[10] Der Reiche Landwirt:
Der Reis ist gar gekocht, der Rahm ist abgeschöpft,
Am Flusse weil' ich in der Au gemeinsam hier,
Ein Dach bedeckt mich, Feuer flammt am Herd:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Herr:
19
Der Reiz ist gar gekocht, der Gram ist abgeschöpft,
Am Flusse weil' ich in der Au alleinsam hier,
Kein Dach bedeckt mich, Feuer flammt nicht mehr:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Reiche Landwirt:
20
Gemach verschwunden ist der Mücken Schwarm,
Am Werder weiden Kühe dort im dichten Gras,
Die Güsse, gehn sie nieder gleich, sie schaden nicht:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Herr:
Gebunden war das Bündel ja geschickt,
Entronnen bin ich, angelangt am Ufer hier,
Kein Bündel nützt mir heute noch:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
[11] Der Reiche Landwirt:
Mein Weib ist willig und mir treu vertraut,
Im langen Beisein mir geworden lieb und wert,
Vernommen Übles hab' ich nie von ihr:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Herr:
23
Mein Geist ist willig, haftet nirgend an,
In langer Übung ist er worden mildgemut,
Nichts Übles find' ich aus an ihm:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Reiche Landwirt:
24
Um eignen Lohn verdungen bin ich mir,
Vom gleichen Schlage meine Söhne, sind gesund,
Von ihnen Übles hab' ich nie gehört:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Herr:
Kein Diener bin ich irgendwem,
Um keinen Lohn zieh' durch die Welt ich hin,
Zu nichts ein Sold mir wäre nutz:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Reiche Landwirt:
26
Es gibt hier Färsen, junge Farren gibt es,
Gibt Kühe trächtig, Kälber die noch trinken,
Der Stier ist da, der starke Herr der Herde:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
[12] Der Herr:
27
Nicht Färsen gibt es hier, nicht Farren gibt es,
Nicht Kühe trächtig, Kälber nicht die trinken,
Kein Stier ist da, der starke Herr der Herde:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Reiche Landwirt:
28
Die Pfähle sind verrammt unrüttelbar,
Die Bande, bastgeflochten, neu, die halten fest,
Und auch kein Farre kann sich reißen los davon:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
Der Herr:
Dem Stiere gleich, entzwei der seine Bande reißt,
Wie fauler Schlinge stracks der Elefant entschlüpft,
Nie kehr' ich wieder neu dem Schoße zu:
Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.
30
Umher war Au und Anger überschwemmt alsbald,
Gewittergüsse stürzten prasselnd nieder nun;
Den Wolkenstrom erdröhnen hört' er rings,
Der Reiche, der jetzt also sprach:
Gesegnet sind wir, hochbelohnt,
Erblicken hier den Herrn von Angesicht:
Bei dir, o Seher, flehn wir Zuflucht an,
Sei Meister uns, erhabner Denker du.
[13] 32
Mein Weib und ich, so treu vertraut,
Als Pilger ziehn wir zum Willkommnen hin:
Geburt und Grab entgangen fern,
Der Leiden Grenze laß' erfunden sein!
Der Herr:
Bejubeln mag der Kinderreiche Kinder,
Der Hirt, er mag die Herde so bejubeln:
Anhaften, sag' ich, macht den Menschen jubeln;
Nie jubelt wieder wer da nirgend haftet.
34
Betrauern mag der Kinderreiche Kinder,
Der Hirt, er mag die Herde so betrauern:
Anhaften, sag' ich, macht den Menschen trauern;
Nie trauert wieder wer da nirgend haftet.