Bestellen bei Buecher.de! Preis: 6,50 €
Bestellen bei Amazon.de! Neu ab 6,50 €, gebraucht ab 1,94 €.
Neue Bücher bestellen bei: Buch.de.de, Buch24.de, Bol.de, Libri.de, Thalia.de
Gebrauchte und neue Bücher bestellen bei: AbeBooks.de, Booklooker.de
"Das ist es: wir leben mit Toten, und die denken nicht um."Pastor: Ich möchte mich verabschieden.
Roger: Herr Pastor, das möchten wir alle -
Dieser kurze Dialog aus Frisch Erzählung mag zunächst überraschen, doch schnell stellt man fest, dass es eine Friedhofsszene ist. Es geht in diesen drei szenischen Bildern um den endgültigen Abschied, um Tod und um das gesellschaftliche, nachdenkliche Verhalten um diesen Umstand.
"Ein Leben nach dem Tod, daran hat er nicht geglaubt" nimmt eben dieser Roger als Begründung für eine nicht gelungene Grabesrede. Frisch gelingt es im ersten Bild des Triptychon die gesellschaftliche Unfähigkeit im Umgang mit dem aufzuzeigen, was zum Leben gehört und es gleichzeitig beendet. Der Glaube an die Ewigkeit wird negiert, weil es die Ewigkeit des Gewesenen ist. Eine Zeit danach mag es nicht geben, weil dass menschliche Bewusstsein eine biologische Grundlage braucht, die der Tod entzogen hat. Ist Bewusstsein in dieser Welt oder gibt es eine Denkgröße, die außerhalb des Hier seins liegt und damit unsterblich ewig ist? Diese Frage ist und bleibt offen. Und so bleibt der Tod als Mystifikation, als die letzte Wahrheit über unser Leben, wir leben also endgültig. Und dieses heißt nicht mehr, als dass die Augenblicke am Platz der Zeit unveränderbar sind und dort ihre Ewigkeit haben. Auch dann, wenn die Hinterbliebenen das Gespräch nicht beenden können.
"Es kommt nichts dazu, was ich nicht schon erfahren habe" ist der Anfang des zweiten Bildes. Die Toten unter sich, am Ufer des Hadesfluss Styx. "...wir sind tot" und im Gespräch der Toten wird klar, "dass wir uns nur noch wiederholen". Jeder erzählt seine Geschichte, man fühlt sich erinnert an Cees Nootebooms "Die folgende Geschichte" und man spürt, das die Erinnerung stabil ist, es aber keine Erwartung mehr geben kann. Als Lebender bleibt die Erkenntnis: "Das ist es: wir leben mit Toten, und die denken nicht um."
Und das dritte Bild schließt, in dem die Erinnerung auch im Leben stabil ist. Es ist die Beziehung zu einem toten Partner, die die Zeit stillstehen lässt. Eine Zeit, die den Tod der Liebe erkennt, die ein Fazit zieht: "Du hast dir recht gegeben, ich habe mir recht gegeben, der Rest ist Bitterkeit" und die Diskussion ist die des Lebens, die als Resümee feststellt: "Vielleicht haben wir uns getrennt, um zu wissen, dass wir auch ohne einander sein können, und das haben wir auch gekonnt, solange du gelebt hast".
Frisch zeigt mit diesen drei Bildern des Triptychons eine packende, gleichzeitig unerträglich nüchterne Gestaltung des Lebens im Umgang mit dem Tod. Der Tod begleitet das Leben, das Leben begleitet den Tod, seine drei Bilder sind jeweils getragen von einem Gedächtnis, welches plötzlich allein auf der Welt ist und das in der Erinnerung neue Geschichten erzählt und in diesen selbst andere Dinge frei gibt, eine neue Freiheit spüren lässt - und plötzlich kann alles ganz anders gewesen sein.
#