I, 135. An Vaju und Indra.

[138] Vers 1-3 sind an Vaju allein, die folgenden an Indra und Vaju gerichtet; das Feigenholz in V. 8 ist das aus diesem Holz verfertigte Somagefäss; was die Kühe gebären, ist die dem Soma zugemischte Milch, und die reifende Gerste die dem warmen Tranke beigemengten Gerstenkörner.


1. Der Sitz ist fertig, komme her zu unserm Mahl

mit tausendfachem Vielgespann, o Rosseherr,

mit hundertfachem Vielgespann;

Zum ersten Trunke sind gereicht

die Göttertränke dir, dem Gott;

Die süssen Säfte stehen dir zum Rausch bereit,

sie stehn bereit zur Kräftigung.

2. Geläutert von den Steinen strömt der Soma dir

in schönes Gut sich kleidend rings zur Kufe hin,

in Licht sich kleidend rieselt er;

Bei Menschen und bei Göttern ist

der Soma dein, ergiesst sich dir;

Die Rosse lenke, Vaju, komm uns holdgesinnt,

komm freundlich her, uns holdgesinnt.

3. Mit hundertfachen Rossescharen komme her

zum Opferfest, mit tausendfachen zu dem Mahl,

o Vaju, zu dem Opfermahl;

Hier ist der Theil der dir gebührt,

der Sonne gleich an hellem Licht,

Die hellen Tränke, von den Dienern dargebracht,

die hellen sind dir dargereicht.

4. Euch fahr der vielbespannte Wagen zum Genuss,

zu diesen aufgetragnen Speisen hin zum Mahl,

o Vaju, zu dem Opfermahl;

Trinkt beide von dem süssen Kraut;

denn erster Trunk ist euch geweiht,

O Vaju, Indra, kommt mit reicher Gabe her,

mit reicher Gabe kommt herbei.[138]

5. Euch mögen lenken die Gebete zu dem Fest;

sie haben diesen kräft'gen Indu euch geschmückt,

den kräft'gen, wie ein schnelles Ross;

O trinkt von ihm uns holdgesinnt,

mit Hülfe kommet her zu uns;

Die steingepressten Säfte, Indra, Vaju, trinkt,

zum Rausche, Kraftverleiher ihr.

6. Im Wasser sind die Soma's hier euch ausgepresst,

gebracht von Dienern sind sie hier euch dargereicht,

die hellen, Vaju, dargereicht;

Euch beiden sind ergossen sie,

die schnellen durch die Seihe hier;

Zu euch hindringend durch der Widderwolle Sieb

die Soma's durch das Widderfell.

7. O Vaju schreite über alle Schlafenden,

wo tönt der Pressstein, dahin kommet in das Haus,

dahin, o Indra, Vaju, kommt;

Wo lieblich scheint der Morgen und die Butter fliesst,

zum Opfer kommt mit reichgefülltem Wagenzug,

zum Opfer Indra, Vaju ihr.

8. Ihr fahrt ja hin zu dieses Opfertranks Erguss

zum Feigenholz, in dem die Tränke kräftig stehn;

bei uns auch seien kräftig sie;

Die Küh' gebären und die Gerste reift zugleich;

nie geht, o Vaju, dir die Milch der Kühe aus,

die Milch versieget nimmer dir.

9. Die Helden stark an Armen, die du, Vaju, hast,

die zwischen beiden Weltenströmen fliegen hin,

die Helden gross und stark an Kraft,

Die ohne Rosse eilen doch

in schneller Fahrt und ohne Rast,

Sie sind unhemmbar wie der Sonne Strahlen stets,

man hemmt sie mit den Händen nicht.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 138-139.
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