Blumenberg, Werner

Karl Marx

Karl Marx
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Erscheinungsdatum: 2004-03
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 188
  • ISBN: 3499500760
  • EAN: 9783499500763
  • Amazon.de Verkaufsrang: 300.708
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Beschreibung von buecher.de

Nicht nur die in der ideologischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West unaufhörlich anschwellende Literatur zeigt, daß Karl Marx nicht der Vergangenheit angehört, sondern als stärkste geistige Kraft des 19. Jahrhunderts noch heute fortwirkt. Eindrucksvoller wird diese Tatsache noch durch die Existenz großer Reiche bestätigt, in denen der «Marxismus» zur herrschenden, die Lebensformen stark beeinflussenden Ideologie wurde, und dadurch, daß diese andere Staats- und Gesellschaftsform stets als potentielle Alternative vorhanden ist. Die unübersehbare, erdrückende Fülle der Marx-Literatur beschäftigt sich zu mehr als 90 % mit den Theorien, und man kann nicht durchweg von ihr sagen, daß sie zu deren Erhellung beitrüge und Interesse dafür bei dem normalen Leser wecke.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 16 von 19 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Marx kompakt!

Klar - kompakt - grundlegend: so kann man den Band "Marx" aus der rororo-Bildmonographie-Reihe in drei Worte fassen. Das Buch befasst sich intensiv auf knapp 190 Seiten mit dem Leben von Karl Marx. Daraus wird eine Verbindung zu seinem Werk und den politischen und geisteswissenschaftlichen Strömungen jener Zeit geschaffen. So sehr es ein Grundsatzwerk für jeden Marx-Interessierten darstellt, so sehr ist es teils nötig, eine grobe Basis an Wissen zu den Themen "Marx' Grundüberzeugungen", "Politik im 19. Jahrhundert", sowie "Philosophie des 19. Jahrhunderts" zu besitzen, da bewusst, um den Rahmen eines kompakten TB nicht zu sprengen, teils auf eingehende Erklärungen und Analysen verzichztet wird. Hochinteressant: Die zahlreichen Auszüge aus Marx' Schriften und Briefen, sowie das sorgfältig ausgewählte Bildmatarial.

Diese Rezension von L. Michael fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen größter deutscher Volkswirtschaftler?

Beschrieben wird das Leben und Wirken des Philosophen und Nationalökonoms Karl Marx. Der Autor beleuchtet sein Elternhaus, seine Vorfahren, seinen Bildungsweg, den beruflichen Werdegang, seine Verhältnis zu Engels, das erarbeiten des kommunistischen Manifestes, seine Abneigung gegen die deutsche Sozialdemokratie, seine Streitschriften

Das Buch setzt definitiv Vorkenntnisse vorraus und ist für völlig unbedarfte nicht immer leicht zu lesen. Ansonsten hat man viele Informationen über Marx die man braucht um sein Werk zu verstehen.

Diese Rezension von Ulrike Morlok fanden 2 von 3 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Marx für Marx-Freunde

Alle, die Karl Marx bereits als genialen Philosophen und Revolutionär mögen, werden diese Biographie sicher begeistern lesen. Für jemanden, der die Theorien von Marx noch nicht kennt, ist das Buch jedoch weniger empfehlenswert, da nicht nur sehr wenig auf die Theorien seiner Kritiker und Gegner eingegangen wird, sondern auch seine Theorien auf dem begrenzten Rahmen des Taschenbuches nicht ausführlich behandelt werden können.

Sehr gut gefallen haben mir die zahlreichen Bebilderungen aus Marx' Leben (andere Berühmtheiten seiner Zeit, mit denen er in Kontakt stand, sowie viele Handschriften seiner Werke) ebenso wie die vielen Zitate aus seinen verschiedenen Werken. Im Gegensatz zu anderen Marx-Biographien wird auch seine Kindheit und Jugend nicht ausgespart, sondern ausführlich behandelt. Leider verliert sich zur Lebensmitte hin der chronologische Faden ein wenig, da der Autor sich dann verstärkt auf Marx' Werke konzentriert, die teilweise über mehrere Jahrzehnte hinweg (z.B. Das Kapital) entstanden sind und sich dann nicht mehr einfach chronologisch einordnen lassen. Ebenfalls schade finde ich, dass seine direkten Familienangehörigen (Frau und Kinder) nur immer wieder am Rand erwähnt oder durch kurze Briefzitate eingebracht werden.

Auch wenn Tatsachen erwähnt werden, die Marx nicht immer im besten Licht erscheinen lassen (sein uneheliches Kind, seine Unsensibilität nach dem Tod von Engels' Frau) werden diese Charakterzüge und Taten vom Autor immer sofort verteidigt und gerechtfertigt. Dies stellt die Subjektivität des Autors und seine Voreingenommenheit Marx gegenüber leider nur zu deutlich heraus.

Empfehlen kann ich das Buch damit allen, die schon mal von Marx und seiner Philosophie gehört haben und jetzt gerne etwas genaueres über seinen Lebenslauf und seine persönlichen Lebensumstände erfahren möchten, in denen einzelne Werke entstanden.

4 von 5 Sternen Marx als Mensch

Blumenberg gelingt eine solide und gründliche Darstellung des Menschen Marx.

Plastisch durch die guten stilistischen Qualitäten des Autors, aber auch durch viele Zeugnisse und Selbstzeugnisse, wird sein bewegtes Leben und - leider weniger ausführlich - seine Philosophie vorgestellt.

Die Philosophie steht jedoch nicht am Anfang seines intellektuellen Lebens. Einer sich inzwischen von der jüdischen Religion weitestgehend emanzipierten Rabbinerfamilie entstammend, wendet sich Marx zunächst der Literatur zu. Dichter will er werden, in der Schule wird sein allzu bilderreicher Ausdruck kritisiert, Gedichte schreibt er in dieser Zeit, die er später als Jugendsünden empfindet, über die er immerhin lachen kann.

Seine Intelligenz und gedankliche Schärfe werden früh deutlich, und im Gegensatz zu seinen kränklichen Geschwistern wird er zur Hoffnung seiner Eltern.

Marx studiert in Berlin die Rechte, später dann Geschichte und Philosophie, wobei sich der Autodidakt der Universität mehr und mehr entfremdet.

Die Bindung zum Vater ist eng, sie löst sich jedoch im Konflikt über seine frühe Verlobung (er ist erst 19) zunehmend.

Marx verschreibt sich nun endgültig der Philosophie. Nächtelang ist er damit beschäftigt, eigene philosophische Systeme zu entwerfen, nur um sie gleich wieder zu verwerfen.

Intensiv studiert er Hegel, lernt Friedrich Engels kennen, wird Redakteur der "Rheinischen Zeitung".

Sozialistischen Gedanken ist er anfangs nicht sehr nahe. Erst als sich seine philosophischen Studien einem solchen Gesellschaftsentwurf annähern, als dieser logisch aus der Philosophie folgt, beginnt er, politisch zu denken und zu wirken.

Dem verschreibt er sich. Mehrmals im Exil, ausgebürgert aus verschiedenen Staaten, arbeitet er für seine Ideen.

Aktiv als Politiker, mit geradezu diktatorischen Befugnissen im Kommunistenverein, später als Strippenzieher und ideologischer Kopf der ersten Internationale. Gleichzeitig und dazwischen treibt er wie ein Besessener seine Studien zur Philosophie und Nationalökonomie.

Blumenberg stellt eindringlich die physische Großartigkeit dieser Leistungen unter widrigsten Bedingungen heraus.

Bittere Armut Marx kann zuweilen nicht ausgehen, weil sich seine Kleidung im Pfandhaus befindet -, große gesundheitliche Beschwerden und familiäre Probleme prägen viele Jahre seines Lebens.

Sehr sensibel ist die Darstellung ideologischer Paradigmenwechsel, Fehleinschätzungen und menschlicher Eigenheiten.

Glaubten Marx und Engels lange Jahre an die Notwendigkeit und nahe Unausweichlichkeit einer bürgerlichen Revolution, die der proletarischen vorausgehen würde, wird mit erstere schließlich nicht mehr gerechnet.

Stattdessen übertreffen sich beide mit Revolutionsvorhersagen, von denen keine eintrifft.

Um 1850 herum halten beide den Krieg mit Russland als reaktionären Kern Europas gleichzeitig für Bedingung und Konsequenz der Revolution und fordern denselben sogar.

Auch diese Ansicht wandelt sich merklich, in den letzten Jahrzehnten seines Lebens lernt Marx sogar russisch.

Mehr als dies wirft der Umgang mit Anderen einen Schatten auf Marx. Insbesondere Lasalle verachtet er in seinen Briefen an Engels herzlich, gibt sich ihm gegenüber jedoch als Freund aus und erschleicht sich so finanzielle Zuwendungen.

Blumenberg schreibt eine sehr gute Biographie. Was er nicht geschrieben hat, ist die eigentliche versprochene Monographie. Die theoretischen und philosophischen Gedanken des Karl Marx werden nur rudimentär, wenn auch sprachlich sehr konzentriert und gelungen ausgeführt.

Ebenfalls bedauerliche sind einige überflüssige Illustrationen, so gut die meisten auch ausgewählt sind. Ein halbes Dutzend Bilder von Fassaden, hinter denen Marx einst gehaust, helfen dem Leser wenig.

Insgesamt eignet sich das Buch als philosophisch zu knappe, allerdings auch solide, biographisch sehr gelungene Einführung.

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