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Mir scheint, daß Ludwig XVI. und Gluck ein neues Zeitalter heraufführen werden.» Rousseau, der das schrieb, traf sich zumindest in der historischen Bewertung Glucks mit einem Großteil der allgemeinen Einschätzung: zudem wußte er sich einig mit den meisten, sowohl Fachleuten wie «Dilettanten», die über Musik dachten und schrieben. Über Gluck zu schreiben heißt - das Rousseau-Urteil steht dafür - immer auch: die Gluck-Rezeption zu notieren, die Wirkung des Mannes aufzuzeichnen, dessen erste Schaffenszeit im Unklaren liegt, der oft genug scheinbar aus dem Nichts kam, immer wieder neu anfing. Erst allmählich schälte sich das heraus, was wir eine Biographie nennen. Zuvor gab es Spuren, die Gluck hinterlassen hatte, mit der Zeit wachsende Erfolge, vom Herumziehenden über Europa verstreut.
Gluck als (Theater-)GenieDer Schweizer Musik- und Theaterwissenschaftler Nikolaus de Palézieux legte 1988 diese Bildmonographie zu Christoph Willibald Gluck vor. Vom Äußeren her entspricht das Bändchen dem üblichen Bild der Reihe: Es gibt hier einen gut geschriebenen biographischen Text ohne allzu komplizierte musikwissenschaftliche Ausführungen, aufgelockert durch schwarzweiße Illustrationen aus dem Umfeld des Komponisten, gelegentlich auch durch Notenbeispiele. Glucks Jugend zu beschreiben, ist keine dankbare Aufgabe, denn die Quellen sind dürftig, und Palézieux muss mehrmals zu Formulierungen greifen wie: "Über die Abreise aus London ist ebensowenig bekannt wie über Beginn und Charakter von Glucks Engagement bei den reisenden Operntruppen von Pietro und Angelo Minotti." Mit dem Erfolg der Reformoper "Orfeo ed Euridice" ändert sich die Sachlage schlagartig, und Palézieux dokumentiert die letzten Jahre mit scharfem Blick, insbesondere für die Entwicklung von Glucks bekannten Opern: Wiederholungen und Umarbeitungen von Arien und Instrumentalstücken werden einzeln erläutert. Wobei Palézieux, von Beethoven und Wagner her kommend, besonders an der Entwicklung des Geniebegriffs und der Vorstellung eines "Gesamtkunstwerks aus letzter Hand" interessiert ist. Schade, dass dies ihn dazu verleitet, die Opern Georg Friedrich Händels in einem einzigen abfälligen Satz als langweilig und uninteressant abzutun. Insgesamt jedoch handelt es sich um einen aufschlussreichen Blick auf das Leben eines der faszinierendsten, leider auch allzu wenig bekannten Komponisten des 18. Jahrhunderts.
Brockhaus-1809: Christoph von Gluck
DamenConvLex-1834: Gluck, Christoph, Ritter von
Kirchner-Michaelis-1907: Glück / Glückseligkeit
Meyers-1905: Glück [1] · Glück [2] · Gluck · Glück auf!
Pagel-1901: Gluck, Themistokles
Pataky-1898: Glück, Walli · Glück, Elisabeth
Pierer-1857: Glück [1] · Glück [2] · Gluck · Glück auf!