Eilfte Rede
Wem die Ausführung dieses Erziehungsplanes anheimfallen werde

[428] Der Plan der neuen deutschen Nationalerziehung ist für unseren Zweck hinreichend dargelegt. Die nächste Frage, die sich nun aufdringt, ist die: wer soll sich an die Spitze der Ausführung dieses Planes stellen, auf wen ist dabei zu rechnen, und auf wen haben wir gerechnet?

Wir haben diese Erziehung als die höchste und dermalen sich einzig aufdringende Angelegenheit der deutschen Vaterlandsliebe aufgestellt, und wollen an diesem Bande die Verbesserung und Umschaffung des gesammten Menschengeschlechtes zuerst in die Welt einführen. Jene Vaterlandsliebe aber soll zunächst den deutschen Staat, allenthalben wo Deutsche regiert werden, begeistern, und den Vorsitz haben, und die treibende Kraft seyn bei allen seinen Beschlüssen. Der Staat also wäre es, auf welchen wir zuerst unsere erwartenden Blicke zu richten hätten.

Wird dieser unsere Hoffnungen erfüllen? Welches sind die Erwartungen, die wir, immer wie sich versteht, auf keinen besonderen Staat, sondern auf ganz Deutschland sehend, nach dem bisherigen von ihm fassen können?

Im neueren Europa ist die Erziehung ausgegangen nicht eigentlich vom Staate, sondern von derjenigen Gewalt, von der die Staaten meistens auch die ihrige hatten, von dem himmlisch-geistigen Reiche der Kirche. Diese betrachtete sich nicht sowohl als ein Bestandtheil des irdischen Gemeinwesens, sondern vielmehr als eine demselben ganz fremde Pflanzstatt aus dem Himmel, die abgesandt sey, diesem auswärtigen Staate allenthalben, wo sie Wurzel fassen konnte, Bürger anzuwerben; ihre Erziehung ging auf nichts Anderes, denn dass die Menschen[428] in der anderen Welt keinesweges verdammt, sondern selig würden. Durch die Reformation wurde diese kirchliche Gewalt, die übrigens fortfuhr sich ebenso anzusehen wie bisher, mit der weltlichen Macht, mit der sie bisher gar oft sogar im Widerstreite gelegen hatte, nur vereinigt; dies war der ganze Unterschied, der in dieser Rücksicht aus jener Begebenheit erfolgte. Es blieb daher auch die alte Ansicht des Erziehungswesens. Auch in den neuesten Zeiten, und bis auf diesen Tag, ist die Bildung der vermögenderen Stände betrachtet worden als eine Privatangelegenheit der Eltern, die sie nach eigenem Gefallen einrichten möchten, und die Kinder dieser wurden in der Regel nur dazu angeführt, dass sie sich selbst einst nützlich würden; die einzige öffentliche Erziehung aber, die des Volkes, war lediglich Erziehung zur Seligkeit im Himmel; die Hauptsache war ein wenig Christenthum und Lesen, und falls es zu erschwingen war, Schreiben, alles um des Christenthums willen. Alle andere Entwickelung der Menschen wurde dem ohngefähren und blindwirkenden Einflusse der Gesellschaft, in welcher sie aufwuchsen, und dem wirklichen Leben selbst überlassen. Sogar die Anstalten zur gelehrten Erziehung waren vorzüglich auf die Bildung von Geistlichen berechnet; dies war die Hauptfacultät, zu der die übrigen nur den Anhang bildeten, und meistens auch nur den Abgang von jener abgetreten erhielten.

So lange diejenigen, die an der Spitze des Regimentes standen, über den eigentlichen Zweck desselben im Dunkeln blieben, und selbst für ihre eigene Person ergriffen waren von jener gewissenhaften Sorge für ihre und anderer Seligkeit, konnte man auf ihren Eifer für diese Art der öffentlichen Erziehung und auf ihre ernstlichen Bemühungen dafür sicher rechnen. Sobald sie aber über den ersten ins Klare kamen, und begriffen, dass der Wirkungskreis des Staates innerhalb der sichtbaren Welt liege, so musste ihnen einleuchten, dass jene Sorge für die ewige Seligkeit ihrer Unterthanen ihnen nicht zur Last fallen könne, und dass, wer da selig werden wolle, selbst sehen möge, wie er es mache. Sie glaubten von nun an genug zu thun, wenn sie nur die aus gottseligeren Zeiten herrührenden[429] Stiftungen und Anstalten ihrer ersten Bestimmung fernerhin überliessen; so wenig angemessen und ausreichend dieselben auch für die ganz veränderten Zeiten seyn mochten, ihnen mit Ersparung an ihren anderweitigen Zwecken selbst zuzulegen, hielten sie sich nicht für verbunden, thätig einzugreifen, und das zweckmässige Neue an die Stelle des Veralteten und Unbrauchbaren zu setzen, nicht für berechtigt, und auf alle Vorschläge dieser Art war die stets fertige Antwort: hiezu habe der Staat kein Geld. Wurde ja einmal eine Ausnahme von dieser Regel gemacht, so geschah es zum Vortheile der höheren Lehranstalten, die einen Glanz weitumher verbreiten, und ihren Beförderern Ruhm bereiten; die Bildung derjenigen Klasse aber, die der eigentliche Boden des Menschengeschlechtes ist, aus welcher die höhere Bildung sich immerfort ergänzt, und auf welche die letztere fortdauernd zurückwirken muss, die des Volkes, blieb unbeachtet, und befindet sich seit der Reformation bis auf diesen Tag im Zustande des steigenden Verfalles.

Sollen wir nun für die Zukunft, und von Stund an, für unsere Angelegenheit vom Staate eine bessere Hoffnung fassen können, so wäre nöthig, dass derselbe den Grundbegriff vom Zwecke der Erziehung, den er bisher gehabt zu haben scheint, mit einem ganz anderen vertauschte; dass er einsehe, er habe mit seiner bisherigen Ablehnung der Sorge für die ewige Seligkeit seiner Mitbürger vollkommen recht, indem es für diese Seligkeit gar keiner besonderen Bildung bedürfe, und eine solche Pflanzschule für den Himmel, wie die Kirche, deren Gewalt zuletzt ihm übertragen worden, gar nicht stattfinde, aller tüchtigen Bildung nur im Wege stehe und des Dienstes entlassen werden müsse; dass es dagegen gar sehr bedürfe der Bildung für das Leben auf der Erde, und dass aus der gründlichen Erziehung für dieses sich die für den Himmel, als eine leichte Zugabe, von selbst ergebe. Der Staat scheint bisher, je aufgeklärter er zu seyn meinte, desto fester geglaubt zu haben, dass er, auch ohne alle Religion und Sittlichkeit seiner Bürger, durch die blosse Zwangsanstalt, seinen eigentlichen Zweck erreichen könne, und dass in Absicht jener diese es halten möchten, wie sie könnten. Möchte er aus den neuen Erfahrungen wenigstens[430] dies gelernt haben, dass er das nicht vermag, und dass er gerade durch den Mangel der Religion und der Sittlichkeit dahingekommen ist, wo er sich dermalen befindet.

Möchte man ihn, in Absicht seines Zweifels, ob er auch wohl das Vermögen habe, den Aufwand einer Nationalerziehung zu bestreiten, überzeugen können, dass er durch diese einzige Ausgabe seine meisten übrigen auf die wirthschaftlichste Weise besorgen, und dass, wenn er diese nur übernimmt, er bald nur diese einzige Hauptausgabe haben werde. Bis jetzt ist der bei weitem grösste Theil der Einkünfte des Staates auf die Unterhaltung stehender Heere gewendet worden. Den Erfolg dieser Verwendung haben wir gesehen, dies reicht hin; denn tiefer in die besonderen Gründe dieses Erfolges aus der Einrichtung dieser Heere hineinzugehen, liegt ausserhalb unseres Planes. Dagegen würde der Staat, der die von uns vorgeschlagene Nationalerziehung allgemein einführte, von dem Augenblicke an, da ein Geschlecht der nachgewachsenen Jugend durch sie hindurchgegangen wäre, gar keines besonderen Heeres bedürfen, sondern er hätte an ihnen ein Heer, wie es noch keine Zeit gesellen. Jeder einzelne ist zu jedem möglichen Gebrauche seiner körperlichen Kraft vollkommen geübt, und begreift sie auf der Stelle, zu Ertragung jeder Anstrengung und Mühseligkeit gewöhnt, sein in unmittelbarer Anschauung aufgewachsener Geist ist immer gegenwärtig und bei sich selbst, in seinem Gemüthe lebt die Liebe des Ganzen, dessen Mitglied er ist, des Staates und des Vaterlandes, und vernichtet jede andere selbstische Regung. Der Staat kann sie rufen und sie unter die Waffen stellen, sobald er will, und kann sicher seyn, dass kein Feind sie schlägt. Ein anderer Theil der Sorgfalt und der Ausgaben in weise regierten Staaten ging bisher auf die Verbesserung der Staatswirthschaft, im ausgedehntesten Sinne und in allen ihren Zweigen, und es ist hierbei, durch die Ungelehrigkeit und Unbehülflichkeit der niederen Stände, manche Sorgfalt und mancher Aufwand vergebens gemacht worden, und die Sache hat allenthalben nur geringen Fortgang gehabt. Durch unsere Erziehung erhält der Staat arbeitende Stände, die des Nachdenkens über ihr Geschäft von Jugend auf[431] gewohnt sind, und die schon sich selbst durch sich selbst zu helfen Vermögen und Neigung haben; vermag nun noch überdies der Staat ihnen auf eine zweckmässige Weise unter die Arme zu greifen, so werden sie ihn auf das halbe Wort verstehen, und seine Belehrung sehr dankbar aufnehmen. Alle Zweige der Haushaltung werden ohne viele Mühe in kurzer Zeit einen Flor gewinnen, den auch noch keine Zeit gesehen hat, und dem Staate wird, wenn er ja rechnen will, und wenn er etwa bis dahin nebenbei auch noch den wahren Grundwerth der Dinge kennen lernen sollte, seine erste Auslage tausendfältige Zinsen tragen. Bisher hat der Staat für Gerichts- und Polizeianstalten vieles thun müssen, und doch niemals genug für sie thun können; Zucht- und Verbesserungshäuser haben ihm Ausgaben gemacht, die Armenanstalten endlich erforderten, jemehr auf sie gewendet wurde, einen um so grösseren Aufwand, und erschienen in der ganzen bisherigen Lage eigentlich als Anstalten Arme zu machen. Die ersteren werden in einem Staate, der die neue Erziehung allgemein macht, sehr verringert werden, die letzteren gänzlich wegfallen. Frühe Zucht sichert vor der späteren sehr mislichen Zucht und Verbesserung; Arme aber giebt es unter einem also erzogenen Volke gar nicht.

Möchte der Staat und alle, die denselben berathen, es wagen, seine eigentliche dermalige Lage ins Auge zu fassen und sie sich zu gestehen; möchte er lebendig einsehen, dass ihm durchaus kein anderer Wirkungskreis übriggelassen ist, in welchem er als ein wirklicher Staat, ursprünglich und selbstständig, sich bewegen und etwas beschliessen könne, ausser diesem, der Erziehung der kommenden Geschlechter; dass, wenn er nicht überhaupt nichts thun will, er nur noch dieses thun kann; dass man aber auch dieses Verdienst ihm ungeschmälert und unbeneidet überlassen werde! Dass wir es nicht mehr vermögen, thätigen Widerstand zu leisten, ist, als in die Augen springend und von jederman zugestanden, schon früher von uns vorausgesetzt worden. Wie können wir nun die Fortdauer unseres dadurch verwirkten Daseyns gegen den Vorwurf der Feigheit und einer unwürdigen Liebe zum Leben rechtfertigen?[432] Auf keine andere Weise, als wenn wir uns entschliessen, nicht für uns selbst zu leben, und dieses durch die That darthun; wenn wir uns zum Saamenkorne einer würdigeren Nachkommenschaft machen, und lediglich um dieserwillen uns so lange erhalten wollen, bis wir sie hingestellt haben. Jenes ersten Lebenszweckes verlustig, was könnten wir denn noch anderes thun? Unsere Verfassungen wird man uns machen, unsere Bündnisse und die Anwendung unserer Streitkräfte wird man uns anzeigen, ein Gesetzbuch wird man uns leihen, selbst Gericht und Urtheilsspruch, und die Ausübung derselben, wird man uns zuweilen abnehmen; mit diesen Sorgen werden wir auf die nächste Zukunft verschont bleiben. Bloss an die Erziehung hat man nicht gedacht; suchen wir ein Geschäft, so lasst uns dieses ergreifen! Es ist zu erwarten, dass man in demselben uns ungestört lassen werde. Ich hoffe, – vielleicht täusche ich mich selbst darin, aber da ich nur um dieser Hoffnung willen noch leben mag, so kann ich es nicht lassen, zu hoffen; – ich hoffe, dass ich einige Deutsche überzeugen und sie zur Einsicht bringen werde, dass es allein die Erziehung sey, die uns retten könne von allen Uebeln, die uns drücken. Ich rechne besonders darauf, dass die Noth uns zum Aufmerken und zum ernsten Nachdenken geneigter gemacht habe. Das Ausland hat anderen Trost und andere Mittel; es ist nicht zu erwarten, dass es diesem Gedanken, falls er je an dasselbe kommen sollte, einige Aufmerksamkeit schenken, oder einigen Glauben beimessen werde; ich hoffe vielmehr, dass es zu einer reichen Quelle von Belustigung für die Leser ihrer Journale gedeihen werde, wenn sie je erfahren, dass sich jemand von der Erziehung so grosse Dinge verspreche.

Möge der Staat und diejenigen, die denselben berathen, sich nicht lässiger machen lassen in Ergreifung dieser Aufgabe, durch die Betrachtung, dass der gehoffte Erfolg in der Entfernung liege. Wollte man unter den Mannigfaltigen und höchst verwickelten Gründen, die unser dermaliges Schicksal zur Folge gehabt haben, das, was allein und eigenthümlich den Regierungen zur Last fällt, absondern, so würde sich finden, dass diese, die vor allen anderen verbunden sind, die Zukunft ins[433] Auge zu fassen und zu beherrschen, beim Andrange der grossen Zeitbegebenheiten auf sie immer nur gesucht, sich aus der unmittelbar gegenwärtigen Verlegenheit zu ziehen, so gut sie es vermocht; in Absicht der Zukunft aber nicht auf ihre Gegenwart, sondern auf irgend einen Glückszufall, der den stätigen Faden der Ursachen und Wirkungen abschneiden sollte, gerechnet haben. Aber dergleichen Hoffnungen sind betrüglich. Eine treibende Kraft, die man einmal in die Zeit hineinkommen lassen, treibt fort und vollendet ihren Weg, und nachdem ein mal die erste Nachlässigkeit begangen worden, kann die zu spät kommende Besinnung sie nicht aufhalten. Des ersten Falles, bloss die Gegenwart zu bedenken, hat fürs nächste unser Schicksal uns überhoben; die Gegenwart ist nicht mehr unser. Mögen wir nur nicht den zweiten beibehalten, eine bessere Zukunft von irgend etwas anderem zu hoffen, denn von uns selber. Zwar kann keinen unter uns, der zum Leben noch etwas mehr bedarf denn Nahrung, die Gegenwart über die Pflicht zu leben trösten; die Hoffnung einer besseren Zukunft allein ist das Element, in dem wir noch athmen können. Aber nur der Träumer kann diese Hoffnung auf etwas Anderes gründen, denn auf ein solches, das er selbst für die Entwickelung einer Zukunft in die Gegenwart zu legen vermag. Vergönnen diejenigen, die über uns regieren, dass wir ebenso gut auch von ihnen denken, als wir unter uns von einander denken, und als der Bessere sich fühlt; stellen sie sich an die Spitze des auch uns ganz klaren Geschäfts, damit wir noch vor unseren Augen dasjenige entstehen sehen, was die dem deutschen Namen vor unseren Augen zugefügte Schmach einst von unserem Andenken abwaschen wird!

Uebernimmt der Staat die ihm angetragene Aufgabe, so wird er diese Erziehung allgemein machen, über die ganze Oberfläche seines Gebietes, für jeden seiner nachgeborenen Bürger ohne alle Ausnahme; auch ist es allein diese Allgemeinheit, zu der wir des Staates bedürfen, indem zu einzelnen Anfängen und Versuchen hier und da auch wohl das Vermögen von wohlgesinnten Privatpersonen hinreichen würde. Nun ist allerdings nicht zu erwarten, dass die Eltern allgemein willig seyn werden,[434] sich von ihren Kindern zu trennen, und sie dieser neuen Erziehung, von der es schwer seyn wird ihnen einen Begriff beizubringen, zu überlassen sondern es ist nach der bisherigen Erfahrung darauf zu rechnen, dass jeder, der noch etwa das Vermögen zu haben glaubt, seine Kinder im Hause zu nähren, gegen die öffentliche Erziehung, und besonders gegen eine so scharf trennende und so lange dauernde öffentliche Erziehung sich setzen wird. In solchen Fällen ist man nun, bei zu erwartender Widersetzlichkeit, von den Staatsmännern bisher gewohnt, dass sie den Vorschlag mit der Antwort abweisender Staat habe nicht das Recht, für diesen Zweck Zwang anzuwenden. Indem sie nun warten wollen, bis die Menschen im allgemeinen den guten willen haben, ohne Erziehung aber es niemals zu allgemeinem guten willen kommen kann, so sind sie dadurch gegen alle Verbesserung geschützt, und können hoffen, dass es beim Alten bleiben wird bis an das Ende der Tage. Inwiefern dies nun etwa solche sind, welche entweder überhaupt die Erziehung für einen entbehrlichen Luxus halten, in Rücksicht dessen man sich so spärlich einrichten müsse als möglich, oder die in unserem Vorschlage nur einen neuen wagenden Versuch mit der Menschheit erblicken, der da gelingen könne, oder auch nicht, ist ihre Gewissenhaftigkeit zu loben; solchen, die von der Bewunderung des bisherigen Zustandes der öffentlichen Bildung, und von dem Entzücken, zu welcher Vollkommenheit dieselbe unter ihrer Leitung emporgewachsen sey, eingenommen sind, lässt sich nun vollends gar nicht anmuthen, dass sie auf etwas, das sie nicht auch schon wissen, eingehen sollten; mit diesen insgesammt ist für unseren Zweck nichts zu thun, und es wäre zu beklagen, wenn die Entscheidung über diese Angelegenheit ihnen anheimfallen sollte. Möchten sich aber Staatsmänner finden und hierbei zu Rathe gezogen werden, welche vor allen Dingen durch ein tiefes und gründliches Studium der Philosophie und der Wissenschaft überhaupt sich selbst Erziehung gegeben haben, denen es ein rechter Ernst ist mit ihrem Geschäfte, die einen festen Begriff vom Menschen und seiner Bestimmung besitzen, die da fähig sind, die Gegenwart zu verstehen, und zu begreifen, was eigentlich[435] der Menschheit dermalen unausbleiblich noth thut; hätten diese aus jenen Vorbegriffen etwa selbst eingesehen, dass nur Erziehung vor der, ausserdem unaufhaltsam über uns hereinbrechenden Barbarei und Verwilderung uns retten könne, schwebte ihnen ein Bild vor von dem neuen Menschengeschlechte, das durch diese Erziehung entstehen würde, wären sie selbst innig überzeugt von der Unfehlbarkeit und Untrüglichkeit der vorgeschlagenen Mittel: so liesse von solchen sich auch erwarten? dass sie zugleich begriffen, der Staat, als höchster Verweser der menschlichen Angelegenheiten, und als der Gott und seinem Gewissen allein verantwortliche Vormund der Unmündigen, habe das vollkommene Recht, die letzteren zu ihrem Heile auch zu zwingen. Wo giebt es denn dermalen einen Staat, der da zweifle, ob er auch wohl das Recht habe, seine Unterthanen zu Kriegsdiensten zu zwingen, und den Eltern für diesen Behuf die Kinder wegzunehmen, ob nun eins von beiden, oder beide wollen oder nicht wollen? Und dennoch ist dieser Zwang, zu Ergreifung einer dauernden Lebensart wider den eigenen Willen, weit bedenklicher, und häufig von den nachtheiligsten Folgen für den sittlichen Zustand, und für Gesundheit und Leben der Gezwungenen; da hingegen derjenige Zwang, von dem wir reden, nach vollendeter Erziehung die ganze persönliche Freiheit zurückgiebt, und gar keine anderen, denn die heilbringendsten Folgen haben kann. Wohl hat man früher auch die Ergreifung der Kriegsdienste dem freien Willen überlassen; nachdem sich aber gefunden, dass dieser für den beabsichtigten Zweck nicht ausreichend war, hat man kein Bedenken getragen ihm durch Zwang nachzuhelfen; darum weil die Sache uns wichtig genug war und die Noth den Zwanggebot. Möchten nur auch in dieser Rücksicht uns die Augen aufgehen über unsere Noth, und der Gegenstand uns gleichfalls wichtig werden, so würde jene Bedenklichkeit von selbst wegfallen; da, zumal es nur in dem ersten Geschlechte des Zwanges bedürfen, und derselbe in den folgenden, selber durch diese Erziehung hindurchgegangenen, hinwegfällt, auch jener erste Zwang zum Kriegsdienste dadurch aufgehoben wird, indem die also Erzogenen alle gleich willig sind, die Waffen für[436] das Vaterland zu führen. Will man ja, um anfangs des Geschreies nicht zu viel zu haben diesen Zwang zur öffentlichen Nationalerziehung auf dieselbe Weise beschränken, wie bisher der Zwang zum Kriegsdienste beschränkt gewesen, und die von den letzteren befreiten Stände auch von jenem ausnehmen, so ist dies von keinen bedeutenden nachtheiligen Folgen. Die verständigen Eltern unter den ausgenommenen werden freiwillig ihre Kinder dieser Erziehung übergeben; die, gegen das Ganze unbedeutende Anzahl der Kinder unverständiger Eltern aus diesen Ständen mag immer auf die bisherige Weise aufwachsen und in das zu erzeugende bessere Zeitalter hineinreichen, brauchbar lediglich als ein merkwürdiges Andenken der alten Zeit, und um die neue zur lebhaften Erkenntniss ihres höheren Glückes anzufeuern.

Soll nun diese Erziehung Nationalerziehung der Deutschen schlechtweg seyn, und soll die grosse Mehrheit aller, die die deutsche Sprache reden, keinesweges über etwa nur die Bürgerschaft dieses oder jenes besonderen deutschen Staates, dastehen als ein neues Menschengeschlecht, so müssen alle deutsche Staaten, jeder für sich und unabhängig von allen anderen, diese Aufgabe ergreifen. Die Sprache, in der diese Angelegenheit zuerst in Anregung gebracht worden, in der die Hülfsmittel verfasst sind und ferner werden verfasst werden, in der die Lehrer geübt werden, der durch alles dieses hindurchgehende. Eine Gang der Sinnbildlichkeit ist allen Deutschen gemeinsam. Ich kann mir kaum denken, wie und mit welchen Umwandlungen diese Bildungsmittel insgesammt, besonders in derjenigen Ausdehnung, die wir dem Plane gegeben haben, in irgend eine Sprache des Auslandes übertragen werden könnten, also, dass es nicht als fremdes und übersetztes Ding, sondern als einheimisch und aus dem eigenen Leben ihrer Sprache hervorgehend erschiene. Für alle Deutsche ist diese Schwierigkeit auf die gleiche Weise gehoben; für sie ist die Sache fertig, und sie dürfen nur dieselbe ergreifen.

Wohl uns hierbei, dass es noch verschiedene und von einander abgetrennte deutsche Staaten giebt! Was so oft zu unserem Nachtheile gereicht hat, kann bei dieser wichtigen Nationalangelegenheit[437] vielleicht zu unserem Vortheile dienen. Vielleicht kann Nacheiferung der mehreren und die Begierde, einander zuvorzukommen, bewirken, was die ruhige Selbstgenügsamkeit des einzelnen nicht hervorgebracht hätte; denn es ist klar, dass derjenige unter allen deutschen Staaten, der in dieser Sache den Anfang machen wird, an Achtung, an Liebe, an Dankbarkeit des Ganzen für ihn, den Vorrang gewinnen wird, dass er dastehen wird als der höchste Wohlthäter und der eigentliche Stifter der Nation. Er wird den übrigen Muth machen, ihnen ein belehrendes Beispiel geben, und ihr Muster werden; er wird Bedenklichkeiten, in denen die anderen hängen blieben, beseitigen; aus seinem Schoosse werden die Lehrbücher und die ersten Lehrer ausgehen und den anderen geliehen werden; und wer nach ihm der zweite seyn wird, wird den zweiten Ruhm erwerben. Zum erfreulichen Zeugnisse, dass unter den Deutschen ein Sinn für das Höhere noch nie ganz ausgestorben, haben bisher mehrere deutsche Stämme und Staaten mit einander um den Ruhm grösserer Bildung gestritten: diese haben ausgedehntere Pressfreiheit, freiere Hinwegsetzung über die hergebrachte Meinung, andere besser eingerichtete Schulen und Universitäten, andere ehemaligen Ruhm und Verdienste, andere etwas Anderes für sich angeführt und der Streit hat nicht entschieden werden können. Bei der gegenwärtigen Veranlassung wird er es werden. Diejenige Bildung allein, die da strebt, und die es wagt, sich allgemein zu machen und alle Menschen ohne Unterschied zu erfassen, ist ein wirkliches Bestandtheil des Lebens, und ist ihrer selbst sicher. Jede andere ist eine fremde Zuthat, die man bloss zum Prunk anlegt, und die man nicht einmal mit recht gutem Gewissen an sich trägt. Es wird sich bei dieser Gelegenheit verrathen müssen, wo etwa die Bildung, deren man sich rühmt, nur bei wenigen Personen des Mittelstandes stattfindet, die dieselbe in Schriften darlegen, dergleichen Männer alle deutsche Staaten aufzuweisen haben; und wo hingegen dieselbe auch zu den höheren Ständen, welche den Staat berathen, hinaufgestiegen sey. Es wird sich sodann auch zeigen, wie man den hier und da gezeigten Eifer für die Errichtung und den Flor höherer[438] Lehranstalten zu beurtheilen habe, und ob demselben reine Liebe zur Menschenbildung, die ja wohl jedweden Zweig, und besonders die allererste Grundlage derselben, mit dem gleichen Eifer ergreifen würde, oder ob ihm bloss Sucht zu glänzen, und vielleicht dürftige Finanzspeculationen, zu Grunde gelegen haben.

Welcher deutsche Staat in Ausführung dieses Vorschlags der erste seyn wird, der wird den grössten Ruhm davon haben, sagte ich. Aber ferner, es wird dieser deutsche Staat nicht lange allein stehen, sondern ohne allen Zweifel bald Nachfolger und Nacheiferer finden. Dass nur der Anfang gemacht werde, ist die Hauptsache. Wäre es auch nichts Anderes, so wird Ehrgefühl, Eifersucht, die Begierde auch zu haben, was ein anderer hat, und, wo möglich, es noch besser zu haben, einen nach dem andern treiben, dem Beispiele zu folgen. Auch werden sodann die oben von uns beigebrachten Betrachtungen über den eignen Vortheil des Staats, die vielleicht dermalen manchem zweifelhaft vorkommen dürften, in der lebendigen Anschauung bewährt, einleuchtender werden.

Wäre zu erwarten, dass sogleich jetzt und von Stund an alle deutsche Staaten ernstliche Anstalt machten, jenen Plan auszuführen, so könnte schon nach fünf und zwanzig Jahren das bessere Geschlecht, dessen wir bedürfen, dastehen, und wer hoffen dürfte, noch so lange zu leben könnte hoffen, es mit seinen Augen zu sehen.

Sollte aber, wie wir denn freilich auch auf diesen Fall rechnen müssen, unter allen dermalen bestehenden deutschen Staaten kein einziger seyn, der unter seinen höchsten Berathern einen Mann hätte, der da fähig wäre, alles das oben Vorausgesetzte einzusehen und davon ergriffen zu werden, und in welchem die Mehrheit der Berather diesem einen sich wenigstens nicht widersetzte: so würde freilich diese Angelegenheit wohlgesinnten Privatpersonen anheimfallen, und es wäre nun von diesen zu wünschen, dass sie einen Anfang mit der vorgeschlagenen neuen Erziehung machten. Zuvörderst haben wir hiebei im Auge grosse Gutsbesitzer, die auf ihren Landgütern dergleichen Erziehungsanstalten für die Kinder ihrer[439] Unterthanen errichten könnten. Es gereicht Deutschland zum Ruhme und zur sehr ehrenvollen Auszeichnung vor den übrigen Nationen des neuern Europa, dass es unter dem genannten Stande immerfort hier und da mehrere gegeben hat, die sichs zum ernstlichen Geschäfte machten, für den Unterricht und die Bildung der Kinder auf ihren Besitzungen zu sorgen, und die gern das Beste, was sie wussten, dafür thun wollten. Es ist von diesen zu hoffen, dass sie auch jetzt geneigt seyn werden, über das Vollkommene, das ihnen angetragen wird, sich zu belehren und das Grössere und Durchgreifende ebenso gern zu thun, als sie bisher das Kleinere und Unvollständige thaten. Wohl mag hier und da die Einsicht dazu beigetragen haben, dass es vortheilhafter für sie selbst sey, gebildete Unterthanen zu haben, denn ungebildete. Wo etwa der Staat durch Aufhebung des Verhältnisses der Unterthänigkeit diesen letzten Antrieb weggenommen hat, – möge er da desto ernstlicher seine unerlässliche Pflicht bedenken, nicht zugleich das einzige Gute, das bei Wohldenkenden an dieses Verhältniss geknüpft wurde, mit aufzuheben, und möge er in diesem Falle ja nicht versäumen zu thun, was ohnedies seine Schuldigkeit ist, nachdem er diejenigen, die es freiwillig statt seiner thaten, dessen erledigt hat. Wir richten ferner, in Absicht der Städte, hiebei unsre Augen auf freiwillige Verbindungen gutgesinnter Bürger für diesen Zweck. Der Hang zur Wohlthätigkeit ist noch immer, so weit ich habe blicken können, unter keinem Drucke der Noth in deutschen Gemüthern erloschen. Durch eine Anzahl von Mängeln in unsern Einrichtungen, die sich insgesammt unter der Einheit der vernachlässigten Erziehung würden zusammenfassen lassen, hilft diese Wohlthätigkeit der Noth dennoch selten ab, sondern scheint oft sie noch zu vermehren. Möchte man jenen trefflichen Hang endlich vorzüglich auf diejenige Wohlthat richten, die aller Noth und aller fernern Wohlthätigkeit ein Ende macht, auf die Wohlthat der Erziehung. – Noch aber bedürfen wir, und rechnen auf eine Wohlthat und Aufopferung anderer Art, die nicht im Geben, sondern im Thun und Leisten besteht. Möchten angehende Gelehrte, denen es ihre Lage verstattet,[440] den Zeitraum, der ihnen zwischen der Universität und ihrer Anstellung in einem öffentlichen Amte übrig bleibt, dem Geschäfte, über diese Lehrweise an diesen Anstalten sich zu belehren und an denselben selbst zu lehren, widmen! Abgerechnet, dass sie sich hierdurch höchst verdient um das Ganze machen werden, kann man ihnen noch überdies versichern, dass sie selbst den allerhöchsten Gewinn davon tragen werden. Ihre gesammten Kenntnisse, die sie aus dem gewöhnlichen Universitätsunterrichte oft so erstorben mit hinwegtragen, werden im Elemente der allgemeinen Anschauung, in welches sie hier hineinkommen, Klarheit und Lebendigkeit erhalten, sie werden lernen dieselben mit Fertigkeit wiederzugeben und zu gebrauchen, sie werden sich, da im Kinde die ganze Fülle der Menschheit unschuldig und offen da liegt, einen Schatz von der wahren Menschenkenntniss, die allein diesen Namen verdient, erwerben, sie werden zu der grossen Kunst des Lebens und Wirkens angeleitet werden, zu welcher in der Regel die hohe Schule keine Anweisung giebt.

Lässt der Staat die ihm, angetragene Aufgabe liegen, so ist es für die Privatpersonen welche dieselbe aufnehmen, ein desto grösserer Ruhm. Fern sey es von uns, der Zukunft durch Muthmaassungen vorzugreifen, oder den Ton des Zweifels und des Mangels an Vertrauen selber anzuheben; worauf unsere Wünsche zunächst gehen, haben wir deutlich ausgesprochen; nur dies sey uns erlaubt anzumerken: dass, wenn es wirklich also kommen sollte, dass der Staat und die Fürsten die Sache Privatpersonen überliessen, dies dem bisherigen, schon oben angemerkten und mit Beispielen belegten Gange der deutschen Entwicklung und Bildung gemäss seyn, und dieser bis ans Ende sich gleichbleiben wurde. Auch in diesem Falle würde der Staat zu seiner Zeit nachfolgen fürs erste wie ein Einzelner, der den auf seinen Theil fallenden Beitrag eben auch leisten will, bis er sich etwa später besinnt, dass er kein Theil, sondern das Ganze sey, und dass das Ganze zu besorgen er so Pflicht als Recht habe. Von Stund an fallen alle selbstständige Bemühungen der Privatpersonen weg und unterordnen sich dem allgemeinen Plane des Staats.[441]

Sollte die Angelegenheit diesen Gang nehmen, so wird es mit der beabsichtigen Verbesserung unsers Geschlechts freilich nur langsam, und ohne eine sichere und feste Uebersicht und mögliche Berechnung des Ganzen, vorwärtsschreiten. Aber lasse man sich ja dadurch nicht abhalten, einen Anfang zu machen! Es liegt in der Natur der Sache selbst, dass sie niemals untergehen könne, sondern, nur einmal ins Werk gesetzt, durch sich selbst fortlebe, und immer weiter um sich greifend sich verbreite. Jeder, der durch diese Bildung hindurchgegangen ist, wird ein Zeuge für sie und ein eifriger Verbreiter; jeder wird den Lohn der erhaltenen Lehre dadurch abtragen, dass er selbst wieder Lehrer wird, und so viele Schüler, die einst auch wieder Lehrer werden, macht, als er kann; und dies geht nothwendig so lange fort, bis das Ganze ohne alle Ausnahme ergriffen sey.

Im Falle der Staat sich mit der Sache nicht befassen sollte, so haben Privatunternehmungen zu befürchten, dass alle nur irgend vermögende Eltern ihre Kinder dieser Erziehung nicht überlassen werden. Wende man sich sodann in Gottes Namen und mit voller Zuversicht an die armen Verwaisten, an die im Elende auf den Strassen Herumliegenden, an Alles, was die erwachsene Menschheit ausgestossen und weggeworfen hat! So wie bisher, besonders in denjenigen deutschen Staaten, in denen die Frömmigkeit der Vorfahren die öffentlichen Erziehungsanstalten sehr vermehrt und reichlich ausgestattet hatte, eine Menge von Eltern den Ihrigen den Unterricht angedeihen liessen, weil sie dabei zugleich, wie bei keinem andern Gewerbe, den Unterhalt fanden: so lasst es uns nothgedrungen umkehren, und Brot geben denen, denen kein anderer es giebt, damit sie mit dem Brote zugleich auch Geistesbildung annehmen. Befürchten wir nicht, dass die Armseligkeit und die Verwilderung ihres vorigen Zustandes unserer Absicht hinderlich seyn werde! Reissen wir sie nur plötzlich und gänzlich heraus aus demselben und bringen sie in eine durchaus neue Welt; lassen wir nichts an ihnen, das sie an das Alte erinnern könnte: so werden sie ihrer selbst vergessen, und dastehen als neue, soeben erst erschaffene Wesen. Dass in diese[442] frische und reine Tafel nur das Gute eingegraben werde, dafür muss unser Unterrichtsgang bürgen und unsre Hausordnung. Es wird ein für alle Nachwelt warnendes Zeugniss seyn über unsre Zeit, wenn gerade diejenigen, die sie ausgestossen hat, durch diese Ausstossung allein das Vorrecht erhalten, ein besseres Geschlecht anzuheben; wenn diese den Kindern derer, die mit ihnen nicht zusammen seyn mochten, die beseligende Bildung bringen, und wenn sie die Stammväter werden unsrer künftigen Helden, Weisen, Gesetzgeber, Heilande der Menschheit.

Für die erste Errichtung bedarf es zuvorderst tauglicher Lehrer und Erzieher. Dergleichen hat die Pestalozzische Schule gebildet und ist stets erbötig, mehrere zu bilden. Ein Hauptaugenmerk wird anfangs seyn, dass jede Anstalt der Art sich zugleich betrachte als eine Pflanzschule für Lehrer, und dass ausser den schon fertigen Lehrern um diese herum sich eine Menge junger Männer versammle, die das Lehren lernen und ausüben zu gleicher Zeit, und in der Ausübung es immer besser lernen. Dies wird auch, falls diese Anstalten anfangs mit der Dürftigkeit zu ringen haben sollten, die Erhaltung der Lehrer sehr erleichtern. Die meisten sind doch in der Absicht gegenwärtig, um selbst zu lernen; dafür mögen sie denn auch ohne anderweitige Entschädigung das Gelernte eine Zeitlang zum Vortheil der Anstalt, wo sie es lernten, anwenden.

Ferner bedarf eine solche Anstalt Dach und Fach, die erste Ausstattung und ein hinlängliches Stück Land. Dass im weitern Fortgange dieser Einrichtungen, wenn die verhältnissmässige Menge von schon herangewachsener Jugend in den Jahren, wo sie nach der bisherigen Einrichtung als Dienstboten nicht bloss ihren Unterhalt, sondern zugleich auch ein Jahrlohn erwerben, sich in diesen Anstalten befinden wird, diese die schwächere Jugend übertragen, und bei der ohnedies nothwendigen Arbeitsamkeit und weisen Wirthschaft diese Anstalten sich grösstentheils selbst werden erhalten können, scheint einzuleuchten. Fürs erste, so lange die erstgenannte Art der Zöglinge noch nicht vorhanden ist, dürften dieselben grösserer Zuschüsse bedürfen. Es ist zu hoffen, dass man sich zu Beiträgen, durch Ende man absieht, williger finden werde.[443] Sparsamkeit, die dem Zwecke Eintrag thut, bleibe fern von uns; und ehe wir diese uns erlauben, ist es weit besser, dass wir gar nichts thun.

Und so halte ich denn dafür, dass, bloss guten Willen vorausgesetzt, bei der Ausführung dieses Plans keine Schwierigkeit ist, die nicht durch die Vereinigung mehrerer, und durch die Richtung aller ihrer Kräfte auf diesen einigen Zweck, leichtlich sollte überwunden werden können.

Quelle:
Johann Gottlieb Fichtes sämmtliche Werke. Band 7, Berlin 1845/1846, S. 428-444.
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