Heym, Stefan

Radek

Radek
  • Verlag: btb Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2005-09-26
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 576
  • ISBN: 344273360X
  • EAN: 9783442733606
  • Amazon.de Verkaufsrang: 110.587
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Beschreibung von buecher.de

In den Mittelpunkt seines Romans stellt Stefan Heym die schillernde, widersprüchliche Gestalt des in Polen geborenen jüdischen Kommunisten Karl Bernhardowitsch Radek. Als leidenschaftlicher Revolutionär, glänzender Journalist und charismatischer Politiker zählte Radek zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Dritten Internationale. 1937 wurde er in der Sowjetunion Opfer des stalinistischen Terrors, nachdem er, der Vertreter eines freiheitlichen Sozialismus, in Konflikt mit dem offiziellen kommunistischen Regime geraten war.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Heyms bester Roman!

"Radek" ist, nachdem ich bereits einige andere Werke von Heym gelesen habe, für mich der beste Roman! Besonders zu empfehlen für all diejenigen, die sich außerdem für die Ereignisse ab der Oktoberrevolution bis zum Stalinismus interessieren. Die führende Riege der russischen bzw. dann sowjetischen Politik wird aus nächster Nähe beleuchtet, wobei die Figur Radek wohl etwas zu positiv dargestellt wird. Trotzdem erhält man einen sehr guten Einblick in die Mechanismen des Stalinismus und lernt die näher kennen, die bei den entscheidenden Ereignissen dabei waren. Heym macht deutlich, wie selbst die intellektuellsten Köpfe gegenüber dem rohen Machtmenschen Stalin scheitern (und es oftmals nicht einmal bemerken).

Diese Rezension von Horst Werner fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Leben und Sterben eines Revolutionärs

Entlang der Lebensgeschichte Karl Radeks, der schon in jungen Jahren zum Revolutionär und Agitator wurde, erzählt Stefan Heym von den Erfolgen und Niederlagen der revolutionären Arbeiterbewegung, vom Imperialismus in seiner übelsten Form, vom Opportunismus der SPD und von der menschenverachtenden Politik Stalins und dessen Gefolgsleuten.Der Intellektuelle Radek scheitert trotz seines überaus taktischen Verhaltens, trotz seiner rethorischen Raffinesse, seiner Entschlossenheit und seiner Stärke an der rohen Gewalt des stalinistischen Systems.

Wollte man in den 70iger und 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts etwas über die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung erfahren, war man angewiesen auf tendenziöses Material, meist aus dem Umkreis der SED oder der KPDSU. Sehr selten erfuhr man etwas über die wirklichen Ursachen der gescheiterten Revolution von 1918 in Deutschland oder die Gründe für die oft sektirerische Politik der KPD in der Weimarer Zeit. Die Politik Stalins lag weitgehend im Dunkeln.

Heym schreibt mit diesem historischen Roman Geschichte neu, indem er den Leser an den kritischen Fragestellungen und Diskussionen teilhaben läßt. Überrascht erleben wir, wie oberflächlich offenbar Entscheidungen von größter Tragweite getroffen wurden und wie Chancen gerade auch in Deutschland verpasst wurden. Heym schildert die großen Persönlichkeiten der Linken mit all ihren Defizieten. Obwohl der Leser weiß, dass manches erfunden ist,klingt das Beschriebene glaubhaft, auch die fiktiven Dialoge zwischen Radek einerseits und Lenin bzw. Stalin andererseits. Aus der Distanz heraus kann man heute nur den Kopf schütteln über soviel Unvernunft, Rechthaberei, hohles Pathos und irrwitzige politische Verrenkungen der Protagonisten.

Heym gelingt ein dichter, sehr gut lesbarer Roman, der jedem politisch interessierten Leser empfohlen sei. Der geneigte Leser erhält Material, um auch den eigenen politischen Standort zu vermessen.

Zudem ein Gegenmittel gegen krankhaft übersteigerte Glückserwartung, die manche Menschen bezogen auf utopische politische Systeme antizipieren.

Diese Rezension von ludwigwitzani fanden 1 von 4 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Geschichte eines Opportunisten

Unter den zahlreichen unsympatischen Figuren der bolschewistischen Machtergreifung in Russland zählt der Agitator und Journalist Karl Radek aus Lemberg zweifellos zu den Unsympathischsten. Umso interessanter ist es zu sehen, auf welche Weise ein freiheitlich denkender Sozialist wie Stefan Heym mit diesem Thema umgeht. Um es gleich vorweg zu sagen: mit großer, großer Sympathie, die so weit geht, dass Heym sogar den kaum noch überbietbaren speichelleckerischen Opportunismus Radeks in der Stalinzeit als einen Akt des subversiven Widerstandes umdeutet. Trotzdem ist das sehr flüssig geschriebene Buch durchaus mit Gewinn zu lesen, und das gleich aus zweierlei Gründen. Zunächst wird trotz der unübersehbaren Sympathie des Autors für seinen Protagonisten die Grundbefindlichkeit des so genanten kommunistischen Intellektuellen der Zwischenkriegszeit so deutlich herausgearbeitet, wie kaum jemals sonst. Es ist das Nebeneinander von selbstgerechter moralische Überheblichkeit und erbärmlicher Feigheit, wenn es gilt,

für seine lauthals propagierten Werte auch persönlich einzustehen. Darüber hinaus vermittelt das Buch eine Reihe historischer Miniaturen, die man derart flott erzählt so auch noch nicht gelesen hat: etwa die Geldschiebereien zwischen dem deutschen Generalstab und den Bolschewiki im Vorfeld des Oktoberputsches, die Atmosphäre der

Friedensverhandlungen von Brest Litowsk, die vergeblichen kommunistischen Aufstände des Jahres 1923 und das lange Zeit recht auskömmliche Leben eines Bolschewikenpromis aus der zweiten Reihe. Am Ende aber , als Stalin fest im Sattel sitzt, aber nützen Radek auch die extremsten Bücklinge nichts mehr. Nachdem er in einem der Moskauer Schauprozesse seine ehemaligen Mitstreiter wie verlangt belastet und damit dem Henker anheim geliefert hat, wird er selbst zu zehn Jahren Gulag verurteilt, die er nicht überlebt. Alles in allem ein

interessantes Buch - wenn auch ganz und gar aus der sozialistischen Innenperspektive geschrieben, nach der Stalin nur ein Betriebsunfall und keine notwenige Folge des bereits im Ansatz antidemokratatischen Leninismus war. Dementsprechend auch kein Wort über die Leiden des so genannten Klassenfeindes, kein Mitgefühl für Millionen ermordeter Kulaken - aber großer Jammer über einen gescheiterten ideologischen Traum, dem eine ganze Epoche zum Opfer fiel.

Diese Rezension von ludwigwitzani fanden 0 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Bolschewismus aus der Innenperspektive

Unter den zahlreichen unsysmpatischen Figuren der bolschewistischen Machterfgreifung in Russland zaehlt der Agitator und Journalist Karl Radek aus Lemberg zweifellos zu den Unsympatischsten. Umso interessanter ist es zu sehen, auf welche Weise ein freiheitlich denkender Sozialist wie Stefan Heym mit diesem Thema umgeht. Um es gleich vorweg zu sagen: mit grosser, grosser Sympathie, die so weit geht, dass Heym sogar den kaum noch ueberbietbaren speichelleckerischen Opportunismus Radeks in der Stalinzeit als einen Akt des subversiven Widerstandes umdeutet. Trotzdem ist das sehr fluessig geschriebene Buch durchaus mit Gewinn zu nlesen, und das gleich aus zweierlei Gruenden. Zunaechst wird trotz der unuebersehbaren Sympathie des Autors fuer seinen Protagonisten die Grundbefindlichkeit des sogenanten kommunistischen Intellektuellen der Zwischenkriegszeit so deutlich herausgearbeitet, wie kaum jemals sonst. Es ist das unverbundene Nebeneinander von selbstgerechter moralische Ueberheblichkeit und erbaermlicher Feigheit, wenn es gilt, fuer seine lauthals propagierten Werte auch persoenlich einzustehen, Darueber hinaus vermittelt das Buch eine Reihe historischer Miniaturen, die man derart flott im Karl May Stil erzaehlt, so auch noch nicht gelesen hat: etwa die Geldschiebereien zwischen dem deutschen Genralstab und den Bolschewiki im Vorfeld des Oktoberputsches, die Atmosphaere der Friedensverhandlungen von Brest Litwosk, die vergeblichen kommunistischen Aufstaende des Jahres 1923 und das lange Zeit recht auskoemmliche Leben eines Bolschewikenpromis aus der zweiten Reihe. Am Ende, als Stalin fest im Sttel sitzt, aber nuetzen Radek auch die extremesten Buecklinge nichts mehr. Nachdem er in einem der Moskauer Schauprozesse seine ehemaligen Mitstreiter wie verlangt belastet und damit dem Henker anheim geliefert hat, wird er selsbt zu zehn Jahren Gulag verurtelt, die er nicht ueberlebt. Alles in allem ein interessantes Buch - wenn auch ganz und gar aus der sozialistischen Innensperspektive geschrieben, nach der Stalin nur ein Betriebsunfall und keine notwenige Folge der bereits im Ansatz linkstotalitaeren leninistischen Praxis war. Dementsprechend auch kein Wort ueber die Leiden des sogenannten Klassenfeindes, kein Mitgefuehl fuer die Miilionen ermordeter Kulacken - aber grosser Jammer ueber einen gescheiterten ideologischen Traum, dem eine ganze Epoche zum Opfer fiel.

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