Brezan, Jurij

Die schwarze Mühle. Mit Materialien

Die schwarze Mühle. Mit Materialien
  • Verlag: Klett
  • Erscheinungsdatum: 1995
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 118
  • ISBN: 3122619709
  • EAN: 9783122619701
  • Amazon.de Verkaufsrang: 168.683
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von M. Silva Gonzalez fanden 15 von 19 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die schwarze Mühle - psychologischer Mehrebenenroman

Ich habe das Buch "Die schwarze Mühle" vor vielen Jahren das erste Mal gelesen, als der "Krabat" von Preußler noch gar nicht existierte oder mir nicht bekannt war. Das Buch hat mich tief bewegt und aufgewühlt. Nach Jahren ist mir Brzans Erzählung wieder in die Hände gefallen und ich war wieder wieder verzaubert.

Die Geschichte hat einen mythischen Rahmen, der die Universalität der Figur des Krabat betont. Sie beginnt so, als ob eine alte verklärte Legende erzählt wird. Dann jedoch tritt der einfache Mensch Krabat hervor und wir begleiten ihn durch sein Lebensabenteuer, die Verstrickung in die Welt der schwarzen Mühle, das spätere Besinnen und Ringen um persönliche und kollektive Befreiung. Der Doppelcharakter zwischen Mythos einerseits und der leidvollen persönlichen Geschichte des Menschen Krabat anderseits zieht sich durch die Erzählung. Brzan spielt mit beiden, sie vermengen und vermischen sich im Kampf des Krabat gegen den Müller. Darin zeigt sich die Universalität des Lebensthemas des Krabat, das immer wieder im Leben der Menschen und damit in den verschiedenen historischen Zeiten vorkommt. Das Buch hat mehrere Ebenen, bzw. Lesarten. Es ist darin, wie auch innerhalb der Handlung selbst vielschichtig. Tiefere psychologische Bedeutungsebenen bleiben beim ersten Lesen dem formulierenden Geist verschlossen, sie werden geahnt und erspürt, weil sie innerlich berühren. Sie berühren, weil letzlich jeder von uns ein Krabat ist, der sich schon einmal in einer schwarzen Mühle verirrt hat und von einem schwarzen Müller versucht wurde und wird und weil letztlich jeder von uns sich danach sehnt, in die Heimat des eigenen Herzens zurück zu finden.

Es geht um die Frage, was letztlich im Leben persönliche Bedeutung hat. Es geht auch um das Jugendthema der Identität und darum, sich dafür an die Institution zu verkaufen. Der Müller bietet genau dies an: Dienst in einer schwarzen Mühle, in der die Mehlsäcke leer sich und Nichts gemahlen wird. Der Inhalt der Arbeit ist letzlich substanzlos. Das Schuften ist vollkommen sinnlos, es dient seinem eigenen Machterhalt. Was gesammelt wird ist der Goldstaub der Mühe: der Schweiss bei dieser sinnlosen Arbeit. Ich muss sofort an die bürokratischen Mühlen denken, in denen wir leben, in denen sinnloses Papier gemahlen wird, an unsere betrieblichen Hierarchien, in denen die Wände Ohren haben. Die Stasi, der Computervirus des Herrn Ministers Schäuble, die Zuträger des eigenen Chefs, ... Ebenso muss ich an die Armee denken, in der jungen deutschen Männern Identität verkauft wird, die sich irgendwann als leerer Mehlsack erweist. Da trifft sich der mythische Charakter mit unserer Lebenswelt. Hier lernen wir, die schwarze Magie und die schwarze Mühle in unserem Leben zu erkennen. In der Geschichte wird die Frage nach der Heimat aufgeworfen, das Herdfeuer des Mütterlichen bekommt für den heimatlosen Krabat Bedeutung, nachdem er erkannte, dass das Angebot der Mühle ihn niemals wird ankommen lassen. Die Heimat kann nicht durch die äußere Identität der Mühle gefunden werden. Die Orden des falsche Selbst laden zur Partizipation an der Mühle ein. Aber die Säcke bleiben leer. Die Perspektive der schwarzen Mühle besteht nur darin, von ihr auf die eine oder andere Art gefressen zu werden. Entweder gebrochen als erzwungene narzisstische Nahrung für die anderen Gefangenen des Systems der Mühle oder indem man selbst zu ihrem Müller wird.

Es ist die Beschreibung der Entwicklung eines Menschen. Ein psychologischer Häutungsprozess hinaus aus der pupertäten Hilfskonstruktion der Institution und Ideologie. Ein Kampf gegen den Patriarchen, das negative Vaterbild. Eine Kampf und eine Suche nach der Heimat des Herzens.

Das Buch ist einerseits ein Märchen, es hat eine politische Ebene und mehrere psychologische, bzw. allgemein menschliche, wenn nicht archetypische Ebenen, die ich kurz angedeutet habe. Es kann in allen diesen Lesarten erfahren werden. Es nur in einer Lesart zu beschreiben, wird ihm nicht gerecht und bleibt weit hinter dem reichen Schatz zurück, der darin offen liegt. Deshalb gebe ich ihm gegenüber dem reinen Märchen von Preußler den Vorzug.

Dieses Buch ist sowohl für ältere Kinder, wie auch für Erwachsene geeignet. Es kann gerade bei Kindern ab 12 einen unbewussten "Samen" für das spätere Loslassen vom falschen Selbst und von Identifikationen in den "schwarzen Mühlen ihres Lebens" legen, weil es in einer archetypischen, wenn nicht hypnotherapeutischen Sprache von diesem Prozess erzählt.

Diese Rezension von Marc Walter (gauloises45@hotmail.com) fanden 52 von 67 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die athmosphärisch dichteste Aufarbeitung der Krabat-Sage

Jurij Brezan schafft es auf diesen wenigen Seiten die alte schlesische Saga von Krabat -der, von dem man sagt, dass einst ein Stein vom Himmel fiel und darin war Krabat - einmal wird ein Stein zum Himmel fahren und darin wird Krabat sein- in einer empörend dichten Art aufzuarbeiten. Wer das (sehr gute) Kinderbuch von Otfried Preußler gelesen und gemocht hat, wird sich hiernach kaum halten können. Der Kampf mit dem Müller, der sich wortwörtlich durch alle Zeiten erstreckt, wie auch der Rest dieses Buches haben -obschon Prosa- weit mehr lyrische Kraft, als die meisten der zeitgenössischen Gedichte. Geeignet auch für Schüler, die den klassischen Krabat gelesen haben und vergleichen können, welche Macht Worte haben- Großartig.

Diese Rezension von Frank Axmacher fanden 6 von 8 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen "Krabat" für Erwachsene

Wer Preußlers "Krabat" gelesen und gemocht hat, sollte Brezans Version der Sage um den Lehrling der schwarzen Künste nicht versäumen.

Während Preußler uns seine politische Botschaft von den Verlockungen und Mechanismen des Bösen sehr versteckt in Form eines Märchens präsentiert, liegt sie bei Brezan offen zutage.

Und wo bei Preußler im Wesentlichen die Macht der Liebe zur Erlösung führt, spielen bei Brezan die Faktoren der Solidarität, der gemeinsamen Anstrengung, des "kollektiven" Arbeitens eine wichtige Rolle. Auch Mechanismen wie die gezielte und systematische Fehlinformation werden beleuchtet und bewertet.

In knapper, stellenweise schroffer Sprache führt Brezan die Leser und Leserinnen auf die Reise durch eine traumähnliche literarische Landschaft, an deren Ende nicht allein die Liebe, sondern auch und vor allem das Bloßstellen der Lüge sowie der Wille zur gemeinsamen Anstrengung einen Sieg über das Böse möglich machen.

Preußler verzaubert, Brezan tut das Gegenteil: er entzaubert.

"Die schwarze Mühle" ist ein Büchlein über Formen und Wirkungsweisen von Macht. Es liest sich rasant, man wird mit dem Helden gemeinsam durch Zeit und Raum gepeitscht. Die politische Botschaft ist so gehalten, dass sie je nach Kontext ge- oder mißbraucht werden kann.

Angesichts seiner starken suggestiven Kraft ein empfehlenswertes Buch, welches nach Reflexion verlangt: der "Krabat" für Erwachsene.

Diese Rezension von xyz-gjw fanden 27 von 42 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Preussler versus Brezan

"Die schwarze Mühle" ist Jurij Brezans Version der sorbischen Krabat-Sage. Die Krabat-Version von Otfried Preußler habe ich schon als Kind gerne gelesen. Und ich gebe Preußler ganz klar den Vorzug vor Brezan: Der Unterschied zwischen den beiden Buechern erinnert mich an den Unterschied zwischen einem wunderbaren franzoesischen Film (Preußler) und dessen aufgeblasenem amerikanischen Remake (Brezan).

Preußlers Buch spielt sich im streng begrenzten Bereich der Muehle ab, mit einer ueberschaubaren Handlung und einer einfachen, klaren Sprache.

Brezans Buch beginnt zwar in der Muehle (erstes Drittel), entwickelt sich dann aber ueber Großschauplaetze zu einem Weltenkampf zwischen dem (inzwischen maechtigen) guten Magier Krabat und dem maechtigen boesen Mueller. Am Ende legt Krabat mit vielen Helfern den Muehlenbach trocken und toetet den Mueller im offenen Kampf.

Die obigen Zeilen klingen vielleicht zu hart: Brezans Buch ist durchaus lesenswert und durchaus reizvoll. Die Handlung ist viel reicher ausgebaut als in Preußlers Buch. Aber im direkten Vergleich ist mir die Schlichtheit und Klarheit Preußlers einfach lieber.

Diese Rezension von Bücherwurm85 fanden 0 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Der Ursprung, bwz Brezans und Preußlers Werke

Mein Mann hat schon seit Jahren die Bücher beider Autoren. Richtig darauf aufmerksam bin ich erst wieder durch den Film, der 2008 ins deutsche Kino kam.

Die Entstehung der Geschichte um den Zauberer Krabat, hat ihren Ursprung in einer sorbischen Sage. Die insbesondere durch die Bücher von Jurij Brezan "die schwarze Mühle" von 1968 bzw. "Krabat oder die Verwandlung der Welt" von 1976 und "Krabat und die Bewahrung der Welt" von 1993, und dem Kinderbuch von Otfried Preußler "Krabat" von 1971 bekannt wurde.

Beide Autoren haben als Grundlage die sorbische Sage, jedoch hat jeder für sich eine eigene Geschichte geschrieben.

Brezans Werke sind normale Roman, die Geschichte von Preußler ist ein Kinderbuch.

Die Geschichten beider Autoren haben miteinander nichts zu tun, und sind eigenständige Geschichten die lediglich ihren gemeinsamen Ursprung in der sorbischen Sage haben.

Somit fällt ein vergleich beider Autoren aus.

Der Film orientiert sich nach dem Buch von Preußler

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