Hofmannsthal, Hugo von

Jedermann

Jedermann
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 1999-12
  • Bindung: Taschenbuch
  • Seitenzahl: 107
  • ISBN: 3596108713
  • EAN: 9783596108718
  • Amazon.de Verkaufsrang: 388.491
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Beschreibung von buecher.de

Dieses Mysterienspiel entstand in den Jahren 1903 bis 1911. Den 'Jedermann'-Stoff, der das Thema von der Hinfälligkeit der irdischen Besitztümer und der Heilsnotwendigkeit der Buße mit der Parabel vom Freund in der Not verbindet, fand Hofmannsthal (1874-1929) in einer englischen Schauspielbearbeitung. Auch eine dramatische Gestaltung aus dem 12. Jahrhundert ist überliefert. Hofmannsthal benutzte die mittelalterlichen und barocken Vorstellungen vom Wandel der Menschen miteinander und vor Gottes Angesicht, um die Grundfrage nach dem Sinn des menschlichen Auftrages in der Welt zu stellen. Uraufgeführt 1911 in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt wurde dieses Stück vor allem durch die Salzburger Festspiele, in deren Programm es einen festen Platz hat, berühmt.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von haenggi2 fanden 20 von 31 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen Weltliteratur, die man als Maturand kennen muss

Hugo von Hofmannsthal, Jedermann (1911)

Das „Jedermann“-Stück enthält zur Hauptsache folgende drei Themen: Erstens die Unwichtigkeit der irdischen Habe, zweitens der unabwendbare Tod eines jeden Menschen und drittens die Erkenntnis, dass den letzten Weg jeder alleine beschreiten muss. Das Thema des reichen Lebemanns auf dem Weg zu seiner Errettung geht auf das anonyme englische „Everyman“-Spiel vom Ende des 15. Jahrhunderts zurück. Hugo von Hofmannsthal hat zudem auf verschiedene andere Quellen des europäischen Mittelalters zurückgegriffen, als er den Stoff in mehreren Schritten bearbeitete.

Das „Mysterienspiel“ machte auf seinem Werdegang drei Wandlungen durch: Prosafassung, Fragment einer Übersetzung und Schlussfassung.

Hofmannsthal schrieb seine eigene „Jedermann“-Dichtung zuerst in Prosa. Dabei verband jedoch nur noch der Grundgedanke der Konfrontation eines lebensfrohen Mannes mit dem Tod das Werk mit der englischen Urfassung. Diese Fassung blieb Fragment, bis Hofmannsthal sich 1909 an eine Überarbeitung setzte, denn das Drängen des Regisseurs Max Reinhardt bewog Hofmannsthal dazu, das Stück wieder in Theaterform umzuschreiben, um es bühnenfähig zu machen. Dabei liess er Themen und Figuren aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen in die „Jedermann“-Erzählung einfliessenDie Hauptperson Jedermann ist ein reicher, lebensfroher Mensch, der plötzlich durch den Willen Gottes von der Erde geholt wird. Die Möglichkeit ein frommes Leben zu führen, das er in den Jahren kurz vor seinem Tod tun wollte, wird im je genommen und er hat keine Möglichkeit mehr noch irgend etwas auf die Habenseite seines göttlichen „Rechenbuches“ zu bringen. Auf der Reise vor den Richterstuhl Gottes treten drei Ereignisse auf, die ihn seine Machtlosigkeit und sein Fehlverhalten gewahr werden lassen: die Einsamkeit trotz seines Vermögens beim Reiseantritt („Es hiess: So lange einer im Glück ist / Der hat Freunde die Menge, / Doch wenn ihm das Glück den Rücken kehrt, / Dann verläuft sich das Gedränge“), der Glaube Herr über das Geld zu sein (Gespräch mit Mammon) und die Erkenntnis des Ungenügens seiner „guten Werke“. Diese drei Einsichten bringen ihn dazu zu glauben.Das seit etwa fünfzig Jahren jährlich während der Salzburger Festspiele gespielte, „Jedermann“-Spiel findet nicht bei allen Zuschauern und Lesern uneingeschränkte Zustimmung. Dies mag vor allem auf die Errettung Jedermanns trotz seines ausschweifenden Lebens gründen. Es ist nicht notwendig sein ganzes Leben fromm und gläubig zu sein. Die Gnade Gottes rettet den frevelhaften Sohn vor den Krallen des Teufels.Die Hauptschwierigkeit bei der Interpretation dieses Werkes ist die sprachliche, formale und inhaltliche Anlehnung an das mittelalterliche Vorbild. Das Fundament aus dem Mittelalter ist mir als heutigem Leser kaum mehr zugänglich. Aber offensichtlich entsprach und entspricht genau diese Neugestaltung einem Leserbedürfnis, brachte sie doch dem Stück einen nachhaltigen Bühnen- und Bucherfolg. Diese Zeitlosigkeit der Motive bringt es fertig, dass jeder Leser oder Zuschauer etwas für sich Stimmiges findet.Das Mysterienspiel vom reichen Weltgläubigen auf dem Weg zur Erkenntnis und zur Errettung lässt sich trotz der Versform gut lesen und verstehen. Auf mich wirkt das Werk wie ein erhobener Zeigefinger, um all jene, die „von der Welt“ (dem „Mammon“) beherrscht werden, auf den rechten Weg des Glaubens und der Einsicht zu bringen. Gefallen hat mir die Einfachheit des Textes. Die Hinweise auf moralisches Fehlverhalten, auf die Hinfälligkeit der irdischen Güter, auf die falschen Freunde und auf die Errettung durch den Glauben dagegen erwecken bei mir den Eindruck eines Gott-Propaganda-Buches. „Jedermann“ wirkt auf mich wie eine christliche Variante mancher esoterischer Bücher mit dem Unterschied, dass Hofmannsthal in „Jedermann“ den Weg zum Himmel über die göttliche Gnade und nicht über die Selbstvervollkommnung beschreibt.Dieses Buch gehört in die Reihe: „Weltliteratur, die man als Maturand kennen muss“.Gregor Hänggi,

Bündner Kantonsschule, Chur

Diese Rezension von Mario Pf. fanden 5 von 6 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Geld regiert die Welt (der Lebenden)

Als fixer Bestandteil der Salzburger Festspiele ist der Jedermann dank seiner jährlichen Aufführungen, zahlreicher Verfilmungen und meist hochkarätiger Besetzung längst legendär. Gerade die Rollen der Buhlschaft, des Jedermanns und Tod sind schon von Schauspielgrößen verkörpert worden, solche die es zu diesem Zeitpunkt schon waren oder später sogar geworden sind. Woher mag diese fast zeitlose Faszination kommen?

Jedermann ist ein Jedermann, der sein Leben in vollen Zügen auskostete, mitunter weil er sich eines beträchtlichen Reichtums erfreuen konnte. Mildtätige Gaben und Spenden verweigerte er schlichtweg, um seinen Reichtum nicht teilen zu müssen, genauso wie er unangenehmes gerne auf "morgen" verschob. Selbst seine geliebte Buhlschaft wollte er erst irgendwann später heiraten, weil er bis dahin sein Leben noch genießen wollte und glaubte soviel Zeit zu haben. Der Tod kam jedoch unerwartet und machte ihm einen Stricht durch die Rechnung, allerdings auch ein Angebot, nämlich dass er nicht allein sterben muss, wenn er nur jemanden findet, der oder die bereit ist, mit ihm "in den Tod" zu gehen...

Hugo von Hofmannsthals Jedermann ist eines jener Werke die ihrer Zeit bereits weit voraus waren, ohne das wirklich zu sein, denn die Themen des Jedermanns sind schlicht zeitlos. Als Vorreiter der Spaßgesellschaft verkörpert Jedermann ein Ideal, nämlich den reichen Mann, der glaubt genug Zeit zu haben um sein Leben noch genießen zu können, unter anderem auch weil er alles hat was man sich doch nur wünschen kann, wie Geld, eine schöne Frau an seiner Seite und sogar Gesundheit. Zu guter letzt ist all das aber nichts wert, wenn man keine echten Freunde hat und viele Dinge ungeklärt zurück lässt, das Leben also einfach so an einem vorbeizieht und niemand wirklich trauernd zurück bleibt. Ob ein solches Leben verschwendet ist? Nur der Verstorbene kann das beurteilen.

Fazit:

Ein großartiges Stück, mit einer fast zeitlos aktuellen Thematik.

Diese Rezension von B. Kugler fanden 0 von 3 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Zeitloses Thema

Ein allseits bekanntes Thema in Versform. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Jedermann, ein reicher Lebemann vom feinsten, wird bei einer geselligen Runde vom Tod besucht, der ihn holen will. Jedermann schindet noch eine Stunde Aufschub heraus und sucht verzweifelt Gefährten, die ihn auf seinem letzten Gang begleiten. Aber er findet natürlich niemand. Ausser seinen Werken. Die würden mit ihm mitgehen, wenn sie könnten, doch sie sind sehr klein und schwach. Die Schwester der Werke, der Glaube soll helfen. Und tatsächlich, Jedermann zeigt Reue. Fazit: Man kann ein nicht gottfürchtiges Leben führen und am Ende wird trotzdem alles gut? Stoff für Diskussionen. Es ist ein schon älteres Werk, doch das Thema bleibt aktuell. Vor allem, wenn aktuelle Theaterinszenierungen anstehen, sollte man die Urform gelesen haben, damit man bei der Umsetzung mitkommt oder auch nicht.

Diese Rezension von A. Seifert fanden 0 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Moralin wie es sein muß!

Seit 1921 wird jede Saison ,,Jedermann" bei den Salzuburger Festspielen auf dem Domvorplatz aufgeführt. Jedes Jahr erntet das Stück Lob und Kritik zugleich. Die christliche Grundhaltung schreckt manche Kritiker ab, obwohl das Thema nie an Relevanz verloren hat.

Der Inhalt geht zurück auf eine Englische Vorlage aus dem 15.Jahrhundert und hat Anleihen an Goethes Faust und mittelalterliche Märchen.

Der Reiche ,,Jedermann" ist ein Antiheld, wie man ihn sich vorstellt: Wollust, Völlerei und Habsucht sind seine Eigenschaften. Die einzige Kritikerin, die er zu Lebzeiten besitzt ist seine alte Mutter, die ihn in weiser Voraussicht vor dem Gericht Gottes warnt. Dieses kommt alsbald in Form des Todes, der Jedermann noch eine Stunde lässt, bevor er ihn in die Grube mitnimmt. Jedermann versucht in dieser Stunde in seinem Umfeld Menschen zu finden, die für ihn ein gutes Wort einlegen würden vor dem Gericht Gottes, aber niemand erklärt sich bereit. Schließlich sind es die personifizierten ,,Werke" und der ,,Glaube", die ihn zur Raison rufen und für ihn einspringen wollen, wenn er denn Reue zeigt und Buße tut.

Es sind herrlich anrührende Verse, die Jedermann daraufhin spricht, und der Leser denkt ganz unwillkürlich über sein eigenes Verhalten nach und findet sich in Jedermann wieder.

Das Buch ist jedem uneingeschränkt zu empfehlen, der vor Moral nicht zurückschreckt und Lust an einem schönen, mittelalterlich anmutenden Schauspiel hat.

Diese Rezension von Polar fanden 0 von 1 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Mag der Tod nur kommen

Der Jedermann ist was für Katholiken, für Reumütige, für Ausrufer zum Maßhalten, für Idealisten, für uns alle. Seine Fabel ist so eindeutig, dass kaum Platz bleibt, um einem inneren Geheimnis auf die Spur zu kommen. Der Reiche nimmt sich die Freiheit heraus, sein Leben in vollem Maße zu genießen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne die jährliche Überweisung an UNICEF. Er ist ein Egoist, ein Spaßmacher, einer, der nicht ans Sterben denkt, bis ihn der Tod heimsucht. Dieses Stück liest sich wie ein erhobener Zeigefinger, mahnt zur Einkehr, mahnt zum sozialen Bewusstsein. Deswegen ist es so beliebt. Ein Stück wie ein Meßgang. Deswegen tauschen sie in Salzburg nur die Schauspieler aus und suchen nach großen Namen für die Besetzung. Und deswegen ist es in seiner Wirkung auch so beschränkt. Schlägt man das Buch zu, geht man aus dem Zuschauerraum, darf sich jeder als guter Mensch fühlen. Wer traut sich schon zu, sein Leben so wegzuwerfen? Ja wenn man das Geld hätte, sagen die einen. Ja, wenn man noch so jung wäre, die anderen. Irgendwann ereilt doch jeden die Läuterung, oder? Während sich um einen herum, jeder das nimmt, was er braucht. Mag der Tod nur kommen. Er meldet sich sowieso nicht an.

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