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Du sollst Vater und Mutter ehren! Jedes Kind kennt das biblische Gebot, aber nicht jedes hält sich daran. Familienkonflikte gibt es seit Menschengedenken, sie liefern ein unerschöpfliches Thema für die Literatur. Anhand eines Spektrums von Texten vom Alten Testament bis zu den Stücken Heiner Müllers entwirft Peter von Matt eine Typologie der Beteiligten an diesen dramatischen, häufig blutigen Auseinandersetzungen.
weitgefächerte, wichtige UntersuchungPeter von Matt hat es - wie schon in "Liebesverrat" - hier wiederum faszinierend verstanden, ein Motiv durch weiteste Räume der Literaturgeschichte zu verfolgen. Er beginnt im Alten Testament und endet in der Literatur der 90er Jahre dieses Jahrhunderts. Was ihm dabei an Erkenntnissen sozusagen im Vorbeigehen gerinnt, gehört zum Faszinierendsten, was die Literaturwissenschaft der letzten Jahre zu bieten hat. Zwei Beispele: Allein die Untersuchungen über Droste-Hülshoff sind bahnbrechend, die Interpretation des kafka'schen Briefs an den Vater gehört zum in jeder Hinsicht Unerhörtesten der letzten Jahre. Wer dies Buch nicht gelesen hat, ist selbst schuld.
Unterhaltsame und lehrreiche LiteraturgeschichteIch habe dieses Buch bestellt, weil der Titel interessant klang, doch als ich es dann in Händen hielt, folgte zuerst einmal die große Enttäuschung: Die Angaben im Inhaltsverzeichnis sind bestenfalls kryptisch, schlimmstenfalls handelt es sich bei dem Buch ein verquastes Machwerk. Doch als ich dann mit Lesen begann, mußte ich meine Meinung radikal ändern: In jeder Zeile spürt man Peter von Matts profunde Kennerschaft nicht nur der deutschsprachigen, sondern der Weltliteratur - und er ist sich auch nicht zu fein, "banale" Unterhaltungsliteratur einzubeziehen. In einer Tour de Force durch die Weltgeschichte der Literatur, ausgehend von König David und seinem Sohn Absalom, analysiert er bekannte und unbekannte Werke unter dem Aspekt einer zerstörerischen Eltern-Kind-Beziehung. Das macht nicht nur Appetit aufs Neu- und Wiederlesen, sondern man lernt auf sehr unterhaltsame Weise viel über die Wirkungsweise von Literatur, und die Neuinterpretationen des Autors verblüffen. Allerdings ist der Stil nicht ganz einfach, man sollte über Erfahrung im Lesen wissenschaftlicher Texte verfügen.