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Der Übermensch?In Schnitzlers „Anatol" geht es vornehmlich um die Beziehung zwischen Mann und Frau. Anatol lebt völlig beziehungslos zu seiner Umwelt. Die Frauen dienen ihm nur zur schnellen Befriedigung vor allem sexueller Triebe. Doch die Gesellschaft verlangt von ihm eine feste Partnerschaft - eine Familie. Deshalb versucht Anatol immer die Illusion einer Bindung aufzubauen, muß sich dann aber selbst eingestehen, daß er eine feste Beziehung ohnehin nicht eingehen will und schon gar nicht kann. Max tritt - vor allem im letzten Akt - als moralische Instanz, als sein bürgerliches Gewissen, das noch an „Werte" glaubt auf. Auch der Einfluß Schopenhauers auf dieses Werk ist augenscheinlich. Nach Schopenhauers Ansicht, ist der Wille die Wurzel alles Unglücks. Nur diejenigen, die den Willen als solche erkennen und ihn ausschalten können „Glück" finden. Hier sind auch die Parallelen zum Buddhismus. Anatol ist von seinem Willen Glück bei einer Frau zu finden beherrscht.Eine weitere Eigenheit in der Beschreibung des Anatols ist, daß er sich nur über Frauen definiert. Er ist keine eigenständige Persönlichkeit, er hat keinen Beruf oder ähnliches. Er ist immer nur der „Frauenheld" und somit abhängig von Frauen. Würde er plötzlich heiraten und eine Familie gründen, wer wäre er dann noch? Ein Niemand. Dies ist ein wichtiges Merkmal der Jahrhundertwende: Der Verfall der Gesellschaft - in diesem Fall der Verfall (eigentlich das gar nicht „Zustandekommen") des Anatols.Auch die Philosophie Nietzsches hatte großen Einfluß auf dieses Werk. Anatol versteht sich als Übermensch, der sich über alle hinweg setzt. Hier kann man die Lächerlichkeit eines Übermenschen aufzeigen: Was ist ein Übermensch ohne die, die er unterdrücken kann? Ein Niemand. Anatol lebt also beziehungslos in einer Umwelt ohne die er nichts wäre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Eins der besten Stücke SchnitzlersEin wirklich amüsantes Theaterstück, das tiefe Einblicke in die Zeit der Jahrhundertwende bietet. Ich war doch sehr überrascht, wie "modern" die Gedanken und Redearten zu jener Zeit schon waren. Schnitzler thematisiert zwar den Subjektivismus, der unter anderem zur Zeit des "Fin de Siècle" das Verhalten der Menschen bestimmte, kritisiert diese Strömung aber auf unterhaltsame und leicht übetriebene Weise: Anatol entfernt sich durch die Hingabe zum Subjektivismus vom praktischen Leben. Er ist der typische impressionistische Lebemann: er wechselt fließend seine Partnerinnen und will ihnen in keinster Weise verpflichtet sein. Gleichzeitig sucht er in seinen Beziehungen Selbstbestätigung. Anatol lebt einfach in den Tag hinein, der nichts als eine "Illusion" ist. Und genau diese Selbstillusion ist ihm wichtig. Vor der Realität fürchtet ersich, weil sie ja seine Vorstellung zerstören könnte. Interessant ist die Beziehung von Frauen und Männern in diesem frühen Werk von Schnitzler. Hier ist das "süße Mädl" noch tonangebend: das naive, aber natürliche Vortsadtdummchen. In späteren Werken begegnet man selbstbewußten, zielstrebigen, gebildeten Frauen, die nicht mehr viel vom süßen Mädl haben. Wer nette Unterhaltung sucht, die mit viel Intellekt und Witz angereichert ist, sollte Anatol auf alle Fälle lesen! Ist auch ganz kurz und läßt sich in ein paar Stündchen durchlesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
"Toleranz heißt: die Fehler der anderen entschuldigen. Takt heißt: sie nicht bemerken." ( Schnitzler)Das Drama "Anatol" besteht aus einer Reihe von locker gefügten Szenen aus dem Leben eines Playboys des Fin de siècle. Dieser stellt sich bewusst außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft und zitiert mit jeder Geste melancholisch die Welt einer untergehenden Aristokratie, die sich noch unbefangen dem Genuss hingibt.
Die Lust - das ist die überhaupt nicht so verborgene Botschaft in dieser leicht dahingeplauderten Dialoge - ist antibürgerlich und wohl nur gegen die Konvention zu erreichen. Aber deswegen ist Anatol noch lange kein Rebell. Es geht um die offizielle Moral, wo es ihm notwendig erscheint und bewegt sich dabei auf sicherem Boden, denn wie jede repressive Sexualmoral hat sich auch die bürgerliche eine Freizone geschaffen und gesellschaftlich institutionalisiert in welcher sich die zu kurz gekommenen Wünsche, der Männer in Besonderem, Befriedigung verschaffen.
Anatol, der durchaus zu Kompromissen mit der gesellschaftlichen Institution bereit ist, wenn es sich nicht ohne größere Unannehmlichkeiten vermeiden lässt, bewegt sich jedoch fern von jeder Verachtung für die Frauen und Mädchen, die bereit sind, zu gewähren, was sie nach geltender Moral nicht dürften. Anatol besitzt meines Erachtens Größe, deshalb muss er aus schlechtem Gewissen die genossene Lust nicht herabsetzen.
Ferner enthält das Buch noch folgende Dramen Schnitzlers : "Alkandi's Lied", "Anatols Größenwahn", "Die Blasierten", "Das Märchen". Auch diese Texte lohnt es zu lesen.
Mir gefällt die psychologische Darstellunng der HauptpersonDer Arzt und Psychologe Artur Schnitzler hat seine Beobachtungen an Menschen in eine wundervolle Literatur entwickelt. Die Darstellung ist zwar unpersönlich, doch kann man die Schlussfolgerungen mit Hilfe des fachmännischen Erfahrungsbereichs ziehen. Die Sprache des Werkes ist schlicht, aber die dahinten verborgenen Hintergeddanken bewegen die Phantasie des Lesers. Lassen uns nicht langeweilen. Am Ende muss man darüber nachdenken, welche Kräfte in uns arbeiten. Das hilft auch unsere Gefühlswelt tiefer kennenlernen.