Die einzelnen Linien

[170] Anfangs eine Sechs bedeutet:

Wenn du wahrhaftig bist, doch nicht bis zum Ende,

so gibt es bald Verwirrung, bald Sammlung.

Wenn du rufst, so kannst du nach einem Griff wieder lachen.

Bedaure nichts. Hingehen ist ohne Makel.


Die Lage ist hier, daß man sich sammeln will um einen Führer, zu dem man aufblickt. Doch befindet man sich in zahlreicher Gesellschaft, durch die man sich beeinflussen läßt, so daß man in seinem Entschluß wankend wird. So hat man keinen festen Mittelpunkt für eine Sammlung. Wenn man aber dieser Not Ausdruck verleiht und um Hilfe ruft, so genügt ein Griff des Führers, um alle Not zu wenden. Darum darf man sich nicht irremachen lassen. Sich an jenen Führer anzuschließen, ist ohne weiteres das rechte.


Sechs auf zweitem Platz bedeutet:

Sich ziehen lassen bringt Heil und bleibt ohne Makel.

Wenn man wahrhaftig ist,

ist es auch fördernd, ein kleines Opfer zu bringen.


Man soll in Zeiten der Sammlung seinen Weg nicht willkürlich wählen. Es sind geheime Kräfte am Werk, die die Menschen zusammenführen, die zueinander passen. Die ser Anziehung muß man sich überlassen, dann macht man keinen Fehler. Wo innere Beziehungen vorhanden sind, da sind keine großen Vorbereitungen und Förmlichkeiten nötig. Man versteht sich ohne weiteres, wie die Gottheit auch ein kleines Opfer gnädig annimmt, wenn es von Herzen kommt.


Sechs auf drittem Platz bedeutet:

Sammlung unter Seufzen. Nichts, das fördernd wäre.

Hingehen ist ohne Makel. Kleine Beschämung.


Man hat oft das Bedürfnis des Anschlusses, aber alle andern in der Umgebung haben sich schon untereinander zusammengeschlossen, so daß man isoliert bleibt. Die ganze Lage ist so, daß sie sich als unhaltbar erweist. Da gilt es, sich dem Fortschritt zuzuwenden, entschlossen sich an einen Mann anzuschließen, der dem Mittelpunkt der Sammlung nähersteht und einen in den geschlossenen Kreis einzuführen vermag. Das ist kein Fehler, auch wenn man als Außenseiter zunächst eine etwas beschämende Stellung hat.
[171]

Û Neun auf viertem Platz bedeutet:

Großes Heil! Kein Makel.


Es ist hier ein Mann gezeichnet, der im Namen seines Herrn die Menschen um sich sammelt. Da er keine Sondervorteile für sich erstrebt, sondern uneigennützig an der allgemeinen Einheit arbeitet, so ist seine Arbeit von Erfolg gekrönt, und alles wird recht.


Û Neun auf fünftem Platz bedeutet:

Wenn man beim Sammeln die Stellung hat,

so gibt das keinen Makel.

Wenn manche noch nicht wahrhaft dabei sind,

so bedarf es erhabener, dauernder Beharrlichkeit,

dann schwindet die Reue.


Wenn sich die Menschen von selbst um einen sammeln, so ist das, wenn es einem ungesucht zuteil wird, nur gut. Man bekommt dadurch einen gewissen Einfluß, der durchaus nützlich sein kann. Aber damit ist natürlich auch die Möglichkeit gegeben, daß sich manche um einen sammeln, die nicht aus innerem Vertrauen kommen, sondern nur um der einflußreichen Stellung willen. Das ist gewiß bedauerlich. Solchen Leuten gegenüber gibt es kein anderes Mittel, als ihr Vertrauen zu erwerben durch vermehrte, unentwegte Pflichttreue und Beständigkeit. Dadurch wird das geheime Mißtrauen allmählich überwunden, und der Anlaß zum Bedauern fällt weg.


Oben eine Sechs bedeutet:

Klagen und Seufzen, Tränen in Strömen.

Kein Makel.


Es kann vorkommen, daß man sich wohl anschließen möchte, aber in seinen guten Absichten verkannt wird. Da ist man traurig und klagt. Aber das ist der rechte Weg. Denn dadurch kann es kommen, daß der andere zur Besinnung kommt und man den gesuchten und schmerzlich vermißten Anschluß doch noch findet.


Die einzelnen Linien
Quelle:
I Ging. Köln 141987, S. 170-172.
Lizenz:

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