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Das Buch ist ein lebendiges Zeugnis der sinnenfrohen italienischen Renaissance. Zehn Florentiner Adlige, die im Pestjahr 1348 aus der Stadt fliehen müssen, erzählen sich Geschichten, um sich die Zeit zu vertreiben. Ein anmutiges Spiel um die Verwandlungen des Eros und eine humorvolle Absage an alle Duckmäuserei und Engherzigkeit.
Ein wunderschönes, einzigartiges Buch.Diese Dünndruckausgabe des Decameron ist für jeden Liebhaber guter Bücher. Ich nehme es schon seit über einem Jahr immer wieder gerne zur Hand und werde nicht müde einzelne oder mehrere Geschichten immer wieder zu lesen. Die Übersetzung ins Deutsche ist wunderbar gelungen. Man spürt in der ausdrucksvollen Sprache die Hitze des Tages, die Lebenslust und die Unbekümmertheit der jugendlichen Erzähler während um sie herum in den Städten des 13. Jahhunderts die Pest wütet und sie sich mit 100, teils lustigen, teils traurigen Geschichten die Zeit vertreiben. Es sind - jede einzelne - wunderbare Geschichten die einen das Mittelalter zur Zeit der Pest ganz nah und authentisch erfahren lassen - nicht zuletzt auch durch das Talent eines der grössten Poeten unseres Jahrtausends.
Klassiker der italienischen LiteraturDie Novellensammlung "Dekameron" des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio ist eines der ersten Werke der Weltliteratur, in dem nicht nur aristokratisch-höfische Figuren, sondern auch einfache Leute in ihrem mittelalterlichen Alltagsleben und vor allem in ihren erotisch-komischen Verwirrungen geschildert werden. Das Werk besteht aus insgesamt 100 Novellen, die im Zeitraum von zehn Tagen von zehn Erzählern zur gegenseitigen Erbauung, Belustigung und Belehrung dargeboten werden. Daher auch der Titel des Werks: "Dekameron" bedeutet "Zehntage(buch)". Das "Dekameron" ist einem innerweltlichen Menschenbild verpflichtet, es steht mit einem Bein noch im Mittelalter und mit dem anderen bereits im Humanismus: Nicht mehr die göttliche Fügung lenkt die menschlichen Geschicke, sondern der Zufall - der allerdings durch List, Geistesgegenwart und Intelligenz beeinflusst werden kann. Als fundamental erweist sich immer wieder der Trieb, insbesondere der erotische Trieb, der in der Lage ist, jede religiöse oder gesellschaftliche Norm aus den Angeln zu heben. Das "Dekameron" ist auch heute noch, mehr als 650 Jahre nach seiner Entstehung, eine vergnügliche Lektüre.
Ein wundervolles und bisher unerreichtes Buch von um 1350Man braucht nicht einmal italienisch zu können, um, wenn man die vorliegende Übersetzung von Boccaccios "Dekameron" durch Karl Witte liest, zu merken, dass das ein italienisches Buch ist. Wittes Sprache perlt einem von den weißen Buchseiten entgegen wie ein apenninischer Gebirgsquell. Wen wundert`s - galt unser Übersetzer doch schon früh für ein Wunderkind. Zudem wurde er durch seinen Vater zu einem ordentlichen Arbeiter erzogen und wuchs so unter einem Stern auf, wie man ihn sich nur wünschen kann. Nun steht uns im "Dekameron" ein so wundervoll tiefes, weises und frommes Buch zum Betrachten zur Verfügung, dass man schon versucht sein könnte, es die Bibel der Neuzeit zu nennen. Immer, wenn man als neuzeitlicher Mensch im Innersten zu zweifeln beginnt, wenn man daran zu zweifeln beginnt, es sei ein Sinn in dieser Welt und es gebe moralische Grundsätze, die nicht umzustoßen sind, braucht man nur Boccaccios "Dekameron" zur Hand zu nehmen und ein paar von seinen hundert Novellen zu lesen, um sogleich wieder vor der glatten, einfachen Wirklichkeit, vor den bloßen logischen Moralgesetzen zu erschaudern, die sich durch jedes menschliche Handeln hindurch ausmachen lassen und die schlechterdings nicht umzustoßen sind. Und das, obwohl gerade im "Dekameron" auf eine geradezu notorische Art und Weise Gut und Böse von den verschiedenen Seiten beleuchtet sind, obwohl sie in ihren unterschiedlichen Maskierungen und in ihren mannigfachen möglichen Verwandlungen vorgestellt sind.So hat man im "Decamerone" - der wohl nicht zufällig von einem Historiker geschrieben wurde - mehr oder weniger ein Lehrbuch des Frohmuts, gelingt es doch den zehn jungen Leuten, die sich in ihm zur Pestzeit in Florenz um 1350 auf ein Landgut zurückgezogen haben, immer wieder, Trauer und Freude in ihrem gegenseitigen Wechselwirken aufzuzeigen. So WOLLEN sie ausdrücklich reden, denn am Beginn eines jeden der zehn Tage, von denen unser Schmöker berichtet, nehmen sie sich - jeweils unter der Herrschaft eines von ihnen, der für einen Tag "König" oder auch "Königin" heißt - vor, je eine Geschichte zum Besten zu geben, die einem roten Faden folgt, welcher da etwa so lautet wie für den siebten Tag: "Es schließt des Dekameron sechster Tag, und es beginnt der siebente, an dem unter Dioneos Regierung von den Streichen erzählt wird, welche, sei es aus Liebe oder um sich aus einer Verlegenheit zu ziehen, Frauen ihren Männern gespielt haben, mögen nun diese es gewahr geworden sein oder nicht."Die einzelnen Novellen sind durch die Bank meisterhaft in ihrer Fabel, in ihrem Aufbau und allgemein in ihrer Kunstgerechtigkeit, so dass es einen nicht Wunder nimmt, wenn man zum Beispiel bei der Lektüre William Shakespeares den Eindruck bekommt, er habe einige seiner schönsten Stoffe - unter anderem Romeo und Julia - beim Italiener mitbekommen...
faszinierendes mittelalterliches PanoramaBoccaccio gehört mit Dante und Petrarca zu den bedeutendsten Schriftstellern, deren Werk den Ausgang des auch literarisch finsteren Mittelalters und den Beginn der Renaissance einläuteten.
Während Dantes Werk noch mehr dem religiösen Fühlen verbunden ist, wendet sich Boccaccio in seinem einzigen bedeutenden literarischen Werk voll und ganz dem Diesseits und dem Leben vor dem Tode zu.
Diese Geschichtensammlung, die mit Recht als eine der bedeutendsten der Weltliteratur gilt, ist unter zweierlei Aspekten von Interesse.
Erstens schildert sie den historischen Hintergrund, vor dem dieses grandiose Erzählpanorama entsteht, nämlich der Ausbruch der Pest im Florenz des Mittelalters. Vor dem Hintergrund einer an der Seuche dahinsterbenden Stadt entwirft Boccaccio ein soziologisches und psychologisches Panorama eines Gemeinwesens in einer Extremsituation, das seinesgleichen sucht. Allein diese Schilderungen des Florenz unter der grassierenden Seuche sind das Buch wert.
Vor dem Hintergrund der verheerenden Auswirkungen der Pest flüchten ein paar junge Männer und Frauen auf einen Landsitz, wo sie ihre Tage damit zubringen, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen, die das ganze Spektrum des mittelalterlichen Lebens abdecken (leider, so einer der wenigen Kritikpunkte, zu stark auf den Adel konzentriert) und zumeist frivolen Hintergrunds sind.
Abwechselnd bestimmt dabei jeder Erzähler bzw. jede Erzählerin für einen Tag das zentrale Thema.
Da es 10 ErzählerInnen sind, erstreckt sich die Erzählung über 10 Tage - daher der Name des Werks: Decamerone (Zehntagewerk).
Liebe und Leben, Spaß und allerlei Narreteien, Ehebetrug, Mut und Treue, aber auch Freundschaft, Freigebigkeit und Weisheit sind die Themen dieser umfangreichen Sammlung, die von Boccaccio kaum alle selber erfunden, sondern zum Teil aus früheren Erzählungen übernommen und überarbeitet sind.
Darunter finden sich einige, die die weitere europäische Literatur beeinflusst haben, unter anderem die Quelle für Lessings Ringparabel oder die Vorbilder für Balzacs "Tolldreiste Geschichten".
Auffällig für diese Erzählungen ist die gedankliche Freiheit und das Fehlen von Prüderie, welches man zuletzt aus der römischen Literatur kannte, und das allzu offene Verspotten des Klerus, dessen Habgier, Betrügereien und sexuelle Gewohnheiten in aller Deutlichkeit nachgezeichnet werden. Nicht umsonst hatte Boccaccio zu seiner Zeit mit einigen Anfeindungen zu kämpfen.
Auch wenn das Niveau der einzelnen Erzählungen mit der Länge derselben schwankt und sich das eine oder andere Motiv wiederholen mag, verblasst diese Kritik vor der überwältigen Lebendigkeit und Faszination des gesamten Panoramas.
Man sollte hier aber unbedingt zur kompletten Ausgabe des Werkes greifen - und nicht eine der "Best of"-Geschichtensammlungen erwerben -, um die volle Komplexität und Bedeutung dieser Sammlung zu würdigen, die bis auf den heutigen Tag ihre Frische und Lebendigkeit unvermindert bewahrt hat.
Ein Klassiker der italienischen Literatur,,Das Dekameron'' von Giovanni Boccaccio ist ein wirklich beeindruckendes Werk, sowohl was die Anzahl der Seiten als auch oder vor allem die Vielfalt und sprachliche Schönheit betrifft.
Es teilt sich in eine Art Rahmen- und Binnenhandlung. Erstere beschreibt wie zehn junge Leute aus dem verseuchten Florenz aufs Land fliehen und dort zwei Wochen lang das Leben genießen. Jeden Tag wird einer von ihnen zum König beziehungsweise zur Königin gewählt und legt ein Thema fest zu dem dann jeder der Anwesenden eine Geschichte erzählt. Diese insgesamt hundert Geschichten bilden die Binnenhandlung.
Hauptsächlich geht es um das Verhältnis zwischen Frau und Mann, doch allein das wird in den einzelnen Geschichten auf verschiedenste Weise dargestellt: Diener und Herrin, Ehemann und Gattin, Knecht und Magd, Abt und Prostituierte...die Liste ließe sich noch um einiges erweitern. Es gibt allerdings auch lustige Geschichten von Streichen, die sich gute Freunde spielen und fabelhafte Lehrerzählungen zu Tugend, Moral und Nächstenliebe. Die Erotik ist ein Bestandteil vieler Geschichten, doch durch die größtenteils gehobene Literaursprache und die wirklich gelungenen Umschreibungen wirkt es niemals ,,billig''. Andere Erzählungen erinnern fast schon an Märchen und wieder andere an antike Dramen. Die Geschichten variieren in ihrer Länge von kurz bis sehr lang und lassen sich gut auch einzeln lesen. Eine sehr berühmte Geschichte diente unter anderem Gotthold Ephraim Lessing als Vorbild für seine Ringparabel in ,, Nathan der Weise''.
Insgesamt kann ich dieses Werk nur loben und jedem empfehlen, es zu lesen. Es hat mir auf jeden Fall ein paar heitere Stunden beschert und auch wenn mir nicht alle Geschichten gefallen haben, so gab es doch genügend, die ich noch ein zweites Mal gelesen habe.