Löns, Hermann

Der Wehrwolf

Der Wehrwolf
  • Verlag: Sponholtz
  • Erscheinungsdatum: 1996
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 192
  • ISBN: 3877663095
  • EAN: 9783877663097
  • Amazon.de Verkaufsrang: 228.592
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Beschreibung von buecher.de

Die Bauern der Lüneburger Heide sind ein hartschädeliger Menschenschlag, der nicht so leicht den Rücken vor fremden Herren beugt. Das mussten schon die Römer erleben und auch den Franken unter Karl dem Großen gelang es erst nach blutigen Schlachten, die germanischen Stämme des Nordens zu unterwerfen. Im Dreißigjährigen Krieg schließen sich die Heidebauern zu einem Geheimbund, den 'Wehrwölfen', zusammen, um ihre Familien und Höfe gegen die plünderden und mordenden Söldner und anderes Raubgesindel in deren Gefolge zu verteidigen. Der 'Wehrwolf' hat trotz der kritischen Distanz, mit der er heute gelesen werden sollte, nichts von seinem sprachlichen Reiz verloren. Auch in Leinen oder Leder gebunden lieferbar.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von M. Ernst fanden 29 von 29 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein bedrückendes Bild des Dreißigjährigen Krieges

"Der Wehrwolf" schildert in sehr eindringlicher Weise die Grausamkeiten des 30jährigen Krieges. Ein kleines Dorf in der Heide hat unter den ständigen Übergriffen und Plünderungen durch Marodeure und Soldaten zu leiden. Die Bauern ziehen sich mit Hab und Gut in ein unwegsames Gebiet zurück und gründen einen Bund, die "Wehrwölfe". Gemeinsam gehen sie von nun an mit brutaler Gewalt gegen jeden Plünderer und jeden Soldaten vor, der sich ihrem Einflussbereich nähert. Erstere werden aufgehängt, letztere erschossen.

Über eine Zeitraum von mehr als 20 Jahren hinweg verfolgt Löns das Leben des Bauern Wulf, der seine erste Frau und zwei kleine Kinder bei einem Überfall von Landsknechten auf seinen Hof verliert. Aus dem lebenslustigen, fröhlichen Mann wird im Laufe der Kriegsjahre ein ernster, abgestumpfter Rächer und schließlich ein Nervenkranker, der am Ende des Buches nicht einmal mehr Blut sehen kann.

Die Atmosphäre des Werks ist bedrückend, man fühlt die ständige Bedrohung der Heidbauern durch Schweden, Dänen, Kaiserliche und Waldsteiner in jedem Satz. Nur in der Gemeinschaft sind sie stark, nur in der Gruppe können sie überleben. Worte helfen nicht in dieser Zeit, nur wer Gewalt anwendet, hat eine Chance gegen die um sich greifende Anarchie.

Dem gern als "Heidedichter" verniedlichten Löns ist mit dem "Wehrwolf" ein großes Stück Literatur gelungen, ein dichtes Porträt einer chaotischen, lebensfeindliche Zeit. Sehr lesenswert, gerade heute!!!

Diese Rezension von fiveks6 fanden 12 von 12 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Starker Tobak

Kein anderer außer Hermann Löns schafft es, Flora und Fauna der Lüneburger Heide, trotz des 30. jährigen Krieges mit Worten zu beschreiben. Löns lässt Harm Wulf und seine "Wehrwölfe" sich diese Natur zu Eigen zu machen und trotzt den Invasoren 30 Jahre lang. Geschick und Diplomatie ließen den Heidbauern ein fast gutes Leben - wenn sie nicht grad das schmutzige Geschäft des tötens in einem Guerillakrieg nachgingen, hatten sie genug Nahrung und Waffen.Allerdings wurden Harm Wulf und seine friedliebenden Dorfbewohner aus ihrer Idylle herausgerissen, nachdem die ersten Landsknechte raubend, brandschatzend, vergewaltigend und tötend die Heid-Dörfer aufsuchten; Leid, Krankheit und Tod hinterließen sie.Löns, zwar meist schwere, aber auch nüchterne Beschreibung der Handlungen fand zur NS-Zeit großen Anklag in Deutschland. Daher wurde dieses Werk als Pflichtlektüre der Nationalsozialisten eingesetzt, welches aber durch die siegreichen Alliierten auf den Index gestellt wurde - Heute aber glücklicherweise wieder zugänlich ist, weil man doch erkannte, das dieses Werk zu einem der bedeutesten Werke deutscher Literatur zählt.Für den jüngeren Leser könnte die (teilweise) norddeutsche Sprache sich schwierig gestallten. Wer sich trotzdem heranwagen will, wird schnell herausfinden, wie schnell diese Sprache zu verstehen ist.

Diese Rezension von Peter Linke fanden 12 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Bauern wehren sich im 30 jährigen Krieg

Der Wulfsbauer Harm Wulf übernimmt die Führung der Bauern aus dem Wietzenbruch, um sich gegen die brutalen Brandschatzer im 30 jährigen Krieg zur Wehr zu setzen. Dabei gehen die Bauern ebenso rücksichtslos vor wie die Eindringlinge. Schicksalschläge, Hungersnöte und die Pest halten Einzug bis es 1648 zum Friedensschluss kommt. Diese Beschreibung von Hermann Löns liefert einen guten Einblick über das Leben in meiner Heimat vor fast 400 Jahren.

Diese Rezension fanden 20 von 27 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein deutscher Hau-Drauf Klassiker

Löns' Wehrwolf... eine Abenteuergeschichte pur, voll von derben Bauern, die sich in niedersächsisch-bockbeiniger Manier weigern, von den marodierenden Truppen, Heeren und Völkerschaften des 30-Jährigen Kriegs abschlachten zu lassen. Dabei legen sie eine so unabhängige und selbstbewußte Art ihrer Überlebensführung an den Tag, daß es dem politisch-korrekten deutschen Wohlstandsbürger und Anspruchsdenker schaudern sollte: Statt "Trauerarbeit" und "Querdenken" ein Schlag mit dem Bleiknüppel! Dabei bleiben Löns' Charaktere immer Menschen mit einigem seelischen Tiefgang, keine Bud-Spencer Karikaturen. Von Geisteshaltung und Handlung her ist der Wehrwolf in seiner stark Selbständigkeit, Familie und indididueller Verantwortlichkeit betonenden Philosophie vergleichbar mit Mythos und Ethik der American Revolution von 1775...Das wird vielen in Deutschland kaum gefallen...

Diese Rezension von M.M. fanden 15 von 26 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Blutiger Wahn - Löns Vision des dreißigjährigen Krieg

Es war an einem Freitag in Bremen und ich besuchte auf den Tipp meiner Schwester hin ein Antiquariat. Ein richtig verwinkeltes Schmuckstück, staubige Bücher bis an die Decke gestapelt. Muffige Luft mit dem Duft alten Papiers geschwängert. Und dazu passend ein zusammen bestimmt 160jähriges Ehepaar als Verkäufer. Eine nur grobe alphabetische Unterteilung nach Autoren macht die Suche zu einem wahren Odyssee. Vergilbte Taschenbücher aus den 50ziger bis 70ziger Jahren stehen neben uralten Leinengebundenen Ausgaben der Präweltkriegsära... Und wie ich so mit fasziniertem Blick, der Jagdinstinkt frisch entflammt, an den Regalen entlang stöbere, fällt mir auf dem Fensterbrett ein Stapel mit noch nicht einsortierten Büchern auf, zuoberst ein unseliger Schinken von John Irving und darunter leuchtet mir das braune Leinen eines unscheinbaren Einbandes entgegen. Jahrzehnte musste dieses Buch sein Schattendasein in irgendeinem vergessenen Bücherschrank gefristet haben. Denn es erschien noch gut erhalten, kaum abgegriffen. Das Buch war „Der Werwolf" von Löns, in einer Ausgabe von 1930. Das musste ich haben, für 3 EURO wanderte es in meine gierigen Hände...Innerhalb kürzester Zeit, in wahnhaften zwei Wochen (wie die Legende zu Berichten weis), schrieb Löns dies Werk herunter. Ein kreativer Ausbruch wie er typisch für diesen als romantischen Heidedichter verklärten Besessenen zu sein scheint..."Der Wehrwolf" ist eine blutige verstörende Angelegenheit, wie ein verzerrtes Echo des sich am Horizont abzeichnenden ersten Weltkrieges... Das Brägen spritzt durch die Heide und die Landsknechte haben wenig zu Lachen... Auf den ersten Blick Scheint es ein typisches Stück Blut und Boden Literatur zu sein und dennoch bin ich auf seltsame Weise davon fasziniert. Der ideologische Missbrauch der Nationalisten (Lönskult im Heidegau in den 30iger Jahren) hat der einfachen aber dennoch kraftvollen Sprache nichts anhaben können. Vor allem der Norddeutsche Slang der Heidjer, das bäurische Weltbild und Selbstverständnis als Wehrbauern, macht das ganze sehr authentisch. Man merkt das Löns sich intensiv mit der Lebensart, Sprache und Geschichte der Heidebauern auseinandergesetzt hat. Ein blutiges Spiegelbild einer längst versunkenen Welt, denn den bei ihm beschriebenen Heidjer gibt es schon lange nicht mehr. Ein Buch das aufgrund seines absolut parteiischen Blickwinkel einen hohen Grad der Identifizierung mit den Protagonisten aufdrängt. Diese bis zum schmerzhaften Exzess gesteigerte Subjektivität ist aber auch die größte Schwäche des Buches...

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