Hethiter

[363] 221


Tavaglavas: Es ist der einzige Name, soviel ich weiß, der sich z.T. aus dem Hethitisch der Kanzlei von Boghazköi erklären läßt – und gerade den trägt ein Mann, der kein Hethiter war. Ist das ein Beweis dafür, daß diese Kanzleisprache der Herrenschicht gar nicht gehörte?


222


Kleinasien: Seit etwa 1200 indogermanisch-phrygische Einwanderung. Ende des Chattireiches. Neue Namen: Lyder, Myser, Teukrer (statt Troer). Gleichzeitig [wurden die] Westküste, Pamphylien [und] Cypern von Griechen besetzt. Im 7. Jahrhundert [kamen] von Osten Kimmerier, [von] Nordwesten Thraker (Bithynier). Die Phrygier werden sich auf den Ruinen Trojas angesiedelt haben (7. Jahrhundert). Damit ist ganz Westkleinasien ›phrygisch‹ geworden (nach Strabo). Dialekte. ›Karisch‹ wird der Name der Schichten, welche die ältere Sprache behielten (luvisch). Zwischen 2500 und 2000 das Assyrerreich zwischen Antitaurus und Halymündung, Hauptstadt: Kültepe bei Cäsarea, wo die ›kappadokischen‹ Tontafeln gefunden wurden. Noch[363] die Griechen nannten die Küste bei Sinope Assyrien. Außer assyrischen [gab es] viele einst ›hethitische‹ Eigennamen. Katpatuku (Kappadokier) [ist] seit Herodot der neue Name für den Rest der hethitischen Bevölkerung. Man muß das Chattireich von 2300–2000 und [das von] 1450–1200 unterscheiden (wie Achämeniden und Sassaniden).


223


Wie weit kommt -essos in hethitischen Texten vor? Ich glaube, daß die antike Ahnung von einer vortrojanischen Seeherrschaft der ›Lyder‹ sich auf das westhethitische Reich bezieht: Altchatti ist ostkleinasiatisch, Neuchatti geht von Smyrna aus (die Bilderschrift!). Nach 1200 wird das Reich wieder auf diese Gegend beschränkt gewesen sein. Der Chattiname ist absolut östlich (vgl. nêmec und allemand), so daß bei Homer das Reich vielleicht [anders] genannt ist: Mäonier? Karer? Das ›hethitische‹ Herrenvolk seit 1400 stammt von ›Lydien‹, als dünne Oberschicht unbekannter, vielleicht indogermanischer Sprache. In den Mermnaden erhalten? Es ist vorachäisch, 14./13. Jahrhundert, als schon in Tiryns und Mykene die Aquaiwascha saßen.


224


Ich stelle hier nur zur Erwägung: Wenn Sparta – Sparten – Saparda aus derselben vorgriechischen Sprache herrührt und irgendwie ›Krieger‹ bezeichnet, ist dann die Burg Tonolos bei Sardes mit Tumulus verwandt? Ist das die Sprache von Stämmen, die einst von Norden her (?) am Tiber untergegangen sind? Ich habe seit Jahren über die Geschichte des 2. Jahrtausends nachgedacht und finde gegenüber der naiven Vereinfachung durch die P[hilologen] eine ungeheure Kompliziertheit.


225


Hethiter: Das sogenannte jüngere Reich [ist] einfach ein ephemeres Gebilde, von einem kriegerischen Stamme gegründet und beherrscht,[364] [ein] buntes Völkergemisch, Aber welches war das zentrale Element? Namen, Sprachen, Waffen. Wie stehen dazu Hyksos, Habiri, Aramäer, Teschub?


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Hethiter: Hinter dem Wort ›Sprache der Hethiter‹ verbirgt sich Mangel an geschichtlicher Anschauung. Wir kennen die Kanzleisprache des Archivs vom 14./13. Jahrhundert. Ich kenne die Tafeln nicht, aber da die wenigen Abschriften mit Texten des sog. Alten Reiches wahrscheinlich Abschriften von Abschriften sind, so ist es sicher, daß die Sprache nicht die des Alten Reichs ist. Sie müßte sich sonst sehr viel stärker verändert haben. Übersetzung. Aber – ganz andre Sprachen reden aus den Eigennamen, den Titeln, den Götter- und Kultbezeichnungen. Eine Kanzleisprache kann ganz anders sein als die Umgangssprache bei Hofe (Latein, Französisch in Deutschland, Französisch in England, heute in Alpenländern). Und selbst wenn diese Sprache, ein Kauderwelsch, Pidgin, die tägliche Sprache eines Teiles der Bewohner von Hattusas war, so doch sicher nicht [die einzige]. Der König verstand sie gar nicht [oder] neben andren. Ptolemäer. Khedive. Österreich-Ungarn. Der Name Hethiter [war] ursprünglich ein Volks-, dann ein Landname, der nicht zur Sprache der Kanzlei gehört. Wie sich diese nannte, wissen wir nicht. Später bezeichnete der Hethitername in Syrien wieder [etwas] anderes (vgl. Achäer). Die naive Art der ›Historiker‹, aus dem Namen sofort auf dasselbe ›Volk‹ zu schließen – –


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Selbst das hethitische Flexionssystem weicht auffallend stark vom indogermanischen Typus ab. Diese Sprache steht an ›Altertümlichkeit‹ etwa auf der Stufe des Neugriechischen: mangelhaftes Modus- und Tempussystem, sonderbare Pronominalflexion, Fehlen der meisten Kasusendungen. Ego: das alles beweist gerade, daß diese Sprache kaschitisch ist. (Kretschmer, Glotta 14, 300 ff.).[365]


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Hethiter, Italiker: Die lange Aufzählung aller Schwurgötter erinnert genau an die römische (etruskische) Art! Das ist nordisch, nicht vorindogermanisch. Hethitisch! Indisch. Überhaupt die Art des Eides, der sacer ist (vgl. Reallexikon Eid – oder ist das auch orientalisch?). Hier hat also eine Söldnergarde goidelischer Sprache die Landessprache unvollkommen gebraucht. In der Schwurformel werden zuletzt ganze Götterklassen der Berge, Flüsse, des Meeres, Himmel und Erde, Wind und Wolken angerufen, daß sie die Brecher des Eides vernichten mögen: absolut indogermanische Staatsverträge des Hatti-Reiches (Joh. Friedrich, 1. Teil, S. 23f). Bezeichnend ist, daß hier neben den heutigen Göttern auch die uralten (akkadischen: der Urzeit) angerufen werden. Ein historischer Aspekt. Aus dieser Sprache läßt sich ein sehr früher Zustand goidelischer Mundarten ahnen, während die ›umbrosa-bellischen‹ Sprachenreste des 1. Jahrtausends v. Chr. offenbar ein Kauderwelsch darstellen.


229


Zur Geschichte der Chatti: die ›Familienchronik‹ des Telibinus (um 1775?): von Forrer in ›Der alte Orient‹ 24, 3 abgedruckt. ›Ein Schauspiel von Mord und Verrat.‹ Mursilis I., der erste, der in Chattusas regiert, erobert Aleppo, dann Babylon, wird von seinem Schwager ermordet. Der Mörder wird König, dann von seinem Sohn ermordet.


230


Hrozny: Über die Völker und Sprachen des alten Chattilandes, S. 39: Das Hattische und Luische verfließen im Sprachgebrauch rein örtlicher Dialekte. Manchmal ist ›Luisch‹ fast rein ›Hattisch‹. Da er, wie Forrer, das Luische als noch verderbteres Indogermanisch bezeichnet, darf man es als die reinere Sprache von beiden annehmen. S. 40: nach 2 Texten ist Luigga = Arzava (also die Arzawabriefe!). Danach wäre diese Sprache kilikisch. Gerade hier sitzen aber indische[366] Dynastien! Luisch ist aber der Gott Sandes, der (E. Meyer I3, 2. 720 ff.) in Kilikien vorkommt. Ferner erscheint Luisch in Hattusas selbst und in Kizwadna (Pontos). Es ist also die alte ostkleinasiatische Sprache, die hier geradebrecht wird, in verschiedenen Ständen, während ›Hethitisch‹ keine Volks-, sondern eine Kanzleisprache ist. S. 45: Die Gebete werden nie hethitisch gesprochen, sondern chattisch, und zwar durch die Sänger von Kanes: Also ist entweder dort die Umgangssprache chattisch oder der gesamte Kult hat noch die alte Sprache. Kanes ist aber nicht Hattusas, sondern Hegt im Osten, [ist] also vielleicht die altchattische Hauptstadt.


231


Vor allem: Wenn die hethitische Sprache, wie wahrscheinlich, überhaupt nicht flektierte, sondern wie das Sumerische mit Suffix arbeitete, mußten Menschen, die an das Denken einer flektierenden Sprache gewöhnt waren, ihre Flexion hineinbringen! Das ist also keine verfallene indogermanische Sprache, sondern eine verfallene nichtindogermanische Sprache mit jungen indogermanischen Anhängseln.


232


Forrer macht aus seinen 44 Königsnamen eine Folge. Aber wir wissen doch gar nicht, ob nicht die Könige von 1300 (wie die Hyksos etc.) alte Namen wieder aufleben lassen, z.B. Mursilis, den sie aus Urkunden kennen (wie Sargon I. und II.!). Die altkleinasiatische Religion (Kybele) war sehr viel älter, [stammt] mindestens [aus dem] 3. Jahrtausend: auch die Ortsnamen [sind] älter als Labarna.


233


Hattusil stürzt das Großreich Halab, Mursilis erobert Halab und Babylon 1800–1750. Dazu Kämpfe gegen die Harrier (aber inzwischen ist doch auch von Harri aus Babylonien geplündert worden?). Oder[367] ist Harri damals hethitisch? Neben Halab [sitzen] viele kleine Harrikönige auch in Mesopotamien und Syrien (18. Jahrhundert).


234


Angenommen, der Schwerpunkt der ursprünglichen ›Hatti‹dynastie ohne Namen (Hatti ist der kappadokische Volksname) hätte bei Ephesus-Lydien gelegen: Das würde die Eigennamen in ›hethitischer‹ Umschreibung, die Preisgabe der eigenen, indogermanischen Sprache und das Radebrechen der angenommenen erklären. Der politische Begriff Lydien wäre demnach ein mächtiger Rest, die lydische Sprache vielleicht ebenfalls. Die Gründung des Großchattireiches wäre demnach ungefähr gleichzeitig mit dem Wikingerreich auf der Burg von Mykene und Tiryns (und Troja).

Auch die Aramäerwelt gehört in diese Zeit. Das althethitische Reich [ist] mit dem neuhethitischen gar nicht identisch. Jenes hatte den Schwerpunkt Boghazköi-Syrien, dieses Lydien-Kappadokien.


235


Wenn die ›hethitische‹ Kanzleisprache (1400) Centum ist, dann [gab es] vielleicht damals eine Welle, welche die Bildung der griechischen Dialekte zur Folge hatte. Vorher aber herrschte eine satem-illyrisch-bandkeramisch-urindogermanische Schicht bis nach Peloponnes und Malta hin. Siehe die bandkeramischen Spuren [in] Thessalien, Sizilien, Malta.


236


Das großartige Testament des Telibinus: Über Einigkeit, Blutrache, Heldentum, etwas ohnegleichen im Orient! Forrer, Boghazköi (in Umschrift) II, 2 1926, S. 12. Echt nordischer Geist.[368]


237


Die autobiographischen Memoiren des Hattusil sind die ältesten der Welt! (A. Götze, Hattusilis, 1/25). Er ist als Kind schwächlich, wird der Istar geweiht. Träume veranlassen Entscheidungen. Hohes Ethos, Pflichtgefühl, Ehre, Stolz auf Siege, ›Mannestaten‹. Schlacht bei Hahhas. Fromm: Alles ist wie bei Homer, Huld der Istar.


238


Arzawa (das kleine Stammland mit einer Menge von Vasallenstaaten), also ›Groß-Arzawa‹, offenbar Südkleinasien umfassend, von Ägypten als Großstaat anerkannt, Amtssprache wie in Chatti. Mursilis II. führt einen zweijährigen erbitterten Krieg gegen dieses Reich und löst den Vasallenstaat von ihm ab. Ein richtiges Lehnssystem: Die Großherrscher besetzen immer wieder die Throne der Vasallenstaaten mit eigenen Verwandten. Es gab offenbar (römisch!) ein ausgebildetes Adoptionssystem. Alles das läßt auf geordnetes genealogisches Denken schließen. (Forrer, Staatsverträge des Hattireiches, 1,96). Am Hofe strenge Titel und Großämter, alles geregelt: Truchseß, Mundschenk, Marschall. Welcher Unterschied zwischen dieser vornehmen Politik des Begnadigens und der Verachtung kleiner Gegner mit dem Abschlachten der Schwächeren durch die Israeliten, ein gemeines Volk [und] Mischmasch! (Aus hethitischen Annalen zitieren: ›Wozu sollen sie sterben?‹). Erbfolgegesetz des Telebinus, wonach z.B., wenn kein Sohn da ist, der Prinzgemahl der ältesten Tochter folgt! Es gab ›Gottesstädte‹, also reichsunmittelbare geistliche Herrschaften wie Samuchas.


239


Es ist bezeichnend für den rein politischen Charakter des Hethitervolkes, daß die Griechen keine Ahnung von seiner Existenz hatten und daß in der Ilias nichts [davon] verlautet. Erst um 1200 von Mitanni erobert, müssen Name und Sprache völlig verschollen sein. Sind die[369] ›Hethiter‹ von 2000 und 1500 überhaupt identisch, oder sind letztere wie die Rasena erst dann dazugekommen? Boghazköi war die Hauptstadt erst des letzteren Reiches, dessen Schwerpunkt mit ganz andrer Nationalität vielleicht westlich davon lag, das alte Reich östlich (Karchemisch?). ›Hethitischer‹ Stil reicht von Boghazköi bis Assur – also westlich davon der trojanisch-cyprische?

Das Kauderwelsch der Eroberer oder vielmehr ihrer Schreiber reicht nach Europa. Sie beherrschten diese Sprache nicht und machten Pidgin daraus. Boghazköi war ein Dorf, das erst 1400 Residenz wurde. Die fünf großen Bauten sind gar nicht hethitisch, sondern westlich: Troja, Knossos. Sind ihre Erbauer die Zerstörer von Knossos (1600) gewesen? Also war das eine Fremdherrschaft in Hatti, die übrigens das Rollsiegel durch den Stempel ersetzte (Sesklo, Ukraine – auch in Kreta?).

Das neuhethitische Reich [ist] ein Lehnsstaat. Naramsin hatte Hatti, Kanes etc. in Besitz. Um 2000 ist Kussar Residenz, 1800–1500 Verfall. 1200 zerstört durch Myser, Phryger. Ist das Protohattische mit seinen Präfixen libysch? Also gibt es ein altes echtes Hethiterreich in Syrien um 2000 und ein neues, als Fremdherrschaft, in Kleinasien um 1300. Die Blüte von Knossos ist aber der Verfall von Ostkreta. 2000.


240


Zwischen der Tatsache, daß die Archivsprache indogermanische Elemente enthält – wie das Angelsächsische, Französische –, und der Tatsache, daß die Eigennamen keine Spur davon aufweisen, besteht ein Widerspruch. Hätte man nur die diplomatischen Tontafeln – babylonisch – gefunden, so würde man die Hethiter als ›Semiten‹ bezeichnen. Wäre nur die Arzawatafel in Amarna gefunden, so gäbe das nur die Sprache von Palästina. Die kappadokischen Tafeln beweisen nichts für die Sprache von Kanis. Offizielle Verwaltungssprachen beweisen nichts für die Umgangssprache des Ortes. Lateinische und französische Akten in Deutschland.[370]


241


›Hethitische‹ Reliefs: Nach Herodot 2 (›Sesostris‹ und ›Magna Mater‹) am Sipylos, ein drittes an der Straße von Sardes nach Smyrna. Ferner am Karabel und bei Nymphaion an der Straße von Ephesus nach Phokeia. Hier muß ein Zentrum dieser Kunst gewesen sein. ›Subbiluliuma‹. Aus welcher Sprache stammen dann die Namen der Hethiter? Mursilis, Telibinus, Alyattes?

Ein uralter Verkehrsweg [führt] von Boghazköi nach Sardes und zur Küste. Deshalb macht die spätere persische Reichsstraße diesen Bogen nach Norden: sie war schon um 1200 festgelegt: (Ramsay, Historical Geography, 27 ff.). Deshalb [ist] hier das Zentrum der Keftiseefahrt, später der ›lydischen Seeherrschaft‹. Smyrna [liegt] an der Mündung des Hermustals, Miletos an der des Mäanders: die beiden Wege [durch] Jonien, dort der Sipylos, hier der Mykaleberg. Milatos auf Kreta.


242


Die Kanzleisprache der Achäer in Boghazköi hat deutliche Spuren eines indogermanischen Radebrechens (die älteren Texte sind Abschriften, beweisen also nichts für das Dasein dieser Kanzleisprache vor etwa 1500). Daraus schließt fast die gesamte Gelehrtenwelt mit der üblichen Oberflächlichkeit für historische Dinge, daß die Hethiter ›Indogermanen‹ gewesen sind. Aber wer sind diese ›Hethiter‹? Was sind ›Indogermanen‹? Zunächst: Wer sprach in dieser Aktenschrift? Der Hof, der Adel, die Bewohner der Hauptstadt, das Volk irgendeiner Provinz? Oder war es ein Kauderwelsch gefangener Fremder, die im Kanzleidienst angestellt waren? Oder [der] Leibwachen, die den Palast be[schirmten]? Wir kennen nicht einmal die Namen des herrschenden Volkstums, des Reiches, dieser Sprache. Jedenfalls befindet sich unter den unendlichen Namen ›hethitischer‹ Würdenträger nicht ein einziger, der indogermanischen Klang hat. Als was sind also die Leute gekommen, die eine indogermanische Sprache redeten und die Reste dann in den ganz andren Sprachen hinterließen, indem sie sie verdarben?[371] Söldner? Krieger? Sklaven? Ein Stamm oder einzelne? Wir wissen es nicht. Hier liegt das große Geheimnis der Geschichte der kleinasiatischen Großmacht.

Zunächst die Namen! Einige davon in Lydien später. Die Sprache soll ›italische‹ Anklänge haben. Aber was heißt das? ›Umbrisch‹ oder ›Lateinisch‹? Denn das sind verschiedene Sprachen (Walde). Keltisch? Tocharisch?


243


Früher erklärte man alles Kleinasiatisch-Syrische durch die Phöniker, heute sind ›die Hethiter‹ große Mode, besonders seit sie zu Indogermanen ernannt worden sind, weil sich in der Kanzleischrift des Boghazköi-Archivs einige Flexionselemente und ein Dutzend Wörter von westindogermanischem Typ gefunden haben. Aber wen meint man damit? Die ›Chatti‹ von Kussar um 1800 oder die Chatti von Chattusas um 1300, die Herrenschicht, die Kanzleileute? Und was verstehen wir unter ›hethitischer Kultur‹? Wer hat diese Sprache verbreitet? Daß die Bilderschrift nicht damit zusammenhängt, dürfte gewiß sein. Daß die Kunst, der Hausbau (Bat Hilani) syrisch sind, [auch]. Schließlich ist das ein gelehrtes Phantasieren. Die Äoler und Jonier der Homerzeit haben den Namen Hatti nicht gehört, obwohl sie Sidon, Ägypten, Karien, Kolchis kannten (oder versteckt er sich hinter einem Namen, der in Boghazköi nicht genannt war, etwa Aithioper?).


244


Wenn das Urhattische an die Bantu erinnern soll mit seinen Präfixen – ist es dann libyscher Herkunft? Ist es die alte Landessprache, aber nicht die der Ortsnamen? Und mit Recht ist das Land Hatti genannt, denn diese Hatti sind der Kern beider Reiche, von 2000 und 1300.

Quelle:
Oswald Spengler: Frühzeit der Weltgeschichte. München 1966, S. 363-372.
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