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Zuviele Widersprüche, hinkt anderen Tagebüchern hinterherSeine Einblicke in das literarische Leben können sehr interessant sein, bestätigen aber das Bisherige, wie Schriftsteller denken. Ganz zwiespältig Klagenfurt. Auf der einen Seite ist er sich bewusst, was dort abläuft und akzeptiert es auch, auf der anderen Seite dann wieder dann große Empörung, dass es tatsächlich so ist. Wieso fährt er dann überhaupt hin, wieso lässt er sich überhaupt einladen? Nur des Geldes wegen verneint er ja selbst und die Einstellung zuerst gefällt besser als die danach. Seinem Stil nach spielt er nicht literarisch damit, obwohl man ja, seinen eigenen Analysen zufolge bei seinen Texten das für nicht so voll nehmen soll. Überhaupt die literarischen Analysen der eigenen Texte. Ich habe keine Lust mich so intensiv mit Geschriebenem zu beschäftigen, wie er es vorgibt und glaube trotzdem, gute von schlechter Literatur unterscheiden zu können. Wieso muss ich einen Text bis ins kleinste Detail durchfortsen, bis ich mir sicher bin, dass keine zwei zusammenhängenden Wörter davon von Wittgenstein stammen? Sollen sie doch. Nerven tut auch die dauernde politische Bezogenheit von allem. Jeder ist Faschist, jeder ist Marxist, es gibt keinen Mittelweg. Wirkt wie eine krampfhafte Überwindung von einem Vorwurf, welchem auch immer politischen Lager anzugehören. Auch die Besprechung von klassischer Musik wird auf die Dauer, für mich zumindest langweilig. Das mag gelten, weil ich keine Ahnung davon habe, aber ich weiß nicht, ob es, wenn ich eine Ahnung hätte, nicht auch stören würde. Bei den Filmen sind die Argumentationen jedenfalls zu kurz. Wunderlich: Später wird Tarantino gut bewertet werden, hier noch der Verriss von „Reservoir Dogs". Und was sollen die kursiv gesetzten Textabschnitte? Bin ich zu blöd dazu und habe keine Lust mich damit zu beschäftigen.
Bemüht und jugendlich-arrogantFangen wir mit den positiven Aspekten an: Der Mann beschäftigt sich auf höchst intelligente Weise mit allem möglichen. Zum Gewinn des Lesers. So ist es eine wahre Freude, seine begründete Begeisterung für Wagner sowie die Beurteilung der verschiedenen Wagner-Werke im Detail zu lesen. Die Sache gipfelt in dem Satz (und passt wohl auch auf seine Vorliebe für Ernst Jünger), er habe beschlossen, sich Kunst nicht mehr durch Ideologie verderben zu lassen. Oder sein Plädoyer dafür, Tonaufnahmen nicht als reine Dokumentation einer "Ereignischaft" (sprich eines Konzerts, einer Oper) zu sehen, sondern gerade als Möglichkeit, um das rüberzubringen an Transparenz, an Idealgestalt, was die räumliche Realaufführung nicht schaffen kann. Diese Gedanken machen die Lektüre zu einem Erlebnis. Andererseits stimmt leider auch der im Buch zitierte Satz seiner Freundin: "Bea meint, ich sei ein eitles Arschloch". Krausser nimmt sich derartig wichtig, er urteilt stets apodiktisch und lässt keinerlei andere Meinung gelten. Teils auch recht unqualifiziert, wie in seiner Schmähung des Dirigenten Celibidache als "delirierenden Dilettanten". Gänzlich unerträglich wird es jedoch, wenn er sich und seine Gefühle melodramatisch ernst zu nehmen beginnt und vor dem Leser ausbreitet, was leider allzu häufig passiert. So liesst er einmal die Erzählung "Der Abgrund" von Leonid Andrejev und beschreibt die Wirkung dieses völlig vergessenen Autors wie folgt: "Ein Wahnsinn. Purer Seelenhorror, ich lag benommen auf dem Bett und zitterte." Immerhin war Krausser 1992 bereits achtundzwanzig Jahre alt. Einem achtzehnjährigen würde man solche Ergüsse eher durchgehen lassen... Dennoch: Kaufen und über diese Stellen lächelnd hinweglesen!