Hölderlin, Friedrich

Interpretationen. Gedichte von Friedrich Hölderlin

Interpretationen. Gedichte von Friedrich Hölderlin
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Erscheinungsdatum: 1995
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 224
  • ISBN: 3150094720
  • EAN: 9783150094723
  • Amazon.de Verkaufsrang: 84.501
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Helga König fanden 25 von 36 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Jedes Wesen soll der Liebe frei und froh, wie wir, sich weihn!( Hölderlin)

Johannes Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843) schrieb seine Lyrik im Spannungsfeld zwischen griechischer Antike, Weimarer Klassik und deutschem Idealismus einerseits, andererseits wurde das Schaffen des Dichters auch durch die Ereignisse der Französischen Revolution beeinflusst.

Hölderlins Hymen an die Menschheit, die Schönheit und Freiheit, die Liebe( hieraus folgender Vers: Liebe wallt durch Ozeane/ Durch der dürren Wüste Sand,/ Blutet an der Schlachtenfahne/Steigt hinab ins Totenland!/Liebe trümmert Felsen nieder,/Zaubert Paradiese hin,/ Schaffet Erd und Himmel wieder-/Göttlich, wie im Anbeginn./) als auch an den Genius der Jugend beeindrucken den Leser ebenso wie seine Elegien " "Griechenland" und " das Schicksal", wo der Dichter um das Versunkene trauert und zeitgleich einen Aufschwung zu einem neuen geistigen Griechentum erhofft.

Menons Klagen um Diotima, Der Archipeglagus, Patmos und Ganymed zählen wohl bereits zu Hölderlins Spätlyrik.

Unerschöpflich sind die edlen Methaphern, ersehnen sie in antiken, elegischen und freien Rhythmen Wiederkehr göttlicher Macht, neuen Göttertag über der Nacht der Gegenwart , erhoffen gewissermaßen ein neues Griechenland.

Habe folgende Zeilen Hölderlins für Sie ausgewählt:

" Aber wir, zufrieden gesellt, wie die liebenden Schwäne,

Wenn sie ruhen am See, oder , auf Wellen gewiegt,

Niedersehn in die Wasser, wo silberne Wolken sich spiegeln

Und ätherisches Blau unter den Schiffenden wallt,

So auf Erden wandeln wir. Und drohte der Nord auch,

Er, der Liebenden Feind, klagebereitend, und fiel

Von den Ästen das Laub und flog im Winde der Regen ,

Ruhig lächelten wir , fühlten den eigenen Gott

Unter trautem Gespräch; in Einem Seelengesange,

ganz in Frieden mit uns kindlich und freudig allein.

So schreibt dieser Lyriker und an anderer Stelle hält er fest: " Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste..... und es neigen die Weisen oft am Ende zu Schönem sich."

Lesen Sie bitte selbst! Sie werden begeistert sein!

Empfehlenswert.

Diese Rezension von kpoac fanden 17 von 27 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen "... und es neigen die Weisen oft am Ende zu Schönem sich." (Hölderlin)

Friedrich Hölderlin (1770-1843) war zu Lebzeiten und noch viele Jahrzehnte danach als Dichter völlig unbekannt. Erst das 20. Jahrhundert hat seine poetische Größe wahrgenommen. Deutlich wurde Hölderlin als Spiegel, in dem sich viele Große sahen. Sie wollten ihn nicht überflügeln, um eigene Bedeutung zu erlangen, sie fühlten sich als Ahnen einer übersinnlichen Welt. Und doch war er derjeneige, der nicht an sich glaubte, der Selbstzweifler, der sich ständig um das Aufgenommenwerden in den erlauchten Kreis um Schiller, Goethe bemühen musste. Jena und Frankfurt waren seine Orte, Diotima sein Angebetete, die er nur im Sinne des Blühens erlebte, ein Zusammen-Sein war ihnen nicht vergönnt. Hölderlin war immer nur ein Werdender, er stebte nach der Vollkommenheit seiner selbst, die er in den Gedichten bereits andeutete. Er suchte das Griechische im Hyperion, dem Sonnengott. Auch wenn der Dämon ihn ergriff, er im immer nur Himmlischen dachte, er die Welt der Antike zu einer neuen Welt der irdischen Götter erheben wollte, so blieb doch etwas für die Nachwelt, was ihm niemals gegeben war: Gegenwart. Diese Gegenwart erkennen wir heute in seinen wunderbaren, auch sphärischen Gedichten in brillanter Sprache.

Wer also die Möglichkeiten deutscher Sprache kennen lernen möchte, ist mit Hölderlin auf der richtigen Spur. Warum? Hölderlin tritt nicht auf mit Vergleichen, die dem Besserwissen ähnlich sind. Hölderlin integriert das Gegenteil von etwas wie ein Verflochtendes und dann schon Erwartetes ohne Rückblick auf einen dennoch herauszuhörenden Mangel. "Versöhnender, der du nimmergeglaubt nun da bist."

Wie dem wirklich Liebenden auch das Recht ist, was gegen den Geliebten spricht, so findet er letztlich das, was die Liebe ist: Zustimmung. "Versöhnung ist Mitten im Streit und alles Getrennte findet sich wieder".

Oder der angestrebte Gegenton, der jedes vermeintliche Negative hinüberettet in eine positive Stimmung, eine Dialektik in der Sprache. "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Die Freundschaft mit Hegel aus der gemeinsamen Tübinger Stiftszeit ab 1790 ist nicht zu verkennen.

Wo Sprache als Nichts empfunden wird, feiert Hölderlin den Ton, sagte Martin Walser über Hölderlin. "... fühlten den eigenen Gott / Unter trautem Gespräch... " schrieb er in "Menons Klagen...", in Erinnerung an die gemeinsame Jenaer Zeit mit Schiller, der im Ideal sagte: "... fühle den Gott, den du denkst". Und diesen Dualismus von Ratio und Emotio liebte Heidegger bei Hölderlin: "Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste". Hölderlins Zeile teilt sich, die Mitte umschließen zwei Verben, "Das Mögen ruht im Denken", so Heidegger. Ein wunderlicher Rationalismus, der die Liebe auf das Denken gründet. Ein fatales Denken, dem Sentimentalität entspringt. In dieser Tiefe entspringt der Mythos, die Metaphorik eines Hölderlins, der Natur in ihrer Schönheit erkennt und in ihr den gespiegelten Himmel, das Göttliche preist. Idealismus und Humanität sind seine Begleiter, das Übersinnliche zwingt ihn zum Alleinsein im Tübinger Turm.

Diese Rezension von helmut seeger fanden 4 von 19 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Lebensferne und Weltabgewandtheit

Ich kann den Kommentar nicht beurteilen und nicht den Wert dieses Bandes für die Fachwelt, da ich nur die Gedichte gelesen habe. Aber den unbedarften Leser vor dieser Lyrik warnen, das sollte noch erlaubt sein.

Man soll Dichtern nicht trauen, die - wenn ich die Biografie richtig gelesen habe - über Bordeaux nicht hinausgekommen sind, sich aber über "Palmyra" und die "Städte des Euphrats" auslassen.

Wer so lebt, wie dies in Hölderlins Gedichten zum Ausdruck kommt, verrät seine Lebensferne und Weltabgewandtheit derart, dass der Wahnsinn nur noch ein folgerichtiger Schritt scheint.

Kurz: hier handelt es sich um eine stilisierte und klassisch inspirierte gebildete Lyrik, die ausschließlich für Intellektuelle oder Bildungsbürger überhaupt von Interesse ist - und natürlich für Germanistikstudenten. Dumm dabei ist nur, dass die alten Griechen so vergeistigt nie geschrieben haben wie es Hölderlin tut - und für ein Liebesgedicht Ovids kann man den gesamten Hölderlin getrost in die Tonne tun.

Der klassischen Sprache Hölderlins steht in der Regel keinerlei Sinn oder Zweck entgegen, welche diese dem Leser nachvollziehbar machen würde, so dass diese Gedichte, Hymnen und Nachtgesänge etwas von Geschwafel haben: - viel sprachlicher Gestus, aber ohne jeglichen Hintergrund - und so eine gewaltige Leere beim Leser hinterlassen.

Keinerlei Witz, keine Überraschungen, ja nichts Menschliches tritt dem Leser aus diesem vergeistigten und pseudointellektuellen Werk entgegen, aber erstaunlicherweise auch keine tiefergehenden Gedanken. In dieser Hinsicht dürfte Hölderlin in der deutschen Lyrikgeschichte tatsächlich ziemlich einzigartig dastehen.

Ich habe mich bei der Lektüre gefragt, wie viele der Besucher des Hölderlin-Turms schon mal den viel schwereren Gang in das Innere seiner Lyrik angetreten haben. Allzu viele dürften es wohl nicht gewesen sein.

Auf jeden Fall würde man der geneigten LeserIn vor dem Lesen empfehlen, das Handbuch zur griechischen Mythologie oder einen Wikipedia-Zugriff bereitzuhalten - wenn es sich denn lohnen würde. Aber das tut es im Grunde nicht. Dazu ist das Werk dann schlicht zu langweilig.

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