IV, 17. [313.] An Indra.

[123] 1. Gross bist du, Indra, dir ja räumten Erde

und Himmel willig ein die Oberherrschaft;

Mit Macht den Vritra tödtend, liessest frei du

die Ströme, die vom Drachen aufgezehrten.

2. Vor deiner Kraft bei der Geburt erbebten

aus Furcht vor deinem Zorne Erd' und Himmel;[123]

Da zitterten die mächtigen Gebirge,

zerstob das Festland und die Wasser rannen.

3. Mit Macht zerbrach den Fels er, Blitze schleudernd,

der allgewalt'ge, seine Kraft erweisend;

Den Vritra schlug er munter mit dem Blitze,

befreit vom Stiere rannen schnell die Wasser.

4. Dein Vater dünkte mächtig sich, der Himmel;

des Indra Zeuger hat vollbracht das Beste,

Als er erzeugt den blitzbegabten Donn'rer,

den, wie vom Sitz die Erde, niemand fortstösst.

5.98 Der ganz allein der Erde Grund erschüttert,

der vielgerufne Fürst der Völker, Indra,

Ihm jauchzen zu, dem wahrhaft treuen, alle,

des gabenreichen Gottes Spende preisend.

6. Ihm waren alle Somatränke eigen,

die kräftigsten, berauschenden dem grossen,

Du warest aller Schätze Schatzgebieter,

du Indra halfst zur Gabe allen Völkern.

7. Als, Indra, du zuerst geboren wurdest,

da setztest du in Schrecken alle Völker;

Du spaltetest, o mächt'ger, mit dem Blitze

die Schlange, die am Abhang hingestreckt lag.

8. Den tilgenden, unendlich grossen Indra,

den kühnen, feisten Stier mit starkem Blitze,

Der Vritra tödtet und erlangt die Beute,

der Schätze gibt, ein reicher Gabenbringer.

9. Er ist's, der forttreibt die gescharten Feinde,

der als der einz'ge Held im Kampf gerühmt wird,

Er bringt herbei das Gut, das er erbeutet,

in seiner Freundschaft möchten wir beliebt sein.

10. Er wird gerühmt als der, der siegt und tödtet,

er ist's, der sich durch Kampf verschafft die Kühe;

Sobald nur seinen Zorn zur That macht Indra,

erbebt vor ihm, was fest ist, was beweglich.

11.99 Durch Kampf gewann viel Gold und Rinder Indra,

Rossscharen er, der mächt'ge Burgzerstörer;

Der männlichste mit Männern, seinen Helfern,

vertheilt den Reichthum, speichert auf die Schätze.

12. Wieviel verdankt denn Indra seiner Mutter,

dem Vater auch, dem Zeuger, der ihn zeugte?

Er der im Nu hoch seine Kraft emportrieb,

gleichwie der Wind mit Donnerwolken eilend.

13. Den macht er wohnungslos, den macht er wohnend;

der Mächt'ge regt zusammenwirbelnd Staub auf,[124]

Zerschmetternd, wie der Himmel mit dem Blitzstein,

und schenket Gut dem Sänger, er, der reiche.

14.100 Das Rad der Sonne setzt er in Bewegung,

liess ruhn ihr Ross, als es die Bahn durchlaufen;

Umwendend bringt er's auf den schwarzen Boden

der Nacht hin dort in dieses Luftraums Tiefe.

16. Wir Sänger ziehn den Indra her zum Beistand,

um Rind und Ross und Gut den starken bittend,

Nach Frau'n begierig ihn den Frauenspender,

wir ziehn ihn wie den Eimer aus dem Brunnen.

17. Sei Schützer uns, dich zeigend als Verwandter,

der Somabringer Hüter und Erfreuer,

Der Freund der Väter, väterlichster Vater,

der dem Begehrer Kraft verleiht und Raum schafft.

18. Sei der Genossen Helfer und Genosse;

gerühmt, o Indra, schenke Kraft dem Sänger;

Denn dir, o Indra, haben wir geopfert

mit Eifer, dich mit diesen Werken ehrend.

19.101 Gepriesen ward der starke Indra, weil er

allein erschlägt viel übermächt'ge Feinde;

Der Sänger ist ihm lieb, an dessen Schutze

ihn Götter nicht noch Menschen je verhindern.

20. Dies mach uns wahr der mächtige, gewalt'ge,

der unnahbare Menschenschützer Indra,

Gewähr uns das, du König der Geschöpfe,

dass grosser Ruhm des Sängers Antheil werde.

21. Gepriesen nun, o Indra, und besungen,

lass Labung schwellen Strömen gleich dem Sänger;

Dir ist dies neue Lied gemacht, o Ross-Herr

durch Andacht sein wir Kämpfer, stets gewinnend.

(15. siehe Anhang.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 123-125.
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