Heine, Heinrich

Die Harzreise

Die Harzreise
  • Verlag: Hamburger Lesehefte
  • Erscheinungsdatum: 2009
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 80
  • ISBN: 3872911589
  • EAN: 9783872911582
  • Amazon.de Verkaufsrang: 367.194
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Beschreibung von buecher.de

Im September 1826 unternahm Heine eine Fussreise von Göttingen durch den Harz bis nach Jena, von wo er schliesslich seine Reise nach Weimar zu Goethe fortsetzte. Seine Reiseeindrücke hielt er noch im selben Jahr unter dem Titel 'Die Harzreise' fest. Doch als reine Reisebeschreibung hätte 'Die Harzreise' sicher keinen Eingang in die Literaturgeschichte gefunden. Bekannt geworden ist das Werk durch seine versteckte Kritik an der Gesellschaft des Vormärz und der politischen Situation Anfang des 19. Jahrhunderts, d. h. in Zeiten der Restauration. Doch trotz seiner geschickten Vermischung von Natur- und Städtebeschreibungen und gesellschaftlicher und politischer Kritik wurde das Werk später, wie von Heine bereits befürchtet, durch die preussische Zensur stark entstellt. So schrieb er bereits vor der Zensur in seinem typisch sarkastischen Ton: 'Ich bin neugierig, wie viel Tannenbäume die Censur auf dem Oberharze streichen wird'. 'Die Harzreise' begründete eine Reihe von Reisebildern, auf die später noch der Titel 'Die Nordsee' und das bekannte Versepos 'Deutschland. Ein Wintermärchen' (beide ebenfalls als Hamburger Lesehefte erhältlich) folgen sollten. Worterklärungen und ein Nachwort mit Informationen über Leben und Werk Heinrich Heines vervollständigen die Ausgabe.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 38 von 38 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen urkomische Reisegeschichte

Heinrich Heines „Harzreise" gehört zu der Reihe der Reisebilder, die Heinrich Heine in sehr frühen Jahren seines literarischen Schaffens schrieb. Genaugenommen beschreibt diese Reiseerzählung seine Reise von der Göttingen durch den Harz über den Brocken bis hin nach Ilsenburg. Eine Reise, die bei Göttinger Studenten zu dieser Zeit üblich war. Geschrieben hat er diesen Text während seines zweiten Aufenthalts an der Göttinger Universität zwischen 1824 und 1825. Es ist ein prosaischer Text, der vor Ironie und Sarkasmus den Menschen gegenüber nur so zu strotzen scheint. In den Text eingewoben sind einige wenige lyrische Abschnitte, sprich Gedichte, die sich bemerkenswerterweise vorzüglich in den Text einfügen. Das berühmteste dieser Gedichte ist sicherlich „Die Ilse" kurz vor Ende des eigentliches Textes und kurz vor Heines Ziel in diesem Buch, Ilsenburg. Es ist tatsächlich möglich, Heinrich Heine auf seiner Reise zu folgen, seine Übernachtungsstationen nachzuvollziehen. In diesem Sinne ist es eine tatsächliche Reisebeschreibung, sollte auch als eine solche verstanden werden, trotzdem sie diese wunderbaren spitzfindigen ironischen Einschübe enthält. Jeder, der dieses kurze Buch liest, wird es lieben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Diese Rezension von Reh auf dem Hügel fanden 6 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Charmante feuilletonartige Reisebeschreibung

Heine trägt während seiner "Harzreise" recht schwere Gedanken im Hirn, er schweift aus und kommt vom Hundertsten ins Tausendste, und das ist dann unser Glück, dass er seine Beobachtungen (im optischen und geistigen Sinn) auch aufschreibt. Darin sind Heine und Herder einander ähnlich, nur ist Herder mehr human und weniger spöttisch als Heine, weshalb ich ihn auch bevorzuge. Heine aber hat auch wahrhaft edle Gedanken. Und wie er diese Tiefsinnigkeiten inmitten der wunderbaren Reiseerlebnisse einstreut, ist sehr schön, und selbst wenn sie manchmal sehr gemein sind, muss man wohl einigemale unwillkürlich lächeln, weil er die witzigsten Wörter findet. Sein Stil ist feuilletonartig, vergleichbar vielleicht mit Fritz Reuter oder Kurt Tucholsky, nur dichter und konzentrierter, ja, besser.

Nur stimmt meine Gesinnung nicht mit der seinigen überein, vor allem stört mich, dass er in vielen guten und bösen Dingen das "Deutsche" sieht, der Rest sei französisch, italienisch, britisch, oder sonst wie. Aber gibt es nicht eine Nibelungentreue auch in Japan, eine Gretchenfrage auch in Australien, und einen Nürnberger Trichter auch auf Island? Dennoch gebe ich Heine fünf Sterne, weil er so charmant und schön schreibt, und mir eine sehr kurzweilige Lektüre beschert hat, weswegen ich ihm sehr dankbar bin.

Diese Rezension von Marco Hoenig fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Reisen um an "Lebenstiefe" zu gewinnen, wider die pure "Lebensbreite"

Heine mochte Göttingen wohl nicht. "Gelehrtes Sibirien" nannte er es. Es zog in hinaus in den Harz, in die Natur, weg von der Stadt, ein zunächst fast schon metaphorisches Bild. Heine, mit dem Studium mehr als unzufrieden und innerlich wohl schon auf eine Entscheidung gegen die Universitätskarriere einschwenkend, will also den Harz bewandern und auf der Fuß-(!)Reise einen großen Abstecher nach Weimar zu Goethe machen. Der Harz, die Natur, das bewegt und beschäftigt ihn; Goethe und er haben sich nur wenig zu sagen als sie sich treffen.

Heine ist kein Naturidealist, dennoch atmet er physisch und psychisch auf, als er die Stadt hinter sich lässt. Diese holt ihn allerdings in nächtlichen Träumen wieder ein. Ein Hell/Dunkel, Tag/Nacht, Schön/Abscheu Dualismus entwickelt sich im Text. Er beginnt zu dichten; über Bergleute, Schäfer, Berge. Er gewinnt wieder von der "Lebenstiefe" zurück, die ihn die "Lebensbreite" das Studium in Göttingen gekostet hatte. Ihn dabei zu begleiten,... da kann man schon mal ein paar Stündchen mit verbringen.

1 von 5 Sternen als Reiseführer unbrauchbar

Wer etwas über den Harz erfahren möchte, sollte lieber zu anderen Büchern greifen, denn es wird enttäuschend wenig darüber erzählt. Wie Heine selbst zugibt, kann er Göttingen nicht leiden und scheint auch sonst schlechte Laune gehabt zu haben. Die wenigen netten Naturschilderungen sind oft nicht harzgebunden und könnten genausogut aus einem anderen Mittelgebirge stammen.

Auch als Erzählung an sich fand ich die Harzreise unergiebig: weder spannend, noch erbauend oder nachdenkenswert. Man lernt einen zynischen, überheblichen und moralisch fragwürdigen Ich-Erzähler kennen: dieser führt Reisende, die ihn um Rat fragen, bewußt in die Irre, äußert sich abfällig über andere ("der Herr Wirt mit seinem langen, überflüssigen Gesicht"), stiehlt Blumen von Fensterbänken, erzählt, mit welchen Behauptungen man Frauen rumkriegt, die er offenbar nicht als zu respektierende Personen wahrnimmt, verschafft einem Mitreisenden mit der Lüge, er schlafwandele, eine schlaflose Nacht, lästert über dichterische Versuche anderer ("welch Greuel entstehen, wenn der große Philistertross...sich vorgenommen hat, poetisch zu werden") und verkennt dabei, dass nur auf dem Boden eines breiten literarischen Interesses vieler nicht so begabter auch einzelne große Dichter entstehen -und ihren Unterhalt bestreiten- können. Am lustigsten fand ich noch das Trinkgelage auf dem Brocken, wo zwei Studenten eine gelbe Hose im Schrank für den Mond halten. Ich kann für Heine nur hoffen, dass er hier nicht wirklich von sich selbst spricht!

Heine bezeichnet die Harzreise als ein Fragment, welches nur durch später zu schreibende Werke zusammen "das Mangelnde ergänzt, das Schroffe ausgeglichen und das Allzuherbe gemildert werden" kann. Wie wahr.

Mein Fazit: muss man nicht lesen.

Tipp: kaufen Sie die bei Amazon erhältlichen Reisebilder von Heine, da ist die Harzreise auch mit drin.

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