Kris, Ernst; Kurz, Otto

Die Legende vom Künstler

Die Legende vom Künstler
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 2008-11-13
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 188
  • ISBN: 3518288024
  • EAN: 9783518288023
  • Amazon.de Verkaufsrang: 149.862
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Cenodoxus fanden 8 von 10 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die Legende lebt

In dieser Studie wird eine Soziologie des Phänomens Künstler entworfen, in klarer Abgrenzung zu psychologischer Betrachtungsweise. Das heißt, das Innenleben der jeweiligen Künstlerpersönlichkeiten bleibt ausgeklammert, sondern es geht darum, was die Gesellschaft in ihren Künstlern sieht und sehen will. Dies klingt möglicherweise etwas trocken, aber dieser "geschichtliche Versuch" ist dermaßen spannend und gut zu lesen, ungeheuer flüssig zu lesen (bei mir hat das Lesen sogleich ausgelöst, dass ich mcih selbst hingesetzt habe um etwas aufzuschreiben, dermaßen anregend ist dieses Buch) und auf nur wenigen Seiten (Text bis S. 165, großzügiges Schriftbild) wird die (bei Erscheinen des Buches 1934!) revolutionäre Thematik ungeheuer klar und rund dargestellt.

Worum geht es? Wenn wir an Künstlerleben denken, haben wir bestimmte Vorstellungen im Kopf, was es heißt, wie ein Künstler zu leben. Bei intensiver und genauer Auswertung der literarischen Künstlerbiographik haben Kris und Kurz festgestellt, dass diese Viten - ähnlich wie Heiligenviten - bestimmten Mustern folgen; manches kehrt immer wieder, wie etwa die Erzählung von der einfachen Herkunft der Künstler, die einstmals die Schafe gehütet hätten. Anekdoten, die sich verselbständigen, bilden dabei meistens den Grundstock, aus dem Legenden entstehen, die dann vollkommen losgelöst von der tatsächlichen Person des jeweiligen Künstlers weiterexistieren.

Man kann sich m. E. ganz gut klarmachen, worum es in diesem Buch geht (in welcher Mythos damit eigentlich destruiert wird, wobei dies aber auch erst den Blick auf einen sachkundigen Zugang auf Künstler ermöglicht!), wenn man es vergleicht mit unserer moderne Legende vom Musiker, etwa des Typus Sex and Drugs and Rock'n'Roll. Auch hier ist wiederum schon längst eine neue Legende geformt, die immer wieder von neuem geschrieben wurde und praktisch wahllos übertragbar ist. Dies wiederum geht so weit, dass die Rolle, die soziologisch betrachtet entsteht (gilt für Künstler selbstverständlich auch) sogar die Psychologie der jeweiligen Einzelfälle mitprägt, diese wiederum natürlich auf die Rolle zurückwirft. Klartext: Weil man es so erwartet müssen alle Bands irgendwann mal ein Hotelzimmer zertrümmern.

Und weil die Rolle des Künstlers noch viel komplexer und spannender ist, kann ich dieses Buch nur dringend empfehlen und zugleich rate ich dazu, einen jener nagelneuen wunderschönen und ausgezeichnet kommentieretn Bände der Vasari-Biografien (erscheint gerade in Einzelausgaben bei Wagenbach) mitzukaufen und parallel zu lesen (wahlweise Raffael oder Michelangelo, je nach Temperament!)

Die Legende vom Künstler



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