Bestellen bei Buecher.de! Preis: 4,00 €
Bestellen bei Amazon.de! Neu ab 3,50 €, gebraucht ab 0,89 €.
Neue Bücher bestellen bei: Buch.de.de, Buch24.de, Bol.de, Libri.de, Thalia.de
Gebrauchte und neue Bücher bestellen bei: AbeBooks.de, Booklooker.de
O wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eines von meinen Idealen. Und dann und dann noch unendlich Viel der Art.«
Büchners Lustspiel, das zunächst nicht recht in seine Werkbiographie passen möchte, offenbart die Brüchigkeit einer zeitlosen Idylle und die Abgründe der Heiterkeit nur dem, der unter die Oberfläche sieht. Mit diesem Stück gelingt dem Autor eine differenzierte Parodie literarischer Werke von der Commedia dell Arte bis Shakespeare.
Dabei verzichtet Büchner auch hier nicht auf seine radikal modernen Grundthemen: Der Überdruss und Weltekel finden sich in 'Leonce und Lena' ebenso wieder wie die Determination des menschlichen Lebens, die die einander Vorbestimmten auf der Flucht vor ihrer Zusammenführung vereint.
Anspielungsreiche KomödieMit "Leonce und Lena" hat Georg Büchner ein Stück geschrieben, das auf den ersten Blick wie eine typische romantische Komödie anmutet, sich jedoch schnell auch als bissiges Porträt der Zeit um 1830 entpuppt. Das Leben des jungen Kronprinzen Leonce ist geprägt von Langeweile und melancholischen Phasen, bis er sich entschließt, das Schloss zu verlassen, um der von seinem Vater geplanten Hochzeit mit Prinzessin Lena zu entgehen. Auf der Flucht treffen Lena und Leonce durch Zufall aufeinander und verlieben sich - ohne voneinander zu wissen, wer sie sind. Erst als sie inkognito vermählt werden, müssen beide erkennen, dass sich genau das erfüllt hat, wovor sie eigentlich geflohen sind. Büchners Stück ist ein wahrer Katalog von literarischen Zitaten und Verweisen, den zu durchdringen am Anfang etwas mühsam ist. Der relativ kurze Text verschließt sich einer eindeutigen Interpretation. Er bietet mit seinen zahlreichen Anspielungen bei jedem Lesen neue Eindrücke und gilt heute als eine der wichtigsten Komödien der deutschen Literatur.
Worte, dem Zufall überlassen und doch trefflich Aus Geldnot hatte Büchner (*1813) dem Cotta-Verlag den für ein Preisausschreiben geforderten Ein- bis Zweiakter eines Lustspiels zugesandt, allerdings zu spät. Die Veränderung in späteren Jahren zum Dreiakter erschien 1838, ein Jahr nach seinem Tod.
Ein skurriles Stück, man spürt eine Lust Büchners an Worten, Sätzen, Parodien und Querverweisen auf die Literatur. Ein Narrenstück, könnte man meinen, wo doch schon Shakespeare das Intro gab aus "Wie es Euch gefällt". Und diese übernommene Botschaft vermag der Anlass der Parodie, der Persiflage gewesen sein, über die Lächerlichkeit und Langeweile einer höheren Gesellschaft zu schreiben, deren höchste Beschäftigung, Müßiggang heißt und deren beste Fertigkeit das Nichtstun ist. Spritzige Bemerkungen unterlässt Büchner an keiner Stelle, übertreibt jedoch nicht, sondern verfällt passend in die Beschreibung der Nachlässigkeit der Personen in Verbindung mit deren freien Willen. Über Langeweile: eine der schönsten Beschreibungen in der Literatur ist hier zu finden. Und gleichzeitig ist die Aktion dagegen eine Kopfgeburt wunderbarer und phantastischer Freiräume, die es gilt auch mit Gedanken der Leere zu füllen. (vgl auch Rede von W. Genazino zur Verleihung des Büchnerpreises) Über Liebe: eine Beerdigung im Kopf. Aber man sollte sich Zeit für die Liebe nehmen, oder "die Zeit kann uns die Liebe nehmen."
Eingebettet sind all die Gedanken und Wortspiele in ein Spiel der Liebe. Angelehnt aber contrapunktiert an Shakespeares Romeo und Julia sollen zwei Menschen Leonce, Prinz aus dem Reiche Popo und Lena, Prinzessin aus dem Reiche Pipi, miteinander verheiratet werden, die sich nicht lieben, geschweige denn kennen. Beide ergreifen unabhängig von einander die Flucht, treffen per Zufall aufeinander und verlieben sich im ersten Augenblick, wo das Paradies für die beiden auf die Erde kommt. Verkleidet, als genialer Streich des Müßiggängers Valerio, treffen sie auf die Menge der Wartenden und Verzweifelten mangels Brautpaar und der König vermählt sie vermeintlich stattdessen ihrem Wunsch entsprechend, weil er sich eh eine Hochzeit (die ursprüngliche) vorgenommen hatte. Und siehe, Leonce wird erkannt, Lena ebenso und die, die in Unkenntnis des Anderen vermählt werden sollten, sind nun aus freien Stücken, nachdem sie sich haben lieben gelernt, verheiratet worden. Der Zufall überspielt die Konvention der gesellschaftlichen und standesgemäßen Bestimmung aber letztendlich beweist er sie doch. Büchner verzichtet auf eine dramatische Herleitung aller Figuren und Handlungen, spontan und unvermittelt fegen die Geschehnisse nur so dahin. Alles mündet mit der Hochzeit in die marionettenhafte Vorsehung, einem Uhrwerk gleich
Insgesamt eine grandiose Persiflage auf die unnütze und lächerlich erscheinende obere Gesellschaft, die Frankreich bereits 1789 abgeschafft hatte. In Vorbereitung auf die deutsche Revolution 1848 in der Zeit der Romantik geschrieben, doch recht unromantisch in der Ausrichtung, vergleicht man dieses Stück mit dem Eichendorffschen Taugenichts (1826), dafür für eine bessere Welt des Denkens auf den zweiten Blick plädierend wie Voltaires Candide (1759), doch nicht in Konsequenz des Tun (Candide: Wir müssen unseren Garten bestellen.) sondern mit der Zementierung des Nichtstuns durch ein "Dekret" (Valerio) und der Zerstörung der mechanischen Zeit zugunsten der "Blumenuhr", wie der natürlichen Zeiten zu einem "ganzen Jahr zwischen Rosen und Veilchen" (Leonce).
Wortwitz und Zitate führen Büchner in diese Welt. Ein Spaß, der aus Geldmangel entstand, verfeinert wurde und heute noch gegen Langeweile und übertriebene gesellschaftliche Konventionen positioniert und sicherlich zu den bekanntesten und wichtigsten Komödien der deutschen Literatur zählt. Lesenswert!
Entlarvung der HerrschendenBüchner überzieht den Adel mit beißendem Spott. Das Volk wird von einem despotischen Vollidioten (König Peter) regiert, dessen "Königreich" nicht viel größer ist als ein Golfplatz (man kann vom Schloss aus das Minireich übersehen).
In herrlich-komischen Szenen entlarvt Büchner, dass an der Spitze der Gesellschaft schmarotzende Hohlköpfe stehen - die allerdings von ihren Untertanen unbedingten Respekt verlangen.Der Sohn es Königs (Leonce) kommt um vor höfischer Langeweile - und klopft vor allem dumme Sprüche. Und für so einen verzogenen, Snob müssen sich die Bauern kaputtschuften.Leonce soll mit der Prinzessin Lena zwangsverheiratet werden. Sie ist nicht viel besser als das restlichen höfischen Parasiten und hat kein Gefühl für ihr Volk: "Es kommt mir ein entsetzlicher Gedanke: ich glaube, es gibt Menschen, die unglücklich sind, unheilbar, bloß weil sie sind".
Die Masse des Volkes litt im 19. Jahrhundert unter der skrupellosen Ausbeutung und Gewalttätigkeit ihrer Herrscher - und je bedeutungsloser ein solcher Herrscher war, desto brutaler presste er seine Untertanen aus.Im Deutschland des Jahres 1836 - zum Entstehungszeitpunkt der Komödie - fieberte Deutschland der bürgerlichen Revolution entgegen. Frankreich hatte mit der Feudalherrschaft schon 1789 kurzen Prozess gemacht und gegen den Despoten Napoleon gab es Aufstände. In Deutschland gärte es, doc Büchner sollte die Revolution von 1848, die er sich sehnlichst herbeiwünschte und für die er auch politisch arbeitete,nicht mehr erleben.Leonce und Lena wurde zum ersten Mal erst 1913 am Münchner Residenzteater aufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt herschte in Deutschland nach der verlorenen Revolution von 1848 immer noch ein Kaiser im Bund mit einem Bürgertum, dass zu feige war, eine bürgerliche Revolution durchzuführen.
1913 muss Büchners Stück also noch die gleiche zersetzende Kraft besessen haben wie im Jahr seiner Entstehung.5 1/2 Jahre nach der Aufführung war es dann endlich soweit: in einer Arbeiterrevolution wurden die verfaulten Reste des Feudalismus weggefegt. Damit die bürgerliche Demokratie Wirklichkeit werden konnte, musste erst eine andere Klasse die revolutionäre Führung übernehmen: Arbeiter und Arbeiterinnen.
Die Liebe und das LebenEine unglückliche Liebe, die nichts voneinander weiß, sich auf die Flucht begibt, um zwangsverheiratet zu werden und tatsächlich festzustellen, dass es die Richtigen getroffen hat. Im Reiche Popo regiert die Posse. Im Reiche Pipi sieht es nicht besser aus. Dazwischen: die Regierung, ein absurder Staatsrath. Auch die Geistlichkeit in Gestalt des Hofpredigers kommt nicht glimpflich davon. Erfahren, weise erscheint nur die zweite Reihe zu sein. Valerio, die Gouvernante, Rosetta wissen, wen sie vor sich haben und bedienen sich ihrer. Büchner hat ein groteskes Bild eines Hofes gezeichnet. Mit seiner wunderbaren Sprache gelingt es ihm ein Märchen zu erzählen, dass beinah gleichzeitig mit dem Woyzeck entsteht. Hier wie da spiegelt er die Gesellschaft, setzt sie der Lächerlichkeit aus. Doch im Gegensatz zum Woyzeck, wo es tödlich endet, geht Leonce und Lena versöhnlich aus. Bei Shakespeare trinken Romeo und Julia Gift. Das ist auch eine Tragödie. Bei Büchner sitzt das Gift im Amüsement. Die Liebenden finden wie Gefangene zu ihrem Glück, müssen sich von nun an Regeln zu beugen. Trotzdem läßt Büchner uns die Hoffnung, dass sie es vielleicht eines Tages anders machen werden.
Ziemlich seltsamBüchners einziges Lustspiel ist nur auf den ersten Blick lustig. Geschrieben für einen Wettbewerb, wobei er allerdings den Einsendeschluß verpaßte und sein Werk ungeöffnet zurückbekam, erinnert das Stück an seine frühere Flugschrift "Der Hessische Landbote". Sarkastisch betrachtet er die Sinnlosigkeit höfischer Rituale und die allgegenwärtige Langeweile.Die Geschichte handelt von Prinz Leonce und Prinzessin Lena, die unbekannterweise miteinander verheiratet werden sollen. Die beiden fliehen kurz vor ihrer Hochzeit und treffen sich durch Zufall und ohne einander die Identität preiszugeben. Schließlich werden sie am Hofe verheiratet und geben sich zu erkennen.Da Büchner jeder Anwandlung von Spannung entgegenarbeitet, ist das Stück eigentlich ziemlich seltsam und langweilig. Während es in "Woyzeck" um die Entleerung der Sprache geht, geht es hier um die Entleerung von Handlungen. Aus heutiger Sicht ist das Lustspiel recht unverständlich. Die Gesellschaftskritik spürt man nicht so stark wie in "Woyzeck", da hier die zweite Partei, nämlich die armen Bauern, nur am Rande eine Rolle spielt. Das Fehlen eines Gegenüberstellens nimmt dem Stück heutzutage an Schärfe, auch wenn zu damaliger Zeit eine solche Beschreibung des Hofes Provokation genug war. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Brockhaus-1911: Buchner [2] · Büchner · Buchner
Herder-1854: Büchner · Buchner
Meyers-1905: Büchner · Buchner
Pagel-1901: Buchner, Ernst · Buchner, Max · Buchner, Ludwig Andreas · Buchner, Hans Ernst August · Büchner, Ludwig
Pataky-1898: Büchner, Luise · Büchner, Louise
Pierer-1857: Büchner · Buchner
Schmidt-1902: Büchner, Johann Carl Friedrich · Buchner, Carl Christian