X, 64. [890.] An alle Götter.

[349] Zu Vers 4 vgl. Th. I, S. 36; Kriçānu (der Bogenspanner), Tischja (der strahlende) und die Schützenschar (V. 8) sind ursprünglich Sternbilder. Zu Brihaddiva (die im hohen Himmel wohnenden) vgl. 222, 4; 396, 12; zu Rathaspati (Wagenherr) 404, 5. Die Hotra (V. 15) ist die Göttin der Anrufung wie Aramati die der Andacht.


1. Welch Gott ist's von den hörenden, dess Namen wir,

den rühmlichen, beim Feste rühmen? wie ist's recht?

Wer wird uns hold sein? wer uns schaffen Lust und Glück?

und welcher wird mit seiner Hülfe sich uns nahn?

2. Stark sind die Kräfte, in den Herzen hoher Sinn;

hold sind die holden, fliegen hin in alle Welt;

Kein andrer Tröster ausser ihnen findet sich,

nur zu den Göttern streben meine Wünsche hin.

3. Den Naraçansa, Puschan, den kein Dunkel birgt,

den gottenflammten Agni preis' ich mit dem Lied,

Jama am Himmel, Sonn' und Mond, das Lichterpaar,

die Ritter, Trita, Nacht und Morgen und den Wind.

4.365 Wie wird der weise, rauschende, mit welchem Lied

Brihaspati erquickt, mit welchem Opferwerk?

Der Kreiselwind, umjubelt von der Sängerschar,

der Wetterdrache höre nun auf unsern Ruf.

5. Zu Dakscha's Pflege und Geburt, o Aditi,

rufst du die Herrscher Mitra-Varuna herbei;

Mit vielen Wagen unverwehrt kommt Arjaman

mit sieben Priestern zu ungleichen Stämmen hin.[349]

6. Die raschen Renner mögen hören unsern Ruf,

die Ruferhörer alle sie, die kräftigen,

Die tausendfaches nehmen bei dem Opferfest,

und grosses Gut erbeuteten in jeder Schlacht.

7. Den Wagenschirrer Vaju und Purandhi schafft

durch Loblied und zur Freundschaft Puschan euch herbei;

An Einsicht und an Weisheit gleich erlangen sie

auf Savitars, des Gottes, Antrieb neue Kraft.

8. Die dreimal sieben raschen Ströme rufen wir

die grossen Wasser, Bäume, Berge, Agni her

Zum Schutz Kriçanu, Tischja und die Schützenschar,

zum Sitz den Rudra, glänzend in der Marutschar.

9.366 Sarasvati, Saraju, Sindhu mögen nahn

mit Huld, die grossen Ströme, herrlich, wellenreich,

Die göttlichen Gewässer, Mütter nahrungsreich;

o sendet fette, honigsüsse Milch uns zu.

10. Brihaddiva die Mutter höre unser Wort,

der Vater Tvaschtar mit den Göttern und den Fraun,

Ribhukschan, Vādscha, Bhaga und Rathaspati;

der liebe Spruch des frommen Beters schütze uns.

11. Zum Anschaun lieblich wie ein nahrungsreicher Sitz,

glückbringend ist der prächt'gen Maruts Beifall uns;

Durch Heerden seien herrlich unter Menschen wir,

stets sein, o Götter, wir mit Labetrunk versorgt.

12. Dies mein Gebet, das, Maruts, Indra, Götter ihr

mir eingeflösst und ihr, o Mitra-Varuna,

Das lasset schwellen wie durch Milch die Mutterkuh;

ob meine Lieder ihr auf eurem Wagen fahrt?

13. Wie ist es denn? o Maruts achtet nimmer ihr

auf diese Stammverwandtschaft zwischen uns und euch?

Im Heiligthum, wo wir zuerst uns liebend nahn,

da setze die Verwandtschaft Aditi uns fest.

14. Denn Erd' und Himmel, sie die grossen Göttinnen,

die hehren Mütter kommen mit der Götter Stamm,

Mit Nahrung nähren beide beiderlei Geschlecht,

und strömen durch die Väter vielen Samen aus.

15. Die Hotra hier erreichet alles schöne Gut,

Brihaspati, Aramati, die herrliche,

Hier, wo der Pressstein Soma pressend laut ertönt,

mit Liedern hell gesungen hat der Weisen Schar.

(16.367 So hat der weise Sänger, opferkundig,

nach Gut verlangend und des Guts sich freuend

Mit Sprüchen und Gebeten laut ertönend,

Gaja getränkt die himmlischen Geschlechter.)

(17 = 889, 17.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 349-350.
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