Etrusker, Sarden, Sikuler, Pelasger

[316] 103


Italien: Die Namen Rasena neben Umbrer und Tusker, ebenso Quiriten neben Römer, Rutuler von Ardea etc. zeigen, wieviele Stämme hier nach-, neben- und übereinander gesessen haben. Natürlich hat man auch mit einer Vielzahl ganz verschollener Sprachen zu rechnen. Erhalten haben sich ja nur die paar Schriftsprachen, die politische Verbreitung erhielten. In der Siedlung am Tiber, die irgendwann den Namen Roma erhielt, wird wohl vor dem Latein – und Etruskischen –[316] noch mehr als eine Sprache geredet worden sein. Es ist falsch und flach, alle nicht aus dem Italischen erklärten Namen ohne weiteres als ›Etruskisch‹ zu bezeichnen. Das Buch von Schulze hat viel Unheil angerichtet. Wir kennen vom ›Etruskischen‹ so wenig, daß wir nicht einmal sicher behaupten können, daß alle ›etruskischen‹ Inschriften dieselbe Sprache enthalten.


104


Zahlreiche Spracharten [wurden] von Eroberern, Landsiedlern, Söldnern, Händlern auf vorantikem Boden eingeschleppt, [sie sind] zum Teil bis auf einige verstümmelte Wörter verschwunden, durch die Aussprache der späteren unkenntlich verwandelt, durch Volksetymologie verfälscht, zum Teil schriftliche Dialekte noch in später Zeit, in Götter-, Personen-, Orts-, Berg- [und] Flußnamen erhalten, zum Teil sich zu neuen Sprachgruppen auswachsend, von andern übernommen. Die etruskischen Sprachen können sehr wohl mit mehreren Sprachresten Kleinasiens verwandt sein, ebenso mit verschollenen Sprachen in Hellas. Für die ›Wanderung‹ beweist das gar nichts. Die Behauptung, daß ›die E[trusker]‹ von Kleinasien gekommen seien, ist [eine] späte Kombination von Handelskreisen Milet – Caere.


105


Byblos (Reallexikon): Schon 3000 v. Chr. ägyptische Kolonie, noch früher (der Name ist vorsemitisch) ein Schiffahrtszentrum. Der Name Byblosschiffe ist schon im Alten Reich konventionell für einen (nichtägyptischen?) Typ.

Schon im 3. Jahrtausend ägäischer Import, seitdem stete Verbindung. Ein königliches Felsengrab mit Sarkophag um 2000 (ägäisch, ägyptisch, einheimische Beigaben). Wieder ein Beispiel für die Felsengräber. Es ist sicher, daß solche Knotenpunkte ewiger Handelsbahnen auch in Tunis und Sizilien etc. bestanden haben, an denen später Phöniker und Griechen als Erben auftraten.[317]

Dazu die Fenchu = Phöniker, S[idonier], womit die kanaanäischen Bewohner der Talebene gemeint sind. Beiden muß ein einheimischer Landesname zugrunde liegen, der für Fremde die jeweiligen Einwohner bezeichnet. Sie selbst nannten sich offenbar in jedem der kleinen Stadtstaaten anders. Sidonier, Tyrier.


106


Etrusker: Die Behauptung der Einwanderung aus Kleinasien, die heute Mode ist, beruht lediglich darauf, daß in den jonisch-karischen Küstenorten der Name Tyrrhener überall da angesetzt wird, wo es Piraten gab. Man mochte sie nicht leiden. Und weil drüben das Land ebenso hieß, so war die ›Einwanderung‹ selbstverständlich. Aber ein ›etruskisches‹ Volk hat es nie gegeben. Damit fängt die Frage an, geschichtliche Form anzunehmen.


107


Es ist ein Grundfehler der Forscher, die Volks- und Landnamen einfach zusammenzustellen, ohne geschichtlich zu denken, [so] daß sie, wenn derselbe Name in zwei verschiedenen Gegenden vorkommt, eine von ihnen als Ausgang ansetzen: Tyrrhener. Aber wenn der Name Sachsen einerseits in Dresden und Leipzig, andrerseits um London herum vorkommt, dann ist weder ein englischer Stamm nach dem Erzgebirge gewandert, noch umgekehrt [ein obersächsischer nach England]. So steht es [auch] mit [den] Tyrrhenern.


108


Schardana [ist ein] Stamm, ebenso [wie] Sikuler (Sekelascha) oder ähnliche. Er kann auf der Insel gesessen haben, aber ebensogut anderswo, in Libyen, Tunis etc. Daß er in Südsardinien und Ostsizilien später fehlte, spricht für eine Besitzergreifung erst seit 1200. Turscha und Pelasger dagegen sind Orlognamen: Burg- und Meermänner.[318]


109


Küstennamen: Anfang: Da die abendländischen Geschichtsdenker bis in die Gegenwart hinein das Schema Altertum – Mittelalter – Neuzeit [verwenden] und unter Altertum den Gesichtskreis der griechischen und römischen Schriftsteller [verstehen] – das löst sich erst langsam! –, so hat man die Länderbezeichnungen der Griechen in Gebrauch genommen, die Sprache und die Leute danach benannt und endlich die Völker nach den Sprachen.

Wir wissen alle von Jonien, Phönikien, Palästina, Syrien, Ägypten, Etrurien, Sardinien, Sizilien – aber das sind griechische Bezeichnungen, und zwar Seefahrtsbezeichnungen, die ursprünglich die Küste meinten, an der die Handelsorte lagen, und die Kaufleute dieser Orte. Damit ist also über Volkstum und Sprache überhaupt nichts gesagt. Der Begriff Phöniker und Etrusker, wie er heute gebraucht wird, ethnisch, ist aus antikem Sprachgebrauch durch falsche Verallgemeinerung entstanden (wie Allemands). In solchen Irrtümern steckt heute die Wissenschaft ohne Ausnahme. Auf ihnen beruht die ›Etruskerfrage‹.


110


Die geltende Meinung über die ›Etrusker‹ ist folgende: Sie stammen aus Kleinasien, sind (als Ganzes!) seit 1000 in verschiedenen Etappen nach Italien ›gewandert‹. Beweise sollen sein [die] Turscha (Jonierschwarm der Küste) [und die] Kultur des 8. Jahrhunderts (dann wäre der gotische Stil seit 1100 die Folge der Einwanderung der Goten im 11. Jahrhundert!). In Wirklichkeit ist alles ganz anders gewesen.


111


Ein neuer Typus von Landnamen sind die Küstennamen im Sprachgebrauch von Seeleuten. So sind Phönikien und Palästina griechische, jonische Bezeichnungen für die Küstenorte. Die ›Phöniker‹ selbst nannten sich bis 1100 Sidonier, dann Tyrier (Sidon und Tyrus), und[319] daraus ist wieder eine griechische Bezeichnung entstanden: Syrier [galt] ursprünglich nur für die Küste. Als seit Alexander dem Großen Griechisch Verwaltungssprache wird, dehnt sich diese Bezeichnung aus. Als Verwaltungsname im Imperium Romanum.

Aber ebenso muß es im Westen gewesen sein. Etrurien war ursprünglich der Küstenname, Gegend von Caere. Einer der alten Namen (die meisten waren sicher den Römern nicht mehr bekannt) war Umbrien, der aber in den Apennin zurückgedrängt wurde.

Ebenso [sind] Sardo und Sikelia griechische Benennung. Die Insel als solche hatte wahrscheinlich gar keine Gesamtbezeichnung, sowenig wie Italien und Spanien. Die Neigung zu so umfassender Bezeichnung ist spät, entweder wissenschaftlich (geographisch) oder politisch (Verwaltung, Handel). Da wird dann der Name des Stammes, mit dem man zuerst in Berührung kommt, ausgedehnt. Sikelia [war] wahrscheinlich zuerst die Gegend von Syrakus, dann die Insel.


112


Etrusker: Die Vorstellung der ›Wanderung‹ ›des‹ etruskischen ›Volkes‹ aus Kleinasien nach Italien ist unanschaulich, unmöglich, unsinnig. Man stelle sich folgende Fragen und suche sie anschaulich zu beantworten: Wie groß war das ›Volk‹ in Kleinasien? Wo ›saß‹ es? Wie stand es zu den Seeleuten an der Küste? Wer baute die Schiffe (was lange Erfahrung voraussetzt)? Wieviele waren es, wieviele konnten es höchstens sein? (Hundert Schiffe zu bewegen, war damals völlig unmöglich.) Erbeutete oder mietete man sie? Wer ruderte sie, wer war Lotse, Kapitän, Führer? Wie verproviantierte man ein ›Volk‹? Man braucht die Frage nur zu stellen, um ihre Unmöglichkeit zu sehen.


113


Etrusker: Die Etrusker [haben] die Religion des Landes einfach übernommen, ebenso die Sprache. Es ist unvorsichtig und vom Standpunkt des Sprachforschers selbst dilettantisch, von jedem Wort etruskischer[320] Inschriften anzunehmen, daß das ›Etruskisch‹ sei. Vom Griechischen wissen wir, wie massenhaft vorgriechische Worte übernommen sind. Beim Lateinischen sagt man einfach, daß es etruskische Worte seien. Aber ist das ›Etruskische‹ eine einheitliche Sprache? Wieviel Worte aus andren Sprachen, voretruskische Worte, stecken denn darin? Und kennen wir die Sprache überhaupt genug, um zu sagen, daß alle Inschriften in derselben Sprache geschrieben sind?


114


Römischer Mythus (Anregung): [War] Aeneas ein Tyrrhenerheld? Schon Hellanikos und Timaios wissen von seiner Gründung Roms. Hesiod (Theog. 1011 ff.) kennt den König Latinus, mit dem Aeneas sich gegen die Rutuler verbündet.

Dardana. Es gab auch einen illyrisch-thrakischen Stamm dieses Namens, seit 284 bekannt. Circeji [ist] schon Theophrast bekannt.


115


Etrusker (Herbig, Mitteilungen der Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde 1922):

Auch uni (Juno)-menerva-nedinus-selvans sind nicht etruskisch.

S. 8: Altetruskische Göttertrias, der jede Stadt, mit drei Toren und drei Tempeln geweiht sein mußte: Tinia-uni-menerva (vgl. Athen). Neunzahl der blitzeschleudernden Götter, tinia hat allein drei [manubia (Blitze)], also [alle Götter zusammen] elf. Die Göttersterne, die täglich am Himmel auf- und untergehen.

S. 9: Tinia schleudert die 1. Blitzart suo consilio, die 2. auf Rat der 12 Götter, die tertia manubia, die schlimmste, im Einverständnis mit den dii opertanei, deren Namen und Zahl niemand kennt, die geheimnisvoll und unergründlich über Meeren thronen – das könnte von den Turscha stammen! Wenn die vornehmen Turschageschlechter rasenatische Namen tragen, die noch dazu oft die Namen von örtlichen Gottheiten sind (S. 11), so zeigt das die Art der Landnahme: Die gens[321] führt mit den Namen die beherrschten Gebiete, Dörfer, Burgen, während natürlich nur der ›Vorname‹ bis dahin gilt. (›Gens von Putlitz‹). Auch die römischen Tribus sind so: Hier traf man auf lateinische Ortsnamen und übernahm sie. Durch die Eroberung von Tarquinia kamen aber auch Geschlechter von dort mit dortigen Namen. Ein Teil der ältesten Vornamen ist also Turschagut.

Herbig (S. 11/12) leitet die Numina von Gentilnamen ab, es ist aber umgekehrt! Gentilgötter mit Gentilkult (Kaeso-luperei) wurden sie, weil ihr Gebiet der Gens gehörte und also der Kult deren Pflicht wurde. Wenn es eine gens Rumina gab, so hatte sie eben die Örtlichkeit erobert, wo die diva Rumina am Luperkal hauste.

Drei Teile [der etruskischen heiligen Bücher]: libri fulgurales, haruspicales, rituales.


116


Etrusker: Nach einer Andeutung Brandenburgs [besteht eine] enge Beziehung zwischen Etrurien und Palästina. Ego: Es ist gar keine Frage, daß Tunis einmal ein beherrschendes Gebiet war. Von da die Höhlengräber und Tumuli in Jerusalem, Malta, Etrurien, Sardinien, Sardes, Bosporus (Troja I), Kreta, Ur-Byblos.

Gräberkultur. In ›Phönizien‹ kann sie nur von Westen, nicht von Sumer gekommen sein! Die Idee des Ahnengrabes ist in Palästina ganz sporadisch. Schon Remedello (Poebene) zeigt [eine] Andeutung von templarer Anlage des Gräberfeldes, Einfluß iberischer Art. Ähnlich in Etrurien.


117


Etrusker: Darin hat Schuchhardt recht, daß die Schardana, Turscha und Schekelascha – Sardinien, Sizilien, Etrurien – schon in ägyptischer Zeit zusammengehören. Wenn sie das Atriumgrab gemeinsam haben, müßte ich sie für Libyer halten. Es ist Blödsinn, solche Bewegungen von Kleinstädten Kleinasiens her zu erklären.

Offenbar war um 1250 schon in den drei Westgebieten fester Fuß gefaßt. Ich muß also ernstlich daran denken, daß diese Seevölker[322] durch die Straße von Gibraltar gekommen sind. Was sagt Cäsar von der venetischen Seemacht der Bretagne? Das sind doch nicht die Menhirleute!

Schließlich sind das keine ›Völker‹, sondern Gattungsnamen, wie Habiri und Amurru.

Auch Larissa und Pergamos sind keine Namen.


118


Die orientalische Mode der Etrusker beweist lediglich die Richtung ihrer Seeverbindungen. Sonst müßte man die Normannen für Araber und die Japaner für Westeuropäer halten. Die etruskische ›Kultur‹ seit 800 ist Hansageschmack.


119


Die Turscha, ein Nordvolk, echte Normannen mit wechselnder Sprache, haben nach der Landnahme in Etrurien, Lemnos, vielleicht Athen (prytanis) und Lydien besetzt, wohin sie toskanische Sprache und Grabsitte brachten. Das Lydische [ist] vielleicht ein libyscher Dialekt. Das müßte etwa 9./8. Jahrhundert, nachhomerisch, sein und Spuren in der Odyssee haben. Titel Prytanis in Etrurien und Athen, Maro in Lemnos (etruskische Inschrift).


120


Etrusker: Bei den Grabbauten [ist] zu erwägen:

1. Zum Teil Herkunft von Spanien, Afrika, Mykene, d.h. atlantisch.

2. Zum Teil vielleicht nordische Megalithgräber (›Germanen‹).

3. Seit dem 8. Jahrhundert mit dem Handel der orientalisierende Stil und Geschmack. Milet, Jonien [werden] Mittelpunkt des ›Welthandels‹, daher Sardes als Vorbild vornehmer Handelshäuser. Nicht der Grundtypus des Grabmals, aber die feinere Ausstattung von dort. (Kritik von Schachermayer, Archiv für Orientforschung VII/3.)[323]

Ähnlichkeit zwischen Kleinasien und Etrurien: Verwandte nordische Stämme [gibt es] hier und dort: etwa Phryger – Turscha – Villanova. Zerstörung des Hethiterreichs um 1200.

Novilara!


121


Etrusker: Einleitung: Alle Arbeiten über Etrurien beschäftigen sich mit der Frage: Woher, wann, wie? Die Hauptsache wird gar nicht bemerkt: Was versteht man unter [dem Namen] ›Etrusker‹! Das Objekt der Untersuchung wird ohne [Kritik] vorausgesetzt. Das Volk, das [die] Toskana bewohnt, etruskisch spricht, die etruskische Religion hat. Gibt es das? Dringt man geschichtlich vergleichend ein, so löst sich der Etruskerbegriff auf. Die Forscher haben im Bann des Namens Etrusker an ein Objekt geglaubt. Theorie: Kleinasien, Norden, Spanien. Wenn sie nun alle Recht und Unrecht hätten? Sprache: Viel zu naiv. Wenn in irgendeiner ›etruskischen‹ Inschrift ein Wort gefunden wird, ist das ›Etruskisch‹? Wenn einer dasselbe von ›der italischen Sprache‹ sagen wollte! Sicher hat es Dialekte gegeben, in einzelnen von ihnen [finden sich] Elemente anderer Sprachen.


122


Lemnische Inschrift: Auf Lemnos kennt die Ilias Sintier, die ›Hephästus‹ verehren. Beloch (Griechische Geschichte I, 2, 53) glaubt, daß diese Sintier eine den Etruskern verwandte Balkanbevölkerung seien. Glotta 7,29 ff. Kretschmer über Adonis. Im Phönikischen ist das nie ein Gott, sondern ein Appellativ. Adonis [stammt] vielleicht aus der kyprischen Sprache. [Vgl.] 121 ff. Kretschmer, Herakles. Er ist in Argolis zu Hause. Die thebanische Sage ist jünger. Ego: Kretschmer vergißt die Volksetymologie, die ohne Sinn ist. Herakles ist so etwas, obwohl Hera gerade seine Feindin ist. Aber der Name klang ähnlich. Ebenso Menelaos etc. S. 127, in der Sage ist er ursprünglich klein von Gestalt, aber klug. Märchenfigur aller Zeiten. David und Goliath. Etruskisch spural bedeutet etwas Amtliches (Spurius).[324]


123


Der ständige Sprachwechsel der Normannen: [Es ist] also wohl möglich, daß Turscha und Peleset das Lydisch-Vorgriechische angehört und weitergetragen hätten, was sie dann dem Rasena und Kanaan geopfert hätten. Dann blieben als Rest ihrer Ursprache die Personennamen, und zwar mehr die Vor- als die Gentilnamen. Die Tarquinier z.B. könnten von der Stadt, die Stadt [könnte] von einem kleinasiatischen Gott heißen. So wie überall der Stadtname jünger ist als das Numen: Brunonis Vicus.


124


Die ›etruskische‹ Inschrift von Lemnos – vielleicht das Grab eines Söldnerführers aus Etrurien, [eines] Seeräubers. Wie die Wikingerinschrift in Kanada.


125


Etrusker, Pelasger: Es ist ganz gut möglich, daß Tyrannos den Burgherren bedeutet: turis, Venus turan. Wenn Pelasger und Etrusker verschieden auftraten, in West und Ost, woher haben sie dann die gemeinsamen Worte? Waren es nur Orlognamen für dieselbe Stammesgruppe? So daß sie im Grunde identisch sind?


126


Wenn die Turscha, Sekelescha, Schardana gemeinsam auftraten, so scheint das zu beweisen, daß diese Wikinger schon damals an den Küsten von Ostsizilien, Südsardinien, Südtoskana Fuß gefaßt hatten.

Sikaner und Sikuler unterscheiden sich wie Goten und Gotländer, Schotten und Schottländer, Japaner und Japanesen, Inder und Indianer, Franken und Franzosen. Die Endung -ani ist wie Lukani, Kampani, die Endung -uli wie Tusculi.[325]


127


Etrusker: Waren sie im Besitz der Odysseussage? Circe? Sprachen sie griechisch wie die Philister? Dann ist also die ›Hellenisierung‹ Etruriens durch sie 1200 erfolgt, gegen die Rasena! (Deecke 1, 82 ff.). Mutterrecht der Seevölker. (Deecke 1, 376.) Etrusker und Lykier. Tanaquil.


128


Etrusker: Das Alphabet der Lemnosstatue steht dem nordetruskischen nahe, nicht dem südetruskischen. Es gibt mehrere A[lphabete], also keine etruskische Einheit. Wir wissen so wenig vom Etruskischen, daß wir nicht einmal sagen können, ob das nicht mehr als eine Sprache ist.


129


Etrusker, Achäer: Zusammenfassung ›Pelasgerzeit‹. Die erste große Zusammenstellung. Verwandtschaft der Äoler mit Italikern und Kelten, die Dorer ebenso äolische Sprache und Literatur. Nicht von ›Etrurien‹ reden. Jede Stadt ist eignes Volkstum, vielleicht eigne Sprache. In Etrurien war das ›Etruskische‹ nur Inschriftsprache. Daneben nicht identische Volkssprachen.


130


Etrusker, Achäer: Bei [Betrachtung der] Wanderungen [wird] beständig der Fehler gemacht, daß man die eine Sprachgruppe redende Bevölkerung als Einheit zurückverfolgt. Die ›Hellenen‹ gibt es erst in Hellas seit 1100. Die verschiedenen Wanderströme von Norden her werden zum Teil ganz andre Sprachen mitgebracht haben als ›urhellenisch‹. Vgl. die ›illyrischen‹ Elemente im ›Griechischen‹. Der enorme Unterschied der Latiner und Sabeller im Wortschatz beweist, daß eine der beiden Gruppen ursprünglich nicht ›italisch‹ geredet hat. Ebenso der Unterschied im Wortschatz der hellenischen[326] Dialekte. Der sogenannte ›Einfluß‹ des ›Etruskischen‹ auf das Lateinische!

(πυρ-pir, ignis?)

Es hat unendlich viel mehr ›Gruppen‹ indogermanischer Sprache gegeben als die uns bekannten acht und sehr viele nordische ›Ursprachen‹ außer dem Indogermanischen. Es ist kindlich, ›das‹ Illyrisch seinem Umfang nach durch Orts- und Personennamen festzustellen. Es gibt unter italischen und hellenischen Stämmen solche gemeinsamer Herkunft.

Tonolus, Tumulus. Atavus.

Welche Sprache redeten die Leute aus Südrußland (Spiralornament), aus Mitteleuropa (Megaron)?


131


Etrusker‹, Sprache: Man glaubt an [ihre] Herkunft über See, weil sie an der Westküste sitzt. Aber alle keltischen Dialekte sitzen heute an den atlantischen Küsten. Wüßten wir nichts über ihre Vorgeschichte, so würden wir sie von Spanien oder [Westfrankreich] kommen lassen und mit den Trägern der Megalithbauten zusammenbringen. Aber ebenso wie das Reste sind, ist das Etruskische ›Rest‹ ehemaliger mächtiger balkanischer Sprachgruppen.


132


Pelasgerzeit: Und endlich geht es durch Jahrtausende in einem jauchzenden Überschwang, in glühendem Selbstgefühl, Mensch zu sein, über alles, was sonst Leben heißt. Der Mensch wird zum Helden. Seine Seele blüht auf, wacht auf, hoch über allem. Die menschliche Gestalt reckt sich auf, das Antlitz wird zum Zeichen mächtiger Kräfte, beweglich, innerlich ausdrucksreich. Was das Haupt des Steinadlers, des Löwen auszeichnet, das liegt gesammelt und durchgeistigt in den Köpfen der edelsten Schläge dieser aufblühenden Rasse. In ihrer frühen Glut fühlen sie sich allem verwandt, was glüht. Damals entstand die[327] Sonnennähe der Seele, die Verehrung des Feuers, der Sonne, als der Seelenzustand dessen, worin man sich mit der gesamten Umwelt eins wußte.

Und was Gelehrte, mit äußeren Zeichen beschäftigt, die primitiven Menschen nennen, ist das Aufblühen der Menschenseele zu ihrem Reichtum und ihrer Tiefe. Dasein, das sich fühlt, Wachsein, das sich im All versteht – daraus blüht ein Reich unerschöpflicher Möglichkeiten auf. Dumpf tierische Sehnsucht und Angst werden edel. Der verwundete Stolz gefangener Rassetiere, die im Käfig sterben, die Leidenschaft um das geliebte Wesen – das ist schattenhaft gegenüber der Urzeit großer Leidenschaft und Leidensfähigkeit. Alles, was die große Kultur später in einem Reichtum gebundener Formen aufbauen läßt, glüht hier in ursprünglicher Reinheit, wovon die Reste großer Mythen, beängstigender Ornamente, dunkler Riten zeugen. Wo das in Strömen menschlicher Gedanken aufglüht, da entstehen Rassen, Heldenrassen, die sich über die Bahnen der Erde bewegen, dem Lichte zu, aus Eis, Wäldern, Nächten heraus ins Lichte.


133


Pelasger: Sie hatten ein Ziel. Was für die Germanenschwärme der Wanderzeit Rom, das war für sie Ägypten, eine ferne, sagenhaft späte und prachtvolle Märchenwelt, satt und reich, die ein Held wohl als Beute zu haben hoffen durfte. Der Ruf von Rom ist bis in den hohen Norden gedrungen. Man hatte dunkle Kunde von diesen Palästen aus Marmor und Gold. Aber ganz ebenso hat der Norden damals vom Märchenland am Nil gehört. Längs der alten Handelsbahnen trugen die Händler des Südostkreises seltene Schmuckstücke, auch Nachrichten. Alle diese Fahrten richten sich auf den Nil. Und erst, als er unerreichbar bleibt, richtet sich der Blick auf geringere Beute irgendwo an der Küste des Mittelmeeres.

Quelle:
Oswald Spengler: Frühzeit der Weltgeschichte. München 1966, S. 316-328.
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