Zweites Bruchstück

Der Reiche Landwirt

Vor dem Gewitter

[9] Der Reiche Landwirt:


18

Der Reis ist gar gekocht, der Rahm ist abgeschöpft,

Am Flusse weil' ich in der Au gemeinsam hier,

Ein Dach bedeckt mich, Feuer flammt am Herd:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Herr:


19

Der Reiz ist gar gekocht, der Gram ist abgeschöpft,

Am Flusse weil' ich in der Au alleinsam hier,

Kein Dach bedeckt mich, Feuer flammt nicht mehr:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Reiche Landwirt:


20

Gemach verschwunden ist der Mücken Schwarm,

Am Werder weiden Kühe dort im dichten Gras,

Die Güsse, gehn sie nieder gleich, sie schaden nicht:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Herr:


21

Gebunden war das Bündel ja geschickt,

Entronnen bin ich, angelangt am Ufer hier,

Kein Bündel nützt mir heute noch:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


[10] Der Reiche Landwirt:


22

Mein Weib ist willig und mir treu vertraut,

Im langen Beisein mir geworden lieb und wert,

Vernommen Übles hab' ich nie von ihr:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Herr:


23

Mein Geist ist willig, haftet nirgend an,

In langer Übung ist er worden mildgemut,

Nichts Übles find' ich aus an ihm:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Reiche Landwirt:


24

Um eignen Lohn verdungen bin ich mir,

Vom gleichen Schlage meine Söhne, sind gesund,

Von ihnen Übles hab' ich nie gehört:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Herr:


25

Kein Diener bin ich irgendwem,

Um keinen Lohn zieh' durch die Welt ich hin,

Zu nichts ein Sold mir wäre nutz:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Reiche Landwirt:


26

Es gibt hier Färsen, junge Farren gibt es,

Gibt Kühe trächtig, Kälber die noch trinken,

Der Stier ist da, der starke Herr der Herde:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


[11] Der Herr:


27

Nicht Färsen gibt es hier, nicht Farren gibt es,

Nicht Kühe trächtig, Kälber nicht die trinken,

Kein Stier ist da, der starke Herr der Herde:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Reiche Landwirt:


28

Die Pfähle sind verrammt unrüttelbar,

Die Bande, bastgeflochten, neu, die halten fest,

Und auch kein Farre kann sich reißen los davon:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


Der Herr:


29

Dem Stiere gleich, entzwei der seine Bande reißt,

Wie fauler Schlinge stracks der Elefant entschlüpft,

Nie kehr' ich wieder neu dem Schoße zu:

Wohlan, o Wolke, willst du, riesle, regne recht.


30

Umher war Au und Anger überschwemmt alsbald,

Gewittergüsse stürzten prasselnd nieder nun;

Den Wolkenstrom erdröhnen hört' er rings,

Der Reiche, der jetzt also sprach:


31

Gesegnet sind wir, hochbelohnt,

Erblicken hier den Herrn von Angesicht:

Bei dir, o Seher, flehn wir Zuflucht an,

Sei Meister uns, erhabner Denker du.


[12] 32

Mein Weib und ich, so treu vertraut,

Als Pilger ziehn wir zum Willkommnen hin:

Geburt und Grab entgangen fern,

Der Leiden Grenze laß' erfunden sein!


Der Herr:


33

Bejubeln mag der Kinderreiche Kinder,

Der Hirt, er mag die Herde so bejubeln:

Anhaften, sag' ich, macht den Menschen jubeln;

Nie jubelt wieder wer da nirgend haftet.


34

Betrauern mag der Kinderreiche Kinder,

Der Hirt, er mag die Herde so betrauern:

Anhaften, sag' ich, macht den Menschen trauern;

Nie trauert wieder wer da nirgend haftet.

Quelle:
Die Reden Gotamo Buddhos. Bd. 3, Zürich/Wien 1957, S. 9-13.
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