Maron, Monika

Flugasche

Flugasche
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 1986-04-01
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 256
  • ISBN: 359623784X
  • EAN: 9783596237845
  • Amazon.de Verkaufsrang: 35.543
Bestellen Sie über obige Links! Sie fördern dadurch die Digitalisierung weiterer Bücher, da Zeno.org eine Provision von dem Sponsor erhält. Wann immer Sie etwas bestellen möchten - prüfen Sie vorher die Millionen von Angeboten, die im Zeno.org-Shop beschrieben sind. Bookmarken Sie die Einstiegsseite in den Zeno.org-Shop für spätere Gelegenheiten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Beschreibung von buecher.de

Die Journalistin Josefa Nadler fährt nach B., um über diese Stadt und ihr überaltertes und umweltgefährdendes Kraftwerk eine Reportage zu machen. Was aber soll sie schreiben? Josefa entscheidet sich für die Wahr-heit: 'B. ist die schmutzigste Stadt Europas', und sie fordert, daß das neue Kraftwerk im Interesse der dort arbeitenden und wohnenden Menschen endlich fertiggestellt wird. Josefa muß sich vor den Kollegen und der Partei rechtfertigen. Als es ihr nicht gelingt, ihren - persönlichen und politischen - Standpunkt klarzumachen, zieht sie sich zurück. Das ist die eine Geschichte, die Monika Maron in ihrem Roman erzählt. Die andere Geschichte der Josefa Nadler aber, die private, macht die Bedeutung dieses Romans aus. Sie ist 30 Jahre alt, lebt mit ihrem Sohn allein und schwankt zwischen beständiger Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit und einer immerwährenden Angst vor Einsamkeit und Zwang. Wie leben, daß man sich selbst, seinen eigenen Gefühlen und Besonderheiten gerecht wird? Diese Frage möchte Josefa für sich und andere beantworten in Gesprächen mit ihrer Kollegin Luise, ihrem Freund Christian, dem Heizer Hodriwitzka. Sie leidet darunter, daß über ihr Leben bestimmt wird und daß es für alles Richtlinien gibt. Luise hat noch den Faschismus miterlebt; für sie bedeutet der Sozialismus die historische Chance zur verwirklichten Humanität. Josefa aber mißt den erreichten gesellschaftlichen Zustand an ihren Bedürfnissen. Sie macht sich auf den eigenen Weg, weil sie nicht akzeptieren kann, daß die Geschichte schon an ihr Ziel gekommen sei. Sie verläßt den geliebten Freund, den Kollegenkreis und die große Gemeinschaft der Organisierten. Aber auch in ihren Träumen kommt sie nicht zur Ruhe.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von cathebel fanden 17 von 18 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen die geschichte einer frau, die angst vor zuviel nähe hat..

...sich aber gleichzeitig auch nach geborgenheit sehnt. die erzählerin hat ihren großvater zwar nie kennengelernt, aber er ist dennoch ihr großes vorbild. "die verrückheit meines großvaters war verlockend. verrückte menschen erschienen mir freier als normale. sie entzogen sich der lästigen bewertung durch ihre mitmenschen, die es bald aufgaben, die verrückten verstehen zu wollen. die sind verrückt, sagten sie und ließen sie in ruhe. bald nach dem entschluß, die verrücktheit meines großvaters geerbt zu haben konnte ich schon die ersten symptome an mir beobachten, die ich aus den erzählungen meiner mutter und tante ida kannte. als ich das erste mal hörte, wie ida meiner mutter zuflüsterte: das muss sie von opa haben, genoß ich meinen erfolg".die geschichte handelt von einer reportage über die stadt b(itterfeld), die dreckigste stadt europas. die reporterin josefa schwankt zwischen dem gehorsam gegenüber den ddr-funktionären, die eine wohlgefällige geschichte von ihr erwarten und dem drang danach ihre eigenen eindrücke von der fahrt nach bitterfeld zu berichten. in letzterem wird sie unterstützt von ihrer chefin luise und ihrem jugendfreund christian. parallel zu dieser handlung wird immer wieder über die zerklüftete gefühlswelt der heldin josefa berichtet. sie sehnt sich nach geborgenheit, nach wärme, nach aufmerksamkeit und ist sich doch nicht sicher, ob sie sie auch ertragen könnte, wenn sie sie denn hätte. das thema "wärme" ist nebenbei auch ein ganz reales: josefa heizt mit kohle und muss sie im gegensatz zu ihrer charmanten nachbarin, die das ihre verehrer machen lässt selbst nach oben schleppen. "ich müsste in den keller gehen, kohlen holen. wenn ich am donnerstag komme, ist die wohnung kalt, und ich bin müde. aber das licht im keller brennt nicht und ich graule mich zuweilen.... bis donnerstag ist lang, lass es kalt sein....diese dreimal verfluchte warterei. worauf denn? auf den berühmten märchenprinzen, der klingelt: guten tag, schöne frau, sie fahren morgen nach b und fürchten sich vor der einsamkeit? bitte erweisen sie mir die huld und verfügenüber mich." gleichzeitig aber eben auch: "ich vergesse langsam, wie es war, als jemand auf mich wartete. es kostet schon mühe, konkretes zu erinnern aus fünf jahren. nachsichtige verklärung breitet sich darüber, manchmal sogar schon der gedanke, es könne so schlimm nicht gewesen sein, wie ich es vor drei jahren empfunden haben muss, als ich mein gelübde ablegte: ich will alleine leben. ich weiss nur, ich wollte das alles nicht mehr gefragt werden: wasdenkstdu, woherkommstdu, wohingehstdu, wannkommstduwieder, warumlachstdu. ich wollte kein siamesischer zwilling sein, der nur zweiköpfig denken kann, viefüßig tanzen, zweistimmig entscheiden und einherzig fühlen. aber emanzipierte frauen frieren nicht, heulen schon gar nicht und das wort sehnsucht haben sie aus ihrem vokabular gestrichen."ganz nebenbei bietet die geschichte auch noch einen gelungenen einblick in die welt des real-existierenden sozialismus. da wird berichtet von christians vater, der als bürgermeister eines vergesenen provinzdorfes es mit einer mischung aus hinterlist und vorzeige-sozialismus schafft die bürgesteige zu asphaltieren. da geht es um menschen in bitterfeld, die täglich 180 tonnen dreck auf sich rieseln lasen müssen und aus verzweiflung eine vorliebe für strahlendweisse hemden entwickelt haben.

Diese Rezension von Günter Nawe fanden 2 von 3 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Die schmutzigste Stadt Europas

Vor dem Hintergrund des neuen Buches der Monika Maron "Bitterfelder Bogen" wiedergelesen: "Flugasche". Und auch in der Wiederholung beweist sich dieses Buch als ein hervorragender Roman mit Nachhaltigkeit.

Auf drei "Ebenen" spielt sich das Geschehen ab: Da ist die Reportage über die "Schmutzschleuder" Bitterfeld - die "schmutzigste Stadt Europas" - mit allen Konsequenzen, die sich daraus für Landschaft, Menschen und die "sozialistische" Wirtschaft der ehemaligen DDR ergeben haben. Der wahrheitsgemäße Bericht der Journalistin Josefa Nadler musste das Mißfallen der offizielle Organe, des Systems - repräsentiert durch die Figur des Stutzer - erregen. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Eine zweite Ebenen stellt sich für den Leser in der Schilderung der Umstände dar, die in Bitterfeld, im Kombinat der Werktätigen, im Lebensumfeld derr Menschen, die hier arbeiten und Leben müssen. Hier wird der Roman zum Zeitdokument, zur Historie, wie man sie eindringlicher nicht bekommt.

Eine dritte Ebene ist die wenn man so will Emanzipation der Josefa Nadler. Beruf, Mutter, Geliebte - alle diese Faktoren schränken den Wirungsraum der Journalistin ein, berühren ihr Selbstverständnis. Und so dauert es, bis sich aus Niederlagen und Erfolgen in diesem und jenem Bereich ein neues Selbstbewusstsein ergibt, das sich im Widerstand manifestiert. Die ehemalige überzeugte Sozialistin findet einen neuen, ihren Weg gegen alle Anfechtungen der Gesellschaft.

Diese Rezension fanden 3 von 17 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Nichts für Leute, die sich nicht gern langweilen

Ich muss sagen, dass ich liebend gern Gedanken von anderen Leuten lese und mich gern in sie versetze, was bei diesem Buch echt super ist, aber ich muss auch sagen, dass ich mich ziemlich viel gelangweilt habe oder einfach nicht wusste ob die 30 jährige Reporterin Josefa Nadler das träumt, was da steht oder es wirklich passiert ist, außerdem sind viele Sprünge drin, bei denen man total verwirrt ist, was aber auch daran liegen kann, dass ich mit den Gedanken oft woanders war.Das Thema des Buches ist aber sehr interessant, die Situation der Frauen in der damaligen DDR zu erfahren.Sie beschreibt toll, in welcher Krise man steckt, wenn man sich eingeschränkt oder unterdrückt fühlt. Nebenbei lästert sie über Arbeitskollegen oder Vorgesetzte, und wie soll es anders sein, geht es auch um Liebe. Ich konnte gut verstehen, wie sich eine Frau mit vaterlosem Kind fühlt, die einen Liebhaber ( Christian )hat und nicht weiß, ob sie ihn liebt oder nicht und dadurch unter Depressionen leidet, die sie mit Tabletten versucht zu stillen. Als sie einen Bericht über eine Stadt schreiben soll, die durch ein altes Kraftwerk total verpestet ist, und sich entscheidet, die Wahrheit zu schreiben und nach langem Hin und Her der Artikel nicht erscheinen darf, sie Probleme mit der Partei und den Mitarbeitern bekommt, lässt sie sich gehen und kündigt. Das Happy End dieses Buches wird nicht verraten...

4 von 5 Sternen Die trübe Welt von Bitterfeld

»Flugasche« ist Monika Marons erster Roman von 1981 und beschreibt in der Tradition der ostdeutschen Reportage prosaisch eine trübe Welt, welche durch Flugasche in einer maroden und wirtschaftlich stark ausgebeuteten Region und in den Köpfen der Menschen entsteht: die trübe Welt von Bitterfeld.

Neun Jahre vor dem ökonomischen Umbruch in der Region besichtigte Monika Maron die Industrielandschaft in der Region Bitterfeld - eine Region, die durch massive Umweltzerstörung und extensive Raubbau an der Natur zu einem ökologischen Katastrophengebiet geworden war, dessen Himmel gelbgrau verschleiert war und die Fensterscheiben der Häuser klebrig verschliert waren.

Ihr erster Roman ist das bedrückende Produkt der Besichtigung solchen Augenscheins.

Flugasche ist das Produkt und Synonym einer wirtschaftlich stark ausgebeuteten Region. eine trübe Welt, die täglich durch Flugasche entsteht.

Monika Marons erster Roman von 1981 beschreibt ein Endprodukt aus der Braunkohleindustrie, das eine Region für die Bewohner zu einer trüben Welt macht. Er ist das erschütternde Dokument einer täglich stattfindenen Naturkatastrophe. Sie beschrieb eine Welt, die es in der DDR eigentlich nicht geben durfte.

Schauplatz des Romans ist Bitterfeld - eine wirtschaftlich stark ausgebeutete und belastete Industrieregion in Sachsen-Anhalt. Das dortige Kohlekraftwerk in Bitterfeld schleuderte damals täglich 180 Tonnen Asche auf die Stadt und ihre Menschen.

»Flugasche« erzählt die Geschichte einer Berliner Journalistin, die über das Leben im Bitterfelder Gebiet Reportagen schreiben soll und angesichts der Naturkatastrophe an den Möglichkeiten der gelenkten Presse und zugleich an ihrem eigenen Gewissensskrupeln scheitert. Die Ich-Erzählerin Josefa Nadler berichtet, wie sie nach B. - das ist Bitterfeld - fährt, um eine Reportage zu schreiben. Sie kämpft mit ihren eigenen Ansprüchen: Soll sie die Wahrheit schreiben, nämlich dass B. schmutzig ist, oder soll sie so schreiben, dass es den Funktionären gefällt? Als alleinerziehende Mutter kann sie es sich nur schlecht leisten, eine oppositionelle Meinung zu vertreten.

Die Reportage der Journalistin Josefa Nadler, die diese Zusammenhänge aufdeckt, darf in der damaligen DDR (1981) nicht erscheinen. Nach dem Verbot verläßt Josefa den Freund, den Kollegenkreis und die große Gemeinschaft der Organisierten.

Dieser Roman, der in der damaligen DDR (1981)nicht erscheinen durfte, begründete den Ruhm der damals 40-jährigen Autorin.

Der Roman, in der DDR nicht veröffentlicht, im Westen publiziert, veränderte ihr Leben. 1988 verließ Monika Maron nach zunehmender Entfremdung die DDR und lebte bis 1992 in Hamburg, kehrte jedoch später wieder nach Berlin zurück.

Diese Rezension von Gabriele Schulz fanden 0 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Sehr gut

Nicht alle Titel entsprechen meinen Vorstellungen, CD ist aber gute Mischung, macht Spaß, zu zu hören.

Flugasche



Empfehlungen
Maron, Monika
10,00 €

Maron, Monika
9,00 €

Maron, Monika
19,90 €

Maron, Monika
10,00 €

Maron, Monika
13,90 €


Maron, Monika
5,90 €

Maron, Monika
7,00 €

Maron, Monika
18,90 €

Maron, Monika
22,95 €

Maron, Monika
16,00 €

Maron, Monika
8,90 €

Maron, Monika
5,95 €

Maron, Monika
8,90 €


Maron, Monika
8,95 €
Bookmarks
delicious wong linkarena google