Meyrink, Gustav

Der Golem

Der Golem
  • Verlag: Ullstein Tb
  • Erscheinungsdatum: 2003
  • Format: Sondereinband
  • Umfang: 296
  • ISBN: 3548201407
  • EAN: 9783548201405
  • Amazon.de Verkaufsrang: 163.476
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Beschreibung von buecher.de

Die berühmte Legende vom künstlichen Gehilfen aus Lehm, der in Prag einst vom hohen Rabbi Loew erschaffen wurde, wird in diesem Klassiker der phanatastischen Literatur zur magisch-bedrohlichen Gegenwart.
Der Gemmenschneider Athanasius Pernath gerät dabei in mörderische Verwicklungen.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Zusammen mit Hanns Heinz Ewers und Karl Hans Strobl bildete Gustav Meyrink zur Zeit der Weimarer Republik das berühmte "Dreigestirn" von Verfassern unheimlicher Fantastik in Deutschland, deren auflagenstarke Bücher man heute "Bestseller" nennen würde. Während Strobls Werk mittlerweile (zu Unrecht) weitgehend vergessen ist und Ewers' Kotau vor dem Nationalsozialismus seine Wiederentdeckung nach dem Zweiten Weltkrieg erschwert hat, erfreuen sich die Geschichten und Romane von Gustav Meyrink eines anhaltenden Interesses. In Der Golem, einem Schlüsselroman des Expressionismus in Deutschland, träumt ein anonymer Erzähler von allerlei wunderlichen Ereignissen. Athanasius Pernath ist sein Name, er lebt als Gemmenschneider im jüdischen Getto von Prag und wird in zahlreiche Intrigen verwickelt und von Halluzinationen und Wahnvorstellungen heimgesucht. Durch ein Komplott des Trödlers Aaron Wasserturm gerät er unter Mordverdacht, muss ins Gefängnis, wo er dahinsiecht und alle Hoffnung aufgibt, bis er unerwartet entlassen wird und mit ansehen muss, wie das Getto abgerissen wird. Seine Freunde von einst sucht er vergebens, bis er schließlich abstürzt -- und erwacht, um festzustellen, dass er keine Stunde geschlafen hat. Doch können all seine Erlebnisse wirklich nur ein Traum gewesen sein? Pernaths Spurensuche liefert Indizien, die auf das Gegenteil schließen lassen. Die Vorarbeiten zu Der Golem begann Gustav Meyrink (eigentlich: Meyer) bereits 1907, doch der Roman erschien erst 1913/14, zunächst in Fortsetzungen in der Zeitschrift "Die weißen Blätter", 1915 dann in Buchform. Obwohl der Titel auf die alte jüdische Legende vom aus Ton geschaffenen Menschen anspielt, hat der Roman selbst damit nur am Rande zu tun. Für Meyrink ist der Golem ein Symbol für den Geist des Prager Judengettos, das in seiner anthropomorphen Architektur detailliert und mit expressionistischer Sprachgewalt heraufbeschworen wird. Daneben zeigt das Buch eine Neigung zum Okkultismus, die in späteren Romanen Oberhand gewinnt -- was den Büchern nicht zum Vorteil gereicht. Der Golem ist bis heute Meyrinks bekanntester Roman geblieben -- verdientermaßen. Er erlebte seit seinem Ersterscheinen unzählige Neuausgaben und Auflagen. --Joachim Körber

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Werner Fletcher fanden 28 von 28 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Lohnende Neuauflage eines Klassikers der Phantastik

Ein Bestseller zu seiner Zeit, dann vom wetterwendischen Zeitgeist etwas in den Hintergrund gedrängt, aber immer wieder dem Sumpf des Vergessens entrissen durch ein neu aufflammendes Interesse an seiner tiefgreifenden Mystik sowie an seinem latenten Okkultismus, der in Meyrinks späteren Werken immer breiteren Raum einnehmen sollte. Wie die Titelfigur des Romans, der Golem, immer wieder durch die engen Gassen des alten Prager Judenviertels geistert, so erlebte und erlebt dieses Buch Auflage um Auflage. Und dies völlig zu recht, wie ich meine. Die atmosphärische Dichte des Romans fasziniert immer wieder; Magie, Mystik und Gnosis geben sich auf seinen Seiten ein befruchtendes Stelldichein. Meyrink beschwört den Geist einer zauberischen Romantik herauf, die den Leser seltsam anrührt.Meyrinks Sprache vermag selbst toten Gegenständen auf wundersame Weise Leben einzuhauchen, angefangen vom Mond und den Steinen Anfang des ersten Kapitels bis hin zu den "mißfarbigen Häusern, die wie verdrossene alte Tiere im Regen nebeneinanderhockten."Das vorherrschende Motiv im Golem ist das Bewußtsein der Einkerkerung des Menschen in eine Welt des Begrenzten, und sein Bestreben, diese Grenzen zu überschreiten; seiner eigenen Existenz sowie seiner Rolle in der wahrgenommenen wie auch in der unwahrgenommenen Welt neue Facetten abzugewinnen. So steht das alte Prager Judengetto auch für Meyrinks inneres Getto, dem er Zeit seines Lebens trachtete, zu entfliehen.Mich hat dieses Buch immer wieder von Neuem fasziniert und ich möchte es denen empfehlen, die einen Hang zum Mystischen, Gespenstischen, zur dunklen Seite der Romantik haben und es dennoch nicht kennen sollten. Und es lohnt auch, sich unter ästhetischen und stilistischen Aspekten mit diesem Werk zu beschäftigen, und da kann ich Günter Kunert eben nicht beipflichten, wenn er den Roman mit "stilistisch Konventionellem, Klischeehaftem und Schablonierten" behaftet sieht. Auch seinen bei Meyrink vermuteten Antisemitismus sehe ich nicht unbedingt.Kurz und gut, eine in jedem Fall lohnende Wiederentdeckung eines (ehemaligen) Klassikers der phantastischen Literatur.

Diese Rezension fanden 24 von 25 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Buch mit Krallen

Bitte entschuldigen sie, dass ich hier auf eine Nacherzählung des Buches verzichte, aber es würde überhaupt keinen Sinn ergeben (wenn sie eine Inhaltsangabe wünschen, so lesen sie bitte die anderen Reznsionen).Die Geschichte ist fesselnd, spannend und vieles mehr. Aber das Wichtigste ist, dass sie es vermag, etwas im Leser zu wecken. Nämlich die Sehnsucht, weiter zu forschen. Der wichtigsten Figur (Athanasius Pernath) wird vom sagenumwobenem Golem das Buch "Ibbur"(Seelenschwängerung)überreicht. Pernath nimmt es und liest darin,"seine Seele wird schwanger vom Geist des Lebens". Ich wage es, zu behaupten, dass Meyrink mit "Der Golem" selbst eine Art Buch Ibbur geschaffen hat. Ich habe viel über diesen außergewöhnlichen Autor und seine Werke gelesen, doch kein Rezensent und kein Literaturwissenschafter können die Bedeutung und den Sinn seiner Werke auch nur annähernd zufriedenstellend erklären. Meyrink vermischt in diesem Roman die jüdische, teilweise auch die ägyptische Mystik mit buddistischer Weisheit auf dem naturalistischen Nährboden des Prager Judenviertels des 19.Jahrhunderts. Für mich persönlich weist die "Vermischung" diser Religionen und Philosophoien auf den gnostischen Gedanken, dass alle Glaubensrichtungen den gleichen Anfang und das gleiche Ende haben. Ich halte auch das im Roman dargestellte Leben des Pernath für ein Beispiel des gnostischen Ideals aktiv an seinem Geist zu arbeiten und zu forschen.....Oft scheint es, als würde der Autor dem Leser Fragen stellen, als gäbe er ihm Aufgaben auf, als wolle er seinen Geist prüfen...dieses Buch gibt Antworten auf viele Fragen, aber es läßt noch mehr offen. "Realistischen" Menschen wird dieses Buch wirr, klischeehaft vielleicht sogar oberflächlich vorkommen. Für Menschen, die wissen, dass die Realität nicht immer das ist, was sie zu sein scheint, wird dieser Roman allerdings eine Bereicherung ihres geistigen Lebens sein.....aber Vorsicht!: Meyrink läßt nicht mehr los.Es gäbe noch so vieles, was ich über G.Meyrink und über "Der Golem" zu sagen hätte, aber all das hat hier leider keinen Platz. Vielleicht ist ihnen aufgefallen, dass dieses Buch mich zu einer "Suchenden" gemacht hat, und das wird es auch mit ihnen tun. Alleine aus diesem Grund ist es lesenswert......

Diese Rezension fanden 9 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Geniale Bearbeitung eines genialen Buches

Über die inhaltlichen, stilistischten und sprachlichen Qualitäten von Meyrinks Golem brauche ich mich hier nicht ausführlich zu äußern: Alles, was in den anderen Kritiken dazu geschrieben wurde, ist richtig. Dies ist eines der eindrucksvollsten Bücher, die ich je gelesen habe, und es hat mich nie mehr ganz losgelassen. Nicht weil mich Meyrinks Philosophien besonders beeindrucken würden (sie sind vielmehr zumindest da, wo er sie in die Breite tritt, die Schwachstellen seines Werkes), die Meyrink selbst zum Teil übrigens auch nur als Mittel zum Zweck betrachtete, um die Atmosphäre seiner Schriften zu schaffen. Diese intensive Atmosphäre ist es eben, die unvergeßlich bleibt und die er in keinem seiner späteren, teilweise auch eindrucksvollen Romane (die aber hier und da von seinen Weltanschauungen arg überfrachtet sind)nie mehr so dicht und fesselnd erreicht hat. Im Golem begegnet uns die Wirklichkeit des Traums. Die Hörspielbearbeitung hält sich an den Wortlaut des Romans und auch an dessen Schwerpunktsetzung und Handlungsführung, wenngleich sie natürlich nicht so verschachtelt sein kann wie die Vorlage und auch manche Motive ganz weglassen muß. Der Roman ist kongenial ins fremde Medium übertragen worden, bis in die kleinsten Nebenrollen füllen die Sprecher ihre Charaktere hervorragend aus, gerade der Sprecher des Athanasius Pernath ist schlicht und ergreifend atemberaubend, und die stimmungsvolle Musik tut ihr übriges. Ich bin mir nicht sicher, ob das Hörspiel für Leute, die den Roman nicht gelesen haben, in seiner Gänze nachvollziehbar ist, aber das fällt nicht weiter ins Gewicht, da der Hörerkreis wohl fast ausschließlich aus Lesern Meyrinks bestehen wird.Diese Adaption ist ein Meisterwerk und wird der übermächtigen Vorlage mehr als gerecht.

Diese Rezension von Mc Bigmac fanden 8 von 8 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Vorhang auf für...

... den GOLEM - eins der wenigen Meisterwerke der phantastischen Literatur in deutscher Sprache!

Es ist die Zeit um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert. Meyrink führt uns mit "Der Golem" mitten ins alte Prag, ins jüdische Ghetto mit seinen verwinkelten, engen, schmutzigen Gassen, dunklen Räumen - hinein in ein Labyrinth der Schatten, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, wo sich Traum, Fantasie und Wirklichkeit geheimnisvoll und fast undurchschaubar vermischen und den Leser in eine Welt von ganz eigenem düsteren Flair entführen.

Der anonyme Erzähler der Geschichte, zu Besuch in Prag, hat vor dem Zu-Bett-Gehen in einem Buch über das Leben Buddhas gelesen, fällt in einen unruhigen Schlaf, der ihn in eine Traumwelt gleiten lässt, in der er Ereignisse, die sich vor mehr als 30 Jahren im Prager Judenviertel zugetragen haben, erneut durchlebt.

"Der Golem" will "erlesen" und erfahren werden. Liebhaber von tiefgründiger phantastischer Literatur mit einer Prise Schauerroman, einem Hauch Okkultismus und einer gehörigen Prise Mystik (deren manchmal surreale und häufig auch bedrohliche Szenen an Kafka erinnern) kommen mit diesem Roman voll auf ihre Kosten.

"Der Golem" ist im wahren Sinne ein Klassiker der phantastisch-mystischen Literatur und neben Meyrinks “Der Engel vom westlichen Fenster” etwas vom Besten, was es in dieser Sparte gibt!

Diese Rezension von Harry McMartin fanden 11 von 12 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Unheimlich

Dieser Roman entstand 1913/14 und wurde von mehreren Verlagen abgelehnt und erschien zunächst in einer Zeitschrift mit dem sinnigen Namen DIE WEISSEN BLÄTTER. Aber okkulte Mächte scheinen sich bereits früh um den Autoren gekümmert zu haben. Die schließlich vorgesehene Auflage eines mutigen Verlags von ZWEITAUSEN Exemplaren betrug plötzlich aufgrund eines Versehens, von wem auch immer, ZWANZIGTAUSEND, und die fand reißenden Absatz. Innerhalb von zwei Jahren mutierte das Buch zu einem Bestseller mit verkauften EINHUNDERTFÜNFUNDVIERZIGTAUSEND Stück.

Etwas von dem Autoren so gerne träumen. An dem Pseudonym Meyrink (eigentlich Gustav Meyers) wird es nicht NUR gelegen haben.

DER GOLEM zählt heute zu den Klassikern der phantastischen Literatur und diejenigen, die einen Faible für diese Art der Literatur hatten oder haben, kennen den Autoren selbstverständlich.

Alleine schon die Kapitelüberschriften sind so anders als sonst. Da heißt es beispielweise: Schlaf / Tag / Nacht / Spuk / Angst / Qual / Frei usw.

DAS MONDLICHT FÄLLT AUF DAS FUSSENDE MEINES BETTES UND LIEGT DORT WIE EIN GROSSER, HELLER, FLACHER STEIN. ... ICH SCHLAFE NICHT UND WACHE NICHT, UND IM HALBTRAUM VERMISCHT SICH IN MEINER SEELE ERLEBTES MIT GELESENEM UND GEHÖRTEM, WIE STRÖME VON VERSCHIEDENER FARBE UND KLARHEIT ZUSAMMENFLIESSEN.

So fängt es an. Der Erzähler glaubt, der gut vierzig Jahre alte Athanasius Pernath zu sein, der in der Hahnpasspassage im Prager Judenviertel wohnt und es als Gemmenschneider und Ausbesserer von Antiquitäten zu einem Bankkonto gebracht hat.

Auf den Folgeseiten vermischen sich die Grenzen zwischen Fantasie, Traum und Wirklichkeit und ständig geschieht etwas Unerwartetes und der Erzähler ist nicht der, für den er sich hielt.

Unheimlich. Mehr? Lesen. HMcM

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