Hebbel, Friedrich

Maria Magdalena

Maria Magdalena
  • Verlag: Hamburger Lesehefte Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2008
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 64
  • ISBN: 3872911090
  • EAN: 9783872911094
  • Amazon.de Verkaufsrang: 627.510
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Beschreibung von buecher.de

Das Neuartige dieses Trauerspiels ist, dass das Tragische nicht aus dem Gegensatz zweier Schichten, sondern einfach aus der bürgerlichen Welt selbst abgeleitet ist. Aus trotzigem Schmerz um ihren verlorenen Jugendgefährten hat sich das Bürgermädchen Klara ihrem ungeliebten Verlobten hingegeben, der sie jedoch aus kalter Berechnung verlässt. Die Angst vor ihrem Vater treibt Klara schließlich in den Selbstmord. Urteil der 'Vereinigten Jugendschriften-Ausschüsse': '.... Die vorliegende ungekürzte Ausgabe des Trauerspiels ist geeignet zum Klassenlesen in Oberschulen. Da die historisch-kritische Ausgabe von HEBBELS WERKEN zugrunde liegt und der Anhang eine gute Biographie über ihn bringt, ist dieses Heft für den Literaturunterricht besonders wertvoll.' Neben der Biografie bringt der Anhang eine Entstehungsgeschichte zu 'Maria Magdalena' sowie ausführliche Anmerkungen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von N. K. fanden 14 von 18 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Leiden für die Liebe

Was für eine tragische Dramengestalt ist diese Maria doch! Aus purer Liebe (und weil sie denkt, dass pure Liebe den begehrten Mann nicht an ihrer Seite bleiben lässt) gibt sie sich einem Kerl hin, der sie eigentlich nur ins Bett bekommen will. Geheiratet wird nämlich ein ehrenwertes Mädchen. Das will er so. Das will die Gesellschaft so. Und dann steht Maria plötzlich alleine da. Mit einem kranken Vater, mit der Schwester, mit einem verarmten Leben im Elend - und einem Kind im Bauch. Der einzige Ausweg: Der Freitod. Hebbel zeichnet hier mit einer liebevollen Sprache ein wahrhaft tragisches Frauenschicksal, welches mit ein wenig mehr Achtung und Frauenrechten und Verständnis hätte verhindert werden können. Aber eine Tragödie kennt kein Happy End. Das weiß man zwar auch vor der Lektüre, aber dieses Stück geht einem trotzdem unter die Haut.

Diese Rezension von Rolf Dobelli fanden 7 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wahrlich trauriges Trauerspiel

Auch wenn Hebbels Stück "Maria Magdalene" anfänglich von vielen Theaterregisseuren abgelehnt wurde, ist es ein wichtiger Bestandteil des deutschen Literaturgutes und eines der bekanntesten Stücke des 19. Jahrhunderts geworden. Die Geschichte dreht sich um Klara, die schwanger wird, weil sie sich aus Verzweiflung ihrem Verehrer vor der Heirat hingegeben hat. Gefangen in der Enge intoleranter bürgerlicher Moralvorstellungen bleibt ihr am Ende nichts anderes übrig, als sich umzubringen. Das Ganze ist in seiner trostlosen Ausweglosigkeit ungeheuer traurig, auch wenn die ganze Dramatik des Stücks sich für heutige Leser vielleicht etwas zu tief unter einem ganzen Berg von Monologen versteckt. Obwohl Hebbel selbst "Maria Magdalene" noch als bürgerliches Trauerspiel bezeichnete, bricht es schon mit dessen eigentlicher Tradition: Der zentrale Konflikt liegt hier nicht mehr in der unüberwindbaren Schranke zwischen Bürgertum und Adel. Es sind vielmehr die standeseigenen Moral- und Wertevorstellungen des Bürgertums, die schlussendlich zur Tragödie führen, weil starr und unmenschlich an ihnen festgehalten wird. Deshalb markiert "Maria Magdalene" einen der Übergänge zur modernen Literatur: Nach Hebbel eroberten offen sozialkritische Dramen die deutschsprachigen Bühnen, in denen das Leid der einfachen Menschen angeprangert wird.

Diese Rezension von Jens Müller fanden 6 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Sehr hilfreich!

Dieses Buch ist insbesondere für Schüler sehr hilfreich.Natürlich sind alle selbstverständlichen Dinge enthalten, Personenkonstellation, Kurzbeschreibung der Szenen etc.Aber schon der allererste Abschnitt, "Die Thematik", ist äußerst treffend formuliert. Es wird Hebbels Weltanschauung, der Pantragismus, erwähnt, nachdem das Individuum notwendigerweise dem Weltganzen gegenübersteht.Weiter geht es in der Personenkonstellation. Hier wird brilliant deutlich gemacht, wie Klara zwischen Ehre und Egoismus "zermahlen" wird.Unter "Der Text in seiner Zeit" werden die verschiedenen Merkmale des bürgerlichen Realismus auf das Stück bezogen. Auch hier wieder brilliante, kompakte Aussagen.Unter "Interpretation" wird schließlich für die einzelnen Personen auf den Punkt gebracht, wie diese sich in der Gesellschaft definieren, z.B. durch Ehre oder Geld.Dieses Buch hat mir nicht nur bei der Klausur zum Stück sehr geholfen (einige Konzepte konnte ich direkt als Antwort auf Aufgaben verwenden), sondern mir auch ein tieferes Verständnis eröffnet, ohne das mir der Spaß am Stück möglicherweise vergangen wäre.

Diese Rezension von Jens Müller fanden 5 von 6 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Das letzte "bürgerliche Trauerspiel"

Hebbels "Maria Magdalene" gilt als das letzte deutsche bürgerliche Trauerspiel und steht damit in einer Tradition mit Lessings "Miß Sara Samspon" oder Friedrich Schillers "Kabale und Liebe". Hebbel kritisiert anhand des Schicksals der Tischlertochter Klara die überkommenen Moralvorstellungen des Bürgertums und liefert damit einen interessanten sozial-historischen Bezugspunkt. Aus der heutigen Zeit gesehen bekommt man einen Einblick in das bürgerliche Leben des 19. Jahrhunderts, dessen Normen heute zum Glück bereits überholt sind.

Diese Rezension von yulcheka_2 fanden 5 von 8 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Klara, die Sünderin

Maria Magdalena, uns allen bekannt als die Sünderin, die bereut und zu den Anhängern Jesu gehört.

In diesem Fall ist der Titel allerdings sehr dramatisch. Die Protagonistin ist die junge Klara, die von Anfang an eigentlich keine Chance hat, ihr Leben zu verbringen, wie es sie glücklich machen würde. Nach und nach verschlimmert sich ihre Situation, nicht zuletzt aufgrund der Engstirnigkeit und Spießbürgerlichkeit ihres Vaters Meister Anton:

Als Klaras Mutter stirbt, zwingt Meister Anton seine Tochter, ihm zu schwören, dass sie ihm nie Schande bereiten werde. Immer wieder erinnert er sie daran. Kurz darauf wird sie von ihrem Verlobten zum Beischlaf gezwungen, was an sich schon schlimm genug ist, doch als der Übeltäter erfährt, dass Meister Anton die Mitgift seiner Tochter einem Spíeler geliehen hat, läßt er Klara in ihrem Unglück allein: Sie ist schwanger! Voll Verzweiflung versucht sie, ihn zu überreden, sie doch zur Frau zu nehmen, doch es ist zwecklos. Als das Übel für sie unerträglich wird, stürzt sich die Unglückliche in den Brunnen. Als Meister Anton davon erfährt, ist er hauptsächlich davon entsetzt, daß seine Tochter es gewagt hat, ihm Schande zu bereiten.

Am Faszinierendsten war für mich die Tatsache, daß man die Verzweiflung, die Gefühle Klaras in der sich für sie zuspitzenden Lage, nicht nur fühlen kann, man erlebt sie mit! Selbst als Leser steht man der Engstirnigkeit Meister Antons hilflos und vor allem ratlos gegenüber.

Dieses Buch ist SEHR empfehlenswert für alle, die sich für die Rolle der bürgerlichen Frau auf dem Lande interessieren. Aber auch Jugendliche sollten nicht davor zurückschrecken, dieses Meisterwerk Hebbels zu lesen, denn es ist es allemal wert

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