VII, 18. [534.] An Indra.

[315] In Vers 4-19 wird der in diesem Buche so häufig und in mannichfachen Zügen geschilderte Kriegszug des Sudas, des Tritsuköniges gepriesen. Als Feinde werden genannt die Bhrigu's, Druhju's, Anu's, Puru's, die Adscha's, Çigru's, Jakschu's; ferner Çimju, Turvaça, Kavascha. Die Paruschni (Vers 8) ist ein Fluss im Pentschap, die Jamuna (19) ein Fluss im angrenzenden Theil des Gangesthales.


1. Wie ja bei dir, o Indra, unsre Väter

lobsingend auch erlangten alle Güter;

Denn du hast Rosse, milchverseh'ne Kühe;

so schenke bestens du dem Frommen Reichthum.

2.310 Denn wie ein König herrschst du mit den Frauen,

sei stets uns hold, berühmt als kund'ger Weiser;[315]

Die Lieder lohn mit Rind und Ross, o reicher,

und führ zu Reichthum uns, die dir ergebnen.

3. Es eilten zu dir diese Lieder eifernd,

zu Göttern strebend, die dich hier erfreuten;

Dein Pfad des Reichthums möge nah herbeigehn;

wir sein in deiner Hut und Gunst, o Indra.

4. Gebet ergoss Vasischtha, dich zu melken

begehrend, wie die Kuh auf schöner Wiese;

Dich nannte jeder mir als rechten Hirten;

es komme Indra her zu unsrer Andacht.

5. Die Fluten selbst, der weit ergossnen, machte

zur leichtdurchschrittnen Furt dem Sudas Indra;

Den frechen Çimju und die Hasser machte

der liedgepriesne zum Geflöss der Ströme.

6.311 Voran ging Turvaça, nach Reichthum jagend,

wie Fisch' im Wasser von Begier getrieben;

Ihm folgten bald die Bhrigu's und die Druhju's;

durch beide brach die Bahn der Freund dem Freunde.

7.312 Ihm jauchzten zu die Pakther und Bhalanas,

die Aliner, die holden Säbeltrager,

Er, bringend als des Arjers Freund die Beute

den Tritsu's, kam im Kampfe zu den Männern.

8. Es leiteten die unverständ'gen Thoren

auf andre Bahn die flutende Paruschni;

Da fasste sie mit Macht der Herr der Erde,

und Hirt und Heerde lagen da voll Schrecken.

9. Ihr Ziel, der Strom, ward ihnen zum Verderben;

der schnellste selbst fand dort die Ruhestätte;

Die flücht'gen Feinde gab dem Sudas Indra

als Beute hin, dem Mann die Weiberzüng'gen.

10.313 Wie hirtenlose Kühe von der Weide

entflohn gesellt dem Freund sie, wie sich's fügte,

Mit bunten Rindern hin zur bunten Erde,

es folgte nach der Tross mit seiner Ladung.

11. Der einundzwanzig Mannen der Vaikarner

zu Boden warf voll Ruhmbegier, der König;

Der starke warf sie hin wie Streu zum Sitze,

Held Indra machte einen Strom aus ihnen.

12. Er warf den grossen Kavascha, den hehren,

mit Blitz bewehrt ins Wasser, nach die Druhju's;

Da schlossen die, die liebend dich begrüssten,

an alte Freundschaft an die neue Freundschaft.

13. An einem Tag zerbrach all ihre Festen

und ihre sieben Burgen Indra kraftvoll;[316]

Des Fremden Hausrath gab er dann den Tritsu's,

die Puru'e schlugen wir die weiberzüng'gen.

14. Der kampfbegierigen Anu's und der Druhju's

entschliefen sechzighundert, sechsmal tausend

Und sechsundsechzig Helden zur Vergeltung;

das alles sind des Indra Heldenthaten.

15. Geführt von Indra strömten diese Tritsu's

hernieder gleich ergossenen Gewässern;

Die bösen Feinde, die wie Krämer messen,

verloren alle Habe an den Sudas.

16. Die indralose, freche Schar des Mannes,

die Opfer trinkt, stiess Indra fort zu Boden;

Des Wuthentbrannten Wuth vertilgte Indra;

der Wegbeherrscher theilte aus die Wege.A1

17. Durch Schwache auch vollführt' er seine Absicht,

die Löwin auch erschlug er durch den Widder,

Die Zacken brach er ab mit einer Nadel;

dem Sudas schenkte alle Güter Indra.

18. Denn dir erlagen alle Feindesscharen;

bezwinge jeden trotzenden Vertilger;

Wer an den frommen Männern Frevel übet,

auf den wirf nieder Indra, scharfen Blitzstrahl.

19. Dem Indra half die Jamuna, die Tritsu's;

da plünderte er gänzlich aus den Tilger;

Die Adscha's dann, die Çigru's und die Jakschu's

entrichteten als Zoll der Pferde Häupter.

20. Unzählig sind, o Indra, deine Gnaden

und Güter, wie die frühern, spätern Morgen,

Der sich ein Göttchen dünkte, den erschlugst du;

du warfst herab den Çambara vom Berge.

21. Die liebend dich vom Hause her begrüssten,

Paraçara, Vasischtha, Çatajatu,

Vergassen nie dir, güt'gem, deine Freundschaft;

den Edlen mögen heitre Tage leuchten.

(22-25. siehe Anhang.)


Fußnoten

A1 Zu Glück und Unglück.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 315-317.
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