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Sie war doch in Europa wie die fremde Blume, die sich nächtlich nur erschließt, weil dann in ihrer Heimath der Tag aufgeht.«
Arnims Erzählung 'Isabella von Ägypten' wurde bereits von anderen Romantikern als dessen Meisterwerk gefeiert. Heine lobte den bunten Reigen fantastischer Geschöpfe und riet in der 'Romantischen Schule' den Franzosen zu einer Übersetzung der Erzählung, da in »sämmtlichen französischen Schauergeschichten [â?¦] nicht soviel Unheimliches zusammengepackt [ist], wie in jener Kutsche, die Arnim von Brake nach Brüssel fahren läßt«. Auch die Gebrüder Grimm waren angetan von Arnims erzählerischem Reichtum.
»Ich zähle sie«, so Wilhelm Grimm am 6. Mai 1812 an Arnim nach der Übersendung der 'Isabella von Ägypten', »zu dem schönsten und eigenthümlichsten, was Du jemals gedichtet, ich weiß wenige Dichtungen, die einem so viele wunderbare Bilder vor die Seele stellen, und ein Maler könnte reich daraus werden, besonders gilt mir das von dem Anfange.«
Arnim - der große Geisterbeschwörer"In sämtlichen französischen Schauergeschichten ist nicht soviel Unheimliches zusammengepackt wie in jener Kutsche, die Arnim von Brake nach Brüssel fahren lässt", schreibt Heinrich Heine in der "Romantischen Schule" über Arnims Novelle; über den Arnimschen Witz sagt Heine sehr richtig: "Manchmal ist Arnim witzig, und wir müssen sogar lachen; aber es ist doch, als wenn der Tod uns kitzle mit seiner Sense."
"Isabella von Ägypten" ist eine entschieden sonderbare Erzählung: makaber, poetisch, anrührend und gespenstisch. Auf jeden Fall aber: große Literatur.
Die dunkle Seite Achim von Arnim`s Carl Joachim Friedrich Ludwig von Arnim war neben Clemens Brentano der Dichter und Hauptvertreter der Heidelberger Romantik. Er entstammte einer preussischen Adelsfamilie und lebte von 1781 bis 1831 in Schloss Wiepersdorf. Zu seinen wichtigsten Werken gehört die Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" und die hier vorliegende Erzählung. Dramen, Novellen, Erzählungen, Dichtungen, Romane und journalistische Arbeiten sind von ihm bekannt.
Der Text dieser Einzelausgabe folgt dem Erstdruck im Rahmen der "Novellensammlung von 1812" zeichengenau in Orthographie und Interpunktion. Eingriffe in den Originaltext wurden nur bei offensichtlichen Satzfehlern vorgenommen. In eckigen Klammern sind Konjekturen und Verdeutlichungen des Herausgebers angegeben. Die Textanordnung und Schriftgestaltung geben in modifizierter Form die originale Situation wieder.
Achim von Arnim`s Novelle "Isabella von Ägypten ist zweifellos eine seltsame Erzählung. Sie verbindet verschiedene Elemente miteinander, wobei man nicht ermessen könnte, dass sie funktionieren. Die Geschichte von Kaiser Karls des fünften erster Jugendliebe ist von romantischem, hintersinnigem und manchmal auch schwermütigem Charakter. Auf der anderen Seite ist sie auch düster-grotesk, phantasievoll. Die eingesetzte Sprache ist kunstvoll, poetisch, und in seltenen Situationen sogar ironisch und witzig. Diese Symbiose ist ein Risiko, dennoch ist sie geglückt und vielleicht genau aus diesem Grund etwas Besonderes.
Extravagant ist, wie Arnim seine Dichtung in den Kontext wahrer historischer Ereignisse versetzt und bestimmte historische Figuren miteinbringt. Indem er Dichtung und Authentizität zu einem Bild verdichtet, wird aus Fakten und Fiktion ein Bild geschaffen, das auf sonderbare Weise surreal und realistisch zugleich wirkt. Das mag daran liegen, dass einer Dichtung Ziel immer eine gewisse künstlerische Reinheit sein sollte. So vermittelt es den Eindruck, dass die geschichtlichen Aspekte in der Erzählung bewusst in eine Form gezwängt wurden, damit Ideen und Umsetzung überhaupt erst möglich wurden. Dabei stellt man sich als Leser die intensiven Bilder nur zu gerne mit einer Gewissheit vor, dass es doch so passiert sei, was an der Ästhetik der Erzählung an sich liegt.
An Ende der Lektüre findet sich eine kurze Bemerkung zur Textgestaltung, ein Glossar, Daten zu Leben und Werk des Autors und ein Briefwechsel über diese Geschichte, welcher sich zwischen Arnim den Brüdern Grimm zutrug. Bedauerlich ist, dass das Glossar keine Seitenhinweise aufweist. Ein Vorwort gibt es auch nicht.
Fazit: Kunstvolle, anspruchsvolle und aussergewöhnliche Literatur mit nicht optimaler Ausstattung.