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Der berühmteste politische Traktat der Renaissance analysiert mit schonungslosem Rationalismus die Voraussetzungen für Erwerb und Erhalt herrscherlicher Macht. Seit Ende des 16.Jahrhunderts berief sich nahezu jede politische Seite auf das eine oder andere Lehrstück des 'Fürsten'.
Niccolò Machiavellis 1532 erschienene Schrift "Il Principe" ist unter dem Titel Der Fürst Weltliteratur geworden. In seiner Radikalität, in seiner scharfen Trennung zwischen rein politischem Handeln und den Entscheidungen des Einzelnen, überstrahlt Machiavellis Werk die politiktheoretischen Schriften aller seiner Zeitgenossen. Machiavelli will klären, "was das oberste politischen Amt sei, wie viele Arten es davon gibt, wie und wann man es behält, und wie und wann man es verliert". Es geht ihm dabei um die Herrschaftsbildung und Herrschaftssicherung, um die Bewahrung des principato. Sämtliche Handlungen des Fürsten werden an ihrem politischen Zweck der Erhaltung der Herrschaft gemessen. Entscheidend für den Erfolg ist nicht der moralische Wert sondern allein die Wirkung des Verhaltens. Dieser ausschließlich erfolgsorientierte amoralische Zweckrationalismus war es, der viel seiner Zeitgenossen zutiefs verstörte. Schon vor Jahrhunderten wurde "Machiavellismus" zu einem Synonym für Verschlagenheit und Hinterlist, für Amoral und Rücksichtslosigkeit in der Politik. Man hat sich angewöhnt, jede skrupellose Machtpolitik als "machiavellistisch" zu bezeichnen, jene berühmte oder vielmehr berüchtigte "Realpolitik", die sich auf Machiavellis "Il Principe" berufen zu können glaubt. Jedes Jahrhundert hat Machiavellis Schrift anders ausgelegt. In jüngster Zeit wurde sie, wie viele andere Klassiker der Staats- und Kriegskunst auch, erfolgreich von der Managementlehre adaptiert. Ob unternehmerische Führungsstrategien oder persönliche Karriereplanung, an Machiavellis und Anti-Machiavellis herrscht auf dem Buchmarkt kein Mangel. Dennoch lohnt sich ein Blick ins Original, denn Der Fürst ist eine realistische, und in seiner Art zeitlose Diagnose der Politik, in der die Interessen des Staates stets Vorrang vor allen ethischen Überlegungen hatten. --Stephan Fingerle
Höchst relevant!Ich hatte mir dieses Buch gekauft, weil es ein Klassiker der Weltliteratur ist und man immer wieder Artikel oder Bücher liest, in denen Bezug auf Machiavelli genommen wird - man will ja schließlich mitreden können. Um so überraschter war ich, wie brandaktuell dieses Buch ist. Obwohl vor fast 500 Jahren geschrieben, ist es immer noch höchst relevant für alle, die in verantwortungsvollen Positionen sitzen. Machiavellis Ratschläge zur Regierung eines Landes oder zur Übernahme einer (Staats)Macht kann meiner Meinung nach direkt auf das Top-Management übertragen werden. Seine Argumente sind plausibel und fundiert, er analysiert jedes Problem, das auftauchen könnte, und denkt es zu Ende. Ich war zuerst skeptisch, weil Machiavelli oft in Zusammenhang mit brutaler Machtpolitik genannt wird. Das ist auch nicht ganz aus der Luft gegriffen, schließlich war Cesare Borgia das Vorbild für den "Fürsten". Natürlich wird heutzutage eleganter mit den Konkurrenten umgegangen als zu Machiavellis Zeiten, aber die Grundideen dürften, denke ich, immer noch gültig sein: Durch dieses Buch bekommt man einen Einblick in die Gedankenwelt der Mächtigen.
Der Fürst, ein Buch besser als sein RufDer Inhalt von Niccolò Machiavelli berühmtesten Werk ist hoch interessant und sehr schlüssig. Wer „Der Fürst" liest, wird die Verteufelung dieses Mannes, dessen Name bis heute Synonym für das Verhalten skrupelloser, absolutistischer Herrscher ist, nicht mehr ganz verstehen können. Weder fordert er zu Brutalität und Grausamkeit auf, noch hebt er Alleinherrscher in den Stand von Heiligen oder Göttern. Im Gegenteil! Er stellt klar, dass niemand sich lang an der Spitze halten kann, der das Volk gegen sich hat. Er zeigt an Beispielen der Großen und Nicht - So - Großen der Geschichte (vornehmlich Roms, Italiens und Frankreichs) wie ein Herrscher Erfolg haben kann oder wie er auf schnellstem Wege seinen Thron verliert. Sicherlich kann man diese Regeln und dieses Verhalten nicht eins - zu - eins in unsere Zeit übertragen; zu viel hat sich in 500 Jahren verändert. Doch Machiavelli zeigt ein erstaunliches Feingefühl für das Denken und Handeln der Menschen. Aus seinen Schlüssen können wir heute noch etwas lernen. Außerdem erkennt man während dem lesen den Mann hinter dem Namen. Ein treuer Bürger von Florenz, der zu Unrecht verbannt wurde, und ein Italiener, der die Ausschlachtung Italiens durch fremde Mächte nicht mehr ertragen kann. „Der Fürst" ist nicht zuletzt ein Aufruf zur Befreiung Italiens. Es ist auch ein sehr gut zu lesendes Buch. Trotz seines Alters ist es frei von schwerverständlichen und altertümlichen Floskeln. Allein der Stil, in dem es geschrieben ist, macht es äußerst lesenswert. „Der Fürst" ist also auf keinen Fall ein Buch nur für Historiker und Machtbesessene; es ist ein Buch für alle, die versuchen, das Handeln der Menschen in Vergangenheit und Gegenwart zu begreifen.
"Italien von den Barbaren zu befreien"So betitelt Niccolo Machiavelli eines seiner Kapitel in diesem Buch, seinem Hauptwerk: "Der Fürst". Und sogleich erscheint uns das, was dem gebildeten Renaissance - Menschen wichtig und darum erstrebenswert war als Ziel und Bild vor Augen: Der Staat, in dem der einzelne Bürger erst einmal etwas zu leisten hat (z. B. Wehrpflicht!), dann aber auch Mitspracherecht genießt.Alles, was dazu diente, diesem "gerechten" Gebilde, das dem griechischen Vorbild ähneln sollte, dem Athener- Staat des Perikles z.B., nahezukommen, wurde in diesem Buch versuchsweise aufgeführt.
Daß dabei die Empfehlungen für eine starke Führung den Vorrang hatte, ist dieser Zeit (und unserer!) nicht vorzuwerfen. Denn es ist wahrlich eine starke und gerechte Führung in einem guten Staat durchaus vonnöten.Aber die Annahme, diese Führung auch skrupellos ausführen zu dürfen (immer das Ziel eines gefestigten Staatengebildes vor Augen!), ist vielfach (bis heute!) wohl auch mißverstanden worden. Daher wurden und werden den Tyrannen immer (wenn auch oftmals zu spät!) Grenzen gesetzt.Somit werden wir es als Leser dieses interessanten Buches auch weiterhin mit der versuchten (hoffentlich gerechten!) Führung (einer weltweit-gespannt- politischen!) zu rechnen haben. Die Vorbereitungen dahin sind bereits in ausgewählten Händen (nicht nur in den Köpfen!)derjenigen, die Macht haben über finanzielle Mittel und durchführbare Techniken. Hoffentlich mit dem Ziel eines gerechten und gefestigten Staatsgefüges und einer wehrhaften Pflicht, die nicht gleich bei erster Prüfung versagen wird, wie es weiland mit der wehrpflichtigen Bürgerwehr bei Prato geschehen.Niccolo Machiavelli wird oftmals gerne etwas spöttisch betrachtet und der Ausspruch: "Sie Machiavellist!" ist ein oft gehörtes nicht nur schmückende Beiwort für einen starken Politiker auch heute noch.Niccolo Machiavelli ist in Diensten der Medici gestanden, war ein politischer und gebildeter Mensch durch und durch, wurde gefoltert, stand oft wieder nach Rückschlägen auf und diente seinem Stadtstaat Florenz vorbildlich.Natürlich war er ergriffen von Stärke und Macht, doch wenn diese im Dienste der Bürger steht, ist es denkbar, daß daraus etwas entstehen kann, das Sinn macht, wenn man nur immer den Verstand einsetzt. Daran aber mangelt es wohl oft, so wie es an der Hybris nicht fehlt, auch nicht an denkbaren Verwirrungen inmitten all der technischen Möglichkeiten. Und so scheitert der moderne Politiker (der momentanen und der etwas entfernteren Zeitgeschichte!)gerne, was wir nur allzugut am eigenen Leib schon erlebt haben.Umso mehr sollte z.B. ein übergeordnetes Forum, wie die UNO nicht nur eine Mitsprache anstreben, sondern in Zukunft auch mehr und mehr ein echtes Handeln, damit voraussehbare Fehler, die nicht wiederholt vorkommen dürfen, vermieden werden können.Wir als Erben der Ideale der Renaissance, nämlich der Ästhetik (dem Griechischen verhaftet!), der Mode, der Architektur, der Musik, des Schönheitsideals überhaupt und der Macht(auch der heute in etwa verstandenen Religion!) sollten eigentlich gelernt haben, aus entstandenen Fehlern. Ziel könnte es sein, nur noch etwaige Feineinstellungen zu betreiben, mögliche Fehler und entstehendes Unglück endlich zu vermeiden.Machiavelli hat einen modernen Staatsentwurf gewagt, als Gegenentwurf zum mittelalterlichen augustinischen Gottes-Staatsentwurf, einer großen Reichsidee mit religiösem Inhalt, wie sie zur Zeit mit Ausrufezeichen nicht nur andeutungsweise wieder angemahnt wird (Samuel Huntington!). Das wäre dann aber ein Zurück zu einer etwas romantisch anmutenden Variante.
Macchiavellis bekanntestes WerkWie Carl von Clausewitz und Sunzi ist Niccolo Macchiavelli als eine der umstrittenen und gerne kopierten Größen auf dem Gebiet politisch-militärischer Philosophie bekannt. Machiavellis "der Fürst" etwa gilt auch heute noch als Pflichtlektüre für Politikwissenschaftler und Machiavellismus bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch eine skrupellos Machtpolitik, die den Erhalt des Staates mit aller Gewalt an oberste Stelle setzt. Dabei war Machiavelli selbst Zeit seines Lebens Republikaner und hat mit seinen "Discorsi" ein fundiertes Werk über die Politik in den Stadtstaaten des Renaissance-Italiens vorgelegt. Sein Fürst ist dabei Lorenzo II. de Medici gewidmet, dessen Familie die Republik Florenz wieder zerschlagen hatte, wobei Machiavelli gleichzeitig den Sohn Papst Alexander VI., Cesare Borgia, als Idealtypus eines Fürsten präsentiert.
Um "der Fürst" zu verstehen, darf man nicht vergessen, unter welchen Umständen dieses Werk entstanden ist. Nach der Rückkehr der Medicis an die Macht wollte sich der in ihrem Namen einst gefolterte Philosoph mit ihnen gutstellen und verfasste einen Fürstenspiegel, um sein Wohlwollen zu demonstrieren. Ob dies ernst gemeint war oder nicht, sei dahin gestellt, hatte Machiavelli doch auch Satiren und Komödien verfasst, in denen er deutlich als Zyniker erkennbar ist. Die totalitären und absolutistischen Töne, welche man am Fürst zu erkennen glaubt, sind wie der Fürst als Herrscher selbst, aus Sicht Machiavellis immer nur eine Übergangslösung zur Republik gewesen.
Immer wieder flechtet Machiavelli Auszüge aus der ereignisreichen italienischen Geschichte ein und lässt seine Bewunderung für Cesare Borgia durchblicken, dessen Feldzüge im Namen des Kirchenstaats viele Fürsten um ihre Herrschaft fürchten ließen und die Angst vor einem geeinten Italien heraufbeschwor. Für Machiavelli wäre diese kühne Vision eines anfangs autokratischen, aber geeinten Italiens eine Vorstufe für die künftige Republik gewesen. Der Fürst sollte mit eiserner Hand eine staatliche und politische Ordnung errichten, um später die Zügel in die Hände seines Volkes zu legen. Dabei forder Machiavelli immer wieder auch dass die Kriegskunst nicht zu vernachlässigen ist, sichert doch vor allem anderen sie den Herrschaftsanspruch eines Fürsten. Auch das, um die künftige Republik, vor ihrer vollendeten Transformation nicht zum Opfer fremder Expansionsgelüste werden zu lassen. Machiavelli billigt jedoch den Machterhalt, als oberste Priorität des Fürsten, etwas das pervertiert zur Verfolgung dynastischer und egoistischer Interessen folgen kann, die Machiavelli wiederum geißelt. Es ist besser zum Fürsten erhoben zu werden, denn als solcher geboren zu werden.
Schlecht sind Menschen nicht von Natur aus, aber laut Machiavelli durch die Art, wie sie ihre Ambitionen verfolgen. Ein Fürst der sich Machiavellis Idealen verpflichtet fühlt, sollte allerdings vor allem anderen seine geschichtliche Bedeutung im Auge haben, nicht aufgrund seines Gottesgnadentums, sondern der Aufgabe einen Staat zu führen und in die Republik zu geleiten. Dabei ist es kein Widerspruch, wenn dieser autokratische Übergangsfürst auch zu "bösen" Mitteln greifen muss, um den Staat als solchen zu erhalten. Ein Fürst darf nicht den niederen Interessen eines einfachen Mannes oder einer einfachen Frau verfallen und sich an fremden Partnern und Vermögen vergreifen, sein Amt dient dazu eine geschichtliche Aufgabe zu erfüllen, nicht sich selbst oder seine Dynastie zu bereichern. Dabei vertritt Machiavelli praktische Ansichten zur Kriegsführung und Landesverteidigung, welche seiner Ansicht nach auf einem stehenden Heer statt Söldnern basieren sollte, während Kriege nur geführt werden dürfen, wenn man sie gewinnen kann, nach der Maxime, ein verwundeter Feind ist dein schlimmster Feind, also kämpfe gegen keinen Feind den du nicht töten kannst.
Natürlich problematisch sind Machiavellis Ansichten dazu, dass es besser ist als Herrscher gefürchtet denn geliebt zu werden. Dem Volk unterstellt er ein treuloses Verhalten, Wankelmut und daher in kritischen Momenten geringes Interesse an staatlichen Belangen. Als Renaissance-Mensch der den Fall und Aufstieg von republikanischen Stadtstaaten erlebt hat, könnte diese Ansicht klarerweise aus eigener Enttäuschung und zynischer Resignation entstanden sein, wenn jene Massen, die einst der Republik, später einem neuen Herrscher zujubelten.
Friedrich der Große kritisiere Machiavelli, Napoleon I. schrieb ausführliche Kommentare zu "Der Fürst" und Benito Mussolini befasste sich mit diesem Werk. Für den einen mag das als Grund für Bewunderung Macchiavellis reichen, für andere ist es Beweis, dass er ein diktatorisches und ungerechtes System der Unterdrückung und Ausbeutung legitimiert, auch wenn das Ziel jeder Autokratie laut ihm schlussendlich die Republik sein sollte, denn nur in dieser kann die Regierungsgabe am besten genutzt werden und ein Staat sein volles Potential erlangen. Aber Machiavelli hat auch die Manipulierbarkeit des Volkes erkannt, das eben doch nicht eine überlegene Weisheit besitzt. Ob man Machiavelli auch heute noch ernst nehmen kann, gilt es zu hinterfragen, denn die Weltordnung welcher sein Werk und die Theorien entspringen ist heute Geschichte, wobei manches sich zu wiederholen scheint und sich so zeitlos zu bewahrheiten scheint. Die gefühlsmäßige Kritik am als faschistisch verdammten Staatensystem Renaissance-Italiens und der Theorien eines Niccolo Machiavelli greift mir eindeutig zu kurz, denn der Autor und Staatsphilosoph forderte klare Prinzipien und eine grundlegende Rechtsstaatlichkeit von einem Fürsten, dieser darf im Interesse des Staates über alle anderen Autoritäten hinweg handeln, aber dezidiert nicht aus persönlichen, familiären oder finanziellen Interesse.
Fazit:
Der Fürst ist eines jener Bücher, das die Gemüter erhitzt und dennoch sehr missverstanden aus dem Kontext gerissen immer wieder verdammt oder glorifiziert wird. Um sich selbst eine Meinung zu bilden, sollte man es natürlich auch heute noch lesen, da es zudem als Standardwerk der politischen Bildung gilt, aber nicht darauf vergessen, es auch im historischen Kontext zu betrachten.
eine zu alte ÜbersetzungDie Übersetzung dieses Buches ist über 80 Jahre alt. Entsprechend kann die Sprache die Bedeutung Machiavellis nicht reflektieren. Das Deutsch ist gestelzt, soldatisch, kalt. Man kauft hier keinen Machiavelli, sondern die Vorstellung von Machiavelli, wie sie vor fast einhundert Jahren in Deutschland geherrscht hat. Da es mittlerweile Alternativen gibt, würde ich vom Kauf dieser Ausgabe absehen.
Brockhaus-1809: Der Fürst Primas · Gregor Alexandrowitsch, Fürst von Potemkin · Raimund, Fürst von Montecuculi · Wenzel Anton, Fürst von Kaunitz
Brockhaus-1911: Niccolò · Machiavelli · Fürst-Primas · Fürst · Fürst [2]
DamenConvLex-1834: Wilhelm, Fürst von Oranien · Pückler-Muskau, Hermann, Fürst von
Eisler-1912: Machiavelli, Niccolo
Herder-1854: Fürst [3] · Fürst [2] · Fürst [1]
Meyers-1905: Niccolò de' Niccoli · Niccolò di Liberatōre · Machiavelli · Canīno, Fürst von · Stirbey, Fürst Alexander · Fürst [2] · Fürst [1]
Pagel-1901: Fürst, Carl Magnus · Fürst, Livius
Pataky-1898: Fürst, J. · Fürst, Elise · Fürst, A.
Pierer-1857: Niccŏlo dell' Arca · Niccŏlo · Fürst Primas · Fürst [1] · Fürst [2] · Fürst [3]