Büchner, Georg

Dantons Tod

Dantons Tod
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Erscheinungsdatum: 2008-12-19
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 87
  • ISBN: 3150060605
  • EAN: 9783150060605
  • Amazon.de Verkaufsrang: 175.270
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Text in neuer Rechtschreibung

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von S. Bernard fanden 7 von 8 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Dr. House ist Danton! Geniales Stück von genialen Autor.

Würde Ich »Dantons Tod« inszenieren, dann müsste Hugh Laurie den Danton spielen. Der Schauspieler ist bekannt für seine Verkörperung von »Dr. House« in der gleichnamigen Fernsehserie. Was Büchners »Danton« und Lauris »House« gemeinsam haben? Sie sind beide Genies, aber auch beide mürrisch, sarkastisch und verachten das Leben. Diese Charakteristika des Danton sind schon beim Lesen dieses Werkes sehr gut fühlbar. Ganz im Gegensatz zu manch anderen Klassikern, wo die Charaktere beim bloßen Lesen oft etwas »hölzern« rüberkommen.

Warum Danton noch so stark rüberkommt? Das ist wohl dem Autor Georg Büchner zu verdanken. Dieser wirkte genau wie Danton als Revolutionär. So schrieb Büchner 1834 die Flugschrift »Der Hessische Landbote«, welche zum Kampf gegen die reiche Obrigkeit aufrief. Für diese Schrift musste Büchner im Vorfeld der Märzrevolution aus Deutschland fliehen, um dem Gefängnis zu entgehen. Trotzdem war Büchner genau wie seinem lebensmüden Danton kein langes Leben beschienen. Büchner starb im Alter von 23 Jahren ausgezehrt im Züricher Exil. Durch Büchners Lebenslauf gewinnt sein Danton weiter an Größe und Authentizität.

Hintergrund der Handlung des Dramas »Dantons Tod« bildet das Terrorregime durch Wohlfahrtsausschuss und Nationalkonvent in den Wirren der französischen Revolution. Nach Büchner will Danton seinen Verbündeten Robespierre dazu bewegen, die Macht, welche die Revolutionäre erlangt hatten, zugunsten der Demokratie wieder abzugeben. Auch mit den Hinrichtungen politischer Gegner sollte Schluss sein. Daraufhin entsinnt der verblendete Robespierre nach dem Prinzip »wer nicht für mich ist, ist gegen mich« eine Intrige gegen Danton.

Unterhaltungswert hat dieses Stück vor allem durch die starken Charaktere, mit ihrem düsteren Humor und deftigen Pathos. Dabei funktioniert das Stück auch auf einer philosophischen Ebene. So resümieren die Todgeweihten über ihr Wirken während der Revolution und was davon in Erinnerung bleiben wird. Sie werfen die Frage auf, was sie nach dem Tod auf der Guillotine erwartet und ob es ein Jenseits überhaupt gibt.

Zwar ist es nicht immer leicht sich in die vielen französischen Namen reinzufinden, aber es ist auch nicht unmöglich und lohnt sich auf jeden Fall. Von allen klassischen Theaterstücken, die Ich bis jetzt gelesen habe, ist mir »Dantons Tod«, trotz anfänglicher Vorbehalte, das Liebste. Ich kann es nur uneingeschränkt weiterempfehlen.

Diese Rezension von Helga König fanden 20 von 32 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wer eine Revolution zur Hälfte vollendet, gräbt sein eigenes Grab.

Büchners Danton mag nicht mehr an die Revolution glauben. Er ahnt, dass sie ethische und materielle Fragen nicht lösen kann. Danton erkennt, dass man seine Bemühungen dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten nicht wohlwollend gegenübersteht. Er weiß, dass er unter der Guillotine sterben wird und erträgt schon im Vorfeld sein bevostehendes Ende gelassen, allerdings mit leichtem Zynismus.

Büchners Danton übermittelt sozusagen den Gedanken, dass Handeln nicht lohnt, dass die Summe aller Tätigkeiten wachsendes Leid und Lebensekel zum Ergebnis haben.

Der Weg der Menschen führt durch eine nicht enden wollende Kette von Enttäuschungen,aus denen sie nicht mehr herausfinden können. Selbst die Geborgenheit in einem Glauben, sei es ein politischer oder ein religiöser , kann auch nicht länger schützend wirken.

Danton muss an seinem eigenen politischen Genie verzweifeln, weil sein " Herz nicht steinern ", " sein Geist nicht beschränkt ist".

Hier ist der zentrale Unterschied zu Robespierre. Besagter Revolutionär kennt den Zwiespalt von Gefühlsimpulsen und revolutionären Notwendigkeiten nicht. Sein Handeln ist nicht gelähmt durch Erkenntnis oder durch Gefühle. Er agiert aufgrund konsequenter Prinzipien, ist gewissermaßen ein Despot guten Gewissens.

Im Widerstreit von Danton und Robespierre gehört Büchners Liebe eindeutig Danton.

Danton ist Robespierre gegenüber der erkennende Psychologe, welcher die ideologische Verbrämung im Grunde minderwertiger Motive durchschaut.

Hinter Robespierres Moralphilosophie steckt das höchst bedenkliche Vergnügen andere schlechter zu empfinden als sich selbst.

Im Gegensatz zu Robespierre ist Danton nicht selbstgerecht und orientiert sich bei seinen moralischen Urteilen stets an der Wirklichkeit. Danton ist kein Theoretiker, er ist ein Mensch, der beobachtet, genau hinsieht und dann seine Schlüsse zieht.

Diese unterschiedliche Sicht macht die beiden schließlich zu Gegnern.

Was am stärksten gegen Robespierre spricht ist - meines Erachtens- sein tödlicher Ernst mit welchem moralische Urteile sich in das gnadenlose Klacken des Fallbeils verwandeln.

Die Unfähigkeit sein eigenes Handeln zu durchschauen, der Mangel an Einsicht in die verborgenen Motive seines Tuns lassen den Leser Abstand von Robespierre nehmen und alle Sympathien auf den genußfreundigen Danton verlagern, nicht zuletzt weil er ein Mensch unter Menschen ist.

Empfehlenswert!

Diese Rezension von Polar fanden 4 von 6 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Unter sich

Wen köpfen wir, wenn die Feinde schon geköpft sind? Die Revolution frißt ihre Kinder, zerfrißt die Helden. Ein Regime richtet sich gegen den Widerspruch. George Büchner ist mit Dantons Tod gelungen, die Mechanismen der Macht nachzuweisen, sobald der Umsturz erreicht ist. Von da ab gilt es die Macht nach allen Seiten abzusichern, jene auszuschalten, die nicht auf der vorgegebenen Linie liegen. Wer das 20. Jahrhundert betrachtet, wird in ihm eine Wiederholung des Schauprozesses finden, der in Dantons Tod aufgeführt wird. Büchners Sicht auf die Geschichte ist von Pessimismus geprägt. Auch wenn historisch gesehen, Dantons Hinrichtung womöglich notwendig erscheint, um dieser Revolution überhaupt eine Chance zu geben. Wenn die französische Revolution, die neue Freiheiten versprach, neue Unfreiheit hervorbringt, kann es um diese Revolution nicht so gut bestellt gewesen sein.

Man spürt in den Versen die Trauer hinter einer geplatzten Illusion, das Unvollendete des Idealen, die Zerrissenheit ihrer Helden. Ob jede Revolution zum Scheitern verurteilt ist, wenn die persönliche, wie parteiische Machtabsicherung ein Wert an sich ist, rückt Büchner in den Mittelpunkt der Fragen. Es sind immer noch die Menschen, die einen Umsturz anschieben, und die sind es auch, die den Erfolg verwalten. Ein Stück, das wieder und wieder auf die Bühne gehört und sich nie die Frage zu stellen braucht, was es mit uns heute noch zu tun hat.

Diese Rezension von wiebke_1985 fanden 5 von 8 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen DAS Werk Georg Büchners! Grandios!!!

Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1913 in Goddelau bei Darmstadt geboren. Um die reaktionären Verhältnisse in Hessen zu ändern, schloss er sich der radikalen Freiheitsbewegung an und war 1834 Mitbegründer der „Gesellschaft der Menschenrechte". Nach seiner Doktorarbeit im naturwissenschaftlichen Bereich war er als Dozent an der Universität engagiert worden. Er konnte dieser Tätigkeit jedoch nur ein einziges Mal nachkommen, da er wegen seiner politischen Flugschrift „Der hessische Landbote" seit 1835 steckbrieflich gesucht wurde. Zwischen 1835 und 1837 verfasste er die drei Dramen „Dantons Tod", „Woyzeck" und „Leonce und Lena" sowie die Erzählung „Lenz" und die Flugschrift „Der Hessische Landbote". Zahlreiche weitere Schriften wie Briefe und Aufsätze sind bekannt und erhalten geblieben.

„Dantons Tod" ist das Erstlingsdrama Büchners. Im März des Jahres 1835 erschien es stark zensiert im Literaturblatt „Phönix". Bereits im Juli desselben Jahres wurde es schließlich als selbstständige Buchausgabe verlegt. Das Drama spielt zur Zeit der Französischen Revolution. Die Figuren sind bis auf wenige Ausnahmen nicht fiktiv, sondern reale Personen und die Handlung stützt sich auf wichtige und ereignisreiche Daten der Revolution.

Georg Büchner hat bei den Lesern und Zuschauern seines Stücks durchaus geschichtliche Kenntnisse in Bezug auf die Französische Revolution vorausgesetzt. Es ist daher empfehlenswert sich ein wenig mit den wichtigsten Daten auseinander zusetzen, bevor man mit dem Lesen beginnt. „Dantons Tod" muss als Lehrstück der Geschichte begriffen werden. Georg Büchner, der selbst Revolutionär in Deutschland war, will mit seinem Stück zeigen, warum die Französische Revolution gescheitert und in einer Schreckensherrschaft ausgeartet ist.

Büchner wuchs zur zeit des Biedermeiers auf. Bürger und Bauern sollten sich wieder von politischen Dingen fern halten. Die Aristokraten wollten die Aufklärungszeit ungeschehen machen. Anfang 1830 wächst bei vielen Intellektuellen und Studenten die Unzufriedenheit der reaktionären Verhältnisse. Es entstehen revolutionäre Gruppen, in denen auch Georg Büchner mitwirkt. Damit die aufkommende Revolution eine bessere als die in Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts wird, gibt Büchner in seinem Drama wieder, warum die Französische Revolution scheitern musste. Dabei ist er darauf bedacht, die Ereignisse nicht zu verherrlichen, sondern möglichst realistisch widerzugeben. Büchners Kritik richtet sich vor allem gegen den Idealisten Robespierre. Er stellt Robespierre einen Danton gegenüber, der begriffen hat, das Robespierre falsch handelt. Danton und Robespierre haben zwar beide erkannt, dass das Volk noch nicht für eine Herrschaft bereit ist; Robespierre hält jedoch an seinem Kurs fest. Damit die Revolution nicht scheitert, übernimmt er selbst die Funktion des Volkes. Er herrscht über das Volk und gibt vor, im Sinne des Volkes zu herrschen. Um den „Willen des Volkes" durchzusetzen und die eigene Macht zu sichern, lässt Robespierre alle seine Gegner ermorden. Er ist der Auffassung, dass derjenige, der nicht seine Meinung teilt, auch gleichzeitig gegen die ganze Revolution ist. Robespierre bevormundet das Volk wie zuvor die Aristokraten und somit wandelt sich die Revolution in eine Schreckensherrschaft. Danton ist jedoch der Auffassung, dass Mord nicht gerechtfertigt werden kann; auch wenn dieser angeblich im sinne der Revolution, also nach Robespierre tugendhaft ist. Büchner warnt in seinem Drama „Dantons tot" vor der Ermordung politischer Gegner. Er zeigt anhand des Konflikts zwischen Danton und Robespierre, dass durch eine Schreckensherrschaft kein sinnvolles Zusammenleben gestaltet werden kann. Büchner wendet sich gegen jegliche Bevormundung des Volkes und spricht sich für politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen aus. Mit Dantons Tod möchte Büchner ein scheitern der Revolution in Deutschland verhindern, indem er Robespierres Schreckenherrschaft kritisiert und Dantons Auffassung lobt und mit dessen Tod zeigt, dass sie nur auf Grund von Ungerechtigkeiten keine Chance zur Verwirklichung hatte.

Georg Büchners Drama ist in keinem Fall antirevolutionär, jedoch steht es der Französischen Revolution kritisch gegenüber. Vielmehr zeigt Büchner allerdings durch „Dantons Tod", dass es eine Revolution geben kann, die in einer Entwicklung mündet. Eine Revolution, wie sie sich Danton vor seinem Ableben in Büchners Drama wünschte. Eine für die damalige Zeit hervorragende Auseinandersetzung mit der Revolution und ihrer möglichen Folgen.

Diese Rezension fanden 16 von 30 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Die Revolution frißt ihre Kinder

Dieses Drama von Georg Büchner spiegelt die Zeit der Französischen Revolution wieder. Es besteht aus vier Akten und handelt von dem Revolutionär Danton, der selbst Opfer der Französischen Revolution, der Richtlinien, die er zuvor selbst angestrebt hatte, wird. Als Gegenspieler Robbespierres und St. Just gibt er sich dem Laster hin (Start des Dramas im Bordell) und lebt nicht nach den Schlagwort der Französischen Revolution, die Tugend, wie Robbespierre. Diese Lektüre ist nicht unbedingt einfach zu lesen, jedoch stellt es für geschichtsinteressierte Leser einen ungeheuren Anreiz dar. Schon beim Lesen bemerkt man, dass dieses Stück für die Bühne geschrieben ist, was einem zwischendurch die Lust am Lesen nimmt. Jedoch ist es faszinierend, wie Büchner durch seine sehr reine Sprache den Konflikt darstellt. Es geht in diesem Drama nicht um das Ende, sondern um den Weg dorthin. Denn schon der Titel "Dantons Tod" verrät alles und so kann man dieses Drama nun wirklich nicht als spannend bezeichnen. Dieser fehlende Spannungsverlauf ist sicher gewollt, da Dantons Tod eine Kritik an der Französischen Revolution und deren Handlungen ist. Wer also lieber einen spannenden Krimi liest, der sollte nicht zu diesem Buch greifen. Die Leser, die sich für die Französische Revolution interessieren, die werden begeistert von dieser Lektüre sein.

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