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Die geschichtliche Figur Stalins ist nur vom Stalinismus her zu begreifen, von einer geschichtlich bedingten Herrschaftsstruktur, die der Person des Diktators vorgegeben war und seine Wirkungszeit zwangsläufig überdauert. Stalins revolutionäre und politische Laufbahn bildet ein Kapitel der Geschichte der bolschewistischen Partei Russlands und der Sowjet-Union, endet aber nicht mit seinem Tode, sondern erst drei Jahre später, auf dem XX. Parteikongress, mit der Zerstörung des Stalin-Kults.
Damit war jedoch die Periode des Stalinismus nicht abgeschlossen: dessen Sinnbild, die einbalsamierte Leiche Lenins, die Stalin den ihrer Ikone beraubten Sowjet-Völkern als Geschenk anbot, ist weiterhin im Mausoleum sichtbar.
rororo Monographien - viel Info für wenig Geld !!!Maximilien Rubel skizziert hier ein Einstiegsbild in die Thematik STALIN. Was hat den Schüler des Priesterseminares aus Tiflis zu einem der mächtigsten Männer der Zeitgeschichte werden lassen? Wie sah der Werdegang des Berufsrevolutionäres aus? Leninismus contra Stalinismus - und warum? Was war der Unterschied? Der Familienmensch Stalin wird hier ebenso beleuchtet wie der grausame Diktator, der berechnende Politiker. Seine politischen Vorgänger, Nachfolger und Gegenspieler werden ebenfalls beschrieben... Eine gelungene Einstiegslektüre in die politische Struktur der ehemaligen Sowjetunion und ein Zeugnis über deren ehemalige Machthaber - hier verkörpert durch STALIN...
Zu starke Konzentration auf den Ideologen StalinÜber Josef Stalin liegen zahlreiche Biographien vor, unter anderem die von Trotzki und als neueste Publikation das zweibändige Werk von Löwe. Absicht des Autors ist es, keine Kurzbiographie Stalins zu schreiben, sondern herauszuarbeiten, dass Stalin eine doppelte Fälschung begangen habe: an der eigenen Lebensgeschichte und der Revolutionsgeschichte Rußlands. Was hier vorliegt ist eine hervorragende Einführung in die Ideologie und das "Denken" des Stalinismus. So wichtig dies ist, so kommen in dieser Kurzbiographie (sie enthält lediglich 156 Seiten und wurde 1975 erstmals geschrieben; der Autor starb 1996)persönliche Aspekte und Facetten zu kurz. Wie gelang es diesem von vielen unterschätzten, ja "mittelmäßigen" Politiker, an die Macht zu kommen ? Rubels - völlig unausreichende Antwort: er sei von der Tatsache ausgegangen, dass "die große Mehrheit der sowjetischen Volksmassen bereit war, sich zu jedem von der boschewistischen Herrschaftselite beschlossenen Aufbauexperiment herzugeben" reicht nicht aus. An anderer Stelle bilanziert Rubel: "Zweifellos gehört auch Stalin zu jener Kategorie von Herrschern, in die Canetti den "paranoischen typus des Machthabers" einreiht. Dennoch ist im gegebenen Fall diese Aufklärung ungenügend: bei Stalins Aufstieg zur Alleinmacht ist der sozialhistorische Hintergrund ebenso wichtig wie seine psychopathischen Triebregungen, die nur dank der spezifischen Zeit- und Milieubedeingungen zu jenem Phänomen führen konnten, das man allgemein als "Stalinismus" bezeichnet." schön und gut, aber genau diese persönlichen Aspekte kommen in dieser Biographie eindeutig zu kurz. Das Phänomen Stalin in erster Linie aufgrund seiner Schriften darzustellen, reicht nicht aus. Für mich nach wie vor die psychologisch interessanteste Stalin-Biographie ist die von Trotzki. Wo kommt es schon in der Weltgeschichte vor, dass der Ermordete eine Biographie über seinen Mörder schreibt? Neue Forschungsstände berücksichtigen die Stalin-Biographien von Robert Conquest aus dem Jahr 1991 und die Ausführungen Dimitri Wokgononows, insbesondere sein Stalin-Portrait in dem Buch: "Die sieben Führer", welches im Jahre 2001 erschienen ist und neueste sowjetische Quellen auswertet. Für mich unübertroffen das Stalin-Kurzportrait von Michael S. Voslensky: "Sterbliche Götter" (Taschenbuch-Ausgabe 1991), welches jedoch zur Zeit vergriffen ist. Eine umfassende Stalin-Biographie, die allen Aspekten der Forschung gerecht wird und die Wechselwirkung zwischen der biographierten historischen Persönlichkeit in seiner Zeit gerecht wird, steht meines Erachtens noch aus.
Gute KurzeinführungDas Problem dieser Reihe im Rowohlt Taschenbuchverlag ist die unterschiedliche Qualität der Bücher. Hier nun liegt eines der gelungeneren Exemplare vor. Der Werdegang Stalins wird chronologisch geschildert. Auch das eine oder andere psychologische Streiflicht fällt auf den Diktator u.a. durch Aussagen von Zeitgenossen wie Trotzki oder Chrutschow. Gerne hätte ich hier noch mehr gelesen. Es ist auch vollkommen korrekt von Rubel, auch Betroffene wie Solschenizyn zu Wort kommen zu lassen.
Obwohl das Buch den Stand von ca. Mitte der 70er Jahre hat, ist es immer noch recht brauchbar zur Einführung in die historische Vorläuferfigur z.B. eines Saddam-Hussein. Vielleicht sollte der Verlag einmal an eine Aktualisierung denken.
Stalin - ein Marxist ?Schwerpunkt des Buches bildet ganz klar der politische Lebensweg von Josef Stalin; Informationen zum Privatleben des Diktators treten demgegenüber in den Hintergrund. Das Interesse des Verfassers gilt vielmehr der Beantwortung der Frage, wie die reale sowjet-russische Ausprägung der marxistischen Ideologie einem Charakter wie Stalin zum Aufstieg in die Schaltzentralen der Macht verhelfen konnte, und wie Stalin wiederum den Marxismus-Leninismus zum Zweck seiner absoluten Machtvollkommenheit formte und weiterentwickelte. Hier gelingt Rubel eine durchaus überzeugende Sicht der Dinge (die zu verstehen jedoch eine einigermaßen solide Basis Schulwissen über die Grundlagen des Marxismus und Leninismus voraussetzt, sonst tut man sich vermutlich recht schwer bei der Lektüre). Und so liest sich Rubels Biografie streckenweise eher wie eine kritische Widerlegung des Marxismus-Leninismus stalinistischer Prägung denn als Biographie.
Rubel demaskiert die stalinistische Politik - mit ihren Auswüchsen der Zwangskollektivierung und -industrialisierung und dem Terrorregime - als Staatskapitalismus mit dem Ziel der Machterhaltung einzelner, dessen offensichtlichen Widerspruch zu den Schriften der sozialistischen Klassiker Marx und Engels er nachweist. Er verhilft ihren, durch den Stalinismus korrumpierten Theorien im Nachhinein zu ihrem Recht, indem er sie gegen denjenigen wendet, der sie als Mittel zur Herrschaftssicherung verfälschte und missbrauchte: Stalin.