Thomas von Aquin

Über die Herrschaft der Fürsten

Über die Herrschaft der Fürsten
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Erscheinungsdatum: 1986
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 93
  • ISBN: 3150093260
  • EAN: 9783150093269
  • Amazon.de Verkaufsrang: 139.516
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von B., Rene fanden 12 von 14 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Eine kurze staatsphilosophische Schrift

Thomas von Aquin (1225 - 1274) ist einer der wichtigsten Philosophen und Theologen der abendländischen Geschichte. Als hervorragender Scholastiker, der sich überwiegend an Aristoteles orientierte, hat er sich seinen Platz in dem Allgemeinen Römischen Kalender als Heiliger gesichert.

Diese staatsphilosophische Schrift (ca.70 Seiten) ist dem König von Cypern gewidmet und befasst sich mit der Monarchie. Dabei werden Themengebiete behandelt wie der Sinn der Fürstenherrschaft, die Pflichten des Königs, ökonomische Belange innerhalb seines Reiches und der Wechselbeziehung zwischen Regierung und Kirche.

Für den Autor ist der Mensch ein soziales Wesen, welches auf seine Mitmenschen angewiesen ist. Damit dieses zusammenleben gelingt, muß die Allgemeinheit von jemandem gelenkt werden - dem König. König ist derjenige, der Alleinherrscher über eine Stadt oder ein Land ist und für das Gemeinwohl sorgt. Ein Herrscher der nicht für das Gemeinwohl, sondern für sein eigenes Wohl sorgt, wird Tyrann genannt. Dieser zeichnet sich unter anderen dadurch aus, dass er nicht regiert weil das Volk ihn akzeptiert, sodern ihn aus Furcht anerkennt.

In der Schrift wird eine Möglichkeit für das Volk gefordert sich vor einer Tyrannerei zu schützen. Als Maßnahmen werden eine Verfassung genannt, welche die Möglichkeit einer Tyrannenherrschaft entzieht und eine Machtbeschränkung des Königs. Wie dies nun in einer Monarchie funktionieren soll, wird leider nicht weiterführend behandelt. Gleiches gilt für die Forderung nach einer Möglichkeit den Tyrannen abzusetzen. John Locke wird einige Jahrunderte später diese Fragen zu klären wissen.

Thomas von Aquin sagt zwar, dass der Tyrann keinen Machtanspruch vor dem Volk habe, erwähnt aber mit Nachdruck, dass der gewaltsame Kampf im Widerspruch mit dem Neuen Testament steht. Gelobt werden diejenigen, die ohne Widerstand, geduldig und beherzt den Tod fanden (der passive Widerstand war noch unbekannt). Wenn dem Volk keine menschliche Hilfe in Aussicht steht, kann das Volk immer noch zu Gott beten.

Hier wird das Problem der Theodizee aufgegriffen: Wieso läßt Gott bei seiner Allmacht und Güte zu, dass Tyrannen über das Volk herrschen? Die Antwort des Autors ist klar und gnadenlos: "Damit aber das Volk verdient, diese Wohltat von Gott zu erlangen, muß es von seinen Sünden ablassen" und weiter heisst es: "Es muß also zuerst die Schuld beseitigt werden, damit es ruhe finde von der Qual der Tyrannen".

Im weiteren Verlauf der Schrift wird gezeigt, daß der wahre Lohn des Königs weder der Ruhm, die Ehre oder das Vermögen, sondern die Seligkeit bei Gott ist (der König erlangt besondere Seligkeit). Das Ziel der Regierung ist ein geordnetes Miteinander, doch das ist nicht das Endziel allen menschlichen Strebens; das ist die Seligkeit bei Gott. Aus diesem Grund ist jeder König den Priestern und Päpsten untertan, denn diese sind für die geistigen Belange zuständig. Die eigentlichen Aufgaben des Königs beschränken sich im wesentlichen auf drei Punkte:

1: Eine Grundlage für gutes Leben zu schaffen, wobei der Begriff "gut" meint, daß der Einzelne Tugendhaft handeln kann und das er genügend materielle Güter hat.

2: Diese Grundlage nach besten Gewissen zu erhalten und zu verbessern.

3: Das Volk vor Angriffen zu schützen.

Das Werk ist in recht einfacher Wortwahl gehalten und dadurch gut verständlich und das auch ohne Vorkenntnisse der antiken Philosophie. Wie für die Scholastik üblich, flankiert der Autor seine Argumente mit biblischen Zitaten. Kenntnisse aller Büche der Bibel sind also von Nutzen.

Die Schrift weist allerdings einige Schwächen der Logik (induktiv sowie deduktiv) auf. Zu meiner Verwunderung lassen sich auch theologische Fragezeichen antreffen. So wird zum Beispiel, die Lösung des Theodizee-Problems, nachdem die Menschen schlechtes erleiden da sie schlecht Leben, durch Zitate aus dem Buch Ijob (Hiob) gestützt. Jetzt ist es aber gerade Ijob (Hiob), der trotz seines frommen und gottesfürchtigen Lebens, druch eine Wette von Gott mit dem Teufel, eine Katastrophe nach der anderen erleidet (er verliert Besitz und Kinder). Das Zitieren von Ijob an dieser Stelle ist also äußerst fraglich.

Über die Herrschaft der Fürsten



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