Kafka, Franz

Die Verwandlung

Die Verwandlung
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 2003-11-27
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 104
  • ISBN: 3518013513
  • EAN: 9783518013519
  • Amazon.de Verkaufsrang: 507.818
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Aus der Amazon.de-Redaktion

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt".

Welch ein Satz! Ich erinnere mich, ihn in den 60er Jahren zum ersten Mal gelesen zu haben. Kafka galt in unserer Clique eine Zeitlang als jemand, den man gelesen haben mußte, um mitreden zu können. Verstanden habe ich damals eigentlich nichts. Oder fast nichts. Nur, daß etwas Ungeheuerliches geschehen war. In diesem Buch und mit mir. Da erwacht also dieser Gregor, ein junger Handlungsreisender, der unter seinem Beruf und der Lieblosigkeit seiner Umwelt leidet, eines Morgens als riesiges Insekt. Zur Arbeit zu gehen, macht in seinem Zustand wenig Sinn. Schon taucht der erboste Prokurist auf und verlangt wütend eine Erklärung für Gregors Fernbleiben. Diese Szene, in der Gregor hinter verschlossener Tür sein Verhalten entschuldigt, seinen Käferkörper zur Tür quält und sich schließlich zu erkennen gibt, ist so haarsträubend kafkaesk, daß spätestens jetzt dieser Begriff jedem einleuchten dürfte. Gregors Familie ist angewidert, läßt den Sohn aber bei sich wohnen, bis schließlich -- nun, Sie werden es erfahren. Keine Erklärung, nur dieser Hilfeschrei! Solche Radikalität war neu in der Literatur. Deutungen gab es viele. Gregor, wie Kafka, ein schwacher Mensch, der Tag für Tag mitansehen muß, wie diese Welt mit Schwachen umgeht, droht daran zugrundezugehen und vollzieht Die Verwandlung. Das ist seine "Rettung". Im Jahre 1912 geschrieben, wurde Die Verwandlung noch zu Kafkas Lebzeiten veröffentlicht. Ein literarisches Jahrhundertereignis. Wie nachhaltig die Wirkung noch heute ist, läßt sich am Werk solcher Regiegrößen wie David Lynch und Polanski, um nur einige zu nennen, ablesen. --Ravi Unger

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von weiser111 fanden 36 von 43 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine Groteske, bei deren Schilderung die Sprache versagt

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." -- Wassn Anfang! Kafka teilt dem Leser Gregor Samsas Verwandlung in ein "ungeheures Ungeziefer" mit, als würde er feststellen, dass es draußen regnet. Keine Einleitung, keine Begründung, nur diese sachliche Feststellung -- päng! Volltreffer!

In diesem Stil geht die Erzählung weiter. Gregor Samsa ist also über Nacht zum Ungeziefer mutiert, einfach so. Niemand wundert sich darüber, auch nicht Gregor Samsa selbst; niemand forscht nach den Ursachen; man arrangiert sich irgendwie mit diesem ungeheuerlichen (!) Sachverhalt. Gregors Familie zeigt zunächst Mitleid, gemischt mit dem Bestreben, die Peinlichkeit verborgen zu halten, doch allmählich verwandelt das Mitleid sich in Abscheu. Schließlich wird der Sohn, das nunmehrige Ungeziefer, isoliert. Eine alptraumhafte Situation für alle Beteiligten entwickelt sich, und nur Gregor Samsas Tod (besser: Verenden) könnte seine Umgebung erlösen. Oder auch nicht. Eine Parabel auf die Entfremdung des modernen Menschen, geschrieben in einer Sprache, wie sie präziser nicht sein könnte.

Ob Kafka in der "Verwandlung" mitteilen wollte, wie er selbst seine Stellung innerhalb der Familie empfand? -- Vielleicht. Einiges deutet darauf hin, aber eine Interpretation nur darauf zu stützen, wäre allzu kurz gedacht. Die Stärke dieser Erzählung liegt auch in einem absurden Humor, wie er schwärzer nicht auszudenken ist. Vor allem die ersten Begegnungen des Ungeziefers mit seiner Umwelt sind geprägt von einer nicht zu überbietenden grausamen Komik, bei der einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Man lese nur einmal die Passage, in der der Prokurist von Samsas Firma bei den Samsas erscheint und sich nach Gregors Verbleib erkundigt. Wie hier der arme Gregor sich um Kontaktaufnahme bemüht, ohne an die Wirkung zu denken, die seine äußere Gestalt auf andere haben muss, und wie der Prokurist panikartig die Wohnung verlässt, das ist ein furioses Meisterstück, das die absurden Theaterstücke etwa eines Ionesco blass aussehen lässt.

Und genau das ist es, was in meinen Augen die "Verwandlung" zu einer der besten Erzählungen aller Zeiten macht: Der lakonische Ton des ersten Satzes setzt sich durch die gesamte Erzählung hindurch fort und steht in krassem Gegensatz zu der "ungeheuerlichen Begebenheit", die hier erzählt wird. Eine groteske Wirklichkeit, der die menschliche Sprache nicht mehr gewachsen ist; ein Alptraum, zu dessen Schilderung die Worte fehlen. Eine Katastrophe, die zur Farce wird.

Diese Rezension von kpoac fanden 22 von 26 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen "Der Mensch ist, was wir alle wissen". (Demokrit)

So sicher war Kierkegaard mit dieser Formulierung Demokrits nicht, so dass er sie in "Das absolute Paradox" aus: Philosophische Bissen) umformulierte in eine Annahme. Kierkegaard (1813-1855) und Kafka (1883-1924) verband literarisch eine gewisse Vorliebe zum Paradoxen, immer in der Weise, dass weder Wahrheit noch Bedeutung so klar wurden, dass es Sicherheit und Klarheit in das Gelesene brachte. Wenn der Mensch das Maß der Dinge ist, dann gilt nicht nur Sokrates sondern auch Protagoras, dass der Mensch das Maß für andere sei. Paradoxe Leidenschaft des Verstandes ist es bei Kafka, die ohne sich selbst zu verstehen, ihren Untergang will. Wahrheit und Zeit galten für Kierkegaard wie auch für Kafka als Einheit.

Kafka ist ein Arkanum, zumindest verwoben in ein Geheimnis, in dem weder Wahrheit noch Bedeutung zu finden sind. Er bleibt uninterpretierbar, wie manche zu sagen pflegen, und doch beginnt er seine bekannte Parabel "Die Verwandlung" mit einem Satz, der in sich alles an Wahrheit und Endgültigkeit zu bergen scheint: "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt". Gregor Samsa ist ein Einsamer (Samsa: "ich bin allein" im Tschechischen), ein Ausgestoßener, als der er sich fühlt. Diese Verwandlung ist Zeichen des ersten Satzes und damit ist die Geschichte schon hier vollendet. Das Schicksal ist gewiss, so weiß man, dass keine Hoffnung zu haben, Gewissheit bringt. Kafka legt jedoch Hoffnung in das Schreiben, Hoffnung, Grenzen zwischen ihm und dem Himmel zu überwinden und doch ist er in einem Gesetz, in seiner familiären Sekte und so zeigt sich auch Gregor Samsa in einem Gesetz der ewigen Wiederkehr, der Wiederholung als universalen Zwang, der sich zeigt in seinem Arbeitgeber, auftretend wie Gott, doch nur die kosmologische Leere offenbart, wie Bloom mal aufzeigte. Kafka zeigt seinen Samsa als einen durch Wissen vom Leben verschreckten Menschen. In seinen Aphorismen schrieb Kafka: "Es ist uns auferlegt, das Negative zu vollbringen, das Positive ist schon gegeben" und doch ist es nicht zu sehen, auch für den Landvermesser K., der in die scheinbare Leere empor sieht und Kafka für sich entdecken lässt, dass der Himmel ihm entgegenstürmt. So wie Samsa zunächst beflissentlich seiner Arbeit nachging, Leben als Pensum zum Abarbeiten betrachtete und nichts Tieferes als dieses im Leben entdeckte, so ist der Käfer etwas, was weit von Samsa entfernt scheint, weder Hülle noch Erlösung. Es klingt nach Rimbaud: "Ich ist ein anderer" und so wird klar, warum erst im Zustand nach der Verwandlung, Samsa befähigt ist zur ästhetischen Wahrnehmung. Wie Shakespeares grotesker Caliban (Der Sturm) hört Samsa das Schöne in der Musik und nimmt so Klänge einer anderen Sphäre wahr. Doch seine Wahrnehmung von Ästhetik hört dort auf, wo es um ihn selbst geht. Dem zweiten Gebot folgend wird festgestellt: "Das Insekt selbst kann nicht gezeichnet werden. Es kann auch nicht gezeichnet werden, als ob man es aus der Entfernung sähe". Kafka erinnert, dass eine Negation eines Bildnisses nicht dargestellt werden kann. Samsa sieht sein Verschwinden, seinen Tod voraus und diesen letztendlich als Befreiung seiner selbst vor sich und auch als eine Art Liebe und einen Akt der Liebe zur Familie.

Aber ob es diese Aussage ist, bleibt fraglich, denn wie kann man von einem Nichts von Wahrheit reden. Kafka bleibt verschwommen, Wahrheit könnte nun doch in der Hoffnung liegen und somit sind beide nicht zugänglich. Somit bleibt nach der Bedeutung dieser Parabel zu suchen und auch dort bleibt Kafka ausweichend, da Bedeutung von etwas eine Perspektive zur unbekannten Zukunft hat. Wie man es dreht, der Ratschlag der Katze in "Eine kleine Fabel" wird ein sicheres Ende verheißen. So sicher, wie der Wartende vor dem Gesetz nicht bemerkt, dass er schon drin ist. Es ist nur für ihn, so kann man dem Schicksal nicht entfliehen, die Hoffnung Samsas ist im ersten Satz erloschen, seine, Kafkas Hoffnung auf ewig ins Schreiben verband.

Das Ziel des Lebens, sagt Freud, ist der Tod. Samsas Aktivität im Leben hat sich abgenutzt, er wollte in einem unheimlichen Sinn sterben. Kafka wollte zu Welt kommen durch Schreiben, vielleicht wollte er auch nur bleiben. "Niemand wird lesen, was ich hier schreibe" lesen wir in "Der Jäger Gracchus". Gracchus heißt Krähe oder Dohle und Krähe oder Dohle heißt auf Tschechisch: KAVKA. ".. denn niemand weiß von mir, und wüsste er von mir, so wüsste er meinen Aufenthalt nicht, und wüsste er ..." Der finale Gedanke ist auch der von Gregor Samsa: "Der Gedanke mir helfen zu wollen, ist eine Krankheit und muss im Bett geheilt werden".

Diese Verwandlung aus dem unruhigen Traum ist gleich einer Veränderung der inneren wie der äußeren Welt. Aus der Deutlichkeit des Anfangs, aus der Ausweglosigkeit dieses Faktes, Hoffnung verschwindend, entsteht in den Menschen um ihm herum Sturm, Beben und Feuer in seiner Wahrnehmung, die sich am Ende der Erzählung, am Ende von Gregor Samsa auflöst in einen neuen verständigen Blick. "und nach dem Feuer eine Stimme von Windverwehen, ganz fein." (1.Kö 19, 12) wird bei Kafka: "Stiller werdend und fast unbewusst durch Blicke sich verständigend, .. ". Der Leser weiß es, im verstehenden Mitschweigen dessen, was der Text sagt, indem er es nicht sagt. (vgl. 1. Könige 19, 11-13) "Und es war ihnen wie eine Bestätigung ihrer neuen Träume".

Kafka in all seinen Schattierungen zu lesen ist eine Freude. Diese Unbestimmtheit in der Erklärung eröffnet Horizonte, seine Bücher führen zu neuen Kammern des inneren Schlosses, und wie er in den Oktavheften im Februar 1918 schrieb: "Anbieten wird sich Dir die Welt zur Entlarvung, sie kann nicht anderes, verzückt wird sie sich vor Dir winden". Blickt man durch dieses Offensichtliche, erspürt man einen Paria. Der bewusste Paria steht wirklich außerhalb der Gesellschaft und erlangt durch diese Distanz bessere Einblicke in diese, sagt Hannah Arendt und nennt beispielhaft eben diesen Franz Kafka, dessen Geburtstag sich am 3. Juli zum 125sten Mal jährt. Ein Grund, sich diesem Geheimnis wieder zu nähern, damit wir uns herantasten zu wissen, was der Mensch ist.

~~

Diese Rezension von M. Dienstbier fanden 12 von 14 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Lesen als Reise ins eigene Unterbewusstsein

Was in aller Welt hat das denn nun wieder zu bedeuten? Da wacht einer namens Gregor Samsa morgens auf und hat sich in ein riesiges Insekt verwandelt. Und der arme Leser soll sich einen Reim darauf machen. Gibt es eine Meinung, eine Intention, die der Autor auf gerissene Art und Weise irgendwo zwischen den Zeilen versteckt hat? Nein, die gibt es natürlich ist. Kafkas Kunst ist es Bücher oder Kurzgeschichten zu schreiben, die unglaublich weit definierbar sind und somit für jeden Leser eine andere Intention innehaben. Wofür könnte die Verwandlung stehen? Krankheit, Leid, Trennung, Tod, Unglück, Depressionen, Entfremdung, Sinnentleerung oder Beginn eines neuen Lebensabschnittes stellen nur einen Bruchteil möglicher Bedeutungen dar. Ebenso vielfältig lassen sich die seltsamen drei Untermieter und nicht zuletzt Gregors Familie betrachten, die nicht weiß, was sie mit dem neuen, leicht veränderten, Sohnemann anfangen soll.Fazit: eine Herausforderung an den Leser! Eine richtige Interpretation gibt es nicht. Vielmehr sagt die jeweilige Interpretation vielmehr über den Leser, als über das Werk aus. Lesen als Selbsterfahrung!!!

Diese Rezension von Haardtattack fanden 13 von 16 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Das Leben als Ungeziefer

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt" - mit diesem Satz beginnt die Erzählung Franz Kafkas „Die Verwandlung". Einerseits ist dieser Satz sehr berühmt geworden und andererseits weist dieser Satz eine kleine Besonderheit auf: es ist von einem „Ungeziefer" und nicht von einem „Käfer" die Rede, ein interpretatorisches Missverständnis, dass die ganze Interpretation präjudiziert. Gregor ist ein junger Handlungsreisender, der unter seinem Beruf, seinen Vorgesetzten und seiner Familie leidet. Eines Morgens erwacht er als „Ungeziefer". Trotz dieses Zustandes will er sein normales menschliches Leben weiterführen - auch seine Familie reagiert ungewöhnlich auf diese Veränderung, sodass wir hier eine absurde, eine „kafkaeske" Situation vorliegen haben. So wird Gregors Verwandlung die Geschichte einer Ausgrenzung aus Familie und Beruf, bis dieses Wesen schließlich vollkommen verschwindet, was bei einem Ungeziefer ja zu allgemeiner Erleichterung führt. Was macht diese kurze Erzählung so lesenswert? Einerseits ist es die unerhörte Begebenheit der Verwandlung eines Menschen in ein Ungeziefer und die Reaktion seiner Umwelt darauf. Andererseits ist es die lakonische, schmucklose, aber sehr intensive Prosa, die Kafka verwendet. Meiner Meinung nach gehört die „Verwandlung" zum Kanon der Werke der Literatur, die man gelesen haben muss.

Diese Rezension von Thomas BTF fanden 19 von 24 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen kleines Büchlein, großer Inhalt

Als Freund zeitgenössischer Bestseller schiebe ich ganz gerne von Zeit zu Zeit mal einen "Klassiker" dazwischen, weil ich die Abwechslung liebe. Obwohl zu "Die Verwandlung" mehr Interpretationen und Analysen existieren als zu fast jedem anderen Werk, liest es sich erstaunlich leicht und kurzweilig. Die Sprache ist natürlich etwas altmodisch und gestelzt, aber genau das macht ja auch den Charme dieses dünnen Büchleins aus. Den eigentlich Reiz bezieht es aber von der phantastischen Grundidee, die sich bereits im ERSTEN! Satz ausdrückt. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so schnell zum Punkt kommt :-)

Als ob das Leben als Käfer nicht schon grotesk genug wäre - das witzigste (oberflächlich betrachtet!) ist zweifellos, wie selbstverständlich Gregor Samsa und seine Umwelt auf diese Metamorphose reagieren.

"Die Verwandlung" ist eine wirklich nette Abwechslung zum Mainstream-Einheitsbrei der Gegenwart. Eine phantastische Idee, niedergeschrieben in feinster Sprache und dabei kurzweilig und hintergründig - mehr kann man von einem Buch kaum erwarten!

Die Verwandlung



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