Conrad, Joseph

Lord Jim

Lord Jim
  • Verlag: Diogenes Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2005-11
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 352
  • ISBN: 3257201281
  • EAN: 9783257201284
  • Amazon.de Verkaufsrang: 33.440
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Beschreibung von buecher.de

So groß war Jims Traum von Ehre und Heldenmut und so jäh wird er zerstört. Die Gewissheit, das eigene Versagen nie mehr tilgen zu können, quält ihn und macht ihn zum Ausgestossenen.
Lord Jim, Conrads bekanntester Roman, erzählt die Geschichte eines jungen englischen Schiffsoffiziers, eines sensiblen und fantasiebegabten Menschen, der von Jugend an im Traum lebt, für eine besondere Aufgabe bestimmt zu sein, und im Augenblick der Bewährung versagt. Der Alptraum seiner Verfehlung treibt Jim immer weiter nach Osten, und beinahe scheint es, als sei die Welt nicht groß genug für ihn.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Sebastian Moran fanden 21 von 22 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Zeitloses Meisterwerk eines großartigen Erzählers

Joseph Conrad. Den meisten wird der Name heutzutage nur in Verbindung mit seinem bekanntesten Roman "Herz der Finsternis" und dessen Vietnam-Verfilmung "Apokalypse Now" von Francis Ford Coppola ein Begriff sein. Sein wohl bestes Werk veröffentlichte der gebürtige Pole allerdings bereits zwei Jahre früher.

"Lord Jim" handelt vom jungen Bootsmann Jim, dessen Lebensgeschichte aus der Sicht von Kapitän Marlow, das alter ego des Autors Conrad, rückblickend erzählt wird. In den Gewässern des Fernen Ostens der Jahrhundertwende trifft Jim in schwerer Bedrängnis eine folgenschwere Fehlentscheidung die sein Leben verändert. Er verlässt mitsamt Kapitän und zwei Besatzungsmitgliedern in Hast das leckgeschlagen geglaubte Schiff Patna und überlasst die aus Pilgern bestehende Fracht ihrem Schicksal. Angeklagt und für schuldig befunden, droht Jim, der bar jeglicher außergewöhnlicher Fähigkeiten trotzdem stets geglaubt hat, für besondere Aufgaben bestimmt zu sein, sein Gewissen zur unerträglichen Last zu werden. Allein Marlowe steht ihm in dieser Zeit bei und versucht ein ums andere Mal Jims Leben in die richtigen Bahnen zu lenken.

Was wie eine spannende Ausgangsposition klingt, ist der hart erkämpfte Inhalt der ungefähr ersten 200 Seiten. "Lord Jim" ist ein schweißtreibender Marathonlauf. Conrads mühsame, verschränkte und oftmals ausschweifende Erzählweise kommt sehr langatmig daher und erfordert viel Geduld und Langmut vom Leser. Immer wieder muss man schwer atmend das Buch zur Seite legen und verschnaufen, um die kommende Passage in Angriff nehmen zu können. Mitunter ist das besonders am Anfang extrem nervig, da das Obskure und Geheimnisvolle der eigentlichen Geschichte nur nach und nach aufgelöst wird. Wer sich jedoch darauf einlässt und die oben beschriebenen Probleme zu überwinden versteht, wird letztendlich von einem Plot belohnt, der nicht nur auf dem höchsten Niveau der Sprachkunst fußt, sondern gleichzeitig durch einen enormen Spannungsbogen und die ungeheuer reale Brutalität der geschilderten menschlichen Schicksale besticht.

Conrads Schilderungen von Meer, Küsten, Inseln, Hafenagenten und kleinen Gaunern vermögen den geneigten Leser auch mehr als hundert Jahre nach der Veröffentlichung noch zu packen und in den Bann zu ziehen. Ohne an irgendeiner Stelle in Sentimentalität zu verfallen, erweckt der Autor, der selbst lange Jahre Seefahrer war, beim Leser Sympathie für den Protagonisten, dem sein Versagen tragischerweise bis zum Schluss seines Lebens nachhängt. Obwohl er stets neue Aufgaben in Angriff nimmt, holt ihn die "Tatsache" immer wieder ein und stellenweise scheint es fast als wäre "die Welt nicht groß genug für Lord Jim". Sicherlich wirkt die Geschichte, und hier insbesondere das Ende konstruiert. Der Güte, dem Charme und der Klasse dieses Romans tut dies jedoch keinen Abbruch. Trotz der aufgewandten Anstrengung bleibt die Lektüre, nicht nur aufgrund der tollen Thematik, ein Genuss.

Insgesamt ist "Lord Jim" ein zeitloses Meisterwerk eines großartigen Erzählers, das einen Platz im Bücherregal einer jeden echten Leseratte verdient hat.

Diese Rezension von Seidler Till fanden 26 von 28 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Das Scheitern eine begabten Charakters

Das Buch handelt von dem Bootsmann und späteren Hafenagenten Jim, dessen Lebensgeschichte aus Sicht von Kapitän Marlow, dem alter ego des Autors Joseph Conrad, rückblickend erzählt wird. In Conrads Buch ist das beherrschende Thema das Versagen eines Menschen, der stets davon überzeugt ist, für besondere Aufgaben bestimmt zu sein, ohne außergewöhnliche Fähigkeiten zu besitzen.Die Geschichte spielt in den Gewässern des Fernen Ostens in den Kreisen von Seefahrern, die Problematik könnte ebensogutauf einen Mediziner, einen Journalisten oder Piloten zutreffen, der in schwerer Bedrängnis eine folgenschwere Fehlentscheidung trifft. Dennoch sind Conrads Schilderungen von Meer, Küsten Inseln, Kapitänen, Hafenagenten, Seefahrergerichten und kleinen Gaunern meisterhaft und brillant und überragen sämtliche anderen Autoren (wie Herman Melville und Jack London), die sich mit den Abenteuern des Meeres auseinandergesetzt haben. Der Roman ist ein spannendes, aus vielerlei Perspektiven geschildertes Psychogramm eines tragischen Helden und doch zugleich eine Art Abenteuerroman, der durch einen enormen Spannungsbogen, durch die Exotik der dem Autor wohlbekannten Schauplätze und durch die ungeheuer reale Brutalität der geschilderten menschlichen Schicksale besticht. Conrad erweckt im Leser Sympathie für den Protagonisten Lord Jim, dem sein Versagen als junger Mensch tragischerweise den Rest seines Lebens nachhängt. Der Leser fühlt sich geneigt, Jim zu verzeihen, ihm zuzurufen, daß das Leben weitergeht, und sieht den Helden doch wiederholt mit seinerUnfähigkeit konfrontiert, die "Tatsache", wie der Autor sie nennt, zu vergessen oder sie zu verarbeiten, was ihn immer wieder dazu bewegt, davonzulaufen, immer weiter nach Osten und es scheint stellenweise fast als "wäre die Welt nicht groß genug für Lord Jim". Das Buch ist als Reiselektüre bei Fahrten in die Gewässer des Fernen Ostens wie geschaffen, die Thematik wird jeden Leser zusammenzucken lassen, auch wenn er daheim im Wohnzimmer sitzt und nie zur See gefahren ist und selbiges nicht vorhat. Ein zeitloses Meisterwerk von einem großartigen englischen Erzähler!

Diese Rezension von Rolf Dobelli fanden 13 von 14 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Spannender Roman mit Tiefgang - sehr lesenswert!

"Er war einer von uns", beteuert Marlow, der Erzähler in Joseph Conrads Roman "Lord Jim", immer wieder, während er die Geschichte erzählt. Der verträumte junge Jim, Erster Offizier auf einem alten Dampfer, ist nicht besser oder schlechter als andere Menschen. Aber als das Schiff eines Nachts leckschlägt und er sich in Todesangst von den anderen Offizieren dazu hinreißen lässt, heimlich im Rettungsboot zu flüchten, verliert er seine Ehre und seinen Beruf und lädt eine untilgbare Schuld auf sich. Zumindest ihm erscheint es so: Seine Vergangenheit verfolgt ihn unaufhörlich, lässt ihn nicht mehr ruhen und durchkreuzt alle seine Versuche, ein glückliches Leben zu führen - bis er schließlich sein Versagen freiwillig sühnt. Joseph Conrads bekanntester Roman zeigt uns den Menschen als tragisches Opfer seines Schicksals, als einen, der für seine Fehlentscheidungen büßen muss und nicht auf Gnade hoffen darf. Mit seiner komplexen Struktur und der raffinierten Erzähltechnik wurde das Werk richtungsweisend für den Roman des 20. Jahrhunderts.

Diese Rezension von Adam fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen engl. Titel: "Lord Jim"(1900) - weitschweifige bildreiche Geschichte

Jim, ein Seemann mit romantischer Ader und einem entsprechenden Verständnis von Ehre, Tapferkeit und Heldentum, fühlt sich zu höherem berufen. Der 23-Jährige heuert auf einem alten Dampfer, der "Patna", als Erster Offizier an. Eines Tages, das Schiff transportiert über 800 Pilger in der Gegend des Roten Meeres, schlägt es aufgrund eines Unfalls Leck und droht unterzugehen.

Jims Kollegen, der Käptain und andere Offiziere, versuchen sich mit einem Rettungsboot heimlich zu retten und die 800 Pilger zurückzulassen. Auch Jim springt in einem Moment der Schwäche in das Rettungsboot und setzt sich mit der restlichen Crew ab, die "Patna" vermeintlich untergehend und hilflos umhertreibend zurücklassend. Jim rettet damit sein Leben, verliert aber dessen "Herrlichkeit".

Der Dampfer geht jedoch nicht unter, er wird von einem anderen Schiff aufgegriffen und in den Hafen geschleppt. Es folgt eine Gerichtsverhandlung, in der Jim beschuldigt wird, im Augenblick der Gefahr ihm anvertrautes Gut und Leben im Stich gelassen zu haben. Jim wird für schuldig befunden, es wird ihm das Offizierspatent entzogen, er kann nicht mehr zur See gehen.

Marlow, der Erzähler der Geschichte, verschafft Jim in der Folge mehrere Stellen als Hafenagent, die dieser jedoch immer wieder nach einiger Zeit aufgibt, als seine Schmach aufgedeckt zu werden droht. Verfolgt von der "nackten Tatsache" seines Versagens, die immer wieder sein "Inkognito" durchbricht, flieht er immer weiter nach Osten und landet schließlich in Malaysia (Patusan), wo ihm Marlow die Position eines Handelsagenten verschafft.

Dort findet Jim die Gelegenheit, nach der er gesucht hat, seine Ehre wiederherzustellen und sich von seiner Schuld zu erlösen. Als Quasi-Kolonialist mischt sich Jim in die dortigen Angelegenheiten ein, stiftet Frieden, befreit Menschen und verändert die Herrschaftsverhältnisse. Damit macht er sich zwar viele Freunde, aber auch Feinde.

Eines Tages dringt von außen ein Freibeuter mit dem Ansinnen auf Raub in das Land ein und fordert Jim heraus. Jim gewährt dem Freibeuter mit romantischem Edelmut freien Abzug, den dieser jedoch hintergeht. In der Folge kommen auch durch Jims Schuld einige Menschen ums Leben. Jim steht vor dem Scherbenhaufen seines Erfolgs. Seine Ehre kann er immerhin durch seinen Tod retten.

Conrad verwendet eine sehr bildreiche blumige, jedoch leider auch recht weitschweifige, Sprache in der Beschreibung der Begebenheiten. So verfolgt er für die Handlung unwesentliche Seitenstränge und erörtert recht ausführlich die Geschichte von bloßen Nebenfiguren.

Der Erzähler der Geschichte ist ein Käptain Marlow, der selbst am Geschehen teilhat und Jim immer wieder aufsucht und ihn unterstützt. So erzählt Marlow das Geschehen auf Basis von Jims eigenen Berichten oder den Berichten anderer. In der Form erinnert das an Brontes "Sturmhöhe", mit dem gleichen Effekt, dass hier wie dort (in Gestalt von Nelly) der Erzähler einen recht neugierigen und sich einmischenden Eindruck hinterlässt. Man fragt sich, was geht ihn das alles an?

Mit dieser Erzählerperspektive ist immer auch eine mindestens implizite Wertung des Geschehens und der Beteiligten verbunden. Es gibt immer ein "Wir", die Guten (Marlow, Jim, Stein), und bestimmte andere unverrückbar schlechte Figuren (der Käptain der "Patna", Cornelius). Gut zu sein heißt Ehre, Mut, Weisheit, Seelenstärke und Tatkraft zu besitzen. Trotzdem sind die psychologischen Figurenzeichnungen niemals einfach. Angemerkt sei noch, dass in der Erzählung zuweilen eine koloniale Haltung des Erzählers zum Ausdruck kommt, die vielleicht den wirklichen Begebenheiten entspricht. So nennen denn die Malayen Jim auch Lord Jim.

Fazit: Der Roman ist eine recht weitschweifige Angelegenheit, jedoch mit zuweilen recht raffinierten psychologischen Charakterisierungen und immer bildreicher Sprache. Aufgrund der Weitschweifigkeit verliert der Roman an Spannung.

Diese Rezension von D. Marko fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Suche nach den Erfüllungen der eigenen Träume...

Zug um Zug oder besser Tröpfchenweise enthüllt sich dem Leser des berühmten Buches von Joseph Conrad der eigentliche Charakter Jims. Dieser ist erster Steuermann auf der Patna und träumt von Heldentaten und Abenteuern. Diese Träume können aber in seinem wahren Leben keinen Platz finden. Nach einer Havarie mit einem unsichtbaren Hindernis verlassen Jim und die anderen Offiziere in einem Augenblick der Verwirrung und des Entsetzens fluchtartig das Schiff und geben es samt restlicher Besatzung dem Willen des Meeres preis. Von einem Seegericht wird Jim schuldig gesprochen und muss sein Steuermannspatent abgeben. Er flieht scheinbar vor seiner eigenen Schande und irrt auf dieser Flucht von Hafen zu Hafen, von Job zu Job, immer auf die Gelegenheit hoffend, seine romantischen Träume weiter reifen zu sehen und vor allem den Glauben an sich selbst wieder zu gewinnen. Eines Tages bekommt er die Möglichkeit in einem abgelegenen Dschungeldorf zu leben. Dort erwirbt er schnell das Vertrauen und die Achtung der Eingeborenen und hilft ihnen ein besseres Leben zu schaffen. Bis er wiederum eines Tages vor eine Entscheidung gestellt wird, in der er sein Leben einsetzen muss ...

Ein sehr schönes Buch. Nur am Anfang etwas mühsam zu lesen, da der Autor in einer Art doppelten Ich-Erzähler-Form schreibt, d.h. der erste Ich-Erzähler erzählt über Personen, von denen eine dann die Ich-Erzähler-Perspektive übernimmt. Auf jeden Fall ein schönes Buch über die Such nach der inneren Zufriedenheit.

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