Stevenson, Robert L.

Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde\The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde\The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde
  • Verlag: Dtv
  • Erscheinungsdatum: 1997-01
  • Bindung: Taschenbuch
  • Seitenzahl: 167
  • ISBN: 3423092009
  • EAN: 9783423092005
  • Amazon.de Verkaufsrang: 99.765
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Beschreibung von buecher.de

Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde' - dieser etwas behäbig klingende Titel läßt kaum vermuten, daß sich dahinter eine der aufregendesten Erzählungen der Weltliteratur verbirgt. Auch der Ruhm des Autors Robert Louis Stevenson, dessen Schatzinsel zu den berühmtesten Abenteuerromanen der Weltliteratur gehört, steht dieser Erwartung eher im Wege. Aber wirklich: Der seltsame Fall gehört zu den Schlüsseltexten unseres Zeitalters. Die Erzählung ist spannend wie ein Kriminalroman - und sie ist in gewisser Weise einer! Darum darf hier über ihren Inhalt auch nichts mitgeteilt werden. Wesentlich zu erwähnen bleibt die Neuübersetzung, die sich ganz besonders dicht in Wortlaut und Atmosphäre am Original orientiert. Das Original ist im Paralleldruck ebenfalls parat!

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Seidler Till fanden 19 von 20 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die Unmöglichkeit der Flucht aus sich selbst

Dr. Jekyll und Mr. Hyde, das ist eine Erzählung, eine sehr kurze zumal, deren Inhalt hinlänglich bekannt ist. Der zwar vordergründig sehr bieder wirkende, in Wirklichkeit zwar bisweilen rücksichtslos ausschweifend lebende Arzt Dr. Jekyll beschäftigt sich intensiv mit Paramedizinischer Halbwissenschaft. Ihm gelingt es, seinen Körper mit Hilfe eines Elixiers in die Schattengestalt des bösartigen Mr. Hyde zu verwandeln. Daß es sich bei Ihnen um die selbe Person handelt wird dem Leser von Anbeginn der Erzählung nicht ganz klar (falls er es nicht ohnehin weiß), er wird lediglich mit den Untaten des Mr. Hyde konfrontiert. Im weiteren Verlauf geht der Anwalt Mr. Utterson dem Fall nach und kommt dem Verhängnis auf die Spur. Schließlich bricht er zusammen mit dem Butler Poole in das Schlafgemach des Doktors ein und lüftet das Geheimnis. Mit Hilfe zweier aus der Perspektive eines Zeugen und aus der Sicht des Dr. Jekyll verfaßten Berichten kommt schließlich Licht in die unheilvolle Geschichte. Interessant ist, daß Dr. Jekyll die Verwandlung nur mit Hilfe eines verunreinigten Salzes gelang, die später bezogene reine Substanz vermag diese Verwandlung nicht herbeizuführen und das ist das Fatale: Dr. Jekyll ist gefangen im Körper des Unholdes Hyde und beendet sein Leben mit einer Dosis Zyankali kurz bevor sein Freund Utterson ihn findet. Die Erzählung an sich ist hervorragend, sie ist gar als Weltliteratur zu werten, der Stil ist excellent, die Charaktere pointiert. Das einzige, was fehlt, ist eine etwas genauere Beschreibung der Bösartigkeit des Mr. Hyde, Berichte seiner Untaten, seiner Verdorbenheit, ein Versäumnis, daß sich auch Oscar Wilde nachsagen lassen muß, dessen tragischer Held zwar als zunehmend böse und schwarzen Mächten verfallen geschildert wird, genauere Schilderungen aber leider fehlen. Das Buch beinhaltet eine klare Aussage: Der Mensch kann seinem Gewissen nicht entfliehen. Dr. Jekyll nimmt sich selbst nach der endgültigen Verwandlung in Mr. Hyde in dessen Gestalt das Leben. Das Buch ist eine Parabel, ähnlich wie der "Zauberlehrling" oder "Die Verwandlung", es ist ein zeitloses Stück Literatur nicht ohne Spannung, trotzdem der Leser um den dramatischen Konflikt weiß. Weltliteratur!

Diese Rezension von mnemosyne146 fanden 6 von 7 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Zurecht Weltliteratur

Es ist also doch möglich: Weltliteratur, die man gerne liest!

Obwohl der allgemeine Inhalt von Jekyll & Hyde relativ bekannt ist, war es trotzdem spannend, das Buch zu lesen. Bemerkenswert der Aufbau des Werkes: Die erste Hälfte des Buches läuft die Geschichte linear ab, und der Leser wird an die merkwürdigen Vorfälle herangeführt. Die zweite Hälfte besteht dann aus Jekylls Brief an seinen Anwalt, in dem er die ganze Sache im Nachhinein aufklärt. Der erste Teil ist also die Sicht des Umfeldes, der zweite Teil ist aus der Perspektive von Jekyll.

Sehr eindrucksvoll sind die Stellen beschrieben, die die Verwandlung von Jekyll und Hyde zeigen. Auch der Zwiespalt der beiden Wesen, und Jekylls Verzweiflung über seine "Schöfpung" wird deutlich dargestellt.

Diese Werk ist der eindrucksvolle Beweis, daß ein Buch tiefsinnig, hinterfragend und zum Nachdenken anregend sein kann, und trotzdem spannend und gut lesbar. Man muß kein Philosoph mit blühender Phantasie sein, um die Bedeutung dieses Werkes zu erkennen.

Diese Rezension von mnemosyne146 fanden 1 von 7 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Eine interessante Geschichte mit gut beschriebenen Karaktere

Dieses Buch enthält eine sehr ungewöhliche Erzählung über einen mysteriösen Fall, der ganz London beschäftigt. An diesem Buch hat mir die Person des Anwalt Mr. Utterson, der versucht das Geheimnis um Dr. Jeckyll und Mr. Hyde aufzuklären sehr beeindruckt. Mit viel Feingefühl will er den Beteiligten immer wieder wichtige Informationen entlocken. Insgesamt eine lesenswerte, spannende Kriminalgeschichte.

5 von 5 Sternen Viktorianische Doppelmoral, inszeniert als Großstadtschauer

Robert Louis Stevensons Erzählung "The Strange Case of Dr Jekyll" (1886) beginnt mit einem äußerst merkwürdigen Vorfall. Es wird berichtet, dass ein offenbar reichlich gewalttätiger Herr eine junge Dame im Vorübergehen beinahe zu Tode getrampelt hat. Es stellt sich heraus, dass der Fremde eine gewisser Mr. Hyde ist, was dem Anwalt Gabriel Utterson größte Sorgen bereitet, hat doch sein Freund, der angesehene Dr. Jekyll, verfügt, dass im Falle seines Todes oder seines Verschwindens all sein Besitz Mr. Hyde zufallen soll. Utterson stellt Untersuchungen an, wer nur dieser seltsame Mr. Hyde ist.

Allein schon sein Äußeres wirkt abschreckend und animalisch: "Mr. Hyde was pale and dwarfish, he gave an impression of deformity without any nameable malformation, he had a displeasing smile, he had borne himself to the lawyer with a sort of murderous mixture of timidity and boldness, and he spoke with a husky, whispering and somewhat broken voice; all these were points against him, but not all of these together could explain the hitherto unknown disgust, loathing, and fear with which Mr. Utterson regarded him. [...] God bless me, the man seems hardly human! Something troglodytic, shall we say?"

Mit solchen Charakterisierungen bezieht sich die Erzählung eindeutig auf Degenerationsdiskurse, welche im sich neigenden 19. Jahrhundert verstärkt betrieben wurden. Immerhin hatte Darwin die Evolution ein als nach beiden Seiten offenes Kontinuum beschrieben, das neben einer Fortschritt bedeutenden Evolution auch ihr Gegenteil, die Degeneration, als Möglichkeit vorsah. Im viktorianischen England glaubte man überdies, die menschlichen Züge seien anhand äußerer Anzeichen lesbar. Einer der Vorreiter solcher neuen "Wissenschaften" war der Italiener Cesare Lombroso. Seine forensische Phrenologie erlaubte es, Delinquenten anhand ihrer Schädelform erkennen zu können. Solche Schädelformen deutete Lombroso als Spuren einer füheren menschlichen Entwicklungsstufe, die gemeinhin als Atavismus bezeichnet wird.

Da nun Mr. Hyde solche Züge deutlich sichtbar trägt, weist ihn dies nicht nur per se als Verbrecher aus, sondern zugleich als vergleichsweise unkultivietes Subjekt, das dem Wertempfinden des viktorianischen Bürgertums nun ganz und gar nicht entspricht. Auch Utterson hat seine liebe Mühe, die große Abscheu gegenüber Hyde zu überwinden; als Hyde jedoch einen grausamen Mord begeht, ist Utterson gezwungen, tiefer in den Fall einzudringen. Ihm werden sich größte menschliche Abgründe offenbaren, vor allem wird sich Utterson in seiner festen Überzeugung täuschen, dass Mr. Hyde und Dr. Jekyll zwei verschiedene Menschen sind...

Fazit: Stevensons feine spätviktorianische Fallgeschichte über die niederen Elemente der menschlichen Seele ist fesselnd und bietet eine ganze Fülle kultureller Diskurse der Zeit auf. Das Genre der gothic novel kultiviert Stevenson meisterhaft weiter, indem er das Übernatürliche und Unheimliche aus wildromantischen Wäldern und mittelalterlichen Schlössern in die Großstadt verlegt. Doch sein urban gothic nimmt auch noch eine Reihe weiterer Degenerationsängste bzw. Dekadenzelemente vorweg, wie sie dann in den 1890er Jahren verstärkt in Ersheinung treten werden. Der Text ist modern, er fesselt und er hat eine ganze Menge zu sagen. Und wer mag, der beschäftige sich mit Lombroso oder auch dem späteren Nordau - das Geflecht von Denkmustern, das in Stevensons Erzählung zu Vorschein tritt, erscheint dann umso faszinierender.

5 von 5 Sternen Läßt man das Böse erst einmal ran...

"Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" ist alles andere als eine plumpe Horror-Geschichte zu der es das Kino immer wieder gemacht hat, sondern eine subtile Psycho-Studie, die sich dem Bösen im Menschen widmet. Wo der Film (eigentlich egal, welcher) Mr. Hyde als einen stupiden, häßlichen, verpickelten und insgesamt entstellten Grobian mit meist ungleichmäßigen Extremitäten darstellt, ist der Mr. Hyde des Buches ein echtes Scheusal, welches aber solches nicht sofort zu erkennen ist. Jedenfalls nicht ob irgendwelcher körperlichen Mißbildungen. Vielmehr erschreckt Hyde durch seine pure Präsenz, seine Aura, die schlicht und ergreifend Unbehagen auslöst - und niemand kann sich dies wirklich erklären.

Jekyll widmet sich zu sehr dem Bösen, als daß er ihm noch entfliehen könnte... immer mehr ergreift Hyde von ihm Besitz und löscht Jekyll aus. Der Doktor kann nicht mehr zurück... oder doch? Kann der vielzitierte Funke Menschlichkeit in jedem Bösen ihn retten? Gibt es dieses Quentechen Gutes und ist es so kraftvoll, sich gegen das Scheusal zu wenden?

Stevenson schreibt immer unfaßbar spannend und nie stereotyp. Jekyll & Hyde ist ein fantastisches Buch, das sich den dunklen Gedanken in uns widmet... den Gedanken, die oft nicht nur Gedanken bleiben wollen...




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