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In den Wirren der Räterepublik verschwindet in München der Journalist Meiniger. Nachdem sein Leiche gefunden wird, beginnt Inspektor Kajetan mit höchst gefährlichen Recherchen. Offenbar war Meiniger dabei, die Hintergründe des Attentats auf Kurt Eisner aufzudecken.
Morde im revolutionären München 1919"Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski" von Robert Hültner (btb 72144, Erstauflage Verlag Georg Simader Frankfurt/Main 1995) ist ein historischer Kriminalroman, der 1919 in der Münchner Räterepublik handelt. Kajetan, ein gemütlicher Inspektor der Münchner Kriminalpolizei, untersucht eine Brandstiftung, bei der ein Mensch ums Leben gekommen ist. Dabei sollte offensichtlich die Wohnung eines Journalisten, der nicht auffindbar ist, zerstört werden. Auf der Suche nach dem verschwundenen Eugen Meininger, der bald ermordert aufgefunden wird, kommt Inspektor Kajetan zum Schluß, daß der Fall mit den letzten Recherchen des Journalisten zu tun hat. Wie sich herausstellt kam Meininger den Hintermännern des tödlichen Attentats auf den bayrischen Republikspräsidenten Kurt Eisner auf die Spur. Detail um Detail fügt Inspektor Kajetan zusammen, wobei er immer tiefer in die Wirrnisse der Räterepublik - in der Stadt München regiert das Chaos, politische Gruppen kämpfen um die Vorherrschaft, die Machtverhältnisse ändern sich schneller als die Zeitungen berichten können - eindringt. Dabei entdeckt er - wie vor ihm der Journalist - ein ausgedehntes Verschwörernetz von Geheimbünden und Freicorps und kommt der Wahrheit imme näher. Als er sie kennt, gerät er durch Verrat in Lebensgefahr, aus der ihn der Zufall errettet. Alles in allem ein spannender Kriminalroman für historisch Interessierte, der zu Recht den "Deutschen Krimipreis 1995" bekam.
dichter, spannender deutscher GeschichtskrimiWer sich ein wenig mit den Anfangsjahren der Weimarer Republik - besonders der Räterepublik in Bayern - auskennt, für den bietet dieser Roman ein dichtes Bild jener Monate des Jahres 1919. Aber auch, wer weniger aus historischem Interesse an diesen Krimi geht, wird belohnt mit einem ergreifenden und bis zuletzt spannenden Buch. Das antidemokratische Treiben der Freikorps und rechten Zirkel im winterlichen München, die gelungene Schreibe von Hültner, das alles zieht in den Bann. Inspektor Kajetan - eine sympathische bayerische Alternative zu glattgeklopften Commissarios, die in Venedig ihren Job versehen oder zu englischen Mittelalter-Krimis.
Herausragender KrimiDas wirklich herausragende an diesem Krimi ist der wohldosierte geschichtliche Hintergrund und die Glaubwürdigkeit der Protagonisten. Zu spüren ist auch das Machtvakuum und der latente Militarismus nach dem 1. Weltkrieg. Robert Hültner hat den Krimipreis verdient, denn er erzählt eine gut konstruierte Kriminalgeschichte ohne sich sozialkritische Nebensätze zu verkneifen, gerade vor dem Hintergrund eines zu Ende gegangenen Krieges, dessen Folgen -wie immer- die sogenannten "einfachen Menschen" tragen müssen, während im Hintergrund der Stab der Macht in die üblichen Hände übergeben wird.
Ja, so sans halt die Bayrischen"Koslowski" ist nach "Die Godin" der zweiter Hültner-Krimi, den ich gelesen habe. Und wieder war ich erstaunt und fasziniert, wie eindrucksvoll Hültner Charaktere beschreibt, sie zum Leben erweckt und - manchmal - sterben bzw. verrecken lässt. Seine Sprache ist präzise, manchmal poetisch und immer schnörkellos schön.Arme Leut sind arme Leut, da gibt es keine Sozialromantik. Ein widerwärtiger verschlagener Batzi wird schonunglos als solcher dargestellt, und man möchte ob der groben Dummheit, die Kajetan entgegenschlägt, in die Geschichte springen und zuschlagen. Und ein armer Tropf, der mit Liebe oder Armut oder Verlust geschlagen ist, der zerreißt einem das Herz. Hültner ist ein herausragender Schriftsteller und Porträtist der bayrischen Seele, die nicht immer schön anzusehen ist, aber so sans halt die Bayern.P.S. Warum in den Büchern vorne nicht darauf hingewiesen wird, dass sich hinten für Nicht-Bayern ein Glossar befindet, ist mir gänzlich unverständlich. Deshalb hier der Hinweis von mir.
...eigentlich nur für GeschichtsinteressierteWenn man sich für die münchener Zwischenkriegszeit interessiert, dann eine gute Geschichte (abgesehen von der Schilderung der "Riemerischen" -> fand ich langweilig). Wenn man dann noch Münchener ist, sieht man die Handlungsstätten plötzlich mit anderen Augen (Promenadeplatz/Kardinal-Faulhaber-Str., Prannerstr., usw). Aus dieser Sicht 4 Sterne.
Aber für jemanden ohne geschichtliches Interesse (soll's ja bekanntlich auch geben), sorry, nicht empfehlenswert. Denn den Mordfall an sich, find ich nicht gerade prickelnd. Aus dieser Sicht vielleicht 2 Sterne, um nicht zu hart zu sein.
Wie war denn der Deutsche Krimipreis begründet ? Weiß nicht, ob ich dafür unbedingt 'nen Preis verleihen würde ?