Hrsg. v. Alois Wierlacher

Kulturthema Fremdheit

Kulturthema Fremdheit
  • Verlag: Iudicium
  • Erscheinungsdatum: 2001
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 575
  • ISBN: 3891290373
  • EAN: 9783891290378
  • Amazon.de Verkaufsrang: 849.429
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Beschreibung von buecher.de

Ein Gemeinschaftshandeln der verschiedenen fremdheitskundlichen Disziplinen ist in Deutschland bisher nur in Ansätzen erkennbar. Die dringende Aufgabe, kulturelle Andersheiten in Perspektivik und Gegenstandskonstitution zu erkennen, anzuerkennen und sie im Forschungs- und Lehrgespräch produktiv zu Wort kommen zu lassen, wird von den Geistes- und Sozialwissenschaften noch immer viel zu sehr vernachlässigt. Doch keineswegs nur aus wissenschaftlichen Gründen sind Aufbau und Institutionalisierung interdisziplinärer Fremdheitsforschung mehr als überfällig. Absicht des vorliegenden Bandes ist es, die Zusammenarbeit der entsprechenden Disziplinen durch die Grundlegung einer aus der Hermeneutik zu entwickelnden Fremdheitsforschung ('Xenologie') zu befördern - wobei nicht an ein eigenes Fach dieses Namens gedacht wird, sondern an eine Art Schnittmenge verschiedener akademischer Disziplinen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Sigrid G. fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Fremdheit interdisziplinär

Beschäftigt man sich als Germanist mit Fremdheit, kann es einige Zeit in Anspruch nehmen, passende Ansatzpunkte zu finden. Meist behilft man sich mit soziologischen Herangehensweisen, Ansätzen aus der Psychoanalyse, der Phänomenologie etc. Eine wirklich überzeugende Zusammenstellung von Texten ist mir bislang noch nicht untergekommen. Der Münkler/Ladwig (Facetten der Fremdheit) ist zwar wirklich gut, beschäftigt sich allerdings vorwiegend mit der soziologischen Dimension.

Den vorliegenden Band brachte Alois Wierlacher anlässlich eines Symposiums heraus, das 1990 in Bayreuth stattfand. Darin wurde der Fremdheitsbegriff von verschiedenen Disziplinen aufgegriffen. Herausgekommen ist eine ziemlich facettenreiche Mischung, deren Texte zwar nicht alle für jedermann interessant sein mögen, aber sicherlich ist für jeden der eine oder andere Text dabei. Sehr hilfreich finde ich übrigens die ausführliche Bibliographie.

Folgende Texte sind enthalten:

Vorrede

1. Kulturwissenschaftliche Xenologie

Ausgangslage, Leitbegriffe und Problemfelder (Alois Wierlacher)

2. Fremdheitsbegriffe der Wissenschaften. Ansichten und Probleme

Fremdheitsphilosophie im Zeitalter der Internationalisierung (Kenichi Mishima)

Fremdsprachen als fremde Sprachen (Harald Weinrich)

Zur Fremdheitsproblematik in der interkulturellen Fachkommunikation (Yong Liang)

Alienität und Alterität als Schlüsselbegriffe einer Kultursemantik. Zum Fremdheitsbegriff der Übersetzungsforschung (Horst Turk)

Das Phantom des Herrn Kannitverstan. Methodische Überlegungen zu einer interkulturellen Literaturwissenschaft als Fremdheitswissenschaft (Walter Hinderer)

Die Ethnologie und der Begriff der kulturellen Fremde (Thomas Bargatzky)

Das Fremde im Eigenen. Ansichten der Volkskunde (Utz Jeggle)

Perspektiven einer Lateinamerikanistik als Fremdkulturwissenschaft (Frauke Gewecke)

Fremdheitskonzepte in der Psychologie als Grundlage der Austauschforschung und der interkulturellen Managerausbildung (Alexander Thomas)

Fremdheit und Freiheit oder: Die Schule der Frauen. Xenologische Perspektiven der Flüchtlingsforschung (Corinna Albrecht)

Fremdheit und interkulturelle Identität. Überlegungen aus der Sicht der vergleichenden Kulturforschung (Constantin von Barloewen)

Fremdheit und Initiative: Zur Innovation als einem zentralen Fremdheitsproblem der Wirtschaftswissenschaften (Peter Oberender)

Interkulturelle Mediation: Zur Kooperation zwischen Komparatistik und interkultureller Germanistik bei der Entwicklung einer interdisziplinären Fremdheitsforschung (Thomas Bleicher)

Die epistemische Bedeutung des Fremden (Wolfram Hogrebe)

Das Fremde und das Eigene - "Assimilation" als hermeneutischer Begriff (Axel Horstmann)

Fremdheit und Verfremdung: Grenzgänge zwischen Philosophie, Geschichte und Sozialwissenschaften (Arnold Zingerle)

Erinnern, Verstehen und die Rezeption kulturell distanter Texte (Dietrich Krusche)

Fremdheitswissen als Basis auswärtiger Kulturpolitik (Barthold C. Witte)

Die Ideologie des West-Ost-Gefälles und das Fremdheitssyndrom (Hubert Orlowski)

Die "fremde Heimat" der Deutschen: Der "Mythos vom Norden" in deutscher Kulturtradition (Klaus Bohnen)

Naturen, Kulturen, Techniken: Über Freund/Feind/Fremdverhältnisse im außerpolitischen Sinne (Helmut F. Spinner)

3. Forschungsbibliographie

Auswahlsbibliographie zur Grundlegung einer kulturwissenschaftlichen Fremdheitsforschung (Corinna Albrecht, Ulrich Bauer, Sabine Krolzig, Dunja Schiller)

4. Zur Institutionalisierung kulturwissenschaftlicher Fremdheitsforschung:

Gründung des Instituts für internationale Kommunikation und auswärtige Kulturarbeit (IIK Bayreuth). Dokumentation

a) Inauguration des IIK Bayreuth (Alois Wierlacher)

b) Grußworte:

Zur Bedeutung von Kulturwissen (Klaus Dieter Wolff)

Internationale Kooperation statt hegemonialer Dominanz (Barthold C. Witte)

Angebot der Zusammenarbeit (Horst Harnischfeger)

Zustimmung zum Ansatz (Friedrich Wilhelm Hellmann)

Wie man sieht, eine wirklich gelungene und umfangreiche Zusammenstellung.

Der Band sei v.a. Germanisten, Volkskundlern und Kulturwissenschaftlern empfohlen.




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