Jünger, Ernst

Das abenteuerliche Herz, Zweite Fassung

Das abenteuerliche Herz, Zweite Fassung
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Erscheinungsdatum: 2001-03
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 201
  • ISBN: 3129043713
  • EAN: 9783129043714
  • Amazon.de Verkaufsrang: 219.600
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Kallikles fanden 10 von 16 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wendepunkt in Jüngers Werk

Diese zweite Fassung des von "Das Abenteuerliche Herz" stellt einen Wendepunkt in Jüngers Werk da. Im Fordergrund stehen für ihn vor allem Naturbeobachtungen und Traumsequenzen, das politische Element ist aus diesem Werk verbannt. Es ist ein ausgesprochen surreales Erlebnis, wenn man das "Abenteuerliche Herz" liest, als wenn Dali ein Gemälde in Wörter und Tinte umgewandelt hätte. Ein Stück "Innere Emigration" und Abwehrhaltung zum "absurden" Nationalsozialismus ist dieses Buch, eine Tendenz, welche in den nachfolgenden Büchern "Auf den Marmorklippen" (1939) und "Gärten und Strassen" (1942) noch fortgeführt wird, bei den Marmorklippen schliesslich bis hin zur offenen Opposition gegen Hitler und das in einer Form, welche seinesgleichen suchte und fast schon an Tollkühnheit und Lebensmüdigkeit grenzte. Sein Sohn musste ja bekanntermassen den Preis bezahlen - er wurde von den Nazis in ein Strafbataillon nach Italien verlegt und fiel Partisanen in den Marmorbrüchen (!) von Carrara zum Opfer.

Diese Rezension von Thomas Dworschak fanden 9 von 28 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen Viel abenteuerlicher Unfug!

Hinter dem etwas schleierhaften Untertitel "Figuren und Capriccios" verbergen sich zahlreiche, nur wenige Seiten lange Gedankenspiele Jüngers, die er meist an einzelnen Wahrnehmungen, Träumen oder Studien aufhängt. Dabei verliert er sich meist in einem mystischen Wortschwall, dessen Sinn wohl nur denjenigen Lesern erblühen wird, die mit dem Autor sowieso auf einer Wellenlänge sind. Die Texte stammen zumeist aus den dreißiger Jahren, als Jünger noch ausdrücklich hinter Hitler stand - zumindest bis dieser an die Macht kam; bekanntlich widerte ihn dann die nationalsozialistische Massen- und Volksideologie an, was ihn nicht daran hinderte, weiter zu veröffentlichen (die endgültige Fassung vom "Abenteuerlichen Herz" ging 1938 in Druck).Jüngers philosophische Gedanken sind teilweise östlich geprägt, nämlich insofern, daß er stets hinter den Erscheinungen eine tiefere Einheit und einen höheren Sinn sucht, wobei er immer wieder größere Schwierigkeiten hat, sich klar auszudrücken, denn Allgemeinplätze machen sich oft dann im Text breit, wenn sich überraschende Erkenntnisse ankündigen, die somit dem Leser verschlossen bleiben (Beschiß!). Am deutlichsten kommt immer noch die aristokratische Einstellung Jüngers raus, der das niedere Volk verachtet und gerne aus dessen "rauchendem Blut" den "höheren Geist" einer neuen Epoche erstehen sehen will; dazu gesellt sich die Verherrlichung der Idee der Macht. Jüngers Scharfsinn ist unbestreitbar, aber er ist so kalt, gefühllos und unmenschlich, daß man dieses Werk an vielen Stellen am liebsten aus dem Fenster schmeißen möchte.

Das abenteuerliche Herz, Zweite Fassung



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