Orwell, George

Mein Katalonien

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  • Verlag: Diogenes Verlag
  • Erscheinungsdatum: 1975
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 286
  • ISBN: 3257202148
  • EAN: 9783257202144
  • Amazon.de Verkaufsrang: 48.172
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Beschreibung von buecher.de

Vielleicht der bedeutendste Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg, der ein doppelter Bürgerkrieg war: Republikaner gegen Franco, Linke gegen Linke
Ende 1936 kam Orwell als Zeitungsreporter nach Barcelona, um über den Bürgerkrieg zu berichten. Er schloss sich der Miliz P.O.U.M. an, der Arbeiterpartei der marxistischen Einigung, und kämpfte den Winter über an der Front in Aragonien. Als er wenig später mit ansehen musste, wie die Kommunisten bei der Ausschaltung der ihnen nicht genehmen Truppen Methoden der faschistischen Geheimpolizei anwandten, wurde er zu einem der erbittertsten Feinde des sowjetischen Totalitarismus.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 21 von 22 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Autobiographischer Bericht über den span. Bürgerkrieg

George Orwell beschreibt in diesem autobiographischen Bericht seine Mitwirkung im spanischen Bürgerkrieg. Orwell beschreibt in den einzelnen Kapiteln immer abwechslungsweise einmal die politische Situation und andererseits die Geschehnisse in den Schützengräben, die er als Freiwilliger in der spanischen Miliz hautnah miterlebte. Das Buch ist also nicht wie Remarque's "Im Westen nichts neues" ein "einfaches" Antikriegsbuch, dass parteilos die Vorkommnisse im Krieg schildert; Orwell ist natürlich für den Kampf gegen die faschistischen Truppen und gegen blinden Pazifismus. Im Verlauf des Buches geht er stark auf die Grabenkämpfe innerhalb der Milizen ein; er nimmt, obwohl er nicht in der CNT (Anarchistische Gewerkschaft Spaniens) kämpft, Stellung für sie ein und gibt den Kommunisten die Schuld für die Kämpfe innerhalb der eigenen Reihen. Dies ist auch der Anfang seines Misstrauen gegen den stalinistischen Kommunismus, der dann in seinem Buch "Farm der Tiere" märchenhaft aufgearbeitet wird. Alles in Allem gibt dieses Buch einen guten Überblick über den spanischen Bürgerkrieg, auch beschreibt er die politische Situation sehr genau. Sehr empfehlenswert!

Diese Rezension von Josef Fromholzer fanden 7 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen nüchtern und trocken - höchst amüsant !

In typischer britischer Manier (trocken und amüsant)schreibt Orwell über seine Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg, auf der Seite der Linken, gegen Franco (natürlich!) - aber was heißt das schon. Wir lernen von George Orwell, daß die verschiedenen Linken Parteien in Spanien untereinander genauso zerstritten waren, wie mit ihren Kriegsgegnern. Orwell läßt sich davon nicht beeindrucken, erwähnt es nur nüchtern, unterdrückt eine weitergehende Wertung dessen. Herrlich auch, wie er die spanische Art Krieg zu führen beschreibt - und zwischen den Zeilen schon erwähnt, dass das nun die Engländer oder auch die Deutschen besser können. Bedienen auf der Gegenseite deutsche Söldner die Maschinengewehre dann zieht Orwell den Kopf ein, bei spanischen Schützen nicht. Ich war überrascht, wie zügig man dieses Buch lesen kann. Sehr, sehr kurzweilig. Wer schon einmal in Barcelona war, wird es noch mehr genießen können.

Diese Rezension von Polygraph fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Von der ersten Zeile an....

…von Orwells Ankunft in der Kaserne der Loyalisten; von seinen Beschreibungen über die militärische Ausbildung, von seiner humorvollen und doch so wahren Analyse der spanischen Mentalität, und nicht zuletzt von seinen Beschreibungen des Grabenkriegs war ich gefesselt von diesem Buch.

Wiesoviele europäische Intellektuelle schloss sich auch Orwell bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs den Internationalen Brigaden an. Aber anders als beispielsweise Ernest Hemingway's "Wem die Stunde schlägt“ ist Orwells Bericht alles andere als ein Heldenepos; im Gegenteil: Die Lektüre dieses Buches stellt das eingebürgerte Verständnis des spanischen Bürgerkriegs gründlich auf den Kopf: In herkömmlichen Geschichtsbüchern hört man ja nur von "Faschisten“ und "Demokraten“ bzw. "Kommunisten“ – aber Orwell schloss sich erst der Brigade Demokratischer Sozialisten und dann den Anarchisten an. Und beobachtete aus erster Hand, wie die Divisionen der Roten Armee, die einen Sieg in diesem Bürgerkrieg allein für sich reklamieren wollten, brutal Jagd auf jeden machten, der kein sowjetischer Soldat war, bis der eigentliche Feind fast vollkommen aus den Augen verloren war. Die „Schlacht um Barcelona“ war kein Kampf gegen Franco – es war die Flucht der kleineren, schlechter ausgerüsteten Fraktionen vor den sowjetischen Panzern.

Man muss ein weiteres Mal den Mut und das große Talent George Orwells hervorheben, der mit einer unverwechselbar lakonischen Sprache große Historie an kleinere, persönliche Anekdoten aus dem Schützengraben knüpft. Und spätestens nach der Lektüre dieser Reportage muss einem auffallen, dass dieser Mann, den man für gewöhnlich nur mit "Farm der Tiere“ und "1984“ in Verbindung bringt, unbedingt eine stärkere öffentliche Würdigung erfahren muss.

Diese Rezension von Horst Leerch fanden 8 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Feind vorraus, ein Feind im Rücken.

George Orwell wohnte einem Ereignis bei, das die Leben aller Beteiligten stark prägte, so auch Orwell's. Es ist ein Roman, und die handelnde Hauptfigur ist fiktiv. Dennoch: Wohl das meiste, was dort mit der Hauptfigur passierte, erlebte Orwell persönlich.

Zum geschichtlichen Umriss: Die Geschichte der freiwilligen Brigaden, die antraten, gegen den Faschismus zu kämpfen, ist durchweg tragisch.

Die spanische Republik war noch neu, als ein spanischer General, mit der Macht der Adels, des Militärs, der Kirche putschte. Doch er hat die Rechnung ohne die spanischen Arbeiter gemacht. Sie forderten Waffen von der Republik, bekamen sie durch Druck auch , und wendeten vorerst den Putsch in einigen Regionen ab. Die CNT, eine mächtige anarchistische Gewerkschaft, und die POUM, eine links-marxistische Partei begannen in einigen Regionen (etwa um Barcelona) mit einer sozialen Revolution. Arbeiter übernahmen Betriebe, Landwirte vereinten sich in Kollektiven. Doch der Faschismus war nicht schwach, er unterjochte die eroberten Gebiete und griff den Rest der Republik an. Beliefert wurde er mit Waffen, Fahrzeugen, Flugzeugen und Soldaten zum Beispiel aus dem Deutschen Reich. Die Republik bat ihrerseits andere Europäische Staaten um Waffen, doch keiner dieser Nationen hatte erbarmen, keine außer einer: die Sowjetunion.

Sie lieferte mit Mexiko als einziger Waffen an den Rest der Republik.

Was geschah an der Front? Arbeiter und Bauern hatten sich freiwillig zu Milizen zusammen geschlossen und verteidigten mit ihrem Leben die Republik. Raum etwas zu essen, keine ordentlichen Waffen, so standen sie an der Front. Auch von hier berichtet Orwell. Er wurde an der Front verwundet, und kam ins Landes innere. Wo als Reaktion auf den Putsch zuerst Milizen sich bildeten, alle hatten den gleichen Sold, trat später die Volksarmee. Doch die Waffen wurden nicht besser, die meisten Gewehre aus Russland sind kaum zu gebrauchen. Dennoch hat Moskau mit ihnen ein Druckmittel. Und sie setzt es unverblümt ein. Längst sind sowjetische Agenten in Spanien. Nach und nach gewinnt die Sowjetunion an Einfluss, sie macht die soziale Revolution rückgängig, lässt die POUM verbieten, es gibt Säuberungen, Gefängnisse füllen sich mit Widerstandskämpfern und Revolutionären. Längst steht der Feind auch hinter der Front.

Auch Orwell muss aus Spanien fliehen, um sein Leben zu erhalten.

Der Widerstand scheitert. Das Schicksal vieler Brigadisten ist schrecklich, die die nicht in den Untergrund oder nach Amerika flüchten konnten, kamen in Lager in Spanien, Frankreich oder im Deutschen Reich um.

Orwell beschreibt also in diesem Buch den Aufenthalt in Spanien. Er meldet sich freiwillig für die POUM-Miliz. Er kommt an die Front. Seine Beschreibungen zeichnen ein Bild fern der romantischen Kriegssagen. Entbehrung, Mangel erfährt er.

Er wird verwundet, kommt später nach Barcelona. Er erlebt ein Bürgerkrieg im Krieg. Die CNT besetzt eine Funkstation, sie wird angegriffen, wohl von Stalinisten, und erobert. Es gibt sofort Straßensperren. Tagelange Gefechte zwischen Arbeitern legen das Leben lahm und Schwächen die schon äußerst schwache Republik. Am Ende wird die POUM dafür verantwortlich gemacht, und verboten. Orwell muss um sein Leben fürchten und muss fliehen.

Das Buch hat also einen enormen "Gefühlsbogen". Zuerst kämpft er mit Arbeitern aller Parteien und Organisationen zusammen gegen den Feind, der vor ihnen liegt. Die Entbehrung und die Schlechten Waffen schmieden sie zusammen. Doch als er ins Hinterland kommt sieht er ein völlig anderes Bild. Hier halten die Arbeiter sich die Waffen gegenseitig ins Gesicht. Es gibt sogar manche Einheiten der Republik, die bessere Waffen haben, als jene an der Front. Zorn wächst auch im Leser.

Dieses Buch ist die Grundlage, um 1984 und Animal Farm zu verstehen.

Auf jeden Fall lesenswert!

Diese Rezension von Joachim Kühn fanden 11 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Augenzeugenbericht der mitreißt

Schon längere Zeit beschäftige ich mich mit den "Wirren" des spanischen Bürgerkriegs. Von dem Augenzeugenbericht von George Orwell erwartete ich daher nicht allzuviel. Selten habe ich mich so getäuscht. Es gibt keine realistischere und mitreißendere Schilderung dieser Epoche Spanischer Geschichte. George Orwell vermittelt einem das Gefühl tatsächlich vor Ort zu sein. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages gelesen und später noch einmal. Es ist wirklich sehr faszinierend. Es ist tatsächlich eines der besten Bücher überhaupt. Auch wenn einen der Bürgerkrieg nicht interessiert so ist es dennoch ein hervorragend geschriebenes Buch.

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