkräftge Arzenei für alles, Pflanze, brauch ich dich.

2. Die siegreich Fluch abwehrende, gewaltige, rückwendende

Ruf ich sammt allen Kräutern her und flehe: »Rette uns hieraus![25]

[3. Die Hex, die einen Fluch gethan, die giftger Wurzel sich bedient,

Blutsaugend eines angepackt, die fresse ihre eigne Brut!]

4. Was in dem Topf von rohem Thon, was in dem dunkelrothen sie

Gezaubert, was am rohen Fleisch, damit vernicht die Zauberer!

5. Bös Träumen, Lebenskümmerniss, Gespenster, Graus, Unholdinnen,

Und alle Unheil sprechenden Durṇāmnīs thun wir von uns ab.

6. Den Hungertod, den Tod des Dursts, Viehmangel, Kinderlosigkeit,

Das alles streifen wir von uns kraft deiner, Apāmārga! ab.

7. Den Hungertod, des Durstes Tod, die Niederlag im Würfelspiel,

Das alles streifen wir von uns kraft deiner, Apāmārga! ab.

8. Der Apāmārga ist allein der Herr der Pflanzen allzumal.

Was dir zustiess, das tilgen wir durch ihn; geh heil nun deinen Weg!


VI, 96.


1. Die Pflanzen in Gott Soma's Reich, zahlreich, an Aussehn hundertfach,

Die Triebe des Bṛihaspati, erlösen uns aus Sünd und Noth.

2. Sie mögen nehmen was durch Fluch und was von Varuṇa mich traf,

Der Schlinge Yama's mich entziehn und aller Schuld gottloser That.


3. Was mit dem Auge, was mit Mund und Herzen,

was wachend wir gefehlt und was im Schlafe,

Davon mög Soma wie gewohnt, uns reingen.


VII, 65.


1. Rückwärts triebst, Apāmārga! du die Frucht heraus, da du erwuchsst;

Treib aller Flüche Unglücksmacht von mir hinweg in weite Fern!

2. Was Schlechtes wir und Schimpfliches, was wir boshafter Weis gethan,

Das streifen wir von uns hinweg kraft deiner, Allwärtsschauender!

3. That sich ein Krüppel zu uns her, schwarzzahnig einer, nagelkrank,

So streifen, Apāmārga! wir das alles mittelst deiner ab.


XIX, 38.


1. In den dringt Krankheit nicht hinein, Arundhatī! noch auch ein Fluch,

Den das heilkräftge Bdellion mit seinem Wohlgeruch erfüllt.

2. Vor dem fliehn Seuchen allerwärts wie Antilopen vor dem Leu.

Ob du vom Fluss kommst, edles Harz! ob du vom Meere bist gebracht,

Zu beiden Arten greife ich, dass dieser unverletzbar werd.

Quelle:
Hundert Lieder des Atharva-Veda. Tübingen 1879 [in: Schulschriften a. d. Kgr. Würtemberg. Nachtrag 1869–80], S. 24-26.
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