Jean Paul

Titan

Titan
  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2006-12-19
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 903
  • ISBN: 3458323716
  • EAN: 9783458323716
  • Amazon.de Verkaufsrang: 222.738
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Stefan Proust fanden 20 von 22 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Der vergessene Dichter

Goethe nannte ihn ein "kompliziertes Wesen","Man schätzt ihn bald zu hoch, bald zu tief, und niemand weiß das wunderliche Wesen recht anzufassen". Schiller fand ihn "fremd wie einer, der aus dem Mond gefallen ist", und doch galt Jean Paul zu seiner Lebzeit als einer der beliebtesten Schriftsteller beim deutschen Lesepublikum, besonders beim weiblichen. Dann geriet der Außenseiter in der deutschen Literatur in Vergessenheit und erst ein Hinweis von Stefan George und Karl Wolfskehl weckte ein erneutes Interesse für die Person und das Werk Jean Pauls. Jean Paul war ein Vielschreiber und Werke wie der Titan in einem Umfang von 900 Seiten sind beim ihm keine Seltenheit. Im Titan geht es wie fast in allen seinen Werken um die Liebe eines Jünglings, verwiirende Familiengeschichten, Betrug, Geheimnisse, Leben und Tod. Das Besondere bei Jean Paul ist dass er seine Figuren mit einer zärtlichen Liebe beschreibt und begleitet,so dass er auch bei weniger guten Figuren, nicht den Richter spielt. Wichtig für das Verständnis seiner Werke scheint mir seine Biographie zu sein. Jean Paul hat nämlich, bevor er zu schreiben angefangen hatte, Theologie studiert und das Studium nach kurzer Zeit abgebrochen.So findet sich in seinen Werken eine innige Gottesliebe, gläubige, inbrünstige Naturbeschreibungen und der Glaube an die Unsterblichkiet des Menschen. Viele Jean Paul-Leser beklagen sich über die vielen Verwirrungen und Entgleisungen in seinen Werken und über die schwierige, zum Teil unverständige Sprache. Was die Sprache anbetrifft, so darf man nicht vergessen dass Jean Paul seiner Werke zu Beginn des 19.Jahrhunderts schrieb, wobei ich sagen muss, die Sprache war mir überhaupt nicht unverständig. Auch mit den Entgleisungen ist es nicht weiter tragisch. Ab und Zu flicht er ein "Extrablättchen" oder einen Brief ein, die aber immer im Zusammenhang mit der Geschichte stehen. Hervorragend im Titan ist, wei Jean Paul eine Entjungferung und einen Selbstmord vor lauter Publikum beschreibt. Obwohl Jean Paul in der deutschen Kritik fast vollständig ignoriert wird, zählt er zu meinen Lieblingsdichtern Deutschlands neben Heine und Goethe, auch aufgrund seines großen Herzen für die Menschheit und die Erde.

Diese Rezension von Klaus Grunenberg fanden 9 von 12 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Geistige Anstrengung

Nach seinem großartigen Werk TITAN hat der Autor damals angeblich ein Verlangen nach kleineren und " reinen Spaßmysterien" gehabt und das ist auch verständlich.

Denn dieses großformatige Buch ist wirklich eine Arbeit, die uns auch heute noch in den Bann schlägt.

In welchen Bann?Schon allein die Sprache, deren Jean Paul sich bemächtigt, ja, gerade so ist es, diese Sprache erschlägt uns Leser auch heute noch fast und das Lesen wird somit zu einer echten Arbeit.

Weil man eben nicht alles gleich versteht und vielleicht erst einmal eines seiner kleineren Werke, etwa "Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz" durchgearbeitet haben sollte.Im TITAN aber klingen genau derartige Thesen, Gedanken, Vermischungen und dergleichen zutage. Und wir werden in eine Zeit hineingeführt, die wir dann zu verstehen beginnen.Die Menschen sind eitel und großformatig im Begehren, die Menschen machten sich seinerzeit auf den Weg in eine Zukunft, die heutzutage natürlich bereits überholt ist und von gewaltigen Kriegen und Umwälzungen geprägt.Und trotzdem, ändert sich das Denken, das Wollen und Können des Menschen wirklich?

Nach dem langsamen Genuß dieses herrlichen und einmaligen Werkes werden manche Leser sagen, so sind wir und so bleiben wir, nämlich eigenartig und wundersam.Jean Paul aus Wunsiedel aus der Zeit Goethes und Schillers zeigt es uns, wie wir sind und einige der besten Romanciers der Gegenwart nehmen ihn gern zum Vorbild.

4 von 5 Sternen Beeindruckender Sprachstil, aber etwas verschwenderischer Gebrauch romantischer Bilder

Das Werk verdient gewiss seinen Platz in der Weltliteratur. Doch trägt das Lesen mehr zur Bildung bei, als dass es besonderen Unterhaltungswert besäße. Mehr die Art wie Jean Paul Sprache und Ausdruck beherrscht, ist erbaulich, als das was er schildert. Inhaltlich ist die Geschichte sehr pathetisch und wirkt stellenweise etwas holprig konstruiert. Die weiblichen Personen sind alle dem romantischen Ideal Jean Pauls sehr nahe und damit zum Verwechseln ähnlich. Es mangelt an Realismus und lebensnaher Charakterisierung. Doch ist einzuräumen, dass es einem romantischen Schriftsteller hierum wohl weniger geht. Auch gewisse Landschaftsbilder - wie etwa die vom silbernen Mondlicht in zauberhaften Glanz getauchten Täler - kehren so oft wieder, dass sie ab Seite 500 durch Redundanz nerven. Und die zarten Gemüter der Protagonisten werden so oft zu Tränen gerührt, dass sie weniger edel, als schwächlich und neurotisch wirken.

Fazit: Ausdauernden Literaturfreunden sei es empfohlen, um ihren umfassenden Überblick der Weltliteratur zu ergänzen, doch minder ehrgeizige Leser sind mit weniger anstrengenden und dennoch lehrreichen Werken besser beraten.

Titan



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