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Als 'großen epischen Spaß' haben Leser und Kritiker Die Aula gefeiert. Robert Isewall, der plötzlich eine Abschiedsrede halten soll, weil die Arbeiter- und Bauernfakultät geschlossen wird, kramt in Erinnerungen. Hinter den Anekdoten aus der Studentenzeit in den fünfziger Jahren machen sich bald beunruhigende Fragen bemerkbar. Unversehens werden seine persönlichen Reminiszenzen zur Geschichte einer ganzen Generation. Der Humor und die Ironie, mit denen die 'Lebenserinnerungen eines jungen Mannes' erzählt werden, haben den Roman zu seinem großen anhaltenden Erfolg geführt.
muss man gelesen habenAls Schülerin der Sekundarstufe II werde ich ab und zu von meinem Deutschlehrer mit einer Lektüre betraut. Dass ich davon nicht immer begeistert bin, ist wohl leicht einzusehen. Bei "Die Aula" war es ähnlich, der erste Eindruck war "Mann, ist das dick!" Am Anfang hab ich mich auch ein wenig schwer getan. Aber je weiter ich voran kam, desto mehr Gefallen hatte ich an dem Buch, den Figuren, den Geschichten und Anekdoten. Vor allem die Schreibweise Kants, wie er das alles erzählt, hat mich gefesselt. Und es kam, wie es kommen musste: Sobald ich die letzte Seite fertig hatte, fing ich das Buch von neuem an zu lesen... Ist mir noch nie passiert, aber es war wirklich so!
Reise in die jüngere Vergangenheit.Der Auftrag der Universitätsleitung schien simpel: Romanheld Robert Iswall, ein Ehemaliger, der einer der ersten Studenten an dieser Universität gewesen ist, wird um einen Gefallen gebeten. Er soll zu einer geplanten Abschlußfeier des laufenden Semesters eine Rede vorbereiten und diese auch halten. So weit, so gut. Spontan fühlt sich Iswall geehrt und malt sich bereits aus, wie die Zuhörer seinen milden und besonnenen Worten lauschen werden, sah vor sich die zufrieden schauenden Würdenträger der Universität in der ersten Reihe sitzen, wie er diesen und jenen erfolgreichen Abgänger und verdiente Wissenschaftler, die an der Universität ihr Handwerk gelernt haben, loben und ehren würde. Der Saal, festlich geschmückt, wäre beinahe überfüllt und alle warteten gespannt, wie Robert Iswall fortfahren würde. Diese Gedanken kamen ihm anfangs; der Roman von Kant wäre eine Hommage an eine Universität geworden. Doch Iswall zögert mit der Ausformulierung deiner Rede und so ist der Grundstein für einen durchaus nicht erwarteten Verlauf des Buchs gelegt. Der Romanheld erinnert sich an seine Zeit an der Universität zurück, eine Reise in die Vergangenheit beginnt. Er läßt die ersten aufregenden Tage an der neuen Universität Revue passieren, in denen nicht nur für Iswall, sonder auch für die Dozenten alles neu war. Es kommen Erinnerungen an seine Zimmerkollegen hoch. Die waren ihm ans Herz gewachsen. Es waren richtige Freundschaften daraus geworden, nicht zuletzt weil alle ein ähnliches Schicksal in den ersten Tagen der neuen Deutschen Demokratischen Republik erfahren hatten. Die Zeit, in der der Roman angesiedelt ist, spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Kurz nach dem Krieg gab es zunächst andere Sorgen, als an das Studieren an einer Universität zu denken. Die Tatsache, daß zahlreiche Männer und Frauen es doch gemacht haben, zeigt die Entschlossenheit derer, die heutzutage bestimmt nicht jeder als typische Eigenschaft für die damalige Zeit ansehen würde. Die Schwierigkeiten waren groß und fast unüberwindbar. Es herrschte nach den Kriegswirren weiterhin Existenzangst. In eine solche Grundstimmung läßt Kant die Erinnerungen von Robert Iswall gleiten. Über den Hintergrund einer Universität schildert er Begebenheiten aus dem Leben, die sein Romanheld Iswall durchlebt. Nach und nach kommen Iswall nicht nur die angenehmen und lustigen Seiten seiner Studienzeit hervor, Ängste, Liebe, Enttäuschungen, Verzicht, Spaß - die Palette der Erinnerungen ist groß. Auch die alten Freundschaften interessieren ihn wieder. Einige Mitstreiter hatte er seit dieser Zeit nicht mehr gesehen, man hatte sich aus den Augen verloren. Iswall ist jedoch ambitioniert bei der Sache, seine damaligen Kommilitonen wiederzufinden. Auch seine Erfahrungen mit Frauen, die er in jener Zeit gemacht hat, bewegen ihn mehr und mehr. Kant gelingt es ein Bild aus der Sicht eines DDR - Bürgers auf die Anfänge des Arbeiter- und Bauernstaates zu entwerfen. Das Bild ist sicherlich geprägt von seinen eigenen Erfahrungen, zahlreiche Daten von Kants Biographie weisen doch Ähnlichkeiten mit denen von Romanheld Iswall auf. Der Roman ist spannend und informativ gleichzeitig, Der Leser kann mitfiebern, wie Robert Iswall immer tiefer in die Vergangenheit eintaucht und sich dadurch auch Veränderungen in seinem gegenwärtigen Leben ergeben. Kants erster Roman, erstmals veröffentlicht im Jahr 1965 zeigt auf kritische und unterhaltsame Weise, wie das Leben in der genannten Zeit ausgesehen haben kann. Es geht um mehr als nur die Vorbereitung auf eine Rede. Wichtiger erscheinen Kant Begriffe wie Freundschaft und Liebe, Gefühle und Zusammengehörigkeit. Ein sehr empfehlenswerter Roman, dessen Aktualität noch lange nicht abgelaufen ist.
Ein LiteraturschatzUnser Verhältnis begann als Pflichtlektüre im Schulunterricht. Das ist mittlerweile 17 Jahre her. Auch ich war Student auf einer ABF, allerdings auf einer spätsozialistischen, die für das befreundete Ausland vorbereitete. Trotzdem, es war tiefste DDR und Pflichtlektüre eine Qual.
Nicht so hier. Eine lebendige Geschichte, wunderbare Sprache, ein kritischer Blick. Das Gefühl, dass man eben doch sagen kann, was wann will ohne dass es gleich an den Grundfesten dieses Landes rütteln muss. Erneuern, überdenken ...
Kurz darauf war das Ländle Geschichte. Versunken im Staub der Zeit. Und viele Erinnerungen mit ihm. Nur "Die Aula" bleibt. Behühtet, x-mal mit mir umgezogen, voller Bleistiftgekritzel an den Rändern. Immer wieder gelesen. Und gestaunt, wie ich mich selbst und meine Sicht auf die Welt verändere im Spiegel dieses Buches.
Lesebefehl!!
erzählkunst!wer dieses buch liest, sollte gewahr sein,
dass er im bunde ist mit zig tausenden, die diesen "schinken" (freundlich) auf dem lehrplan hatten.
dies als einstieg.
"die aula" geht jedoch weit über den status der belehrungsliteratur hinaus. trotz ideologischer färbung ist es jederzeit lesbar, nein, es lebt von der großen erzählkunst kants. einmal ins rollen gekommen, entstehen charaktere, szenerien, nichts drängt sich auf, bleibt jedoch für immer haften. bilder, wie gemalt, die sich still als abziehbild auf der hirnrinde plazieren, um im verunsicherungsfall wieder zu rate gezogen zu werden.
die aula, ein ort, ein forum, der sich bedeutungsschwanger in so manchem kopf eines ehemaligen pioniers, fdj'lers oder auch abf'lers als erinnerungsfragment eingenistet hat. hier fanden die unbegreiflichsten aktionen, die heiteren momente, das dümmlichste gehabe des staatsbürgerlichen geschehens statt. hermann kant zeigt hier den versammlungs-, veranstaltungsraum einer arbeiter- und bauern- fakultät auf, angelehnt an seine greifswalder zeiten.kant war einer der großen in diesem engen land. seine politischen entscheidungen müssen nicht immer die richtigen gewesen sein. sein werk ist jedoch über die ddr hinaus beachtenswert.
Höchst LesenwertDieser Klassiker der DDR-Literatur (und der DDR-Schullektüre) erhält trotz einiger Abstriche alle 5 möglichen Sterne, obwohl dieses Buch in der Tat ideologisch zum Teil hundertzehnprozentig Linientreu ist, obwohl selbst Stalin stets über alles gelobt wird (auch als Vorbild, was das Halten von Reden betrifft), obwohl man die Ideologie in der Tat mit erhobenem Zeigefinger eingetrichtert bekommt, obwohl man sich selbst bei DDR-Tabuthemen wie Republikflcuht stets der angepassten Bewertung, die letztendlcih immer stattfindet, sicher sein kann, obwohl alle Zweifel am System sofort dialektisch bekämpft werden und obwohl man sich eigentlich bei jedem Abschnitt genau denken kann, wie ein Deutschunterricht zu dieser Lektüre in der DDR ausgesehen ahben mag (als Austauschschüler aus dem Westen hatte ich das Vergnügen noch 1990 eine Lektürestunde zur "Aula" mitzuerleben - mit ideologisch nun aufgeschmissenem und ratlosem Lehrer und ungemein aufmüpfigen Schülern). Trotzdem 5 Sterne, denn dieses Buch ist enorm gut gemacht, hervorragend geschrieben, von Anfang bis Ende ein reiner Lesegenuss - und das muss Grund genug sein (wer würde Brecht ablehnen, weil er Marxist ist - außer Adenauer?). Und historisch ist dieses Buch unersetzbar; man erfährt so vieles über die DDR wie aus keinem Handbuch. Zwischen den Zeilen lesen will gelernt sein. Viel Spaß dabei!
Brockhaus-1809: Immanuel Kant · Immanuel Kant
Brockhaus-1911: Aula · Kant-Laplacesche Theorie · Kant
DamenConvLex-1834: Kant, Immanuel
Eisler-1912: Kant · Kant, Immanuel
Herder-1854: Aula · Kant
Kirchner-Michaelis-1907: Kant-Laplacesche Kosmogonie
Meyers-1905: Aula · Kant-Laplacesche Theorie · Kant
Pierer-1857: Nieder-Aula · Ober-Aula · Aula [1] · Aula [2] · Kant