Keller, Gottfried

Der grüne Heinrich

Der grüne Heinrich
  • Verlag: Diogenes Verlag
  • Erscheinungsdatum: 1993-10
  • Bindung: Taschenbuch
  • Seitenzahl: 916
  • ISBN: 3257226411
  • EAN: 9783257226416
  • Amazon.de Verkaufsrang: 380.922
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Beschreibung von buecher.de

Die Geschichte des jungen Heinrich, seiner Zerrissenheit zwischen der zarten Anna und der stolzen und sinnlichen Judith, seiner künstlerischen Ambitionen und seines Lebens als erfolgloser Maler in der Fremde ist einer der großartigsten und persönlichsten Bildungsromane in deutscher Sprache.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von helmut seeger fanden 1 von 3 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Juwel mit Längen

Dies ist die Geschichte des Heinrich Lee (wegen seiner armutsbedingten immergrünen Kleidung in der Jugend "grüner Heinrich" genannt), der in einer schweizer Kleinstadt aufwächst, sich entschließt, Künstler zu werden, aber, jahrelang subventioniert von seiner Mutter, in München scheitert und, doch noch wohlhabend geworden, in die Heimat zurückkehrt, wo er seine Mutter aber nur noch sterbend vorfindet. Der Roman endet dennoch versöhnlich und positiv, da sich der Ex-Künstler im öffentlichen Dienst verdingt und schließlich mit der Frau, die ihn schon als Jungen liebte, eine relativ freie und ungebundene Beziehung eingeht.

"Der grüne Heinrich" ist ein Juwel unter den deutschen Romanen. Häufig ist er auch in Sammlungen wie "100 Werke der Weltliteratur" zu finden. Und das nicht zu Unrecht.

Mit diesem Urteil ist wohlgemerkt die zweite Fassung des Romans gemeint, die der Autor selber in jahrelangem Ringen in die vorliegende vollendete künstlerische Form gebracht hat. Versuche, die erste Fassung dieses Romans, die unter Zeitdruck entstand und erhebliche gestalterische Mängel aufwies, zur literarisch besseren zu erklären, hat Keller verärgert zurückgewiesen. Außerdem unterscheidet sich der Schluss der beiden Fassungen erheblich. Während Keller den "Helden" im ersten Romanentwurf aus Zeitnot sterben lassen musste, entwickelt er im zweiten einen wunderbar lebensbejahenden Schluss (siehe unten).

Der Roman bietet ergreifende und malerische Sequenzen im Dutzend und berührt oft das Innerste - nicht umsonst hat der Autor darauf hingewiesen, dass wohl keine Seite dieses Werks nicht auf tiefst empfundenen eigenen Gefühlen beruhe.

Man spürt, dass dieses Werk das reife Fazit eines ganzen (Schriftsteller)Lebens ist, an dem Keller jahrelang hart gearbeitet hat. Es strahlt vor Weisheit und tiefem Gefühl.

Daneben enthält diese Geschichte sehr viele Geschichten in der Geschichte, häufig zu Herzen gehende Sequenzen, die nicht zuletzt zu dieser epochalen Länge beitragen.

Entwicklungsgeschichtlich steht der grüne Heinrich in der Tradition von Goethes "Wilhelm Meister", mit dem er den lebensbejahenden Schluss voraus hat. Diese Schlusssequenz gehört zu den schönsten überhaupt, die ich aus klassischen deutschsprachigen Romanen kenne. Er vermittelt eine menschliche Wärme und Sensibilität, die äußerst selten zu finden ist und präsentiert eine für das 19. Jahrhundert extrem seltene emanzipierte Frauengestalt, welche ebenso ihresgleichen in der deutschsprachigen Literaturgeschichte sucht. Schon aus diesem Grunde empfiehlt sich die zweite Fassung dieses Romans.

Das einzige, was gegen dieses Werk spricht, ist die Überlänge. Viele der allzu malerischen Szenen sind recht lang geraten, etwa seitenweise Schilderungen des Karnevals oder Traumsequenzen, die alles andere als fesselnd sind. Hier würde man sich ausnahmsweise einen fachkundigen Bearbeiter wünschen, der das Buch qualifiziert kürzen würde, auf dass es seine Stellung unter den deutschen Romanen noch würdiger einnehmen könnte.

Der grüne Heinrich



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