[334] Hoch wuchs sie auf, die Stabwurz da, –
Nicht Stabwurz, Rainfarn sollt' es sein.1
Ach, ach, mein Vater, meine Mutter!
Ihr zogt mich auf mit Müh' und Pein.
Hoch wuchs sie auf, die Stabwurz da –
Nicht Stabwurz, 's ist nur Zitwergrün.2
Ach, ach, mein Vater, meine Mutter!
Ihr zogt mich auf mit Noth und Müh' n.
Des Trinkgeschirres Leere, ach,
Sie ist ja nur der Flasche Schmach.
Zu leben als Verwaiseter –
O besser, wenn man längst dem Tod' erlag!
Wer vaterlos, wem soll er trau'n?
Wer mutterlos, wem fragt er nach?
Aus geht er, und es drückt ihn schwer,
Kehrt heim, und Keinen findet er.
O Vater, und du zeugtest mich,
O Mutter, und du säugtest mich;
Ihr streicheltet, ihr nährtet mich,
Erzoget mich, belehrtet mich,
[335]
Umwachtet mich, umwehrtet mich,
Trugt, wenn ihr gingt und kehrtet, mich!
O könnt' ich euch die Güte danken,
Den hohen Himmel ohne Schranken!
Schroff ragt des Südgebirgs Gestein,
Und grimmig braust der Wind darein.
Im Volk ist Keiner unbeglückt;
Warum bin elend ich allein?
Rauh starrt das Südgebirg daher,
Es braust der Wind und wüthet sehr.
Im Volk ist Keiner unbeglückt,
Nur ich allein vermag nichts mehr.3
1 In beiden Fällen wurde die edlere Pflanze erwartet, doch es zeigte sich, daß es nur eine geringere war.
2 In beiden Fällen wurde die edlere Pflanze erwartet, doch es zeigte sich, daß es nur eine geringere war.
3 Nichts mehr zu thun, um meinen Eltern zu vergelten.