V, 43. [397.] An alle Götter.

[194] Vers 12 scheint an den hier mit Agni identificirten Brihaspati, Vers 13 in gleicher Weise an Tvaschtar gerichtet und Vers 14 wol an die mit Butter gefüllten Opferlöffel.


1. Her mögen zu uns unermüdlich kommen

mit süsser Milch zum Ziel die Kühe eilend;

Viel zu erlangen ruft der Sänger preisend

die sieben grossen lustbegabten Ströme.

2. Herwenden will ich durch Gebet und Loblied

zur Labung Erd' und Himmel, die nicht säumen,

Sie, Vater, Mutter, lieblich redend, kunstreich,

sei'n hülfreich uns in jedem Kampf, die schönen.[194]

3. O Diener, die die Tränke ihr bereitet,

den lieben, hellen bringet dar dem Vaju;

Dem Priester gleich trink du zuerst vom Safte;

den süssen schenkten wir, o Gott, zur Lust dir.

4. Die Arme, die schönhändig Soma schaffen,

und die zehn Finger schirren an den Pressstein;

Der schönverzweigte Stengel strömet schimmernd

den hellen, süssen, bergentsprungnen Saft aus.

5. Dir ward gepresst, der du ihn liebst, der Soma

zur Kraft und Stärkung und zu tücht'gem Rausche;

Die Füchs' am Wagen, schöngeschirrt am Joche,

die lieben schaff, o Indra, her, geruf'ner.

6. Fahr her uns, Agni, gleichgesinnt, die grosse,

erhab'ne Andacht, die des Werkes kundig

Die Opfer nimmt, die Götterfrau, mit Ehrfurcht

zum Somarausch auf gottbetretnen Pfaden.

7. Den sie beträufeln, wie am Feu'r die Priester

den fettverseh'nen breiten und erhitzen,

Der heil'ge Kessel ward gesetzt ans Feuer,

wie in des Vaters Schooss der Sohn, der liebste.

8.177 Das grosse, hehre, liebste Lied, es gehe

als Bote hin, die Ritter einzuladen;

Erquickend kommt zum Mahl auf gleichem Wagen,

gleichwie der Zapfen in die feste Nabe.

9. Ich hab' den Spruch gelehrt, mit dem man betet

zum starken Puschan und zum schnellen Vaju,

Die durch Geschenke die Gebete schärfen,

und welche gern auch reiche Güter spenden.

10. Fahr alle Maruts her, o Wesenkenner,

und lad' sie ein nach Namen und Gestalten;

Zu Opfer, Liedern und zum Lob des Sängers

kommt her mit Hülfe, o ihr Maruts alle.

11. Zu unserm Opfer komme her vom Himmel,

vom hohen Berg Sarasvati, die hehre;

Die butterreiche Göttin höre willig,

den Ruf vernehmend, unsre kräft'ge Rede.

12. Setzt hin den Ordner, dessen Rücken schwarz ist,

an einen Sitz, den mächtigen Gebets-Herrn;

Lasst ehren uns den feurigen, den lichten,

goldfarbigen, der in dem Hause Platz nimmt.

13. Der hochbetagte, starke Spender komme

gerufen her mit sämmtlichen Genossen,

Umschart von Weibern, von Gewächsen, rastlos,

der kraftverleih'nde Stier mit dreien Hörnern.[195]

14. Zum höchsten Ort der Mutter und zum hellsten

des regen gingen jauchzend hin die Prassler,

Mit Opfergaben schmückend den geliebten

voll Ehrfurcht, wie das Kind im Haus die Pfleger.

15. Dir Agni weihen grosse Kraft, dem grossen,

im Andachtswerk ergrauet die verbundnen;

Ein jeder Gott erhöre recht mein Rufen;

nicht geb' uns hin der Ungunst Mutter Erde.

(16. 17. siehe Anhang.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 194-196.
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