Bestellen bei Buecher.de! Preis: 8,95 €
Bestellen bei Amazon.de! Neu ab 4,00 €, gebraucht ab 0,49 €.
Neue Bücher bestellen bei: Buch.de.de, Buch24.de, Bol.de, Libri.de, Thalia.de
Gebrauchte und neue Bücher bestellen bei: AbeBooks.de, Booklooker.de
Der Tod vereintZeitlose Gültigkeit hat diese Tragödie. Und Sophokles hat mit seinem Stoff auch Jean Anouilh berühmt gemacht, ja, zum Weltrum verholfen. Zurecht! In Anlehnung an die Zeit in Griechenland verfasste er seine brillante Version von der kleinen Antigone. Nichts von der Spannung geht verloren,wenn man die Sprache in eine aktuell gültige verwandelt. Die Schwere der Dialoge wird allerdings weniger deutlich, die Argumentation hier mit bissiger Ironie garniert.
Hochmut kommt vor dem Fall, und Antigone sagt sehr wohl, dass sie den Tod erwartet, wenn sie gegen Kreons Gesetze verstösst. Und Kreon sagt nichts anderes, wenn er sie vergleicht mit der Art ihres Vater Ödipus, dem er gleiches unterstellt. Vielleicht weil er sein Spiegel war.
Kurze Übersicht:
Zahlreiche Götter standen den Menschen im alten Griechland zur Verfügung. Die Menschen fanden ihr Heil und ihren Zuspruch bei ihnen. Kreon, König von Theben jedoch, leitete sein Eigen- und Starrsinn. Daher wagte niemand ihm zu widersprechen, sein Leben galt der Tyrannei. Kreons Nichte, Antigone, gleichzeitig Tochter des Ödipus und zukünftige Braut Kreons Sohns, konnte jedoch aus dem Ehrgefühl und Glauben gegenüber den Göttern nicht anders, als ihren Bruder ordentlich zu bestatten. Dieses hatte Kreon jedoch unter Todesstrafe verboten, da dieser Bruder nach Verbannung gegen Theben kämpfte. Der weitere Bruder, beide im Kampf der Geschwister getötet, wurde die Würde eines ordentlichen Begräbnisses innerhalb der Stadtmauern Thebens zuerkannt. Folglich musste Kreon, seiner eigenen Diktatur verpflichtet, Antigone opfern. Die Tragödie nimmt ihren Lauf. Die nun folgenden Dispute innerhalb Thebens, der Vater-Sohn Konflikt und deren unterschiedliche Argumentation in den feurigen Reden sind eine Meisterleistung der Rhetorik in der Ursprungsfassung, hier ein wenig nachstehend und fad.
Dennoch kommt Hämon deutlich der Sache auf der Spur, in dem er sein junges Leben an der Seite des Vaters Revue passieren lässt. Er glaubt, er träumt, weil sein Vater nie so war, wie er ihn nun sieht. Er wird erwachsen, weil er sich löst, und der Vater Kreon will es so, weil sein Sohn sich ihm beugen soll. Diese Lösung im doppelten Sinn ist der Tod.
Letzten Endes fällt auf den alles zurück, der die Tat begann. Ein Seher vorhersagt die Zukunft, der vermeintlich starke Kreon ignoriert und bleibt bei seinem Weg. Sein Handeln erinnert an Buridans Esel, der zwischen zwei Heuhaufen sterben musste. Übertragen auf zwei gleichwertige Rechtsansprüche, dem Anspruch des Staates und dem Anspruch der Familie im Sinne der Götter, blockiert offensichtlich der Verstand und verliert gegenüber dem Starrsinn.
Es sterben Antigone, ebenso Kreons Sohn; beide durch Selbsttötung in der Straf-Höhle, ebenfalls seine Frau Eurydike durch eigene Hand im Palast. Die Handelnden gegen falsches Recht ergeben sich nicht nur. Sie entziehen sich durch Tod, der weniger grausam ist, als ein falsches Leben. Zurück bleibt ein gebrochener Mann, der zu spät die Überspitzung seines Eigen- und Starrsinns anerkennen muss.
Und am Ende resümmiert Kreon, das es das beste sei, nichts zu wissen. Solange dieses vorherrscht, ist man nicht erwachsen. "Man sollte immer ein Kind bleiben können", sagt er. Erst im Erwachsenenalter werden die Fehler gemacht, die ihn nun in die Einsamkeit versetzen.
Und der Sprecher (als Alternative zum Chor) beendet die Tragödie mit dem Satz: "Die, die sterben mussten sind tot. Die einen, die an etwas glaubten, die anderen, die das Gegenteil glaubten selbst jene, die zufällig in die Geschichte hineingezogen wurden, ..."
Der Tod ist demokratisch.
Dieses Werk steht dem Original von Sophoklos in nichts nach.Anouilhs Adaption der Antigone von Sophokles kommt dem Original sehr nahe und ist doch sehr weit von ihr entfernt. Kreon scheint hier zwar menschlicher, doch wird er nicht wie bei Sophokles von Einsicht geläutert. Wichtige Personen bei Anouilh sind die Wächter als Vertreter des Volkes. Alles geht an ihnen vorrüber. Die sieben Konflikte der Original-Antigone werden leider vernachlässigt. Man sollte zuerst das Original und dann die Adaption von Anouilh lesen.
Ein Stückchen unvergessenes Heldentum für die MenschheitAnouilhs Version der Antigone ist keineswegs eine "frivole Parodie auf die klassische Fassung" von Sophokles (laut französischer Ausgabe von 1946 ein häufiges und schnelles Urteil des Theaterbesuchers um die Mitte des 20. Jahrhunderts), sondern - meiner Meinung nach - ein surreales Meisterwerk! Wie schon des öfteren erwähnt wurde, steht Anouihls 1944er-Antigone der "Original-Antigone" von 441 v. Chr., in nichts nach. Sie ist ebenso faszinierend und gar ein wenig mehr berührend - so lernt der Leser die kleine Antigone ein wenig besser kennen und lieben, so dass am Ende vielleicht sogar ein paar Tränchen fließen werden ...
Im Gegensatz zu Sophokles' Version braucht der Anouilh-Leser weniger Fantasie, da dieses moderne Drama im Gegensatz zur antiken Tragödie ein wenig mehr Erläuterung liefert, wenn auch nicht zu jedem Punkt. Der antike Chor wurde durch einen Sprecher ersetzt, die Geschichte jedoch nicht wirklich verändert, die Charaktere gut interpretiert, auch wenn ich mir noch nicht ganz einig bin, ob Anouihls 'französische Ismène' (Antigone's Schwester) nicht vielleicht ein wenig anders wirkt als die Ismene der deutschen Übersetzung ... Die deutsche Übersetzung von Franz Geiger ist auch ein bisschen kürzer geraten als Anouilh's Original. Ein paar Sätze wurden verkürzt, was ich sehr bedauere, da sie dadurch - meiner Meinung nach - ein wenig an Ausdruck verloren haben. Empfohlen wird auf jeden Fall, zuerst Sophokles Antigone zu lesen!
Dennoch handelt es sich um ein Meisterwerk, das einem sowohl das Drama als auch bzw. vor allem die antike Tragödie ein Stück näher bringen kann. Zum Inhalt verrate ich daher an dieser Stelle bewusst nichts - in der Hoffnung, dass auch Sie zu diesem kleinen Büchlein greifen und ein wenig die fast 2500 Jahre alte und dennoch nie vergessene heldenhafte Antigone kennen lernen!
Moderne Version des antiken StoffesIn diesem Drama arbeitet Jean Anouilh den antiken Stoff der Antigone auf indem er ihn ins zwanzigste Jahrhundert überträgt, was ihn für den Leser leichter verständlich macht. Seriös und doch humorvoll gestaltet er die dramatische Geschichte um Antigone. Leider kann auch sein Schreibstil nicht über die zeitweise langatmige Handlung hinwegtäuschen. Trotzdem ein recht empfehlenswertes Buch.
Becket - ein Leckerbissen für jeden Schauspieler!Noch nie in meinem ganzen Leben las ich ein Buch, das derartig faszinierende, ausgefeilte und breitgefächerte Charaktere beinhaltete wie dieses brillante, bitterböse Meisterwerk von Jean Anouilh. Mir als Schauspielerin wurde erst kürzlich die große Ehre zuteil, in einer Hosenrolle den König Heinrich II. zu spielen. Deshalb freute ich mich natürlich ganz besonders über die aufregende psychologische Ausgestaltung der Charaktere. Den König als weinerliche, hysterische Schwuchtel und seinen Gegenpart Thomas Becket als aufreizend stoischen, kalten "Fels in der Brandung" zu portraitieren, ist nicht nur ein einmaliger Kunstgriff Anouilhs, sondern ein besonderer Leckerbissen für jeden Schauspieler.Vergesst den "Faust", vergesst den "Hamlet" - jede einzelne Figur in "Becket oder Die Ehre Gottes" ist die ultimative Herausforderung, die absolute Traumrolle und sicherer Glanzpunkt in jeder Karriere!