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Eine Abhandlung über die Nicht-Handlung„Was macht eigentlich die kahle Sängerin?" - „Sie trägt immer noch die gleiche Frisur wie immer." Dieser erste und letzte Auftritt der Titelheldin vermittelt dem Leser schon einen Eindruck von der vielschichtigen Problematik, mit der sich Eugène Ionesco in seinem ersten Werk beschäftigt hat. Zwei betont englische Ehepaare, ein Dienstmädchen und ein Feuerwehrhauptmann verhelfen dem Autor dazu, den Lesern und den Kritikern seine Hauptaussage klar und deutlich vor Augen zu führen. Nämlich, dass er mit seinem Stück, das er selbst liebevoll Anti-Stück getauft hat, nichts und wieder nichts aussagen möchte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Schon nach dem Lesen der ersten Szene hat man das Gefühl, vor die Wahl gestellt zu sein, den Text niederzulegen und sich lieber weiterhin an Goethe zu erfreuen oder aber sich vom klassischen Drama zu verabschieden und auch die zweite Szene der „kahlen Sängerin" zu ertragen. Doch hat man sich zu letzterem entschlossen, stellt man bald fest, dass man gerne Ionescos Gesamtwerk kennen lernen möchte. Man ist gefesselt von dem sinnhaften Unsinn, den die Hauptpersonen in diesem Anti-Stück ausspeien. Man glaubt, der Autor habe die Absicht gehabt, unseren Intellekt zu beleidigen, doch wenn man es genau betrachtet, möchte Ionesco den Menschen zeigen, dass man nicht alles Ausgesprochene verstehen kann. Man kann sich nicht zu allem Gedanken machen, was geschrieben oder gesprochen wird. Aber eigentlich möchte Ionesco nichts aussagen. Er nutzt einfach nur die Sprache, um zu sprechen, koste es, was es wolle; und sei es auch den Sinn. Nebenbei lernt man in der „kahlen Sängerin" auch das Alphabet, die Grundlagen über Relativsätze und hat man einmal eine Fabel des Feuerwehrhauptmanns gelesen, weiß man genauso viel wie vorher. Dieses Stück beinhaltet alles, was einen großer Klassiker ausmacht und es spricht alles dafür, dass es in wenigen Jahrzehnten zur meistgelesenen Schullektüre avancieren wird. Also genießen wir es lieber jetzt, bevor es von Germanisten und Möchtegern-Kritikern seziert wird. Und wenn man das Stück nicht verstanden hat, so hat man es verstanden.
Lässt Raum für Vieles und Nichts!2 Ehepaare die herrlich belang- und zumeist auch sinnlose Unterhaltungen führen, ein Hausmädchen, welches das ein oder andere Geheimnis lüftet und ein Feuerwehrmann der unbedingt ein Feuer löschen möchte und nebenbei ebenfalls ganz banale, sinnlose Geschichten erzählt. Ob es sich nun darum handelt, dass das Ehepaar Smith sich über den Tod des Bobby Watson unterhält ("Er ist seit 2 jahren tot. wir waren vor anderthalb jahren auf seiner beerdigung") oder die Martins erst im Laufe der Konversation herausfinden, dass sie verheiratet sind, Ionesco wirft hier alles über den haufen. Übrigens auch die kahle Sängerin die nur im Titel auftaucht. Am Ende werden sich nur noch Sprachfetzen um die Ohren gehauen und der Leser weiss genausoviel wie voher. Oder? Weder erwartet einen hier eine stringente Handlung noch entwickeln sich die Figuren in irgendeiner Form weiter. Lässt man sich darauf ein, wird man sehr viel Spass haben, denn lustig ist dieses Stück allemal. Ich zumindest habe viel gelacht. Aber ist das auch wirklich alles? Steckt da nicht vielleicht doch auch irgendwo ein Stückchen Sozialkritik hinter? Geht es hier um die Sprache bzw um deren Klischees oder um einen Einblick in das automatenhafte Verhalten der Menschen? Man weiss es nicht, es mag sein, es kann aber auch einfach alles nur lustig gemeint sein als eine Art Parodie. Keine Ahnung. Wer darüber nachdenkt hat verloren :-)
Brockhaus-1911: Kahle · Eugene City
DamenConvLex-1834: Sue, Eugène · Scribe, Augustin Eugêne
Eisler-1912: Véron, Eugène · Roberty, Eugène de
Meyers-1905: Kahle · Saint-Eugène · Eugene City
Pagel-1901: Moutard-Martin, Eugène · Lafargue, Baptiste-Eugène · Rochard, Jules-Eugène · Robinet, Jean-François-Eugène · Dally, Eugène · Bouchut, Eugène · Koeberlé, Eugène · Després, Eugène-Armand
Pierer-1857: Kahle · Kähle · Eugene