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Anders als in Charles Baudelaires :Die Blumen des Bösen9 reimt sich in Robert Gernhardts :Die Blusen des Böhmen9 kein Wort aufs andere, und doch paßt alles zusammen: Das 1977 erstmals erschienene Buch mit mehr als hundert Bildergeschichten und Fotoromanen, Karikaturen und Kurzgeschichten, Kriminalstories und Märchen durchmißt das weite Rund der Komik, die das Leben schreibt, und läßt kaum einen Sachverhalt ungeschoren, kaum etwas unberührt. Berichtet wird unter anderem davon, wie die Lektüre des Otto-Katalogs das Leben des 'Erleichterungstrinkers' Ralf von Grund auf verändert, vom lieben Gott, der über die Erde wandelt und einen richtig netten Abend beim reichen Mann verbringt, über Ehen im Sturm oder die 'sensationelle Super-Sauerei'. Ob Fußball oder Wetterbericht, Pornogroßhandel oder Weihnachten, Erster Weltkrieg oder Belsazars Tod - kein Thema ist schrecklich genug, als daß ihm Robert Gernhardt nicht eine komische Seite abgewinnen könnte - meist eine schrecklich komische.
Enttäuschend.Nun ja, man weiß es ja, Robert Gernhardt, Mitbegründer "Der Neuen Frankfurter Schule" ist einer der ganz großen, was den
deutschen oder besser gesagt den hiermit bezeichneten
frankfurter Humor des ausgehenden 20 Jahrhunderts angeht. Dies stimmt und ist unbestreitbar.
Da die neue frankfurter Schule, wie
man auch weiß, längst von allen in den kulturellen Himmel
gelobt wird, ist es auch klar das Robert Gernhardts Witze
von allen Seiten als Hintergründig und Niveauvoll bezeichnet werden. Dies aber sind sie nicht. Zumindest nicht in jedem Fall
und ganz bestimmt nicht in diesem Fall.
Robert Gernhardts Werk der 60er und frühen 70ger Jahre
definiert sich durch etwas, was der Dichter selbst (!!!) als
"Anti-Komik" bezeichnet hat. Flächste Flachwitze und Nonsens, der durch gewollte Nichtwitzigkeit die Komik der damaligen Zeit als solche ad absurdum fürhen sollte. Nun ist dies ein Genre welches schon nicht jedem gefällt, welches aber von denjenigen die es zu schätzen wissen unter dem Motto "so richtig schön doof" herzlichst belacht oder auch einfach nur gewürdigt werden konnte, der bloßen Idee wegen. Doch zu würdigen gibt es hier
wirklich gar nichts.
"Die Blusen des Böhmen" ist wirkliche "Anti-KomiK". Es ist
einfach Nicht lustig. Die Anti-Komik funktioniert ja manchmal, aber hier hat Herr Gernhardt halt einfach ziemlich viel verbauert und in den Sand gesetzt.
Die manchmal relativ langen Kurzgeschichten
sind, wie ja auch überall angepriesen, vollkommen Sinnlos. Aber
mehr eben auch nicht. Diese Sinnlosigkeit rechtfertigt nicht die Länge der Texte. Sprich so viel Sinnlosigkeit auf ganze Kurzgeschichten gestreckt hat einfach überhaupt keine Würze mehr.
Am Ende der Texte angelangt bleibt nichts ausser ein unbefriedigtes Kopfschütteln.
Ich gebe zu noch nicht alle Geschichten gelesen zu haben,
aber man will eigentlich auch gar nicht weiterlesen.
Der erste Eindruck lässt unbefriedigt.
Eine Ausnahme: Die Kurzgeschichte "Treatment zu einem Fussballfilm".
Viel schlimmer noch die Photogeschichten. Mein krasses Urteil: Belanglos.
Das einzige was das Buch ein wenig rausreisst sind
die Bilder und Cartoons. Zwar noch ein wenig unbeholfen gezeihnet (Ebenfalls
vom Zeichner selbst zugegeben: Er konnte damals einfach noch
überhaubt nicht zeichnen - Zitat aus dem Anhang des Buches
Vom schönen guten Baren) was Nicht-Profis zwar nicht auffallen sollte. Diese Bilder und Cartoons sind schon ganz nett. Aber auch nur für den Liebhaber jenes Humor-Genres. Und
wirklich vom Hocker reissen sie einen auch nicht.
Und ein Satz zu Feingeistigkeit und Niveau: Robert Gernhardt
macht gelegentlich geschichtliche Ereignisse und Szenarien der Hochkultur zum Rahmen seiner Kurzgeschichten nur aber
um in ihnen Unsinn aufzubauen der auch in jedem anderen
Szenario aufgebaut werden könnte. Nur wenn man Charakteren der
Weltliteratur Unsinn in den Mund legt, ist dieser Unsinn
noch lange nicht niveauvoll. Die Sinnlosigkeit die in diesem Buch
zu finden ist hat mit gewitzter oder gar philosophischer Feinsinnigkeit wenig bis gar nichts zu tun. Ausnahmen bestätigen da nur die Regel. Größtenteils enttäuschend und nicht empfehlenswert.
Genial absurd!Um es vorwegzunehmen, ich liebe dieses Buch. Es hat mir auf endlosen Zugfahrten und Urlaubsreisen immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Nicht zu vergessen die vielen Partys, die uns die herrlich skurilen, wie hintersinnigen Geschichten versüßt haben. Kurzum ein Feuerwerk an genialen wie auch absurden Einfällen. Da wird von einer Knäckebrotmine berichtet, oder der liebe Gott wandelt über die Erde und klopft beim reichen Mann, oder es wird vom Pornogroßhändler im Glück berichtet... und, und und. Für jeden der etwas übrig hat für schwarzhumorige Geschichten, oder seltsam schräge Stories ist hier genau richtig. Ein Meisterwerk der Komik.
koestlichMit "Die Blusen des Boehmen" ist Robert Gerhardt ein ganz besonderes Werk gelungen. In diesem Buch werden allerlei schraege Geschichten und Karrikaturen zusammengefasst, von der Knaeckebrotmine bis hin zum Pornofilmhaendler und sogar Gott ist so ziehmlich alles vertreten. Beim Lesen koennen wirklich Traenen gelacht werden, und die skurillen Geschichten sind auch beim Weitererzaehlen auf Parties immer wieder gut. Der Autor beweist in diesem Buch guten Sinn fuer Humor und versteht es meisterhaft, kurze Geschichten interessant und mit viel Wuerze zu erzaehlen. Dabei entsteht die eigentliche Komik oft dadurch, dass Robert Gerhardt gar nicht versucht lustig zu erzaehlen sondern alltaegliche Banalitaeten und Hirngespinste einfach nur in seiner eigenen Sprache wiedergibt. Auf den ersten Blick oberflaechliche Themen stellen sich hierbei oft als tiefgruendig heraus und zeigen das wirkliche Leben aus der Sicht eines neutralen Betrachters. Dieses Buch ist lesenswert und absolut nicht langweilig, eine absolut erfrischende und empfehlenswerte Lektuere!