Behringer, Wolfgang

Hexen

Hexen
  • Verlag: C.H.Beck
  • Erscheinungsdatum: 2009-06-17
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 118
  • ISBN: 3406418821
  • EAN: 9783406418822
  • Amazon.de Verkaufsrang: 207.978
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Beschreibung von buecher.de

Der Glaube an Hexen ist weltweit verbreitet - auch heute noch. In beinahe allen Kulturen gab oder gibt es Menschen, die glauben, dass bestimmte Personen mit Hilfe magischer Kräfte Nutzen oder Schaden stiften können. Wolfgang Behringer, einer der führenden Experten zur Geschichte der Hexenverfolgung, schildert in diesem Band knapp und präzise die Traditionen des Hexenglaubens, die Zeit der großen Prozesse und Hinrichtungen in Europa sowie die spätere Rezeption und Vermarktung. Und auch die heutige Stiuation wird nicht ausgespart.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Andreas Reich fanden 33 von 38 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ausgewogene Darstellung eines brisanten Themas

Das Thema der europäischen Hexenverfolgung in Spätmittelalter und Früher Neuzeit genießt ungebrochene Popularität. Wolfgang Behringer, einer der Experten der zeitgenössischen Hexenforschung, versucht mit diesem Buch einen allgemeinen Überblick über die Materie zu geben.

Das Buch selbst gliedert sich in vier thematische Abschnitte: "Hexenglaube" (1) untersucht Vorstellungen von Hexerei, Magie und Zauber im interkulturellen Vergleich. Diese finden sich in nahezu allen Kulturen und sind mindestens seit der Antike überliefert, stellen also kein spezifisch europäisches, mittelalterliches Phänomen dar. Der Autor weist anhand verschiedener ethnologischer Arbeiten nach, dass mit diesem Phänomen in verschiedenen Gesellschaften ganz unterschiedlich umgegangen wurde. Großangelegte Hexenjagden sind außerhalb Europas jedoch relativ selten, auch wenn in jüngerer Zeit in Gegenden Afrikas dazu Negativbeispiele angeführt werden können.

"Hexenverfolgung" (2) gibt einen kurzen Überblick über die Herausbildung des Hexentopos ab etwa 1400. In dieser Zeit bildete sich aus Teilen antisemitischer Vorurteile, Ketzereivorstellungen und älterer Ideen von Zauberei und Magie das Bild der Hexe. Als fatal für diese Entwicklung erwies sich sicherlich, dass die Kirche, die lange Zeit dieser Vorstellung distanziert und skeptisch gegenüber gestanden hatte, nun ihre Ansichten änderte. Doch widerspricht es der Komplexität des Themas, hier eine einheitliche Meinung zu unterstellen. Hexereivorstellungen wurden innerkirchlich diskutiert und oft auch von Geistlichen bekämpft. Nur zu oft wurden die Prozesse vom Volk gefordert, und die Obrigkeit kam diesem Bedürfnis nach. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist der Verweis auf die kleine Eiszeit im 16. Jh., die ein Erklärungsmuster für vergleichbare überregionale Entwicklungen in der Verfolgungsgeschichte trotz bestehender kultureller Schranken bietet.

"Kampf gegen Hexenverfolgung" (3) hingegen beschäftigt sich mit dem Widerstand, den es zu allen Zeiten gegen die Verfolgung der Hexen und Zauberer gab. Interessant ist hierbei, dass sich die Positionen keinen Gruppen zuordnen lassen. Kritik und Befürwortung kamen von allen Seiten. Gerade die Relativierung der Verantwortung der Institutionen betone jedoch im Gegenzug die je individuelle Schuld oder Verdienste.

"Verwertung und Vermarktung" (4) schließlich zeichnet die erneute Veränderung der Vorstellungen von der Aufklärung bis zur Gegenwart nach. Hexen wurden von Grimm als Bewahrerinnen des deutschen kulturellen Erbes romantisiert, von den Nazis als Opfer der jüdisch-christlichen Kultur postuliert und, daran anknüpfend, im Feminismus als "weise Frauen" zu Leitfiguren der Bewegung stilisiert.

Die Arbeit überzeugt durch Faktenreichtum, allgemeine Verständlichkeit und übersichtliche Gliederung. Angenehm fällt die Ausgewogenheit der Darstellung auf, mit der das Thema angegangen wird, ohne unnötig zu skandalisieren. Den Richtlinien der Reihe entsprechend finden sich im Text zwar keine Fußnoten; durch Nennung der Namen und unter Benutzung der sehr umfangreichen Literaturangabe sollte es allerdings kein Problem darstellen, entsprechende Fakten zu finden. Wer bereits andere Werke des Autors gelesen hat wird hier vermutlich wenig Neues entdecken (aber das ist ja auch nicht der Sinn). Der Empfehlung tut dies jedoch keinen Abbruch, denn hier bekommt man eine sehr gute Einführung in ein schwieriges Thema.

Diese Rezension von angelschnur fanden 27 von 32 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Hop oder Top?!?

Wirklich spaßig hier die bislang abgegebenen Rezensionen zu vergleichen...

Die Hexen waren eines meiner Magisterprüfungsthemen, so daß ich gezwungen war, mich mit verschiedensterlei Lektüre dazu auseinanderzusetzen. Dabei war diese knappe Zusammenfassung des enormen Wissens von Prof. Behringer eine unglaublich gute Hilfe. Alleine die angehängte Literaturliste und Zeittafel sind Gold wert. Wer aber populistische Stimmungsmache sucht, ist hier tatsächlich an der falschen Adresse.

Diese Rezension von L. Sforza fanden 24 von 29 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine gute Einführung in das Thema

Ich kann die letzten zwei Kritiken zu dem Buch nicht verstehen, da es einen guten Überblick zur Forschung bietet.

Dann ist es natürlich auch nicht das Verschulden des Autoren, wenn Leute nicht den typischen Klischeemist aufgetischt bekommen, den sie anscheinend immer wieder verlangen.

Es wurde angemerkt, dass Herr Behringer sich besser mit den Quellen hätte auskennen sollen: meiner Meinung nach, sowie die eines Großteils der Historiker, beweist Herr Behringer gerade hier seine Kompetenz, denn wer die Quellen kennt, wie z.B. die jeweiligen Protokollakten, wird festellen dürften, dass es in den meisten Fällten weltliche Gerichte waren, die mit Hexenverfolgung zu tun hatten. Und das in Ländern wie Italien und Spanien die Zahl gerade niedrig bis nahezu verschwindend ist, obwohl die Inquisition da sitzt (nur mal dazu, dass es sowieso nicht DIE Inquisition gab, man kann mindestens drei Unterscheiden: Die mittelalterliche Inquisition, die römische Inquisition und Indexkongregation, sowie die spanische Inquisition, die im Übrigen staatlich-monarchisch war, also nicht mit Rom zu tun hatte.)ist nun mal von den Quellen her belegt und keine Schönrederei!

Sorry, für alle die hier in ihrem Klische nicht bestätigt werden. Wer solche Bücher sucht, sollte besser wieder zur Populärliteratur greifen!

Diese Rezension von arschmitohren fanden 20 von 27 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine Lanze für dieses Buch

Mir ist die Kritik an dem Buch nicht erklärlich. Ich fand es sehr gut geschrieben und auch sehr verständlich, und es wiederholt glücklicherweise nicht den von selbsternannten Hexen gepflegten Mythos von den "Millionen Opfern der Hexenverfolgung" und auch die Statistiken sind im Zusammenhang mit dem Text ganz einfach zu entschlüsseln. Ich weiß nicht, wo die Schwierigkeit liegt, die andere mit dem Buch haben. Wer eine kurze, bündige und sachliche Einführung zum Thema Hexen haben möchte (mehr können die Bücher dieser Reihe nicht leisten) ist hiermit allerbestens bedient.

Wer jedoch irgendeinen pseudo-heidnischen, ideologisierten Glaubenskitsch mit "wir armen verfolgten Hexen"-Attidüte erwartet (a la Freya Aswynn oder Starhawk) wird das Buch niemals gefallen können.

Diese Rezension fanden 12 von 17 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Wissenschaftliche, "unsentimentale" Einstiegslektüre.

Dieses Buch ist nichts für "Spiris" und Magier, für Zauberinnen und Heilkundige, die weitere Anregungen suchen! Wolfgang Behringers Hexenbuch ist eine unkomplizierte und trotzdem niveauvolle, informative und zügig zu bewältigende Basis für alle "wissenschaftlich" Herangehenden - Anthropologen, Historiker, Sozialwissenschaftler,... - denen Lexika zu wenig zum Thema zu bieten haben und spezielle Sach- und Fachbücher zu viel oder zu viele Details. Dabei geht es dem Autor nicht nur um die Hexenverfolgungen in Europa im 15. bis 17. Jahrhundert, sondern auch um die recht aktuell empirisch und statistisch nachweisbaren Zusammenhänge zwischen Missionierung in Afrika und Südamerika, Krisen und "Verteufelung" einzelner als Sündenbock. Besonders interessant ist die Betrachtung über die Entstehung der Hexerei und des Hexenbegriffs; denn es hat keineswegs immer "die Hexe" gegeben. In der Zeit des frühen Christentums zum Beispiel hat die Kirche den Glauben an Zauberer und Zauberinnen und Zauberei/Magie als Irrglauben abgetan; wer glaubte, es gebe Menschen, die Übersinnliches zustande brächten, ohne dies durch die Hilfe Gottes zu tun, der sei kein guter Christ. Die Kirche verteidigte teilweise sogar die verfolgten Außenseiter und schützte sie in Klöstern vor den wütenden Gegnern, die diese für Krankheiten und Unfälle verantwortlich wissen wollten. Für Augustinus (354-430) war jede Form der Superstition oder Magie mit Teufelspaktieren gleichzusetzen; Buchard von Worms (965-1025) hielt dagegen Leute, die sich zu solcherlei fähig fühlten, für Verblendete, "arme Irre" sozusagen, derer man sich mitleidsvoll annehmen müsse. Der "Hexenhammer" stilisierte dann bestimmte Menschen zu Hexen und diese zu Mitgliedern einer großen Verschwörung, einer Art teuflischen Gegenkirche. Der Hexenglaube reifte und artete grausam aus. Auf das Kapitel der Hexenverfolgung folgt eines über die Gegner dieser Bewegung, z.B. Friedrich Spee oder Adam Tanner. "Verwertung und Vermarktung" klingt vielleicht erstmal als Kapitelüberschrift etwas merkwürdig; damit ist aber ein wichtiges Element der Hexenidee und Hexenverfolgung angesprochen: Vom ausgehenden Mittelalter bis heute profitieren bestimmte Menschen davon, wenn andere an Hexen und Hexerei glauben. Bei Behringer kommen auch die selbsternannten Hexen der 80er und 90er Jahre nicht ungeschoren davon; er ordnet sie zwischen New Age-Bewegung und feministischen Strömungen ein und steht ihnen unverhohlen skeptisch gegenüber - aus rein "aufklärerischem" und "wissenschaftlichem" Blickwinkel. Wie man diesen Ansatz auch finden mag: Insgesamt kann das kleine Buch eine wissenschaftlich fundierte Basisinformierung leisten; Literaturverweise zu den angesprochenen Themenbereichen ermöglichen weitere Orientierung. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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