Kästner, Erich

Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters

Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
  • Erscheinungsdatum: 1988-11-01
  • Format: Sondereinband
  • Umfang: 208
  • ISBN: 3423110090
  • EAN: 9783423110099
  • Amazon.de Verkaufsrang: 110.598
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Beschreibung von buecher.de

Das Gefühl, am Leben vorbeizuleben, hat wohl jeden schon einmal beschlichen. Schlachtermeister Oskar Külz aus Berlin bildet darin keine Ausnahme. Und doch ist Külz ein besonderer Fall. Insofern nämlich, als er in die Tat umsetzt, wovon andere nur zu träumen wagen: Külz, Inhaber eines gutgehenden Schlachterladens und Vater dreier Söhne, beschließt, dem Gleichmaß seines Alltags zu entfliehen und auf Reisen zu gehen.
In Kopenhagen wird er in eine turbulente Kunstraubaffäre verwickelt, bei der nicht nur Räuber und Beraubte mehrfach wechseln, sondern auch Original und Kopie der gestohlenen Miniatur wiederholt verwechselt werden. Ungeachtet des durch die Aufregungen dieser Reise verursachten Gewichtsverlustes erweist sich Schlachtermeister Külz jedoch als imponierende Figur.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von USt fanden 13 von 17 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Abwechslungsreiche Rezitation mit nur kleinen Schwächen

Zu loben ist zunächst die Wandlungsfähigkeit des Rezitators:

Jedes einzelne Mitglied des zahlreichen Personals in diesem Buch hat seine eigene Stimme und Sprechweise, an der er individuell zu erkennen ist: allen voran natürlich Oskar Külz, aber ebenso der näselnde Herr Achtel, der quäkende Herr Storm, der schnarrende Professor Horn und viele mehr. Herr Wameling hat sich offensichtlich Gedanken über seine Charaktere gemacht und versucht, jedem eine eigene akustische Persönlichkeit zu verleihen, was ihm stimmlich sehr gut gelingt.

Mängel finden sich hingegen leider im emotionalen Ausdruck. Dies zeigt sich am häufigsten in der direkten Rede des Herrn Külz. Herr Wameling läßt Külz während der gesamten Erzählung relativ undifferenziert poltern. Dies ist dann recht unangebracht, wenn es im Text z.B. heißt: "...flüsterte Külz..." oder dergleichen. Wer flüstert oder murmelt, schreit nicht. Doch auch Irene Trübners Stimme bleibt in Wamelings Interpretation fast unverändert, ob sie nun flüstert, weint, sich freut oder ängstlich ist.

Schade ist, daß auch Herr Wameling die Chance nicht nutzt, die ihm die Herkunft von Oskar Külz bietet. Wer glaubt schon, daß ein Berliner Fleischermeister sich in solch fürnehm prononciertem Schauspielerdeutsch artikuliert? Man sehnt sich mit jedem Satz, den er spricht, nach einer gehörigen Portion Berliner Schnauze. Das hätte der Figur noch ein gutes Stück mehr Plastizität und Authentizität verliehen. Aber leider...

Noch eine winzige Schwäche, die allerdings nicht allzu sehr ins Gewicht fällt: Herr Wameling stolpert ein wenig über die typischen "hausapotheken"-philosophischen, etwas sentimentalen Stellen, die bei Kästner unweigerlich ab und zu auftauchen. Die Passage über die wandelnde Bedeutung des Waldes im Laufe des Lebens eines Menschen liest er mit hörbarer Verlegenheit. Er kann (und das möchte man ihm nicht zum Vorwurf machen, weil es tatsächlich sehr schwierig ist) mit der Kästner'schen Mischung aus bewußt-offensichtlicher Seichtheit und plötzlicher Melancholie nicht umgehen. Hier, läßt sich vermuten, hätte Hans-Jürgen Schatz sich besser aus der Affäre gezogen.

Insgesamt ist die Rezitation zu loben: Herrn Wamelings Erzählstimme ist sehr angenehm, er spricht deutlich, aber nicht überprononciert, und er verschleppt das Tempo dieser turbulenten Geschichte keineswegs.

Ein netter Einfall der Produktionsfirma war es, zwischen den Kapiteln kleine Musikeinlagen einzublenden, Jazzstücke passend aus der Zeit der dreißiger Jahre. Man bedauert fast, daß man keines der Stücke bis zum Ende hören darf... aber vielleicht beabsichtigte die Deutsche Grammophon, daß man sich dazu eine weitere CD kaufen sollte? Eine nicht illegitime, wenn auch geschickte Taktik... :-)

Diese Rezension von Michael Kahnt fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein fantastisches Buch

Dieses Buch ist einfach fantastisch.Kästner erzählt dem Leser eine spannende Geschichte um einen Kunstraub. Alles ist voller Witz und bissiger Ironie. Kästner läßt nichts aus und nimmt alle Klischees aufs Korn. Allein die Figur des Oskar Külz, Fleischermeister aus Berlin, ist einfach herrlich.Es ist als würde man einen Film aus den 30er Jahren mit Rühmann und Co vor Augen sehen.Ein geniales Buch, das man unbedingt lesen sollte.

Diese Rezension fanden 6 von 8 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine herrliche Satire über uns Kleinbürger.

Hat sich schon mal jemand gefragt, warum tue ich das Ganze Tag aus Tag ein???

Also, ich stelle mir sehr oft die Frage: wieso gehe ich eigentlich jeden Tag arbeiten?, warum mache ich jeden Tag das Gleiche?. Bis jetzt habe ich noch keine vernünftige Lösung gefunden, aber immerhin hat mir dieses kleine Meisterwerk der Satire einen Hinwies gegeben wie man den Alltagsmuff ein bischen hinauskehren kann. Entweder man liest dieses Buch oder man fährt direkt, wie der Protagonist (Metzgermeister Külz), nach Kopenhagen. Was dieser Metzger dort erlebt, und später auch zu Hause in Berlin, dass ist mit Abstand das witzigste, was ich bis jetzt gelesen habe.Aber wie gesagt, dass Buch ist nicht nur witzig, sondern regt einen auch zum Nachdenken an. Der Kontext dieses Buches (obwohl in den 20er spielend) ist logischer Weise auch in unsere Gegenwart projektzierbar. Unser mechanisch-automatisch ablaufender Alltag ist möglicherweise ebenso banal und trivial wie der des Metzgermeister Külz.

Diese Rezension von blauessofa fanden 7 von 10 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters...

Realsatire mit Happy-End:Fleischermeister Oskar Külz aus Berlin will seinem monotonen Alltagsleben zwischen Schweinshaxen, Kalbslenden und Rollschinken einmal entkommen und tut das auch, indem er eine abenteuerliche Reise nach Kopenhagen unternimmt. Fernab seiner Familie - die keine Ahnung hat, wo ihr Familienoberhaupt hinverschwunden ist und die sich schon große Sorgen um ihn macht - verstrickt er sich in eine turbulente Kunstraubaffäre, die ihn nicht nur ein paar Kilo seines Gewichtes kostet.Mit viel Witz und Ironie erzählt, nebenbei noch eine kleine Liebesgeschichte, ist dieses Buch wirklich sehr unterhaltsam und äußerst empfehlenswert!!!

Diese Rezension von shuwa fanden 3 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Fleischermeister Külz, Rudi Struve & Irene Trübner

Das klingt doch sehr familiär und gar nicht nach Raub, Diebstahl oder gar Mord!

Und ganz so ernst wird es auch nicht in Kästners "Kriminalroman", in welchem sich eine herrliche Taxiverfolgungsjagd à la "Emil und die Detektive" findet. Hauptsächlich geht es aber um eine wertvolle Miniatur Holbeins d. J., welche Irene Trübner sicher von Kopenhagen nach Berlin bringen soll. Dabei soll ihr der gutmütige Fleischermeister Külz helfen. Eine Räuberbande unter der Leitung von Professor Horn hat es auf ebendiese Miniatur abgesehen. Um jeden Preis, wie es scheint. Bei Horn muss man unweigerlich an Theo Lingens denken, obwohl dieser in der Verfilmung von 1954 (Regie: Carl Heinz Schroth) gar nicht mitwirkte.

Kästner spielt wieder einmal auf der Klaviatur der Verwechslungen, Irrtümer und überraschenden Wendungen, die um so lustigere Kapriolen schlagen, je näher sich die Geschichte dem Ende zuneigt.

Eine ideale Abendlektüre für erwachsene Kinder und kindische Erwachsene.

Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters



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